Der Haifisch, der hat Zähne – auch im Kino und in der Glotze

Fast wäre der letzte Megalodon in der Hölle der vergessenen Drehbücher untergegangen. Aber nach einigem Hin und Her hinter den Kulissen läuft die Verfilmung des Romans von Steve Alten nun endlich im Kino. Erste Stimmen von Kritikern und Zuschauern zu “Meg” klingen allerdings eher verhalten. Vor allem die Entscheidung, aus einer blutigen Monster-Geschichte ein vergleichsweise harmloses Unterwasser-Abenteuer mit einer Freigabe ab zwölf Jahren zu machen, scheint dem Film eher geschadet als genutzt zu haben. Das sieht sogar Hauptdarsteller Jason Statham so.

Dabei sind Filme mit mörderischen Haien fast schon ein eigenes Genre – und gerade im Trash-Sektor überaus beliebt. Nach einem Abstieg in die düsteren Tiefen der privaten Filmsammlung kommt hier aus Anlass des “Meg”-Filmstarts die ultimative Retrospektive als Hommage an den vermeintlichen Killer der Meere.

2-Headed Shark Attack (2012): Was ist besser als ein Riesenhai? Richtig: ein Riesenhai mit zwei Köpfen. Und weil im C-Film immer gilt “viel hilft viel”, gibt es natürlich auch “3-Headed Shark Attack” (2015), “5-Headed Shark Attack” (2017) und “6-Headed Shark Attack” (2018). Weshalb “4-Headed Shark Attack” ausgelassen wurde, bleibt eines der ungelösten Rätsel der sieben Weltmeere.

“47 Meters Down” (2017): Im Gegensatz zu den meisten neueren Hai-Filmen bemüht sich diese Unterwasser-Variante von “Frozen” (2010 – nein, nicht der Disney-Zeichentrick) immerhin um ein originelles Setting. Die beiden Protagonistinnen sind nämlich in einem Hai-Käfig gefangen und haben keine Aussicht, nach oben zu gelangen. Nun dienen Hai-Käfige zwar dazu, die Fische, nach denen sie benannten wurden, fernzuhalten, aber im Horrorgenre geht natürlich schief, was schiefgehen kann…

“Atomic Shark” (2016): Atomar verseuchte Haie fressen alle, die sie treffen.

“Bait 3D – Haie im Supermarkt” (2012): Wer sich fragt, wie Haie ausgerechnet in einen Supermarkt kommen, versteht offenbar nicht die bewusste Anlehnung an ähnliche Ausgangssituationen in Zombie-Filmen. Ein Tsunami macht’s möglich (glücklicherweise kein “Sharknado”), und der Film ist durchaus für manchen Schockmoment gut. Bei Supermarktbesuchen ja eher unüblich.

“Creature” (1998): Im Original ist die verquere Geschichte um einen irren Wissenschaftler, der aus seinem Sohn eine Mischung aus Mensch und Hai macht, eine Miniserie. In unseren Breitengraden ist ein Zusammenschnitt als Film auf DVD erschienen. Effekte und Story verorten den Angriff der Kreatur als eindeutiges Produkt der 90er Jahre. Und das ist ausnahmsweise kein Lob.

“Deep Blue Sea” (1999): Die zu Unrecht viel gescholtene Geschichte um genetisch modifizierte Haie, die in einem Meereslabor aufräumen, ist tatsächlich ein straff inszenierter Actionfilm. Dahinter stecken schon Hirn und Herz – und man bekommt den kürzesten Auftritt von Samuel l. Jackson, den dieser jemals hingelegt hat, ehe Thomas Jane und LL “Cool” J. das Ruder übernehmen. Vermeidet aber die grottige Fortsetzung “Deep Blue Sea 2” (2018), die bis auf den Titel nichts mit dem Original zu tun hat.

“Dinoshark” (2010): Ein prähistorischer Hai frisst alle, die er trifft.

“Empire Of The Sharks” (2017): In naher Zukunft ist die Erde komplett mit Wasser bedeckt. Das freut die Haie, die alle fressen, die sie treffen.

“Ghost Shark” (2013): Der Geist eines Hais frisst alle, die er trifft.

“Hai-Alarm am Müggelsee” (2013): Absurd, grotesk, saulustig und mit der Musik von Sven Regener.

“Hai-Alarm auf Mallorca” (2004): Ralf Moeller porträtiert in diesem Sozialdrama fein nuanciert den Hubschrauberpiloten Sven Hansen, der auf der Ferieninsel Mallorca hart arbeitet, um seine Tochter Maja (Ooana Devi Liebich) zu versorgen. Als er der Meeresbiologin Julia Bennet (Julia Stinshoff) begegnet, erkennt er, dass es im Leben mehr gibt als Krafttraining und Zigarren. Zum Beispiel den Kampf gegen einen riesigen Hai, der Touristenführer und Touristen frisst. Aber was hat die sinistre Wissenschaftlerin Dr. Verena Brandauer (Katy Karrenbauer) damit zu tun? Und wer hält Jeanette Biedermann (Jeanette Biedermann) vom Singen ab, während Hansen den Hai jagt?

“Hai Attack” (2011): Ein Hai ignoriert den dämlichen deutschen Titel und frisst in einem Sumpf alle, die er trifft.

“Ice Sharks” (2016): Haie fressen im Eis alle, die sie treffen.

“Jurassic Shark” (2012): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Es gibt zwei Fortsetzungen, die konsequenterweise “Jurassic Shark 2” (1998 als “Great White” veröffentlich, 2013 unter neuem Titel vermarktet) und “Jurassic Shark 3” (2002 als “Megalodon” veröffentlicht, 2013 unter neuem Titel vermarktet) heißen und keine Fortsetzungen sind.

“Mega Shark versus Giant Octopus” (2009): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Kraken.

“Mega Shark gegen Crocosaurus” (2010): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Saurier.

“Mega Shark versus Mechatronic Shark” (2014): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen künstlichen Hai.

“Mega Shark versus Kolossus” (2015): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Roboter.

“Monster Shark” (1984): Eines der unerträglichen “Jaws”-Plagiate der 80er Jahre. Hat sich seinen Eintrag in diese Liste jedoch erobert, weil immerhin relativ früh eine obskure Monstermischung den Antagonisten gibt: Krake plus Hai (fehlgeschlagenes Militärexperiment, klar).

“Open Water” (2003): Man kann über diesen Film geteilter Meinung sein. Einerseits ist schon was dran, wenn Kritiker unken, letztlich sehe man anderthalb Stunden zwei Menschen beim Sterben zu. Andererseits sind es ja oft gerade minimalistisch angelegte Filme, die wegen ihrer reduzierten Geschichte eine besondere Spannung erzeugen: verbissener Cop im Hochhaus, verfolgtes Opfer in der leeren Wohnung, verzweifeltes Paar im Sessellift… Aus sowas lässt sich einiges rausholen. Hier werden zwei Taucher allein und verloren auf dem Meer zurückgelassen. Allein. Verloren. Ohne Boot. Auf dem großen, dunklen Ozean. Und irgendwann kommen die Haie. Es gibt eine angebliche Fortsetzung namens “Open Water 2” (2006), die das um den Umstand ergänzt, dass die Protagonisten nicht auf ihr Boot zurückkehren können. Beide Filme sind beklemmend, aber sehenswert.

“Planet Of The Sharks” (2016): In naher Zukunft ist die Erde komplett mit Wasser bedeckt. Das freut die Haie, die alle fressen, die sie treffen.

“Sand Sharks” (2011): Haie fressen im Sand alle, die sie treffen.

“The Shallows” (2016): Nancy Adams (Blake Lively) sieht aus wie ein Unterwäsche-Model und benimmt sich wie ein Smartphone-süchtiger Teenager, ist aber laut Drehbuch eine Medizinstudentin. Auf der Suche nach Ablenkung angesichts eines Trauerfalls in der Familie gerät sie in eine abgelegene Bucht in Mexiko. Als ihr ein hungriger Hai Gesellschaft leistet, stellt sie fest, dass sie außer Bikini, Surfbrett und Telefon vielleicht noch eine Harpune ins Handgepäck hätte schmuggeln sollen. Andererseits wäre dieser Film dann nicht so spannend, wie er tatsächlich ist. Das einstige “Gossip Girl” schlägt sich wacker, und der relative Realismus macht dieses schaurige Kammerspiel zu einem echten Hai-light.

“Shark In Venice” (2008): Venedig sehen und sterben – die Opfer der offenbar fehlgeleiteten Titelfigur nehmen dieses Motto allzu wörtlich. Einmal mehr ist es der ungewöhnliche Schauplatz, der diesen Tierhorror aus der Masse vergleichbarer Filme hervorhebt. Wann dreht jemand “Haie in Amsterdam”?

“Sharknado” (2013): Ein Tornado voller Haie sorgt für Chaos.

“Sharknado 2 – The Second One” (2014): Ein Tornado voller Haie sorgt für noch mehr Chaos.

“Sharknado 3 – Oh Hell No!” (2015): Ein Tornado voller Haie sorgt für viel mehr Chaos.

“Sharknado – The 4th Awakens” (2016): Mehrere Tornados voller Haie sorgen für Chaos.

“Sharknado 5 – Global Swarming” (2017): Mehrere Tornados voller Haie verursachen den Weltuntergang.

“Sharknado 6 – The Last One” (2018): Noch viel mehr Tornados voller Haie verursachen nochmal den Weltuntergang, und es gibt Zeitreisen.

“Shark Night” (2011): Junge, attraktive Haie treffen auf blutrünstige, garstige Menschen – ach nee, das ist ja die Realität. Hier ist es natürlich wie immer umgekehrt. Die Bandbreite der Hai-Sorten ist so beeindruckend wie jene der originellen Todesarten. Klarer Fall für einen hai-meligen Filmabend.

“Sharktopus” (2010): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft.

“Sharktopus vs. Pteracuda” (2014): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft. Dann kämpft sie gegen eine Mischung aus Saurier und Barracuda.

“Sharktopus vs. Whalewolf” (2015): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft. Dann kämpft sie gegen eine Mischung aus Wal und Wolf. (Heilige Scheiße…)

“Snow Sharks” (2012): Haie fressen im Schnee alle, die sie treffen.

“Supershark” (2011): Ein unbesiegbarer Megalodon frisst alle, die er trifft.

“Tintorera – Meeresungeheuer greifen an” (1977): Zwölf Jahre alt war der Autor, als er mit schreckgeweiteten Augen vor dem Plakat dieser englisch-mexikanischen Co-Produktion stand. Diese wurde nämlich mit reichlich Abstand zu ihrer Kinopremiere auf Video veröffentlicht und mit einem absurd-blutigen neuen Titelbild versehen. Der Film selbst ist vergleichsweise harmlos (das erfuhr der Verfasser erst sehr viel später) und setzt erstaunlicherweise relativ häufig auf dokumentarische Aufnahmen der angeblichen “Ungeheuer”.

Der weiße Hai (1975): Mit diesem Klassiker fing alles an. Steven Spielberg (damals wie George Lucas noch Teil der jungen Generation innovativer Hollywood-Regisseure) inszeniert den Zweikampf zwischen Polizeichef Martin Brody (Roy Scheider) und dem großen Weißen als Hommage an die Monsterfilme seiner Kindheit, verwendet aber für damalige Verhältnisse beeindruckende Spezialeffekte und erzeugt eine kaum gekannte Spannung. Die Musik kennt jeder, den bei den Dreharbeiten “Bruce” genannten Hauptdarsteller inzwischen auch. In der Folge waren die Strände leer gefegt, die Videotheken jedoch überfüllt – mit billigen Kopien dieses Meisterwerks. Dazu zählen leider auch die drei Nachfolger – wenngleich “Jaws 3-D” (1983) immerhin auf Dreidimensionalität setzt.

“Zombie Shark” (2015): Ein untoter Hai frisst alle, die er trifft, und macht sie zu Zombies.

Blick auf den bunten Herbst – noch mehr Trailer von der Comic-Con

Nachdem wir hier bereits den ersten Schwung der neuen Trailer von der Comic-Con 2018 gezeigt haben, gibt’s noch ein paar. Der Herbst wird bunt (und der kommende Frühling offenbar auch).

Der Film: Aquaman
Der erste Eindruck: Zu bunt, zu viele Effekte – wird DC im Kino den Rest geben.

Der Film: Shazam
Der erste Eindruck: Zu bunt, zu viele Witze – okay, der wird DC im Kino den Rest geben.

Der Film: Godzilla – King Of The Monsters
Der erste Eindruck: Dürfte etwas weniger poetisch sein, aber immerhin sieht man was.

Der Film: Glass
Der erste Eindruck: Macht aus “Unbreakable” und “Split” die lang erwartete Trilogie.

Die Serie: Fear The Walking Dead – Staffel 4
Der erste Eindruck: Der Cowboy lebt! Yeehaa!

Die Serie: Star Trek: Discovery – Staffel 2
Der erste Eindruck: Immer noch ein bisschen zerrupft…

Die Serie: Arrow – Staffel 7
Der erste Eindruck: Alles beim Alten in Star City.

Die Serie: Legends Of Tomorrow – Staffel 4
Der erste Eindruck: Gewohnt bunt, könnte auch gewohnt unterhaltsam werden.

Die Serie: The Flash – Staffel 5
Der erste Eindruck: “Ich bin deine Tochter!” – “Neeeiiin!”

Die Serie: Supergirl – Staffel 3
Der erste Eindruck: Wie immer geht es um das ganz Große – bisschen ermüdend.

Drei Ausblicke auf den Serien-Herbst

Knapp ein Jahr nach dem letzten Weihnachts-Special, das den Abschied von Peter Capaldi und Steven Moffat mit sich brachte, startet auf BBC One die elfte Staffel von “Doctor Who”. Allen Kleingeistern, die sich an der neuen Besetzung der Titelrolle stören, hält Autor und Produzent Chris Chibnall entgegen: “Ich habe ein klares Verständnis davon, was wir tun.” Jodie Whittaker wird als 13. Inkarnation des Zeitreisenden rocken, das deutet der erste Trailer zur neuen Season an. Sie ist der Doktor – ab Herbst werden das auch die letzten Zweifler verstehen.

Zweifel sind eher angebracht, was die neue Serie aus dem Hause DC angeht: “Titans” erzählt die Geschichte des gleichnamigen Superheldenteams, bestehend aus jungen Comic-Charakteren. Dem Vernehmen nach spielt das Ganze im “Arrowverse”, also in der gleichen fiktiven Welt wie “Arrow”, “Flash”, “Legends Of Tomorrow” und “Supergirl”. Die Ästhetik ist daher gewohnt bunt, die Story vermutlich ebenso gewohnt doof. Könnte trotz klarer Bezüge zum Teenie-Drama notfalls ganz unterhaltsam werden – weil eine Blutspur dunkler als die anderen DC-Serien – und ist ab Herbst zunächst nur auf dem hauseigenen Kanal zu sehen.

Etwas konkreter wird der ewige Konkurrent Marvel, was de Ausstrahlungstermin der zweiten Staffel von “Iron Fist” angeht: Ab 7. September kann sie auf Netflix gestreamt werden. Die erste war besser als ihr Ruf, Finn Jones dürfte sich in der Titelrolle inzwischen etabliert haben, und dem Trailer nach zu urteilen wird in Sachen sehenswerter Action durchaus angezogen. Mal abgesehen davon: Es ist das Marvel Cinematic Universe. Das ist quasi automatisch gut.

Frische Kurz-Kritiken (5): The Terror

Was? Im Jahr 1846 brechen die beiden Navy-Schiffe “Erebus” und “Terror” auf, um nördlich von Kanada nach neuen Seewegen zu suchen. Die Reise endet jäh, als die beiden Segler im Packeis steckenbleiben. Untätigkeit, Hunger und Platzmangel nagen an den Seeleuten. Die Begegnung mit Eingeborenen verschärft die Situation zusätzlich: Es kommt zu Missverständnissen und Gewalt. Und dann stellen die Forscher fest, dass es zwischen nebligen Eisschollen und der dunklen Kälte der See mehr gibt. als ihre Schulweisheit sich erträumt.

Wo? in Deutschland bei Amazon Prime

Wie? “Das Boot” trifft auf “Master & Commander” – so etwa lässt sich die Ausgangssituation der atmosphärischen Romanverfilmung beschreiben. Allerdings eskaliert sie schon bald, und übernatürliche Elemente hinterlassen eine blutige Spur. Es soll an dieser Stelle nicht verraten werden, womit genau es die entsetzten Navy-Soldaten zu tun bekommen. Wer sich in der heißen Jahreszeit ein wenig abkühlen will, ist jedoch gut beraten, sich von diesem frostigen Abenteuer kalte Schauer über den Rücken jagen zu lassen. Und ein gelungenes Bild jener Ära, in der diese Story mit wahrem Hintergrund spielt, ist die Serie obendrein.

Frische Kurz-Kritiken (3): Preacher – Staffel 3

Was? Nach Abenteuern in seiner Heimatstadt und in New Orleans verschlägt es den schlagkräftigen Prediger Jesse Custer (Dominic Cooper) in das verrottete Kaff, in dem er seine Kindheit verbracht hat. Nach wie vor treibt ihn die Suche nach Gott um, der seinen Job derzeit ein wenig vernachlässigt. Aber auch die Sorge um seine Freundin Tulip (Ruth Negga) und der Konflikt mit seinem Kumpel Cassidy (Joe Gilgun) beschäftigen Hochwürden. Aggressive Hinterwäldler und der Zwist zweier Hexen sorgen für zusätzlichen Ärger. Gut, dass der Geistliche, die Gangsterbraut und der irische Vampir wissen, wie man hinlangt, wenn’s brenzlig wird.

Wo? in Deutschland bei Amazon Prime

Wie? “Preacher”, der Comic, ist ein grafisches Roadmovie. “Preacher”, die Fernsehserie, wirkt dagegen verhältnismäßig statisch. Eine ungewöhnliche Entscheidung, eventuell dem Budget geschuldet, aber sie bremst die Geschichte des verrückten Trios schon sehr aus. In Staffel drei bleibt alles beim Alten: Nach wie vor ist die Serie nichts für strenggläubige Katholiken. Und auch mit Gewalt und der einen oder anderen verstörenden Szene sollte man umgehen können. Custers Abenteuer sind immer bitterböse, oft düster und nie sauber. Wie ein verfilmter Johnny-Cash-Song, aufgelockert durch etwas Nine Inch Nails. Und das tut schon mal weh, wie jeder weiß…

Frische Kurz-Kritiken (2): Cloak & Dagger

Was? Tyrone Johnson (Aubrey Joseph) und Tandy Bowen (Olivia Holt) haben nicht viel gemeinsam: Er kommt aus einem wohlsituierten afroamerikanischen Elternhaus und ist ein guter Schüler, ihre Familie endete nach einigen Schicksalsschlägen als white trash, was sie auf die schiefe Bahn getrieben hat. Was die beiden nicht wissen: Es gibt eine geheimnisvolle Verbindung zwischen den Teenagern. Ausgestattet mit ungewöhnlichen Fähigkeiten, deren Macht das Duo nach und nach erforscht, verkörpern sie das Licht und die Dunkelheit, die ohne einander nicht sein können. Als sie erkennen, was ihre Berufung ist, müssen die grundverschiedenen Partner die klassischen Alltagsprobleme ihrer Generation beiseite schieben. Denn New Orleans ist das Zuhause dunkler Schatten und gleißenden Lichts.

Wo? in Deutschland bei Amazon Prime

Wie? Ein wenig überfrachtet ist sie schon, die symbolträchtige Story der beiden ungleichen Helden – das hat die Serie mit dem Comic gemein. Der Ansatz, sie in Form eines Teenie-Dramas zu erzählen, ist zudem zwar originell, schließt aber einen Großteil des Marvel-Publikums aus. Tipp: Wer sich auf den Schauplatz New Orleans und die relativ realistische Darstellung von Kriminalität konzentriert, schafft es vielleicht, allzu seifige Coming-Of-Age-Elemente zu ignorieren. Die Erzählweise ist allerdings recht ruhig: Erwartet keine knackige Action, dafür durchaus dialoglastige Szenen mit immerhin toller Kameraführung und talentierten Darstellern. Dies ist die Geschichte, wie aus Ty und Tandy nach und nach Cloak und Dagger wird, keine klassische Superhelden-Saga.

Frische Kurz-Kritiken (1): Luke Cage – Staffel 2

Was? Luke Cage (Mike Colter) ist inzwischen eine Berühmtheit. Der Ruhm schmeckt dem kugelsicheren Hünen gar nicht, er sieht seine Berufung einzig darin, weiterhin die Nachbarschaft zu beschützen. Keine leichte Aufgabe, denn alte Gegner lassen ihm keine Ruhe. Als zudem ein neuer Bösewicht (Mustafa Shakir) den Ring betritt, muss der Held von Harlem erkennen, dass Popularität auch eine Waffe sein kann. Und dass selbst er sich manchmal auf andere verlassen sollte.

Wo? Netflix

Wie? Es bleibt dabei: “Luke Cage” ist unter den Marvel-Serien auf Netflix die behäbigste. Oder netter ausgedrückt: Die Abenteuer des charmanten Kraftpakets haben einen ganz eigenen Groove. Das atmet wie die erste Staffel den Soul der 70er, das kommt in guten Momenten funky daher. Es ist aber auch nicht jedermanns Sache. Gut gemeint, auch gut gemacht ist die Serie allemal. Ob man als Zuschauer einen Zugang dazu findet, bleibt jedem selbst überlassen. Zumindest ist die Fortsetzung der Reihe wieder eine durchaus interessante Facette im bunten Marvel-Universum. It’s all connected. Manchmal stimmt das sogar.

Knalliger Abgang und starke Fortsetzung: Die lebenden Toten finden zur alten Form zurück

Aufruhr in Atlanta: Während um sie herum die untote Apokalypse tobt, haben sich die Überlebenden um Rick (Andrew Lincoln) nach langem Leiden und einigen gewalttätigen Auseinandersetzungen zusammengerauft, um den so genannten “Saviors”, aber vor allem deren Anführer Negan (Jeffrey Dean Morgan) in einer letzten Schlacht die Stirn zu bieten. Und so stehen sie zusammen, der verbitterte Ex-Sheriff, die Frau mit dem Schwert, der selbsternannte König, die zornige Witwe und all die anderen Gebeutelten, um sich der Übermacht der gewalttätigen Verbrecher zu stellen. Als der Kampf beginnt, wird schnell klar: Nichts ist, wie es scheint. Und auch Feiglinge können zu Helden werden.

Na also! Endlich findet “The Walking Dead” zu alter Stärke zurück! Auf den letzten Metern beweisen die Produzenten, dass sie noch immer in der Lage sind, eine der besten Serien der Gegenwart am Laufen zu halten. Das Finale der achten Staffel hat Action, Spannung, aber vor allem Emotionen und jede Menge Überraschungen zu bieten. Hier gibt’s wie immer keine Spoiler, aber soviel sei verraten: “Wrath” (“Zorn”) macht Hoffnung für Staffel 9. Und hat mal wieder die Fans zum Leben erweckt, wobei einigen vor allem die vorletzte Szene so schwer im Magen liegt, dass der Titel der Folge eine weitere Bedeutung bekommt.

Wer während der quälend langen Geschichte um den Kampf gegen den verhassten und nahezu unbezwingbaren Negan vergessen hat, was einst so begeisternd an TWD war, wird hiermit daran erinnert. Das Ende der Welt hat eine Zukunft. Bleibt zu hoffen, dass die schlaffen Zuschauerzahlen dieser keinen Strich durch die Rechnung machen.

Zumal die Ablegerserie – ohnehin seit mindestens anderthalb Staffeln sehr originell und großartig – den Faden aufnimmt und das Serienuniversum sehenswert vergrößert. Der Trick ist dabei simpel: Morgan (Lennie James) marschiert einfach als einsamer Wanderer Richtung Mexiko und landet so mitten im Geschehen von “Fear The Walking Dead”. Dort trifft er auf neue Verbündete, was ihm gar nicht in den Kram passt. Denn der störrische Stockkämpfer wird noch immer von Visionen geplagt und hat daher der Gemeinschaft den Rücken gekehrt, um Ruhe zu finden. Sofern das unter lebenden Toten und in ständiger Gefahr für Leib und Leben überhaupt möglich ist.

Das Besondere an der ersten Folge der vierten Staffel, die Amazon Prime bereits zur Verfügung stellt: Niemand der FTWD-Darsteller ist zu sehen, keine der etablierten Figuren spielt mit. Erstaunlicherweise ist das eigentlich eine TWD-Folge, also ein fließender Übergang, der sich vermutlich erst mit Episode 2 tatsächlich abzeichnen wird. Und (wieder keine Spoiler) sie lässt sich am besten mit einer Anlehnung an Stephen King beschreiben: Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm. Glaubt es oder nicht – wenn ihr sie gesehen habt, werdet ihr das verstehen.

Die eine Serie zeigt sich in alter Form, die andere  bleibt gewohnt packend – so machen die Abenteuer in der Welt der wandelnden Leichen wieder Spaß. Blutigen Spaß, das ist klar.

Wenn Legenden leise sterben: Die “X-Files” sind geschlossen

Kirsten: Ich gehöre zu den fünf Fans auf diesem Planeten, die niemals wollten, dass Chris Carter die X-Akten noch einmal in die Hände nimmt. Der zweite Film war unterirdisch schlecht, aber das Ende war versöhnlich. Mulder und Scully zusammen in diesem Haus mitten im Nirgendwo. Sie Ärztin, er weiterhin einfach ein Nerd. Irgendwie glücklich, nicht mehr beim FBI. Die Monster im Dunkeln müssen sie nicht mehr jagen. Sie hatten sich. Endlich ein Ende! Ich war damit zufrieden. Und in der Sekunde, als es hieß, dass Chris Carter eine zehnte Staffel X-Files produzieren würde, war mir klar, dass das nur in der kompletten Katastrophe enden konnte.

Die zehnte Staffel, die ähnlich schlecht war wie der zweite Film, ließ mich ratlos und uns alle mit einem riesengroßen Cliffhanger zurück. Nun, in Staffel 11, stellte sich heraus: Scully hatte “nur” Visionen. Ach so, na dann. Diesmal zehn statt nur sechs Episoden, da sollte doch eigentlich genug Zeit sein, einen Plot zu entwickeln, die Mythologie wieder auf die Reise zu schicken, die fiesen Gegenspieler vorzustellen und standesgemäß einzuführen. Die elfte Staffel war stets bemüht – würde ich ins Zeugnis schreiben, denn diesmal dienten nicht nur die Klappen-Folgen 1 und 10 als Mythologie-Erzählung, sondern es wurde zwischendurch immer mal wieder William, der verschollene Sohn, ins Spiel gebracht. Dennoch ging der Versuch wieder daneben. Für dieses glücklose Unterfangen steht vor allem die Abschlussfolge, die gut und gerne die letzte X-Files-Folge überhaupt sein kann. Auf jeden Fall die letzte mit Gillian Anderson, die ihren Rückzug schon verkündet hat. Im Grunde ist das alles spoilerfrei schnell zusammengefasst: Verfolgungsjagden mit Auto, zu Fuß und natürlich immer im Dunkeln und unbedingt ohne Hand und Fuß. Und das alles möglichst lang, damit man sich 15 Minuten lang schon mal über die Zeit ärgern kann, die damit vertan wurde, unsinnige Jagden zu zeigen, statt eine Geschichte zu erzählen. Ich schaute das erste Mal nach 18 Minuten auf die Uhr, erschrak darüber, dass schon 18 Minuten vorbei und eigentlich noch nichts passiert war! Und dann geht alles ganz schnell. Showdown, Waffen, viel Dunkelheit, Tote, Blut, der Krebskandidat, William, Mulder und Scully. Und ein Ende, bei dem man nicht weiß, ob man weinen oder lachen soll. Irgendwie weniger dramatisch als gedacht, kein gar so schlimmer Cliffhanger, aber alles sehr unbefriedigend. Dialoge aus der Hölle, eine Mythologie ohne Anfang, ohne Ende, ohne Sinn und Verstand. Gegenspieler, deren Tod einen komplett kalt lässt, weil man sie eh nicht kannte.

Unter dem Strich steht ein Satz: Chris Carter hat seine eigene Kreation langsam und qualvoll umgebracht. Er kann es einfach nicht (mehr). Bitte bitte bitte lasst ihn das einfach nicht mehr tun. Lasst Mulder und Scully und ihr kleines Wunder einfach in Ruhe.

Immerhin hat Carter hellseherische Fähigkeiten. Die allumfassenden Folgen heißen nicht umsonst “Der Kampf”, wörtlich übersetzt eigentlich “Mein Kampf” – aber das traute man sich in Deutschland aus verständlichen Gründen wohl nicht. Auf jeden Fall sind alle vier Teile der pure Kampf: ums eigene Überleben, um nicht einzuschlafen, gegen den Herzinfarkt vor lauter Zorn, gegen eine wütende Heulattacke, um den eigenen Verstand. Vielen Dank, Herr Carter, wir arbeiten daran. Es spricht für sich, dass der beste Satz aus der vierten Episode der “Kampf”-Reihe dieser hier von Mulder ist: “I had some payback … to pay back.” (Ich musste Vergeltung… vergelten.) Hatte ich Dialoge aus der Hölle erwähnt?

Lieber Chris Carter, einen Gefallen bitte: Leg den Griffel weg!

Markus: Es hätte so schön sein können: Mit Geschichten über psychopathische Zwillinge (grandiose Leistung von Karin Konoval!), Höllenhunde und Amok laufende Technik, die hinter dem “Black Mirror” lauert, bewiesen die “X-Files”, dass sie nicht zum alten Eisen gehören und in guten Momenten dem Nachwuchs zeigen, wo der Hammer hängt.

Einzig der Auftakt ließ dröhnende Schläge auf den Amboss vermissen und stattdessen ein harmloses, aber selbstverliebtes Hämmern hören – denn einmal mehr stand Chris Carter an der Schmiede, und der hat seinen Schwung bereits irgendwann Anfang der 90er verbraucht. Der Mann hat ein ganzes Genre erfunden oder zumindest definiert. Er hat eine Fernsehserie geschaffen, die wie keine andere ein Jahrzehnt geprägt hat. Er hat uns Mulder und Scully geschenkt, das verdammt tollste Paar in der Geschichte des Heimkinos. Und zu keinem Zeitpunkt hat er verstanden, was er da überhaupt tut.

Denn es war nicht schön, es war schade – das Ende nämlich, der Staffel, der Serie gar. Die Erwartungen waren hoch, und das waren sie zurecht. Wenn Legenden gehen, dann bitte mit einem lauten Krachen, das den metaphorischen Amboss in tausend Teile zerbersten lässt. Wir wollten einen Rückblick mit Erinnerungen an all die Charaktere, die uns so lange begleitet haben – die Gunmen, Deep Throat, meinetwegen den fuckin’ Wurmmann! Wir wollten Pathos und bittersüße Melancholie. Wir wollen ein Happy End – oder wenigstens ein Ende, das dem übermächtigen Erbe der X-Akten würdig ist.

Stattdessen bekamen wir eine mit ungelenk inszenierten Vorfolgungsjagden gestreckte Standardfolge voller Leerlauf, sinnlosem Getöse und einer letzten Szene, die allenfalls nicht ganz so furchtbar war wie befürchtet. Nur: Dies sind die “X-Files” – und wenn die für immer zugeklappt werden, dann hat das gefälligst großartig zu sein und nicht “hätte schlimmer kommen können”.

Schlimmer geht natürlich immer, das hat uns Mister Carter so intensiv gelehrt wie niemandem zu vertrauen. Aber wenn wir ein Vierteljahrhundert lang mitfiebern, wie die beiden FBI-Agenten die Wahrheit jagen, dann wollen wir am Schluss erleben, dass diese nicht mehr irgendwo da draußen ist, sondern endlich greifbar nah. Und dass unsere Helden ihre verdiente Ruhe finden.

Doch Sturkopf Carter serviert uns einen stumpfen, einen verkrampften, einen weiteren Cliffhanger. Eigenartige Dialoge, die selbst Anderson und Duchovny einiges abverlangen. Eine Storyline, die im Nichts endet. Und eine Reihe unnötiger und sinnfreier Tode. Das alles ist fast würdig, in diese Liste des Grauens aufgenommen zu werden. Unterm Strich bleibt ein Satz mit X (immerhin das ist konsequent) und die Hoffnung, dass die X-Akten wirklich für immer geschlossen bleiben. Traurig genug.

Mulder und Scully werden mir fehlen. Ihr Erfinder sicher nicht.

“The Orville” hebt ab: Macht nicht mehr draus, als es ist!

Captain Ed Mercer (Seth MacFarlane) hat viel um die Ohren: Nicht genug, dass ihn seine erste Mission als Captain des Raumschiffs “Orville” vollauf beschäftigt, kommt ihm auch noch sein Erster Offizier Kelly Grayson (Adrianne Palicki) in die Quere. Die Gute hat Haare auf den Zähnen und ist seine Ex-Frau. Im Vergleich zur Dauerdiskussion mit ihr kommt Ed die Zusammenarbeit mit seiner restlichen Crew fast entspannt vor. Dabei besteht diese aus ebenfalls durchaus verspannten Egozentrikern – unter ihnen die resolute Schiffsärztin Dr. Claire Finn (Penny Johnson Jerald), der notorisch grimmige Zweite Offizier Bortus (Peter Marton), ein Kling… äh: Moclaner, die unerfahrene Vulk… äh: Xelayanerin Alara Kitan (Halston Sage) und der kühle Androi… äh: Kaylon Isaac (Mark Jackson), seines Zeichens Wissenschaftsoffizier und auf Forschungsmission unter seinen biologischen Kameraden.

Viel war in den vergangenen Monaten zu lesen über MacFarlanes aktuelles Projekt. Der Mann, der mit der Trickserie “Family Guy” oder Filmen wie “Ted” nicht nur der Unterhaltungsindustrie, sondern der Gesellschaft vor allem in den Vereinigten Staaten den Spiegel vorhält, hatte sich vorgenommen, seiner Begeisterung für Star Trek nachzugehen. “The Orville”, das Ergebnis seiner Arbeit, sei sehr gelungen, hieß es von jenen, die die Serie bereits verfolgt hatten. Sie sei sogar besser als “Star Trek: Discovery”, also das offizielle neue Produkt des Franchise. Dabei balanciere es gekonnt zwischen Parodie und durchaus ernstzunehmender Hommage an das Original, namentlich der ersten Serie und “The Next Generation”. Sogar zwei Fronten kristallierten sich heraus: Wem die Abenteuer der “Discovery” nicht klassisch genug erschienen, der hielt nun eisern zur Crew der “Orville”.

Wie so oft, wenn etwas mit viel Getöse diskutiert und all zu frenetisch gefeiert wird, ist eigentlich alles halb so wild. “The Orville” – inzwischen auf ProSieben zu sehen – ist eine nett gemachte, überraschend kostengünstig produzierte Parodie auf TOS und TNG. Nicht weniger, aber auch mit gutem Willen auf keinen Fall mehr. Oder anders: Wer angesichts des einen oder anderen kreativen Plots tatsächlich glaubt, hier auch nur einen Hauch von ernsthafter SF-Serie wahrzunehmen, hält mit Sicherheit auch “Family Guy” für harmlosen Zeichentrick aus dem Kinderprogramm.

Das Problem: So richtig lustig ist “The Orville” leider nicht. Gemessen am Zynismus von MacFarlanes sonstigen Projekten kommen die Dialoge relativ harmlos daher. Und bedenkt man den Enthusiasmus und den Sinn für Perfektion, die er für gewöhnlich an den Tag legt, sieht das Ergebnis zudem wenig beeindruckend aus. Es mag allerdings Absicht sein, dass die Optik von “The Orville” an bessere Fan-Filme erinnert. Die beiden zugrunde liegenden Serien waren technisch auch nicht direkt ihrer Zeit voraus. (Nicht vergessen: Visuell konnte Star Trek immer eher im Kino punkten.)

Bleibt unterm Strich eine vergleichsweise harmlos-humorvolle Parodie, die dem Anspruch, den ein allzu frenetisches Publikum ihr andichtet, gar nicht gerecht werden kann. Und dies sympathischerweise auch zu keinem Zeitpunkt versucht. Der Kaiser ist nackig, Freunde – er hat aber auch nichts anderes behauptet.