My struggle III: Wie eine große Liebe (Akte X) stirbt

Sie war meine erste große Liebe, eine, die niemals enden wollte und sollte und auch gar nicht konnte. Denn Chris Carter hatte sie mit einem einigermaßen annehmbaren Serienende und einem schlechten zweiten Kinofilm schiedlich-friedlich irgendwie zu Grabe getragen. Mit diesem Ende konnte ich leben. Nicht alles wurde wiedergekäut, manche Dinge waren in Stein gemeißelt. Wir, sie und ich, machten uns auf, Hand in Hand Richtung Sonnenuntergang zu laufen, in das ewige Nichts des Vergessens. So konnte ich sie im Herzen tragen, meine große Liebe. Sie würde niemals sterben. Bis… ja, bis… Chris Carter, Fox und irgendwelche Irren beschlossen, sie wiederzubeleben und erneut zu töten, diesmal richtig langsam und qualvoll. Die Rede ist von, klar, Akte X, The X-Files.

Ich will mich gar nicht lange an einem Rückblick zu Staffel 10 aufhalten, doch die schmeckte im Nachgang gar nicht mehr so gut wie beim ersten Gucken. Viele Folgen waren viel zu schnell, zu verwirrend, zu unlogisch, zu wenig Akte X, viel zu wenig Mulder und Scully. Es wirkte, als wollte man in sechs Folgen packen, was man acht Jahren Pause schließlich nicht erzählen konnte. Die Mythologie war allenfalls eine Randnotiz – oder eher etliche Randnotizen. In verwaschener Schrift, einiges durchgestrichen, neu entworfen, zurückgespielt, ausradiert und so weiter. Sehr sehr frustrierend, dass Chris Carter uns am Ende wieder mit einem Cliffhanger zurückließ. Scully, die auf ein UFO blickt. Diesmal mussten es also die Aliens sein…

Ob es jemals eine elfte Staffel geben würde, war lange unklar. Dann die Erlösung: Ja, Staffel 11 kommt. Bitte, bringt den Kram doch endlich zum Abschluss. 25 Jahre, über 200 Folgen, ein Mythologie-Labyrinth ohne Ein- und Ausgang. Ich betete schon früh darum, dies möge bitte das Ende sein. Es reicht! Denn Chris Carter macht seit Jahren nur noch eins: es immer schlimmer.

Meine Erwartungen an Staffel 11 sind dementsprechend gering. Letzte Nacht also der Start mit Folge 1: My Struggle III. Diese Folge ist die Fortsetzung des ersten und letzten Teils von Staffel 10 – und auch erzählerisch steht die Folge den ersten beiden in nichts nach. Es ist hektisch, schnell, irgendwie billig, wenn Fox Mulder in einer Verfolgungsjagd einen Wagen abhängt, um diesen dann selbst zu verfolgen. Die einzige Möglichkeit, den UFO-Twist aufzulösen, ohne wirklich ein UFO zu zeigen, hat Chris Carter aus dem Ärmel geschüttelt – DAS war also durchaus vorhersehbar. Es war auch vorhersehbar, dass Chris Carter seinen Charakteren, irgendwann mal mit viel Liebe und Leidenschaft ins Leben gerufen, keine Ruhe gönnen würde.

Nach knapp 41 Minuten ist es dann auch schon wieder vorbei mit dem ersten von insgesamt zehn Intermezzos, es bleibt ein fader Beigeschmack. Wo will Chris Carter hin? Was möchte er uns noch erzählen?

Ohne zu viel vorwegzunehmen: Am Ende dieser ersten Folge setzt er die Zuschauer über eine Wahrheit in Kenntnis, von der Mulder und Scully nichts wissen. Wir werden also nun wohl eine ganze Staffel einen Wissensvorsprung vor den Hauptfiguren haben und jedes Mal darum kämpfen, nicht den Fernseher anzubrüllen, dass sie doch bitte dies oder jenes tun oder nicht tun sollen. Es ist eine Wahrheit, die einen der größten Twists der Serie auflöst, alles auf den Kopf stellt, was bisher als Wahrheit gelten konnte, alles neu erzählt. Eine Wahrheit, die Carter schon 1999 kannte, und die er uns erst jetzt mitteilen wollte. Eine unglaubliche Wahrheit. Dies könnte die Staffel retten, dies könnte sogar die Serie noch retten, der man einfach kein schönes Ende mit einem Spaziergang in den Sonnenuntergang gönnen wollte.

Unter dem Strich steht nach 41 Minuten vor allem eins: Ernüchterung. Nein, Chris Carter sollte einfach keine Folgen mehr schreiben. Er sollte endlich den Stift aus der Hand legen und andere machen lassen. Es ist leider gar nicht möglich, den Plot dieser Folge spoilerfrei wiederzugeben, daher wird an dieser Stelle darauf verzichtet. Ein paar Fakten: Scully geht es gar nicht gut, der Krebskandidat will die Menschheit auslöschen, Mulder soll das verhindern, Skinner gerät zwischen die Fronten. Der Plot um Walter Skinner könnte dabei noch der wichtigste dieser Staffel werden.

Für mich und meine große Liebe im Herzen bleibt nur eins: warten, von Woche zu Woche hangeln, hoffen, dass alles besser ist als vor zwei Jahren. Dass es endlich einen Abschluss gibt. Dass Chris Carter es danach bitte entweder sein oder seine Schöpfung mit einem Kracherfilm einfach explodieren lässt.

13 vergeudete Stunden

Die letzten fünf Folgen habe ich im Schnelldurchlauf geguckt. Heißt: die Folge lief, ich ging auf „Vorspulen“ und die Untertitel zum englischen Originalton wurden trotzdem noch angezeigt. Das hatte den großen Vorteil, dass ich zwar immer noch sah, was in der jeweiligen Szene gesprochen und getan wurde, allerdings deutlich schneller, so dass die zahlreichen zähen Momente absolut entzerrt wurden. In der letzten Folge schaute ich dann teilweise wieder in Originalgeschwindigkeit, denn ein bisschen Spannung sollte ja auch aufkommen.

Um welche Serie geht es eigentlich? Es geht um die Netflix-Serie „13 reasons why“ oder auf Deutsch (übrigens eine selten dämliche Übersetzung) „Tote Mädchen lügen nicht“.

Die Serie wird hochgelobt, las ich. Alle, die darüber schrieben, fanden es extrem spannend. Ich konnte mir noch nicht vorstellen, wie etwas spannend sein konnte, wenn der Ausgang der Geschichte schon von Sekunde eins an feststand. Ich wurde überrascht, zumindest zu Beginn. Die erste Folge ist extrem unterhaltsam und spannend. Am Ende stellt sich der Zuschauer wirklich nur eine Frage: Was ist mit Hannah Baker passiert?

Dann geht es weiter, Hannah hat insgesamt 13 Kassetten besprochen – mit Gründen für ihren Selbstmord. Ich schreibe es mal läppisch so: Die ersten 9 Gründe sind lachhaft. Die Macher legen ja großen Wert darauf, zu erklären, dass eins das andere ergab. Dass die Verkettung dieser ganzen Umstände zu ihrem Selbstmord führen.

Aber am Ende lebt die Serie oder vielmehr die Geschichte nur von den üblichen Plattitüden: Menschen, die sich schämen, über etwas zu reden. Menschen, die sich nicht zur Wehr setzen, Menschen, die sich von Lappalien verunsichern lassen. Daraus resultieren dann Missverständnisse, Zufälle, Unfälle und noch mehr Missverständnisse. Was dazu führt, dass noch weniger geredet, aufgeklärt und weiterhin missverstanden wird. Kommt einem bekannt vor? Klar, das ist der Stoff einer jeden Seifenoper. Missverständnisse schüren, Intrigen spinnen, ein Opfer an die Wand drücken. Willkommen bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

Ich will hier keinesfalls Mobbing-Opfer oder vielmehr Mobbing verharmlosen. Ich wurde selbst in der Schule gemobbt, ein ganzes verdammtes Jahr lang. Und ich sage mal so: Bis Folge 9 kann ich definitiv mit Hannah mithalten. Ernsthaft – eine Liste, auf der man mit „best ass“ geführt wird, ist ein Problem? Dann rede doch verdammt noch mal darüber. Deine Freundin erzählt Lügen über dich? Ja, das passiert nun mal?

Die Serie bleibt so atemlos und unglaublich, weil Hannah Baker zu Beginn alles überdramatisiert und diese Dinge nicht aufklärt. Sind Menschen so? Vermutlich. Aber das hier ist mir einfach zu konstruiert, zu bemüht, zu gewollt. Nach acht bzw. neun Folgen bin ich soweit, die Serie einfach nicht weiterzugucken, weil es dermaßen an den Haaren herbeigezogen ist, dass ich nicht mehr folgen will.

Dann, endlich, ziehen die Autoren, ihre Trümpfe aus dem Hut. Die wirklich schlimmen Dinge. Achtung, Spoiler: ein tödlicher Unfall, zwei Vergewaltigungen, Demütigung ohne Ende. Ja, okay, endlich hat das alles irgendwie einen Sinn. Aber hier bin ich schon an dem Punkt, an dem ich nur noch wissen will, wieso sie sich letztlich das Leben nimmt. Ich schaue also alles im Schnelldurchlauf. Clay Jensen tut mir irgendwie leid, irgendwie auch nicht, steckt er doch in der Rolle des trotteligen und unbeholfenen Freundes, der am Ende Schuld trägt, weil er Hannah nicht sagen konnte, dass er in sie verliebt ist. Ernsthaft? Ich meine: WIRKLICH?

Die Serie hat mich unzufrieden zurückgelassen. Sie ist KEIN gutes Beispiel für junge Menschen. Weder, was den Umgang mit anderen Menschen angeht, noch, was das eigene Verhalten betrifft. Vermutlich soll sie aufrütteln. Am Ende sagt Clay deutlich, dass es darum geht, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Schöner wäre gewesen, Hannah hätte diesen Menschen, die jeden Tag unter den Demütigungen ihrer Mitschüler leiden, einen Weg aufgezeigt, wie man es aus dieser Misere schafft. Indem man sich anderen anvertraut (das tut sie am Ende zwar, aber auch eher halbherzig und belässt es bei diesem einen sehr gewollten Versuch, von dem sie quasi erwartete, dass er scheitern würde), sich öffnet, mit seinen Eltern spricht, mit Lehrern – und vor allem mit der Polizei. All das tut sie nicht, wohl weil es spiegeln soll, wie es anderen Teenagern geht, die das ebenso machen. Der Ansatz bleibt trotzdem falsch.

Und trotz der ganzen Dramatik in den letzten vier Folgen bleibt der Eindruck der ersten Folgen, dass Hannah eine Drama Queen ist, sich übermäßig in alles reinsteigert, es durch Schweigen noch schlimmer macht – das macht mich derart zornig, vielleicht, weil ich damals einen anderen Weg eingeschlagen habe, dass ich dem Mädchen kaum zugucken kann. Sie nimmt 13 Kassetten auf, aber hinterlässt ihren Eltern keinen Abschiedsbrief? Geht es noch dramatischer? War das nötig?

Fazit: Nichts für mich. 13 Stunden vergeudet. Schade.

Eine Pause von den laufenden Toten

Ich fühlte mich fast ein bisschen aussätzig in den vergangenen Jahren, wenn ich auf Facebook und Twitter stets sämtliche Staffeln von The Walking Dead verteidigte.

Nein, das ist nicht langweilig. Doch, da gibt es eine Charakterentwicklung. Nein, die Handlung wiederholt sich genau genommen nicht. Ja, ich hätte auch gerne, dass sie endlich in Washington ankommen, aber die Geschichte ist immer noch spannend. 

Gebannt saß ich auch bei den Staffeln 4, 5 und 6 vor der Glotze und bingte die Folgen nur so weg. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Mir war einfach nicht klar, wie man das langweilig finden konnte. Klar, genau genommen, ist das Schema immer das Gleiche. Die Gruppe findet eine sichere Zuflucht, dann kommen böse Menschen, dann kommen viele Walker, dann gibt es Tote. Man begibt sich auf die Suche nach der nächsten Zuflucht und der Kreislauf beginnt von vorne.

Es gab ein paar Folgen, die ich tatsächlich auch damals schon extrem langweilig fand. Als die Autoren die Gruppe trennten und sich alle unabhängig voneinander auf den Weg nach Terminus machten, bin ich vor Langeweile auf dem Sofa fast eingegangen. Die Geschichte ging in Zeitlupentempo voran, aber ich hatte Vertrauen, und das Vertrauen wurde belohnt. Ja, es wurde wieder spannend.

Am Ende der sechsten Staffel jedoch, als ich erstmals den Trailer für den Auftakt der siebten Staffel sah, dachte ich zum ersten Mal: What the fuck?

Da ist Negan, okay, ein wirklich böser Mensch, noch böser als der Governor, weil völlig skrupellos und empathielos. Gut, war klar, es muss ja immer böser, skrupelloser, brutaler und abgefahrener werden, wie will man sich sonst in den kommenden Jahren noch steigern?

Dann tauchte der Tiger auf und ich schüttelte fassungslos den Kopf. Ernsthaft? Ich habe die Comics nie gelesen, sie interessieren mich auch jetzt überhaupt nicht. Es ist mir egal, ob der Tiger da auch auftaucht. Es ist einfach am Thema vorbei.

Weil ich diese Serie nun aber schon seit Jahren schaue, bin ich drangeblieben und habe mir die ersten beiden Folgen der siebten Staffel angesehen. Und zum ersten Mal denke ich: Geht es noch langweiliger? Immer und immer wieder die gleiche Geschichte. Nur brutaler muss es werden, damit die Leute nicht endgültig abschalten. Ja, ich bin vermutlich jetzt an dem Punkt, an dem andere schon vor Jahren waren. Vermutlich war es bei mir die Hoffnung auf irgendeine Neuerung.

Negans Grausamkeit ist vorhersehbar, berechenbar, unüberwindbar. Für eine lange Zeit wird Ricks Gruppe keine Chance haben, sich gegen Negan zur Wehr zu setzen. Und zum ersten Mal interessiert es mich nicht, wie sie es schaffen werden, wie lange es dauert und welche Opfer die Aktion fordern wird. Können wir bitte vorspulen?

Nach Folge eins wollte ich aber nicht aufgeben. Ein bisschen hat mich doch interessiert, was sich die Autoren für den weiteren Verlauf ausgedacht haben.

Also Folge zwei: an! Nach zehn Minuten wollte ich zum ersten Mal abschalten. Schon wieder wurde also die Gruppe getrennt, damit man die Geschichte schön in die Länge ziehen kann. Schon wieder gibt es mehrere Handlungsstränge, schon wieder sieht es so aus, als gäbe es keinen Ausweg.

Folge drei liegt seit sechs Tagen ungeguckt rum. Ich habe keine Lust. Ich weiß schon, wie es weitergeht.

Die Gruppe überlegt sich tolle Pläne. Menschen sterben. Negan bleibt ein Arschloch. Noch mehr Konflikte kochen hoch. Dummheiten passieren, Millionen Walker kommen aus dem Nichts vorbei und bedrohen Alexandria, irgendwas brennt ab. Maggie wird die Oberchefin.

Während sich in den sozialen Netzwerken alle überschlagen vor Begeisterung, weil sie hoffen, dass mit Königreich, Tiger und Negan jetzt alles besser wird, sitze ich da und denke: Ich brauche eine Pause. Ich mag nicht mehr weitergucken. Aber zum Glück muss ich das auch nicht.

Insert name here: Singles

Logo_testKlar: Mit Filmen und Serien kennen wir uns aus. Und doch haben Kartoffeln manchmal Löcher, Sitzkartoffeln also auch: Wissenslücken. Wer kennt schon jeden Klassiker? Wir jedenfalls nicht. Wollen wir aber. Also rufen wir uns gegenseitig die Titel von Meisterwerken der Filmgeschichte zu, die das Gegenüber noch nie gesehen hat. Und nun gucken muss – und darüber schreiben (natürlich ohne Google).

Markus rief: Singles

Kirstens erster Gedanke: Bunt, laut, witzig?

Nein, ich kannte nicht mal den Titel. Ich hatte die Wahl zwischen drei Filmen, die Markus mir mitgebracht hatte und entschied mich für den vermeintlich „leichtesten“ aufgrund des Klappentextes. Matt Dillon war dann auch der einzige mir bekannte Name.

Ich bin nach diesen tatsächlich relativ locker und luftig verbrachten 90 Minuten weder positiv noch negativ angetan. „Singles“ ist ein gewöhnlicher Film. Menschen Mitte 20 auf der Suche nach der großen Liebe. Irgendwie ist es eine frühe Version von „American Pie“. Nicht ganz so schlüpfrig, nicht ganz so lustig, nicht ganz so getrieben. Alles irgendwie „nicht so ganz“.

Nach etwa zehn Minuten erkenne ich eine der Hauptdarstellerinnen dann doch. Am Mund. Man glaubt es kaum. Kyra Sedgwick, der Name sagt mir tatsächlich überhaupt nichts, aber ich weiß dennoch sofort, dass das Hauptdarstellerin in „Closer“ ist – da bin ich öfter mal abends bei VOX hängengeblieben.

Die Handlung ist dann aber auch so banal, dass ich sie jetzt, knappe 48 Stunden später, schon wieder vergessen habe. Irgendwie: Kennenlernen im Club, scheues Weib, schüchterner Kerl, große Liebe, alte Verletzungen, Verliebtheit, Schwangerschaft, Verlust des Kindes, Trennung, Wiedervereinigung. So die eine Geschichte. Die andere: verliebte graue Maus, dümmlicher Pseudo-Rockstar, der sich seiner Gefühle erst klar wird, als die graue Maus feststellt, dass sie allein gar nicht mehr so grau ist.

Was mich ebenso wie in Radio Rock Revolution stört, ist, dass jedes Lied im Film etwa 20 bis 30 Sekunden angespielt wird, mehr aber auch nicht. Ich finde das extrem nervig. Wenn Musik, dann bitte wenigstens eine Minute.

Dies ist dann jetzt auch deshalb eine Kurzrezension, weil mir zu diesem Film gar nichts einfällt. Er hat mich weder vom Hocker gehauen noch hat er mich besonders entsetzt oder enttäuscht. Es ist ein mittelmäßiger Film aus den Neunzigern, wie es viele von ihm gibt. Er besticht weder durch einen außergewöhnlichen noch durch herausragende schauspielerische Leistungen. Ein „weder noch“-Film, der mich schulterzuckend zurücklässt.

Würde ich ihn noch mal ansehen? Sicherlich. Würde ich ihn anderen Leuten empfehlen? Nein, ich denke nicht.

Ich würde so gerne in irgendein Detail gehen, aber ich wüsste einfach nicht, in welches. Markus klärte mich nach dem Gucken noch darüber auf, dass „Touch me, I’m dick“ eine Anspielung auf den Mudhoney-Song „Touch me I’m sick“ ist. Tja, ich kenne den Song nicht und frage mich sicherlich, was in dem Film sonst noch so zu finden ist. Aber dazu bin ich zu wenig bewandert. Es spielt vermutlich nicht mal eine Rolle. Ich tauche nur dann intensiv in Filme/Serien ein, wenn sie mir etwas bedeuten. Dann mache ich mir Gedanken über Songs, Szenen, Dialoge.

Beim nächsten Mal vielleicht wieder..

Insert name here: Radio Rock Revolution

Logo_testKlar: Mit Filmen und Serien kennen wir uns aus. Und doch haben Kartoffeln manchmal Löcher, Sitzkartoffeln also auch: Wissenslücken. Wer kennt schon jeden Klassiker? Wir jedenfalls nicht. Wollen wir aber. Also rufen wir uns gegenseitig die Titel von Meisterwerken der Filmgeschichte zu, die das Gegenüber noch nie gesehen hat. Und nun gucken muss – und darüber schreiben (natürlich ohne Google).

Markus rief: Radio Rock Revolution

Kirstens erster Gedanke: Radio Rock? Rock Radio? Revolution Rock?

Noch nie hat ein Film länger gedauert. Radio Rock Revolution sprengt alle Grenzen und stellt neue Rekorde auf. Die Filmdauer liegt irgendwo bei 2:15 Stunden, doch ich brauche mehr als drei Stunden, ehe ich diese schwer verdauliche Kost im Magen habe. Stinklangweilig, denke ich schon nach etwa zehn Minuten. Was wollen sie mir sagen? Wo wollen sie hin? Was ist der Sinn? Sich und das Leben feiernde Kerle, die gerne Alkohol trinken, vögeln und Rockmusik hören, schippern irgendwo auf der Nordsee vor Großbritannien rum und haben einen Piratensender. Es ist 1966. Wilde, junge Mädchen in bunten Kleidern sitzen daheim mit roten Wangen und Ohren an den Geräten und schwärmen für die heißen Kerle, die sie noch nie gesehen haben. Dann der Plot: Die Regierung mag keine Rockmusik und will den Piratensender loswerden. Vielleicht ist das auch gar nicht der Plot. Wer weiß. Vielleicht geht es nur darum, 130 Minuten lang bekannte Pop- und Rockmusik aus den Sechzigern zu spielen.

Mein Minutenprotokoll des Grauens.

Minute 10: Ich habe bereits vergessen, was in den ersten neun Minuten passiert ist. Ich weiß noch, dass ich mich fragte, was der kleine Junge ganz am Anfang, der dann das Radio unters Kissen legt, mit dem Plot zu tun hat. Gar nichts, wie mir aufgeht, aber das ist mir am Anfang nicht klar. Und der Junge verfolgt mich irgendwie. Während ich über das Kind nachgrüble, verpasse ich irgendwas von dem, was gerade abgeht. Ich kriege noch so eben mit, dass ein Halbwüchsiger auf einem Schiff ankommt und seinen Patenonkel begrüßt. Ich begreife, dass die Herren dort leben und Radio machen.

Minute 24: Ein nackter, dicker Mann erklärt dem Halbwüchsigen das Vögeln. Dabei hält er sich schützend die Hand vor den Schniedel. Ich möchte das nicht. Das ist nicht schön. Es ist vielleicht das normale Leben, aber ich möchte nicht, dass nackte, dicke Männer jungen Kerlen erklären, wie das Vögeln geht. Verstörend. Ich hoffe, es ist wichtig für den Plot. Wie sich später rausstellt, ist es zumindest nicht unwichtig. Haben sich die Qualen also gelohnt.

Minute 26: Mein Hund steht im Flur und will Gassi gehen. Ich überlege kurz, ob ich den Film anhalten soll, habe aber nicht das Gefühl, dass ich was verpassen könnte. Außerdem weiß ich, dass ich in spätestens sechs Minuten wieder da bin, denn dieser Blick sieht nach dringendem Geschäft aus. Als 14 Jahre alte Hündin kann es halt schon mal drücken. Ich lasse den Film laufen und gehe Gassi.

Minute 33: Genau, ich bin keine Minute wieder im Wohnzimmer, habe aber bereits das Handy in der Hand und surfe auf Twitter rum. Inzwischen sitze ich auch auf dem Heimtrainer, weil ich denke, dass es nicht schaden kann, sich ein bisschen zu bewegen, wenn man schon mit einem derart langweiligen Film seine Lebenszeit vergeudet. Jedenfalls finde ich auf Twitter ein Video von Jürgen Klopp. Der muss sich am Montagabend bei einer Fußballsendung in Großbritannien derart gut verkauft haben, dass alle ihn lieben. Ich klicke auf den Link und stoppe damit unfreiwillig den Film, denn ich streame Amazon Prime über mein Apple-Handy auf den Fernseher. Der neue Klick überschreibt diesen Befehl aber und spielt stattdessen Klopp ab. Ich schaue also mal eben 15 Minuten eine englische Fußballsendung weiter. Ganz interessant, was der Mann da so über Fußball-Taktik erzählt. Gutes Englisch spricht er auch.

Minute 36: Nach 15 Minuten Klopp-Interview mache ich den Film wieder an. Ich schaue drei Minuten, als These Arms Of Mine angespielt wird. Genau, angespielt. Wie jedes andere verdammt gute Lied in diesem Film. Können die nicht wenigstens mal EINEN Song ausspielen? Ich bin genervt. Fühle mich wie in einer Radiosendung der späten 80er-Jahre, wo sich die Moderatoren immer besonders geil fühlten, wenn sie in den Song reinquatschen konnten.

Minute 39: Mein Festnetztelefon klingelt. Ich lasse den Film weiterlaufen. Viel passiert ist inzwischen ohnehin nicht. Weiber kamen und gingen, es wurde gevögelt, gesoffen und gefeiert und sich geil gefunden. Alles wie am Anfang.

Minute 50: Ich bin inzwischen komplett raus aus der „Handlung“ und nehme mir entschieden vor, jetzt wieder aufzupassen. Dass die Musik genial ist, reißt die stinkende Langeweile aber zu keinem Zeitpunkt raus. Es fällt mir echt schwer, dranzubleiben, und ich spiele erstmals mit dem Gedanken, einen Film abzubrechen. Da Markus aber auch „Die fabelhafte Welt der Amélie“  zu Ende geguckt hat, muss ich jetzt wohl da durch.

Minute 67: Zwei Kerle hängen an einem Mast. Dass Philip Seymour Hoffman mitspielt, ist übrigens ein Riesenpluspunkt für diesen Streifen. Er hängt jedenfalls am Mast, gemeinsam mit einem Typen, der wiederum mit der Frau eines anderen geschlafen hat. Es geht offenbar um Mut, Feigheit und Angsthasentum. Ich habe kurz etwas Höhenangst, es sieht unfassbar hoch aus, wie sie da so hängen. Ist der blonde Typ Rhys Ifans? Ernsthaft? Wie auch immer. Eine Stunde und sieben Minuten sind vergangen und ich muss sagen: Das ist die bisher beste Szene des Films! Genial.

Minute 86: Nee, wer hätte es gedacht, der Halbwüchsige entdeckt unter den Radiomoderatoren seinen Vater, den er bis dato nicht kannte. Welch ein Zufall! Herrschaftszeiten. Hagel und Granaten! Spannung, Tränen, Emotionen.

Minute 91: Noch 43 Minuten und jetzt schon die Wendung zum dramatischen Ende? Ich bin inzwischen vom Heimtrainer runter und warte auf irgendwas Tolles. Aber nichts passiert.

Minute 100: Ich sitze nun neun Minuten geschwitzt auf dem Sofa und mir wird langsam kalt. Ich stoppe den Film diesmal und gehe erst einmal heiß duschen. Derzeit passiert ohnehin nichts, von dem ich denke, dass es entscheidend für die „Handlung“ ist.

Minute 108: Nach einer Stunde und 48 Minuten habe ich den Blick zum zweiten Mal gebannt auf dem Schirm. Der Kahn sinkt? Krass. Und das zu Whiter Shade of Pale. Gigantisch.

Minute 120: Wie lange will dieser Kutter denn noch untergehen? Das nimmt ja schon Titanic-Ausmaße an. Es wirkt aber so, als ginge es hier gut aus.

Ende: Geschafft. Endlich. Eine Qual sondergleichen. Das Ende war allerdings gut, allein deshalb bin ich doch froh, drangeblieben zu sein. Ich kategorisiere wirklich ungern, aber hier denke ich: Ein Männerfilm. Eventuell auch einfach ein Männertraum. So würden sie gerne leben. Rockmusik, Weiber, wann und wenn man sie will, Alkohol und ein Boot. Der feuchte Traum aller vermeintlich Junggebliebenen.

Würde ich auf so einem Schiff landen, ich würde mir die nächste Schwimmweste suchen und mein Heil in der Nordsee suchen. Kann nicht viel schlimmer sein.

Insert name here: Kick-Ass

Logo_testKlar: Mit Filmen und Serien kennen wir uns aus. Und doch haben Kartoffeln manchmal Löcher, Sitzkartoffeln also auch: Wissenslücken. Wer kennt schon jeden Klassiker? Wir jedenfalls nicht. Wollen wir aber. Also rufen wir uns gegenseitig die Titel von Meisterwerken der Filmgeschichte zu, die das Gegenüber noch nie gesehen hat. Und nun gucken muss – und darüber schreiben (natürlich ohne Google).

Markus rief: Kick-Ass

Kirstens erster Gedanke: Klingt nach einem Nerd-Film. Ernsthaft? Schon wieder?

Erster Blick auf die Laufzeit, als der Film beginnt: knappe zwei Stunden. Ich bin kurz erschöpft, bevor die erste Minute zu Ende ist. Dann atme ich tief durch und denke: Nutzt ja nichts!

Ich werde aber schnell positiv überrascht. Der Film ist flott erzählt, witzig gemacht, bringt pfiffige Dialoge auf den Schirm, hat sympathische Hauptdarsteller und einen einigermaßen lückenlosen Plot. War das ein Kassenschlager?

Der einzige Schauspieler, den ich kenne, – trotz Bart und Brille oder Maske – ist Nicolas Cage. Und ich kenne Regisseur Matthew Vaughn, von dem ich weiß, dass er mit Claudia Schiffer verheiratet ist. Und irgendwann mitten im Film muss ich schmunzeln, als Claudia Schiffer überlebensgroß von einer Werbetafel prangt. War klar! Ohne Referenzen geht es wohl nicht.

Der Plot: Dave (vermutlich um die 16?) fragt sich, wieso niemand im realen Leben versucht, ein Superheld zu sein, und entscheidet sich dann selbst, einer zu werden. Er legt sich ein Kostüm zu und lässt sich dann erst einmal ordentlich verprügeln und abstechen. Versuch 1 gescheitert. Der Film könnte nun zu Ende sein, aber das wäre natürlich langweilig. Dave steht wieder auf und sieht sich schnell Hit Girl (war so, oder?) und Big Daddy gegenüber. Big Daddy war mal Bulle und wurde von Frank HabdenNachnamenvergessenunddarfjanichtgoogeln in den Knast gebracht, damit er aus dem Weg ist. Big Daddy schwört im Gefängnis Rache und trainiert sich zum Superhelden. Als er aus dem Gefängnis kommt, nimmt er seine Tochter in Empfang und bildet diese ebenfalls aus. Die vermutlich so um die elf Jahre alte Göre sticht ab und erschießt, was nicht bei Drei auf dem Baum sitzt. Unerschrocken und eiskalt. Dave, der als Kick-Ass für Ordnung sorgen wollte, aber natürlich meistens grandios scheiterte, wird von Big Daddy und Tochter unter die Fittiche genommen.

Gangster Frank findet das alles nicht so geil und will die Superhelden loswerden. Sein Sohn versucht es auf die perfide Art: Er wird ebenfalls Superheld und nennt sich fortan Red Mist. Er schleimt sich bei Kick-Ass ein und findet recht schnell raus, dass die Gefahr nicht von diesem Knirps ausgeht. Mit einem Trick bringt er Dave dazu, ihn zu dessen Beschützer inklusive Tochter zu führen. Ein spannendes Finale ist garantiert.

Zwischendurch hat der Streifen leider ein paar Längen, was ich daran merkte, dass ich spontan prüfte, ob ich nicht bei meiner London-Reise am 8. Oktober noch einen kurzen Abstecher auf die Star-Trek-Convention nach Birmingham machen könnte. Ich surfte also knappe zehn Minuten auf der Webseite der Lufthansa, bei Booking.com und der britischen Bahn-Seite rum.

Das war ungefähr die Stelle, als Red Mist und Kick-Ass zu der Lagerhalle kommen, in der ein Feuer ausgebrochen ist.

Allerdings fühlte ich mich wirklich super unterhalten und musste schon mal laut auflachen. Vielleicht kein Film-Klassiker, aber definitiv ein kultiger Nerd-Film. Am Ende überlegte ich kurz, noch Teil 2 zu sehen, zumindest wurde mir ein zweiter Teil angezeigt. Vielleicht hole ich das bald noch nach.

Mein Highlight gleich zu Beginn der folgende Satz: „Meine einzige Superkraft war, dass ich für Mädchen unsichtbar war.“ Ich liebe Selbstironie. Diese zieht sich durch den ganzen Film, ebenso wird einmal die vierte Wand durchbrochen, als der Protagonist feststellt, dass er ja noch am Leben sein müsse, wenn er in der Lage ist, die Geschichte zu erzählen. Großartig!

Fazit: Kann man gesehen haben, muss man aber nicht. Nicht empfehlenswert für jedermann, aber Nerds dürfen diesen Streifen gerne kennen. Ich bin übrigens überhaupt kein Comichelden-Mensch, mich interessiert weder Marvel noch DC, und ich bin erstaunt, dass ich diese beiden Namen jetzt nennen konnte, ohne darüber nachzudenken. Soviel dazu..! Kick-Ass funktioniert für mich trotzdem.

Insert name here: Big trouble in little China

Klar: Mit Filmen und Serien kennen wir uns aus. Und doch haben Kartoffeln manchmal Löcher, Sitzkartoffeln also auch: Wissenslücken. Wer kennt schon jeden Klassiker? Wir jedenfalls nicht. Wollen wir aber. Also rufen wir uns gegenseitig die Titel von Meisterwerken der Filmgeschichte zu, die das Gegenüber noch nie gesehen hat. Und nun gucken muss – und darüber schreiben (natürlich ohne Google).

Markus Logo_testrief: Big trouble in little China

Kirstens erster Gedanke: Noch nie gehört, klingt nach Jackie Chan.

Ich finde den Film bei Netflix und schaue mir erst einmal das Cover an: Bunt, schrill, eindeutig 80er. Könnte ein Actionfilm sein, sieht aber auch ein bisschen so aus, als sei es eine Persiflage darauf. Abenteuerlich, aber völlig absurd.

Ich bin begeistert, dass ich mit dieser Ersteinschätzung Recht behalte, obwohl ich beim zweiten Blick entdeckt hatte, dass Kurt Russell die Hauptrolle spielt und mir bisher gar nicht klar gewesen ist, dass Russell SOLCHE Filme dreht. Aber Markus sagt, der Film sei Kult – also muss was dran sein.

Ich bin zu Beginn ein bisschen irritiert und komme nicht richtig in die Handlung. Es könnte auch daran liegen, dass ich mit dem Film beginne, als ich abends schon relativ müde auf der Couch sitze, aber es dauert dennoch knappe 15 Minuten, bis ich begreife, was die Handlung sein wird. Dann erkenne ich Kim Cattrall und muss schmunzeln. Die Dame kannte ich bisher wirklich nur aus Sex and The City.

Ich schaue den Film auf Englisch und bin relativ schnell genervt. Die Art wie Russell spricht, lässt mich erst vermuten, dass er es offenbar nicht besser kann. Ich bin enttäuscht von seiner Schauspielleistung. Ein paar Minuten später wird mir klar, dass das offenbar genau so angelegt ist. Kurt Russell als „Mr. Burton“ soll genauso achselshirtig, vokuhilatragend und unterbelichtet rüberkommen. Vermute ich zumindest.

Spannend wird es, als sich die Handlung dann nach „Little China“ verlegt und „Mr. Burton“ und seine Entourage auf der Suche nach den beiden entführten Damen sind, die offenbar grüne Augen haben und einer fleischlos gewordenen Person namens Lo Pan verhelfen sollen, seine Menschlichkeit zurückzuerlangen. Ziemlich abgedreht. Lo Pan ist jetzt offenbar nur noch ein 2200 Jahre alter Geist, der irgendwann mal irgendwie – ich habe es ehrlich gesagt nicht ganz verstanden – aufbegehrte und dann verflucht wurde. Jedenfalls muss oder soll er eine der beiden Frauen heiraten und die guten Amerikaner versuchen natürlich, das zu verhindern.

Ich mag solche Filme. Völlig absurd, völlig bescheuert, völlig sinnlos – aber extrem lustig. Der Klang von Lo Pans Stimme – ich habe keine Ahnung, wie der Schauspieler heißt, denn ich darf ja nichts googeln – hallt heute noch in meinen Ohren. Die Art, wie er „Mr. Burton“ sagt, finde ich auch heute, ein paar Tage nach dem Gucken, noch extrem furchteinflößend.

Nein, das ist objektiv kein guter Film. Ich habe keine Ahnung, wie er im Kino gelaufen ist, aber meine Vermutung ist: nicht gut. Dennoch hat er definitiv was Kultiges und ich kann verstehen, wieso Markus ihn ausgewählt hat. Ich bin aber auch froh, dass sowohl Kurt Russell als auch Kim Cattrall sich durch diesen Film ihre Karriere nicht komplett verbaut haben. Es wäre schade gewesen.

Insert name here: Stand by me

Logo_testKlar: Mit Filmen und Serien kennen wir uns aus. Und doch haben Kartoffeln manchmal Löcher, Sitzkartoffeln also auch: Wissenslücken. Wer kennt schon jeden Klassiker? Wir jedenfalls nicht. Wollen wir aber. Also rufen wir uns gegenseitig die Titel von Meisterwerken der Filmgeschichte zu, die das Gegenüber noch nie gesehen hat. Und nun gucken muss – und darüber schreiben (natürlich ohne Google).

Markus rief: Stand by me.

Kirstens erster Gedanke: Oh, den hat er mir schon länger ausgeliehen. Die DVD verstaubt gerade im Regal.

Ich habe den kleinen Vorteil, dass ich tatsächlich eine physische Kopie im Regal stehen habe und mir somit schon mal in Ruhe das Cover ansehen, den Klappentext lesen, die Spielzeit überprüfen und die Darsteller erkennen kann.

Das tue ich dann auch, bevor ich den Film schaue. Ich erkenne sofort Wil Wheaton, den ich bis dato tatsächlich nur als Wesley Crusher aus Star Trek: The Next Generation kenne. Ich habe ihn bislang weder vorher noch nach der TNG-Ära in irgendeiner Serie oder einem Film gesehen. The Big Bang Theory zählt hier nicht.

Ich schaue mir zwar auch die anderen Jungs an, aber erkenne auf den ersten Blick erst einmal keinen, bis ich die Namen Jerry O’Connell und River Phoenix lese. Doch bis zum Starten des Films habe ich meine Frage, wer denn nun wer ist, auch schon wieder vergessen und lasse mich erst einmal in die USA der 1950er-Jahre ziehen.

Alles beginnt sehr betulich. Eine Jungs-Clique, darunter ein ganz verwegener Kerl mit Fluppe im Mund, ein Volltrottel, ein Heimscheißer und ein durchgeknallter Typ, der mit DER Frisur und DER Brille heute als Hipster durchginge. Dazu ein Baumhaus und ein heißer Sommer. Das sind wohl die klassischen Zutaten für einen Jungs-Film. Noch bin ich aber nicht genervt, sondern warte gespannt, was passiert.

Nachdem Nervbratze Verne (oder Vern?, ich darf ja nix googeln) viermal ansetzt und sein Geheimnis nicht loswird, rolle ich zum ersten Mal mit den Augen und befürchte, dass dieser Film eher über den Weg zum Ziel führt. Ich werde nicht enttäuscht. Oder eben doch.

Etwa 75 Minuten (gefühlt, ich habe das nicht wirklich gestoppt) stolpern, streiten, prügeln, lachen, frieren und hungern sich die Jungs in ein 20 Meilen entferntes Nest, um dort eine Leiche zu sehen. An sich ein wirklich spannender Plot, der aber ja gar nicht im Mittelpunkt steht. Denn irgendwie geht es doch um die Jungs, den Zusammenhalt und diesen einen, ganz speziellen Sommer.

Ich verstehe das sehr wohl, aber es langweilt mich Ich bin nun mal ein Mädchen und ich verstehe nicht, dass man sich wegen jeder Kleinigkeit prügeln muss. Erst recht nicht mit 12. Oder eben doch?

Die spannendste Szene: Als Verne schluchzend und kraftlos versucht, die Gleise entlangzurennen und Gordy ihn mit einer großen Heldentat vor dem sicheren Tod rettet. Da habe ich kurz schwitzige Hände und bin ein bisschen aufgeregt. Das wiederholt sich später, als die vier Abenteurer neben der Leiche stehen und auf einmal Kiefer Sutherland mit seinen Banditen auftaucht.

Ja ja, das steht alles nicht im Mittelpunkt, es geht um dieses „wir waren 12 und Freunde“-Ding. Aber irgendwas fehlt. Vielleicht noch eine Heldentat? Vielleicht weniger Klischees (siehe oben)? Vielleicht ein Mädchen?

Es ist übrigens dringend davon abzuraten, Filme synchronisiert zu schauen, in denen Jungs weinen. Es ist ganz, ganz fürchterlich, unerträglich und sowas von daneben und überhaupt nicht emotional. Im Nachhinein war es eine schlechte Entscheidung, aber ich wollte mich hier tatsächlich auf den Film konzentrieren können und mich nicht alle drei Sekunden fragen, was sie da gerade gesagt haben. Auch Untertitel hätten zu sehr abgelenkt.

Fazit: Ja, Jungs, ich kann verstehen, dass ihr diesen Film mögt. Mir leuchtet das schon irgendwie ein. Ist ja auch nett gemacht. Aber leider nix für mich.

Übrigens: Im Abspann lese ich wieder Jerry O’Connell und frage mich, wie das Verne gewesen sein kann. Ich google dann später doch noch, aber nur „Jerry O‘ Connell“ und bin derart geplättet, dass alle Eindrücke aus dem Film hinter diesem Erstaunen verschwinden. Zumindest kurz. Und kurz vorm Einschlafen denke ich dann noch, dass es wirklich schade um River Phoenix ist. Der hätte eine große Karriere vor sich gehabt.

Ein Blick auf „The Affair“

Nachdem ich mich endlich dazu entschlossen hatte, mir Amazon Prime zuzulegen, dauerte es dann immerhin noch sensationelle sechs Wochen, ehe ich endlich Zeit genug hatte, mich dem Angebot zu widmen.

Auf der Liste hatte ich schon seit vergangenem Herbst „The Affair“. Ich hatte einen fesselnden Trailer dazu gesehen. Außerdem hatte ich kurz zuvor „Fringe“ gebinged und war neugierig, wie sich Joshua Jackson in der Rolle eines betrogenen Ehemanns machen würde.

13549182_10209966483384734_148211950_o
Dominic West und Ruth Wilson in „The Affair“.

Kurz zum Inhalt: Noah Solloway, glücklich verheiratet, vier Kinder, reist wie jedes Jahr im Sommer mit seiner Familie nach Montauk, um dort die Ferien bei seinen Schwiegereltern zu verbringen. Sein Schwiegervater ist ein berühmter Schriftsteller, während er selbst zehn Jahre versucht hat, ein Buch fertigzustellen. Sein erstes Buch ist nun auf dem Markt, aber nicht sonderlich erfolgreich. Noch bevor die Familie auf dem Gut des Schwiegervaters ankommt, macht sie einen Mittagessen-Halt im „Lobster Roll“, wo Noah die Kellnerin Alison Bailey kennenlernt. Eine folgenreiche Begegnung, die das Leben aller Beteiligten erschüttert und grundlegend ändert.

Warum schreibe ich über diese Serie?

„The Affair“ unterscheidet sich in einigen Punkten erheblich von vielen anderen Serien, die so auf dem Markt sind.

1.) Man weiß bereits nach der ersten Folge, ob man die Serie weitergucken sollte oder nicht. Das ist beispielsweise bei „Orange Is The New Black“ oder „The Walking Dead“ überhaupt kein Kriterium, bei diesen beiden Serien kann man mit Sicherheit sagen, dass die Piloten die jeweils schlechteste Folge waren. Das ist hier anders. „The Affair“ startet stark, die Erzählweise ändert sich in den kommenden Folgen und Staffeln nicht mehr, die emotionale Achterbahnfahrt endet niemals mehr und die Ehrlichkeit in den Dialogen wird eher noch deutlicher.

2.) Erzählweise: Die Serie wird von verschiedenen Standpunkten erzählt. So ist beispielsweise die eine Hälfte der Episode aus Noahs Sicht erzählt, während danach die gleiche Begebenheit aus Alisons Sicht erzählt wird – was tatsächlich keine Wiederholung ist, sondern wieder einmal beweist, dass Erinnerungen verwaschen, dass sie sich bei jedem anders festsetzen. In einer Sex-Szene sagt Alison in Noahs Erinnerung immer wieder „I am yours“, was ihn noch erregter werden lässt. In Alisons Erinnerung sagt sie jedoch pausenlos „I love you“. Und das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie hier die Geschichte trotz der sich wiederholenden Erzählung vorangetragen wird.

Wieso wird überhaupt in Erinnerungen berichtet? Alison und Noah erzählen zu Beginn der ersten Staffel einem Polizisten in einer Art Verhör *ihre* Geschichte. Das Kennenlernen, das Verlieben, die Ereignisse. Sie tun das getrennt voneinander und so entstehen unterschiedliche Geschichten aus derselben Begebenheit. Das ist fesselnd, das ist spannend, das ist hochemotional.

Wieso werden die beiden von einem Polizisten befragt? Das ist der besondere Plot, der hinter der Liebesgeschichte liegt. Ein Mann ist gestorben. Das erfährt man relativ zu Beginn. Wer es ist, bleibt erst einmal unklar. Aber auch diese Frage wird schneller beantwortet, als man zunächst denkt. Der Polizist vermutet, dass der Mann, der offenbar überfahren wurde, eben nicht bei einem Unfall gestorben ist, sondern ermordet wurde.

Ab der zweiten Staffel wird dann nicht ausschließlich aus Noahs und Alisons Sicht erzählt, sondern auch aus der Sicht der betrogenen Ehepartner Helen und Cole. Ja, die Erzählweise hat durchaus ihre Längen. Aber wer sich emotional auf die Charaktere einlässt, der kann diese durchaus zähen Momente ganz gut ignorieren – zumindest bis zum Ende der zweiten Staffel, aber dazu später mehr.

3.) Dialoge: Ich habe noch NIE – und ich meine wirklich NOCH NIE – eine Serie erlebt, in der die Dialoge so nah an der Erwartung des Zuschauers sind. Hier wird nicht künstlich Spannung erzeugt, hier wird das gesprochen, was der Zuschauer denkt. Das ist unfassbar erschreckend, zumindest am Anfang. Beispiel: Noah erzählt seinem Kumpel Max, dass er seine Frau betrogen hat, dass er eine Affäre hatte. Was rät der Kumpel NATÜRLICH? „Sag Helen auf keinen Fall was. Wenn das nur eine Affäre war, dann ist es besser, sie weiß nichts darüber. Das würde sie nur unnötig aufregen.“

In jeder anderen Serie würde Noah auf den Kumpel hören, sich irgendwann in ein Lügengerüst verstricken und am Ende doch erwischt werden. Und dann wäre alles noch viel schlimmer, als wenn er es gleich gestanden hätte.

Was tut Noah in „The Affair“? Er lässt Max‘ Worte sacken, erleidet beim Joggen eine Panikattacke und gesteht seiner Frau dann den Seitensprung. Und das ist nur EIN Beispiel von Dutzenden. Keine künstlichen Konflikte, keine Dialoge, die es so niemals geben würde. Das ist so faszinierend wie schrecklich zugleich. Und nach jeder Folge nimmt man sich vor, künftig selbst offener mit seinen Wahrheiten und Gedanken umzugehen.

Was mich an der Serie stört

Anderthalb Staffeln lang schafft es „The Affair“, keine Seifenoper zu werden. Es ist einfach eine spannend erzählte Familien- und Liebesgeschichte. Dann irgendwann kam für mich der Wendepunkt. Vier Folgen vor dem Ende der zweiten Staffel ödet mich die Geschichte allmählich an. Das liegt daran, dass die Story plötzlich völlig vorhersehbar geworden ist. Leider. Vier Folgen vor dem Staffelende habe ich plötzlich keine Lust mehr, weiterzuschauen, weil ich genau weiß, was passieren wird. Plötzlich sind wir doch mitten in einer Seifenoper.

Aber: Die ersten 1,5 Staffeln waren so gut, dass ich auf Staffel drei, die im November erscheint, dennoch gespannt bin.

Einschalten?

Definitiv, wenn man Drama, Liebe, viel Sex und Verwirrung aushalten kann. Allein wegen der Erzählweise und der herausragenden Dialoge.

Es kann nur eine geben!

Dieser Tage kocht mal wieder ein Thema hoch, das sich in regelmäßigen Abständen in der Serien-, Fernseh- und Filmwelt in Deutschland finden lässt. Synchronisation. Das betrifft zwar nicht nur Deutschland, sondern unter anderen auch Frankreich, Spanien und Italien, doch die Diskussion über Synchronsprecher und Synchronisationen findet in dieser Härte nur in Deutschland statt und zwar immer dann, wenn entweder ein Synchronsprecher verstirbt oder ein neuer Synchronsprecher einen alten ablöst.

Im aktuellen Fall betrifft es mal wieder David Duchovny. Der arme Mann bekommt alleine innerhalb von Akte X jetzt seinen dritten Sprecher: Sven Gerhardt. Bekannt wurde Mulder hierzulande mit der Stimme von Benjamin Völz (übrigens der Sohn von Wolfgang Völz). Neun Staffeln lang lieh Völz Duchovny seine Stimme. Dann war Pause. Und beim zweiten Akte-X-Film sechs Jahre nach Serienende schauten einige im Kino nicht schlecht, als Völz nicht mehr zu hören war. Ein schwerer Schlag in die Magengrube! Für die Rückkehr der Serie im Jahr 2016 hatten sich nicht wenige auch die Rückkehr von Herrn Völz gewünscht. Was 2008 beim zweiten Film scheiterte, gelang auch dieses Jahr nicht. Damals hatte Völz eine „zu hohe Gage“ von 20.000 Euro gefordert, die abgelehnt wurde. Auch dieses Jahr wurde nichts daraus – Völz wird Duchovny nicht sprechen. Ob es wieder am Geld gescheitert ist – man weiß es nicht. ProSieben spricht in einer Erklärung von redaktionellen Gründen. Kann man glauben, kann man auch lassen. In dieser Erklärung bezieht sich ProSieben übrigens auf eine Petition, die einige enttäuschte Fans gestartet haben. Es darf vermutet werden, dass sie erfolglos bleibt.

Insgesamt wirft das mal wieder die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Synchronisationen auf. Es ist natürlich leichter, sich fremdsprachige Filme und Serien in der eigenen Sprache anzuhören. Vielleicht ist es zu leicht. In Schweden beispielweise läuft jede nichtschwedische Serie, jeder nichtschwedische Film im Original mit Untertiteln – und ein ganz subjektiver Eindruck ist, dass Schweden nicht nur deutlich besser Englisch sprechen (und deutlich öfter) als Deutsche, sondern dass es auch besser klingt. Sie haben ein besseres Gespür für andere Sprachen. Das, was in der Schule gar nicht geleistet werden kann, weil die meisten Lehrer ebenfalls mit Akzent sprechen, schafft der Fernseher wie von selbst. Ja, es ist vielleicht am Anfang anstrengender, Untertitel zu lesen. Ja, viele Senioren würden vermutlich überhaupt kein Fernsehen mehr gucken oder nur noch auf deutschsprachige Flachkomödien und ideenlose Heimatfilme zurückgreifen. Ja, eine Umstellung brächte einen Aufschrei mit sich. Das ginge nicht von jetzt auf gleich. Der Sprachbildung in Deutschland könnte es aber nicht schaden.

Hinzu kommt ein wesentlicher anderer Punkt: Es gibt viele Verfechter der Synchronisation, aber selbst der beste Synchronsprecher kann nicht vermitteln, was der Schauspieler gerade denkt, meint, fühlt und tut. Jede Synchronisation verliert im Vergleich zum Original. Besonders krass ist das übrigens – ein gern bemühtes Beispiel – die unfassbar miese Synchronisation von Star Trek: Voyager. Von inhaltlichen Fehlern ganz zu schweigen.

Natürlich bringt eine Franziska Pigulla eine unglaublich gute Ausgangsstimme mit. Und natürlich verliert Gillian Anderson erst einmal im Original, wenn man sie das erste Mal quietschen hört. Sie hat nun mal keine verraucht-tiefe Stimme, sondern eine hohe, sehr weibliche. Aber spätestens nach drei Folgen will man es nicht mehr anders.

Und andersrum wird es schlimm, wenn ein Sprecher jahrzehntelang einen Schauspieler oder eine Figur gesprochen hat und dann verstirbt. Beispiel: Norbert Gastell. Er ist für mich DER Homer Simpson. Vermutlich haben die meisten Deutschen angefangen, Die Simspons zu schauen, bevor es Internet oder Netflix gab – auf Deutsch. Jetzt ist Gastell verstorben, Homer Simpson bekommt eine neue Stimme. Er wird nicht mehr der alte Homer sein. Und das ist in jedem Fall eine Enttäuschung. Egal, wie wertfrei man den neuen Sprecher willkommen heißt. Gastell war hier sogar noch eine Spur spezieller und besser als Elisabeth Volkmann, die Marge gesprochen hat. Anke Engelke übernahm und macht das erstaunlich gut. Ob es dem Nachfolger von Gastell gelingt, bleibt abzuwarten.

Ein besonders krasses Beispiel ist auch die Netflix-Serie „Orange is the new Black“. Im Gefängnis leben lateinamerikanische, weiß-amerikanische, zugewanderte Insassinnen ebenso wie welche aus der New Yorker Bronx. Allein die verschiedenen Farben der amerikanischen Sprache zu hören, macht diese Serie so sympathisch. Jede ist anders, jede redet anders. Die deutsche Synchronisation kann da nicht rankommen, egal, wie sehr sie sich bemüht. Letzlich bleibt die Frage, wieso bei der Ausstrahlung von Fernsehserien nicht wenigstens der Zweikanalton genutzt wird. Er wird viel zu selten berücksichtigt. Vielleicht möchten Menschen, die ohnehin wenig Fernsehen, weil sie sich Streaming-Diensten zugewandt haben, dann wenigstens beim linearen Fernsehen die Option haben, den Ton zu wechseln.