Der Haifisch, der hat Zähne – auch im Kino und in der Glotze

Fast wäre der letzte Megalodon in der Hölle der vergessenen Drehbücher untergegangen. Aber nach einigem Hin und Her hinter den Kulissen läuft die Verfilmung des Romans von Steve Alten nun endlich im Kino. Erste Stimmen von Kritikern und Zuschauern zu “Meg” klingen allerdings eher verhalten. Vor allem die Entscheidung, aus einer blutigen Monster-Geschichte ein vergleichsweise harmloses Unterwasser-Abenteuer mit einer Freigabe ab zwölf Jahren zu machen, scheint dem Film eher geschadet als genutzt zu haben. Das sieht sogar Hauptdarsteller Jason Statham so.

Dabei sind Filme mit mörderischen Haien fast schon ein eigenes Genre – und gerade im Trash-Sektor überaus beliebt. Nach einem Abstieg in die düsteren Tiefen der privaten Filmsammlung kommt hier aus Anlass des “Meg”-Filmstarts die ultimative Retrospektive als Hommage an den vermeintlichen Killer der Meere.

2-Headed Shark Attack (2012): Was ist besser als ein Riesenhai? Richtig: ein Riesenhai mit zwei Köpfen. Und weil im C-Film immer gilt “viel hilft viel”, gibt es natürlich auch “3-Headed Shark Attack” (2015), “5-Headed Shark Attack” (2017) und “6-Headed Shark Attack” (2018). Weshalb “4-Headed Shark Attack ausgelassen wurde, bleibt eines der ungelösten Rätsel der sieben Weltmeere.

“47 Meters Down” (2017): Im Gegensatz zu den meisten neueren Hai-Filmen bemüht sich diese Unterwasser-Variante von “Frozen” (2010 – nein, nicht der Disney-Zeichentrick) immerhin um ein originelles Setting. Die beiden Protagonistinnen sind nämlich in einem Hai-Käfig gefangen und haben keine Aussicht, nach oben zu gelangen. Nun dienen Hai-Käfige zwar dazu, die Fische, nach denen sie benannten wurden, fernzuhalten, aber im Horrorgenre geht natürlich schief, was schiefgehen kann…

“Bait 3D – Haie im Supermarkt” (2012): Wer sich fragt, wie Haie ausgerechnet in einen Supermarkt kommen, versteht offenbar nicht die bewusste Anlehnung an ähnliche Ausgangssituationen in Zombie-Filmen. Ein Tsunami macht’s möglich (glücklicherweise kein “Sharknado”), und der Film ist durchaus für manchen Schockmoment gut. Bei Supermarktbesuchen ja eher unüblich.

“Creature” (1998): Im Original ist die verquere Geschichte um einen irren Wissenschaftler, der aus seinem Sohn eine Mischung aus Mensch und Hai macht, eine Miniserie. In unseren Breitengraden ist ein Zusammenschnitt als Film auf DVD erschienen. Effekte und Story verorten den Angriff der Kreatur als eindeutiges Produkt der 90er Jahre. Und das ist ausnahmsweise kein Lob.

“Deep Blue Sea” (1999): Die zu Unrecht viel gescholtene Geschichte um genetisch modifizierte Haie, die in einem Meereslabor aufräumen, ist tatsächlich ein straff inszenierter Actionfilm. Dahinter stecken schon Hirn und Herz – und man bekommt den kürzesten Auftritt von Samuel l. Jackson, den dieser jemals hingelegt hat, ehe Thomas Jane und LL “Cool” J. das Ruder übernehmen. Vermeidet aber die grottige Fortsetzung “Deep Blue Sea 2” (2018), die bis auf den Titel nichts mit dem Original zu tun hat.

“Dinoshark” (2010): Ein prähistorischer Hai frisst alle, die er trifft.

“Empire Of The Sharks” (2017): In naher Zukunft ist die Erde komplett mit Wasser bedeckt. Das freut die Haie, die alle fressen, die sie treffen.

“Ghost Shark” (2013): Der Geist eines Hais frisst alle, die er trifft.

“Hai-Alarm am Müggelsee” (2013): Absurd, grotesk, saulustig und mit der Musik von Sven Regener.

“Hai-Alarm auf Mallorca” (2004): Ralf Moeller porträtiert in diesem Sozialdrama fein nuanciert den Hubschrauberpiloten Sven Hansen, der auf der Ferieninsel Mallorca hart arbeitet, um seine Tochter Maja (Ooana Devi Liebich) zu versorgen. Als er der Meeresbiologin Julia Bennet (Julia Stinshoff) begegnet, erkennt er, dass es im Leben mehr gibt als Krafttraining und Zigarren. Zum Beispiel den Kampf gegen einen riesigen Hai, der Touristenführer und Touristen frisst. Aber was hat die sinistre Wissenschaftlerin Dr. Verena Brandauer (Katy Karrenbauer) damit zu tun? Und wer hält Jeanette Biedermann (Jeanette Biedermann) vom Singen ab, während Hansen den Hai jagt?

“Hai Attack” (2011): Ein Hai ignoriert den dämlichen deutschen Titel und frisst in einem Sumpf alle, die er trifft.

“Ice Sharks” (2016): Haie fressen im Eis alle, die sie treffen.

“Jurassic Shark” (2012): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Es gibt zwei Fortsetzungen, die konsequenterweise “Jurassic Shark 2” (1998 als “Great White” veröffentlich, 2013 unter neuem Titel vermarktet) und “Jurassic Shark 3” (2002 als “Megalodon” veröffentlicht, 2013 unter neuem Titel vermarktet) heißen und keine Fortsetzungen sind.

“Mega Shark versus Giant Octopus” (2009): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Kraken.

“Mega Shark gegen Crocosaurus” (2010): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Saurier.

“Mega Shark versus Mechatronic Shark” (2014): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen künstlichen Hai.

“Mega Shark versus Kolossus” (2015): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Roboter.

“Monster Shark” (1984): Eines der unerträglichen “Jaws”-Plagiate der 80er Jahre. Hat sich seinen Eintrag in diese Liste jedoch erobert, weil immerhin relativ früh eine obskure Monstermischung den Antagonisten gibt: Krake plus Hai (fehlgeschlagenes Militärexperiment, klar).

“Open Water” (2003): Man kann über diesen Film geteilter Meinung sein. Einerseits ist schon was dran, wenn Kritiker unken, letztlich sehe man anderthalb Stunden zwei Menschen beim Sterben zu. Andererseits sind es ja oft gerade minimalistisch angelegte Filme, die wegen ihrer reduzierten Geschichte eine besondere Spannung erzeugen: verbissener Cop im Hochhaus, verfolgtes Opfer in der leeren Wohnung, verzweifeltes Paar im Sessellift… Aus sowas lässt sich einiges rausholen. Hier werden zwei Taucher allein und verloren auf dem Meer zurückgelassen. Allein. Verloren. Ohne Boot. Auf dem großen, dunklen Ozean. Und irgendwann kommen die Haie. Es gibt eine angebliche Fortsetzung namens “Open Water 2” (2006), die das um den Umstand ergänzt, dass die Protagonisten nicht auf ihr Boot zurückkehren können. Beide Filme sind beklemmend, aber sehenswert.

“Planet Of The Sharks” (2016): In naher Zukunft ist die Erde komplett mit Wasser bedeckt. Das freut die Haie, die alle fressen, die sie treffen.

“Sand Sharks” (2011): Haie fressen im Sand alle, die sie treffen.

“The Shallows” (2016): Nancy Adams (Blake Lively) sieht aus wie ein Unterwäsche-Model und benimmt sich wie ein Smartphone-süchtiger Teenager, ist aber laut Drehbuch eine Medizinstudentin. Auf der Suche nach Ablenkung angesichts eines Trauerfalls in der Familie gerät sie in eine abgelegene Bucht in Mexiko. Als ihr ein hungriger Hai Gesellschaft leistet, stellt sie fest, dass sie außer Bikini, Surfbrett und Telefon vielleicht noch eine Harpune ins Handgepäck hätte schmuggeln sollen. Andererseits wäre dieser Film dann nicht so spannend, wie er tatsächlich ist. Das einstige “Gossip Girl” schlägt sich wacker, und der relative Realismus macht dieses schaurige Kammerspiel zu einem echten Hai-light.

“Shark In Venice” (2008): Venedig sehen und sterben – die Opfer der offenbar fehlgeleiteten Titelfigur nehmen dieses Motto allzu wörtlich. Einmal mehr ist es der ungewöhnliche Schauplatz, der diesen Tierhorror aus der Masse vergleichbarer Filme hervorhebt. Wann dreht jemand “Haie in Amsterdam”?

“Sharknado” (2013): Ein Tornado voller Haie sorgt für Chaos.

“Sharknado 2 – The Second One” (2014): Ein Tornado voller Haie sorgt für noch mehr Chaos.

“Sharknado 3 – Oh Hell No!” (2015): Ein Tornado voller Haie sorgt für viel mehr Chaos.

“Sharknado – The 4th Awakens” (2016): Mehrere Tornados voller Haie sorgen für Chaos.

“Sharknado 5 – Global Swarming” (2017): Mehrere Tornados voller Haie verursachen den Weltuntergang.

“Shark Night” (2011): Junge, attraktive Haie treffen auf blutrünstige, garstige Menschen – ach nee, das ist ja die Realität. Hier ist es natürlich wie immer umgekehrt. Die Bandbreite der Hai-Sorten ist so beeindruckend wie jene der originellen Todesarten. Klarer Fall für einen hai-meligen Filmabend.

“Sharktopus” (2010): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft.

“Sharktopus vs. Pteracuda” (2014): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft. Dann kämpft sie gegen eine Mischung aus Saurier und Barracuda.

“Sharktopus vs. Whalewolf” (2015): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft. Dann kämpft sie gegen eine Mischung aus Wal und Wolf. (Heilige Scheiße…)

“Snow Sharks” (2012): Haie fressen im Schnee alle, die sie treffen.

“Supershark” (2011): Ein unbesiegbarer Megalodon frisst alle, die er trifft.

“Tintorera – Meeresungeheuer greifen an” (1977): Zwölf Jahre alt war der Autor, als er mit schreckgeweiteten Augen vor dem Plakat dieser englisch-mexikanischen Co-Produktion stand. Diese wurde nämlich mit reichlich Abstand zu ihrer Kinopremiere auf Video veröffentlicht und mit einem absurd-blutigen neuen Titelbild versehen. Der Film selbst ist vergleichsweise harmlos (das erfuhr der Verfasser erst sehr viel später) und setzt erstaunlicherweise relativ häufig auf dokumentarische Aufnahmen der angeblichen “Ungeheuer”.

Der weiße Hai (1975): Mit diesem Klassiker fing alles an. Steven Spielberg (damals wie George Lucas noch Teil der jungen Generation innovativer Hollywood-Regisseure) inszeniert den Zweikampf zwischen Polizeichef Martin Brody (Roy Scheider) und dem großen Weißen als Hommage an die Monsterfilme seiner Kindheit, verwendet aber für damalige Verhältnisse beeindruckende Spezialeffekte und erzeugt eine kaum gekannte Spannung. Die Musik kennt jeder, den bei den Dreharbeiten “Bruce” genannten Hauptdarsteller inzwischen auch. In der Folge waren die Strände leer gefegt, die Videotheken jedoch überfüllt – mit billigen Kopien dieses Meisterwerks. Dazu zählen leider auch die drei Nachfolger – wenngleich “Jaws 3-D” (1983) immerhin auf Dreidimensionalität setzt.

“Zombie Shark” (2015): Ein untoter Hai frisst alle, die er trifft, und macht sie zu Zombies.

Nichts ist unmöglich: “Mission: Impossible – Fallout” hängt die Konkurrenz locker ab

Superagent Ethan Hunt (Tom Cruise) ist eigentlich zu menschlich für seinen Job. Im Zweifel entscheidet er sich dafür, sein Team zu beschützen und die Rettung der Welt danach anzugehen. Sein Chef Alan Hunley (Alec Baldwin), Leiter der Spezialeinheit IMF, sieht diesen Wesenszug jedoch als Vorteil. Der klotzige CIA-Killer August Walker (kongenial besetzt: Henry Cavill), der Hunt zur Seite gestellt wird, ist hingegen das genaue Gegenteil. Gemeinsam sollen der mit allen Wassern gewaschene Draufgänger und der großmäulige Hüne den Anarchisten Solomon Lane (Sean Harris) zur Strecke bringen, bevor dieser die eingangs erwähnte Welt mit gestohlenen Atomwaffen bedrohen kann.

Einmal mehr werden die Karten im Katz-und-Maus-Spiel um Hunt also neu gemischt. Gut, dass er sich auf seine inzwischen eingespielten Mitstreiter verlassen kann: die gerissene Ilsa Faust (Rebecca Ferguson), das Technik-Ass Benji Dunn (Simon Pegg) und den Veteranen Luther Stickell (Ving Rhames). In den Gassen von Paris und den Bergen von Kashmir liefern sich Spione und Terroristen eine wilde Verfolgungsjagd, während die Fäden ein geheimnisvoller Unbekannter im Hintergrund zieht. Als seine Ex-Frau Julia (Michelle Monaghan) bedroht wird, wird es für Ethan persönlich. Und mal wieder scheint seine Mission unmöglich zu meistern zu sein…

Wow! Mit jedem neuen Action-Kracher, den Hollywood auf die Leinwand bringt, werden neue Superlative bemüht. Die aufregendste Szene. Die spektakulärsten Bilder. Noch nie gesehene Ideen. Und jedesmal denken selbst erfahrene Cineasten: Das war’s – mehr geht nicht. Die sechste “Mission: Impossible” nun legt die Messlatte für künftige Streifen dieses Genres noch einmal höher. Versprochen: Es gibt in diesem Film tatsächlich mindestens eine Szene, die man so noch nie gesehen hat. Und die einem den Atem raubt.

Das war streng genommen bei den Vorgängern kaum anders: Man erinnere sich nur an Tom Cruise’ Stunt am Burj Khalifa in “Phantom Protokoll”. Die Reihe wird spätestens seit dem dritten Teil immer sehenswerter, und das verdankt sie in erster Linie ihrem ehrgeizigen Hauptdarsteller und Produzenten. Der umstrittene Scientologe mag ein fragwürdiger Charakter sein, aber für seinen Job gibt er immer 100 Prozent – und das sieht man. Cruise ist eine getriebene Kampfsau, er geht dahin, wo’s weh tut. Buchstäblich: Während der Dreharbeiten zu “Fallout” verletzte er sich beim Sprung von einem Hochhaus zum anderen am Bein und humpelte weiter. Die Szene blieb im Film. Das Ergebnis dieses Ehrgeizes ist einer der besten Actionfilme der vergangenen Jahre – da verzeiht man Cruise gerne Gurken wie “Die Mumie”.

Zu keiner Sekunde langweilig, atemberaubend gefilmt und voller Ideen: “Fallout” ist verdammt nah an der Perfektion. Was diese verhindert? Kleinkram. Beispielsweise agiert “Superman” Henry Cavill mit seinem tapfer verteidigten Schnauzer gewohnt hölzern. Seinen Walker hätte “Beißer” Richard Kiel nuancierter angelegt. Und ein, zwei überraschende Twists scheinen doch etwas sehr weit draußen. Das trübt den Gesamteindruck jedoch wirklich nur minimal. Seit 23 Jahren tobt Ethan Hunt mittlerweile durchs Kino und wird dabei besser und besser.

Unterdessen hört man aus London ein lautes Schluchzen, eher geschüttelt als gerührt.

Auf die Größe kommt’s nicht an: “Ant-Man And The Wasp”

Haben wir ihn übersehen, weil er so winzig ist? Nein, Scott Lang alias Ant-Man (Paul Rudd) hat in “Avengers: Infinity War” tatsächlich als eines von zwei Teammitgliedern nicht mitgespielt. Sein zweiter Solo-Film füllt nun die Handlungslücke: Nachdem er in “Civil War” an der Seite von Steve Rogers (Chris Evans) über sich hinausgewachsen ist, wird Lang dieser Einsatz als Verbrechen ausgelegt. Ausgerechnet der geläuterte Meisterdieb ist erneut mit dem Gesetz in Konflikt geraten und zu Hausarrest verdonnert worden.

Als er wieder Kontakt zu seinem Mentor Henry Pym (Michael Douglas) und dessen Tochter Hope van Dyne (Evangeline Lilly) aufnimmt, ist es für Scott mit der relativen Ruhe im Gewahrsam bald vorbei. Dabei will er ebenso wenig ein Held sein wie ein Ganove – zumal neue Abenteuer nicht recht konform gehen mit seiner Fürsorge für Töchterchen Cassie (Abby Ryder Fortson). Da es jedoch um Hopes verschollene Mutter Janet (Michelle Pfeiffer) geht und Pyms früherer Partner “Goliath” Foster (Laurence Fishburne) ins Spiel kommt, wird Lang einmal mehr zum insektengroßen Superhelden – immer auf der Flucht vor den Behörden, denen gegenüber er den reumütigen Verurteilten gibt. Cassie erteilt ihm ihren Segen: “Vielleicht brauchst du einfach einen Partner.” Und so ist Scott nicht der einzige Verbrecherjäger im Miniaturformat…

Es ist und bleibt die große Stärke des Marvel Cinematic Universe, einerseits massenkompatible Geschichten von hohem Unterhaltungswert und vor relativ realistischem Hintergrund zu erzählen, andererseits aber souverän die echten Fans zufriedenzustellen. Diesmal werden Comic-Leser unter anderem die Bezüge zum Verhältnis von Janet und Hank erkennen sowie sich über eine vielsagende Andeutung freuen. Und eine beliebte Nebenfigur aus dem ersten “Ant-Man” bekommt mehr Zeit auf der Leinwand.

Zum Film selbst: Jeder MCU-Streifen (und auch jede Serie) zerrt ein eigenes Genre ins große, komplexe Universum. Diesmal ist es tatsächlich familientaugliches Abenteuerkino: Das Treffen des Ameisenmanns und der Wespe ist zu keiner Minute langweilig, aber eben auch zu keiner Minute tatsächlich dramatisch. Die Actionszenen sind gewohnt großartig gemacht, aber eben auch eher lustig als spannend. Oder anders: Man sollte sich klar machen, dass die Abenteuer von Scott Lang deutlich mehr mit “Die Reise ins Ich” zu tun haben als mit dem “Punisher”. “Ant-Man And The Wasp” ist kleiner, leichter, lockerer als “Infinity War”.

Nun kommt es ja nicht auf die Größe an, deswegen ist das völlig in Ordnung. Es ist auch wie erwartet sehenswert. Es wendet sich jedoch möglicherweise an die jüngeren unter den Marvel-Fans – wie bereits “Spider-Man: Homecoming”. Schon erstaunlich, was man aus dem Spiel mit Größenverhältnissen alles rausholen kann. Und schön, dass sich Paul Rudd auf seine Comedy-Wurzeln besinnen darf.

Doch jetzt kommt’s: Es gibt in diesem farbenfrohen Gewusel eine Ausnahme. Eine Szene ist es, die das Ganze dann doch dramatischer macht. Und gleichzeitig die große Hintergrundgeschichte weitererzählt. Aber davon soll an dieser Stelle natürlich nichts zu lesen sein. Es bleibt spannend. Auch nach dem Kinobesuch.

Blick auf den bunten Herbst – noch mehr Trailer von der Comic-Con

Nachdem wir hier bereits den ersten Schwung der neuen Trailer von der Comic-Con 2018 gezeigt haben, gibt’s noch ein paar. Der Herbst wird bunt (und der kommende Frühling offenbar auch).

Der Film: Aquaman
Der erste Eindruck: Zu bunt, zu viele Effekte – wird DC im Kino den Rest geben.

Der Film: Shazam
Der erste Eindruck: Zu bunt, zu viele Witze – okay, der wird DC im Kino den Rest geben.

Der Film: Godzilla – King Of The Monsters
Der erste Eindruck: Dürfte etwas weniger poetisch sein, aber immerhin sieht man was.

Der Film: Glass
Der erste Eindruck: Macht aus “Unbreakable” und “Split” die lang erwartete Trilogie.

Die Serie: Fear The Walking Dead – Staffel 4
Der erste Eindruck: Der Cowboy lebt! Yeehaa!

Die Serie: Star Trek: Discovery – Staffel 2
Der erste Eindruck: Immer noch ein bisschen zerrupft…

Die Serie: Arrow – Staffel 7
Der erste Eindruck: Alles beim Alten in Star City.

Die Serie: Legends Of Tomorrow – Staffel 4
Der erste Eindruck: Gewohnt bunt, könnte auch gewohnt unterhaltsam werden.

Die Serie: The Flash – Staffel 5
Der erste Eindruck: “Ich bin deine Tochter!” – “Neeeiiin!”

Die Serie: Supergirl – Staffel 3
Der erste Eindruck: Wie immer geht es um das ganz Große – bisschen ermüdend.

Drei Ausblicke auf den Serien-Herbst

Knapp ein Jahr nach dem letzten Weihnachts-Special, das den Abschied von Peter Capaldi und Steven Moffat mit sich brachte, startet auf BBC One die elfte Staffel von “Doctor Who”. Allen Kleingeistern, die sich an der neuen Besetzung der Titelrolle stören, hält Autor und Produzent Chris Chibnall entgegen: “Ich habe ein klares Verständnis davon, was wir tun.” Jodie Whittaker wird als 13. Inkarnation des Zeitreisenden rocken, das deutet der erste Trailer zur neuen Season an. Sie ist der Doktor – ab Herbst werden das auch die letzten Zweifler verstehen.

Zweifel sind eher angebracht, was die neue Serie aus dem Hause DC angeht: “Titans” erzählt die Geschichte des gleichnamigen Superheldenteams, bestehend aus jungen Comic-Charakteren. Dem Vernehmen nach spielt das Ganze im “Arrowverse”, also in der gleichen fiktiven Welt wie “Arrow”, “Flash”, “Legends Of Tomorrow” und “Supergirl”. Die Ästhetik ist daher gewohnt bunt, die Story vermutlich ebenso gewohnt doof. Könnte trotz klarer Bezüge zum Teenie-Drama notfalls ganz unterhaltsam werden – weil eine Blutspur dunkler als die anderen DC-Serien – und ist ab Herbst zunächst nur auf dem hauseigenen Kanal zu sehen.

Etwas konkreter wird der ewige Konkurrent Marvel, was de Ausstrahlungstermin der zweiten Staffel von “Iron Fist” angeht: Ab 7. September kann sie auf Netflix gestreamt werden. Die erste war besser als ihr Ruf, Finn Jones dürfte sich in der Titelrolle inzwischen etabliert haben, und dem Trailer nach zu urteilen wird in Sachen sehenswerter Action durchaus angezogen. Mal abgesehen davon: Es ist das Marvel Cinematic Universe. Das ist quasi automatisch gut.

Frische Kurz-Kritiken (5): The Terror

Was? Im Jahr 1846 brechen die beiden Navy-Schiffe “Erebus” und “Terror” auf, um nördlich von Kanada nach neuen Seewegen zu suchen. Die Reise endet jäh, als die beiden Segler im Packeis steckenbleiben. Untätigkeit, Hunger und Platzmangel nagen an den Seeleuten. Die Begegnung mit Eingeborenen verschärft die Situation zusätzlich: Es kommt zu Missverständnissen und Gewalt. Und dann stellen die Forscher fest, dass es zwischen nebligen Eisschollen und der dunklen Kälte der See mehr gibt. als ihre Schulweisheit sich erträumt.

Wo? in Deutschland bei Amazon Prime

Wie? “Das Boot” trifft auf “Master & Commander” – so etwa lässt sich die Ausgangssituation der atmosphärischen Romanverfilmung beschreiben. Allerdings eskaliert sie schon bald, und übernatürliche Elemente hinterlassen eine blutige Spur. Es soll an dieser Stelle nicht verraten werden, womit genau es die entsetzten Navy-Soldaten zu tun bekommen. Wer sich in der heißen Jahreszeit ein wenig abkühlen will, ist jedoch gut beraten, sich von diesem frostigen Abenteuer kalte Schauer über den Rücken jagen zu lassen. Und ein gelungenes Bild jener Ära, in der diese Story mit wahrem Hintergrund spielt, ist die Serie obendrein.

Frische Kurz-Kritiken (4): Skyscraper

Was? FBI-Agent Will Sawyer (Dwayne “The Rock” Johnson) hat sich nach einem misslungenen Einsatz aus seiner Branche zurückgezogen. Mit seiner Frau, der Miltär-Ärztin Sarah (Neve Campbell), und den Zwillingen lebt der amputierte Hüne nun im größten Wolkenkratzer der Welt in Hongkong, um dort im Auftrag von dessen Erbauer – Philantrop Zhao Long Ji (Chin Han) – für die Sicherheit zu sorgen. Diese ist allerdings akut gefährdet, als Terroristen ein Feuer legen, um den Milliardär zu erpressen. Um seine Familie, seinen Auftraggeber und das Gebäude zu retten, muss die Ein-Bein-Armee also nochmal ran. Gut, dass er immer reichlich Klebeband dabei hat…

Wo? im Kino

Wie? Man bekommt, was man erwartet: “The Rock” reißt sich für seine Lieben förmlich ein Bein aus, um in dieser tumben, aber unterhaltsamen Variante von “Stirb langsam” den Tag zu retten. Johnson weiß, was er tut – er ist clever und selbstironisch genug, um die immer gleiche Rolle nicht langweilig werden zu lassen. 90’s-Darling Neve Campbell hat erwartbar den Charme und das Talent, um an seiner Seite als überraschend passende Partnerin die bösen Buben zu vertrimmen. Und Pablo Schreiber (“Orange Is The New Black”, “American Gods”) empfiehlt sich in der Figur des zunächst undurchsichtigen – Spoiler! – Widerlings als seinem Halbbruder Liev durchaus ebenbürtig. Die eigentliche Hauptrolle spielt indes das Hochhaus, letztlich also die Spezialeffekte. Und die können sich sehen und hören lassen: Es kracht und rumpelt ordentlich, schwindelfrei sollte man außerdem sein. Ideal also für einen Kino-Abend ohne intellektuellen Anspruch oder demnächst für Heimkino mit kalten Getränken. Er humpelt auf jeden Fall souverän über die Ziellinie, dieser Wolkenkratzer unter den aktuellen B-Movies.

Frische Kurz-Kritiken (3): Preacher – Staffel 3

Was? Nach Abenteuern in seiner Heimatstadt und in New Orleans verschlägt es den schlagkräftigen Prediger Jesse Custer (Dominic Cooper) in das verrottete Kaff, in dem er seine Kindheit verbracht hat. Nach wie vor treibt ihn die Suche nach Gott um, der seinen Job derzeit ein wenig vernachlässigt. Aber auch die Sorge um seine Freundin Tulip (Ruth Negga) und der Konflikt mit seinem Kumpel Cassidy (Joe Gilgun) beschäftigen Hochwürden. Aggressive Hinterwäldler und der Zwist zweier Hexen sorgen für zusätzlichen Ärger. Gut, dass der Geistliche, die Gangsterbraut und der irische Vampir wissen, wie man hinlangt, wenn’s brenzlig wird.

Wo? in Deutschland bei Amazon Prime

Wie? “Preacher”, der Comic, ist ein grafisches Roadmovie. “Preacher”, die Fernsehserie, wirkt dagegen verhältnismäßig statisch. Eine ungewöhnliche Entscheidung, eventuell dem Budget geschuldet, aber sie bremst die Geschichte des verrückten Trios schon sehr aus. In Staffel drei bleibt alles beim Alten: Nach wie vor ist die Serie nichts für strenggläubige Katholiken. Und auch mit Gewalt und der einen oder anderen verstörenden Szene sollte man umgehen können. Custers Abenteuer sind immer bitterböse, oft düster und nie sauber. Wie ein verfilmter Johnny-Cash-Song, aufgelockert durch etwas Nine Inch Nails. Und das tut schon mal weh, wie jeder weiß…

Frische Kurz-Kritiken (2): Cloak & Dagger

Was? Tyrone Johnson (Aubrey Joseph) und Tandy Bowen (Olivia Holt) haben nicht viel gemeinsam: Er kommt aus einem wohlsituierten afroamerikanischen Elternhaus und ist ein guter Schüler, ihre Familie endete nach einigen Schicksalsschlägen als white trash, was sie auf die schiefe Bahn getrieben hat. Was die beiden nicht wissen: Es gibt eine geheimnisvolle Verbindung zwischen den Teenagern. Ausgestattet mit ungewöhnlichen Fähigkeiten, deren Macht das Duo nach und nach erforscht, verkörpern sie das Licht und die Dunkelheit, die ohne einander nicht sein können. Als sie erkennen, was ihre Berufung ist, müssen die grundverschiedenen Partner die klassischen Alltagsprobleme ihrer Generation beiseite schieben. Denn New Orleans ist das Zuhause dunkler Schatten und gleißenden Lichts.

Wo? in Deutschland bei Amazon Prime

Wie? Ein wenig überfrachtet ist sie schon, die symbolträchtige Story der beiden ungleichen Helden – das hat die Serie mit dem Comic gemein. Der Ansatz, sie in Form eines Teenie-Dramas zu erzählen, ist zudem zwar originell, schließt aber einen Großteil des Marvel-Publikums aus. Tipp: Wer sich auf den Schauplatz New Orleans und die relativ realistische Darstellung von Kriminalität konzentriert, schafft es vielleicht, allzu seifige Coming-Of-Age-Elemente zu ignorieren. Die Erzählweise ist allerdings recht ruhig: Erwartet keine knackige Action, dafür durchaus dialoglastige Szenen mit immerhin toller Kameraführung und talentierten Darstellern. Dies ist die Geschichte, wie aus Ty und Tandy nach und nach Cloak und Dagger wird, keine klassische Superhelden-Saga.

Frische Kurz-Kritiken (1): Luke Cage – Staffel 2

Was? Luke Cage (Mike Colter) ist inzwischen eine Berühmtheit. Der Ruhm schmeckt dem kugelsicheren Hünen gar nicht, er sieht seine Berufung einzig darin, weiterhin die Nachbarschaft zu beschützen. Keine leichte Aufgabe, denn alte Gegner lassen ihm keine Ruhe. Als zudem ein neuer Bösewicht (Mustafa Shakir) den Ring betritt, muss der Held von Harlem erkennen, dass Popularität auch eine Waffe sein kann. Und dass selbst er sich manchmal auf andere verlassen sollte.

Wo? Netflix

Wie? Es bleibt dabei: “Luke Cage” ist unter den Marvel-Serien auf Netflix die behäbigste. Oder netter ausgedrückt: Die Abenteuer des charmanten Kraftpakets haben einen ganz eigenen Groove. Das atmet wie die erste Staffel den Soul der 70er, das kommt in guten Momenten funky daher. Es ist aber auch nicht jedermanns Sache. Gut gemeint, auch gut gemacht ist die Serie allemal. Ob man als Zuschauer einen Zugang dazu findet, bleibt jedem selbst überlassen. Zumindest ist die Fortsetzung der Reihe wieder eine durchaus interessante Facette im bunten Marvel-Universum. It’s all connected. Manchmal stimmt das sogar.