Der Haifisch, der hat Zähne – auch im Kino und in der Glotze

Fast wäre der letzte Megalodon in der Hölle der vergessenen Drehbücher untergegangen. Aber nach einigem Hin und Her hinter den Kulissen läuft die Verfilmung des Romans von Steve Alten nun endlich im Kino. Erste Stimmen von Kritikern und Zuschauern zu “Meg” klingen allerdings eher verhalten. Vor allem die Entscheidung, aus einer blutigen Monster-Geschichte ein vergleichsweise harmloses Unterwasser-Abenteuer mit einer Freigabe ab zwölf Jahren zu machen, scheint dem Film eher geschadet als genutzt zu haben. Das sieht sogar Hauptdarsteller Jason Statham so.

Dabei sind Filme mit mörderischen Haien fast schon ein eigenes Genre – und gerade im Trash-Sektor überaus beliebt. Nach einem Abstieg in die düsteren Tiefen der privaten Filmsammlung kommt hier aus Anlass des “Meg”-Filmstarts die ultimative Retrospektive als Hommage an den vermeintlichen Killer der Meere.

2-Headed Shark Attack (2012): Was ist besser als ein Riesenhai? Richtig: ein Riesenhai mit zwei Köpfen. Und weil im C-Film immer gilt “viel hilft viel”, gibt es natürlich auch “3-Headed Shark Attack” (2015), “5-Headed Shark Attack” (2017) und “6-Headed Shark Attack” (2018). Weshalb “4-Headed Shark Attack ausgelassen wurde, bleibt eines der ungelösten Rätsel der sieben Weltmeere.

“47 Meters Down” (2017): Im Gegensatz zu den meisten neueren Hai-Filmen bemüht sich diese Unterwasser-Variante von “Frozen” (2010 – nein, nicht der Disney-Zeichentrick) immerhin um ein originelles Setting. Die beiden Protagonistinnen sind nämlich in einem Hai-Käfig gefangen und haben keine Aussicht, nach oben zu gelangen. Nun dienen Hai-Käfige zwar dazu, die Fische, nach denen sie benannten wurden, fernzuhalten, aber im Horrorgenre geht natürlich schief, was schiefgehen kann…

“Bait 3D – Haie im Supermarkt” (2012): Wer sich fragt, wie Haie ausgerechnet in einen Supermarkt kommen, versteht offenbar nicht die bewusste Anlehnung an ähnliche Ausgangssituationen in Zombie-Filmen. Ein Tsunami macht’s möglich (glücklicherweise kein “Sharknado”), und der Film ist durchaus für manchen Schockmoment gut. Bei Supermarktbesuchen ja eher unüblich.

“Creature” (1998): Im Original ist die verquere Geschichte um einen irren Wissenschaftler, der aus seinem Sohn eine Mischung aus Mensch und Hai macht, eine Miniserie. In unseren Breitengraden ist ein Zusammenschnitt als Film auf DVD erschienen. Effekte und Story verorten den Angriff der Kreatur als eindeutiges Produkt der 90er Jahre. Und das ist ausnahmsweise kein Lob.

“Deep Blue Sea” (1999): Die zu Unrecht viel gescholtene Geschichte um genetisch modifizierte Haie, die in einem Meereslabor aufräumen, ist tatsächlich ein straff inszenierter Actionfilm. Dahinter stecken schon Hirn und Herz – und man bekommt den kürzesten Auftritt von Samuel l. Jackson, den dieser jemals hingelegt hat, ehe Thomas Jane und LL “Cool” J. das Ruder übernehmen. Vermeidet aber die grottige Fortsetzung “Deep Blue Sea 2” (2018), die bis auf den Titel nichts mit dem Original zu tun hat.

“Dinoshark” (2010): Ein prähistorischer Hai frisst alle, die er trifft.

“Empire Of The Sharks” (2017): In naher Zukunft ist die Erde komplett mit Wasser bedeckt. Das freut die Haie, die alle fressen, die sie treffen.

“Ghost Shark” (2013): Der Geist eines Hais frisst alle, die er trifft.

“Hai-Alarm am Müggelsee” (2013): Absurd, grotesk, saulustig und mit der Musik von Sven Regener.

“Hai-Alarm auf Mallorca” (2004): Ralf Moeller porträtiert in diesem Sozialdrama fein nuanciert den Hubschrauberpiloten Sven Hansen, der auf der Ferieninsel Mallorca hart arbeitet, um seine Tochter Maja (Ooana Devi Liebich) zu versorgen. Als er der Meeresbiologin Julia Bennet (Julia Stinshoff) begegnet, erkennt er, dass es im Leben mehr gibt als Krafttraining und Zigarren. Zum Beispiel den Kampf gegen einen riesigen Hai, der Touristenführer und Touristen frisst. Aber was hat die sinistre Wissenschaftlerin Dr. Verena Brandauer (Katy Karrenbauer) damit zu tun? Und wer hält Jeanette Biedermann (Jeanette Biedermann) vom Singen ab, während Hansen den Hai jagt?

“Hai Attack” (2011): Ein Hai ignoriert den dämlichen deutschen Titel und frisst in einem Sumpf alle, die er trifft.

“Ice Sharks” (2016): Haie fressen im Eis alle, die sie treffen.

“Jurassic Shark” (2012): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Es gibt zwei Fortsetzungen, die konsequenterweise “Jurassic Shark 2” (1998 als “Great White” veröffentlich, 2013 unter neuem Titel vermarktet) und “Jurassic Shark 3” (2002 als “Megalodon” veröffentlicht, 2013 unter neuem Titel vermarktet) heißen und keine Fortsetzungen sind.

“Mega Shark versus Giant Octopus” (2009): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Kraken.

“Mega Shark gegen Crocosaurus” (2010): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Saurier.

“Mega Shark versus Mechatronic Shark” (2014): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen künstlichen Hai.

“Mega Shark versus Kolossus” (2015): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Roboter.

“Monster Shark” (1984): Eines der unerträglichen “Jaws”-Plagiate der 80er Jahre. Hat sich seinen Eintrag in diese Liste jedoch erobert, weil immerhin relativ früh eine obskure Monstermischung den Antagonisten gibt: Krake plus Hai (fehlgeschlagenes Militärexperiment, klar).

“Open Water” (2003): Man kann über diesen Film geteilter Meinung sein. Einerseits ist schon was dran, wenn Kritiker unken, letztlich sehe man anderthalb Stunden zwei Menschen beim Sterben zu. Andererseits sind es ja oft gerade minimalistisch angelegte Filme, die wegen ihrer reduzierten Geschichte eine besondere Spannung erzeugen: verbissener Cop im Hochhaus, verfolgtes Opfer in der leeren Wohnung, verzweifeltes Paar im Sessellift… Aus sowas lässt sich einiges rausholen. Hier werden zwei Taucher allein und verloren auf dem Meer zurückgelassen. Allein. Verloren. Ohne Boot. Auf dem großen, dunklen Ozean. Und irgendwann kommen die Haie. Es gibt eine angebliche Fortsetzung namens “Open Water 2” (2006), die das um den Umstand ergänzt, dass die Protagonisten nicht auf ihr Boot zurückkehren können. Beide Filme sind beklemmend, aber sehenswert.

“Planet Of The Sharks” (2016): In naher Zukunft ist die Erde komplett mit Wasser bedeckt. Das freut die Haie, die alle fressen, die sie treffen.

“Sand Sharks” (2011): Haie fressen im Sand alle, die sie treffen.

“The Shallows” (2016): Nancy Adams (Blake Lively) sieht aus wie ein Unterwäsche-Model und benimmt sich wie ein Smartphone-süchtiger Teenager, ist aber laut Drehbuch eine Medizinstudentin. Auf der Suche nach Ablenkung angesichts eines Trauerfalls in der Familie gerät sie in eine abgelegene Bucht in Mexiko. Als ihr ein hungriger Hai Gesellschaft leistet, stellt sie fest, dass sie außer Bikini, Surfbrett und Telefon vielleicht noch eine Harpune ins Handgepäck hätte schmuggeln sollen. Andererseits wäre dieser Film dann nicht so spannend, wie er tatsächlich ist. Das einstige “Gossip Girl” schlägt sich wacker, und der relative Realismus macht dieses schaurige Kammerspiel zu einem echten Hai-light.

“Shark In Venice” (2008): Venedig sehen und sterben – die Opfer der offenbar fehlgeleiteten Titelfigur nehmen dieses Motto allzu wörtlich. Einmal mehr ist es der ungewöhnliche Schauplatz, der diesen Tierhorror aus der Masse vergleichbarer Filme hervorhebt. Wann dreht jemand “Haie in Amsterdam”?

“Sharknado” (2013): Ein Tornado voller Haie sorgt für Chaos.

“Sharknado 2 – The Second One” (2014): Ein Tornado voller Haie sorgt für noch mehr Chaos.

“Sharknado 3 – Oh Hell No!” (2015): Ein Tornado voller Haie sorgt für viel mehr Chaos.

“Sharknado – The 4th Awakens” (2016): Mehrere Tornados voller Haie sorgen für Chaos.

“Sharknado 5 – Global Swarming” (2017): Mehrere Tornados voller Haie verursachen den Weltuntergang.

“Shark Night” (2011): Junge, attraktive Haie treffen auf blutrünstige, garstige Menschen – ach nee, das ist ja die Realität. Hier ist es natürlich wie immer umgekehrt. Die Bandbreite der Hai-Sorten ist so beeindruckend wie jene der originellen Todesarten. Klarer Fall für einen hai-meligen Filmabend.

“Sharktopus” (2010): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft.

“Sharktopus vs. Pteracuda” (2014): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft. Dann kämpft sie gegen eine Mischung aus Saurier und Barracuda.

“Sharktopus vs. Whalewolf” (2015): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft. Dann kämpft sie gegen eine Mischung aus Wal und Wolf. (Heilige Scheiße…)

“Snow Sharks” (2012): Haie fressen im Schnee alle, die sie treffen.

“Supershark” (2011): Ein unbesiegbarer Megalodon frisst alle, die er trifft.

“Tintorera – Meeresungeheuer greifen an” (1977): Zwölf Jahre alt war der Autor, als er mit schreckgeweiteten Augen vor dem Plakat dieser englisch-mexikanischen Co-Produktion stand. Diese wurde nämlich mit reichlich Abstand zu ihrer Kinopremiere auf Video veröffentlicht und mit einem absurd-blutigen neuen Titelbild versehen. Der Film selbst ist vergleichsweise harmlos (das erfuhr der Verfasser erst sehr viel später) und setzt erstaunlicherweise relativ häufig auf dokumentarische Aufnahmen der angeblichen “Ungeheuer”.

Der weiße Hai (1975): Mit diesem Klassiker fing alles an. Steven Spielberg (damals wie George Lucas noch Teil der jungen Generation innovativer Hollywood-Regisseure) inszeniert den Zweikampf zwischen Polizeichef Martin Brody (Roy Scheider) und dem großen Weißen als Hommage an die Monsterfilme seiner Kindheit, verwendet aber für damalige Verhältnisse beeindruckende Spezialeffekte und erzeugt eine kaum gekannte Spannung. Die Musik kennt jeder, den bei den Dreharbeiten “Bruce” genannten Hauptdarsteller inzwischen auch. In der Folge waren die Strände leer gefegt, die Videotheken jedoch überfüllt – mit billigen Kopien dieses Meisterwerks. Dazu zählen leider auch die drei Nachfolger – wenngleich “Jaws 3-D” (1983) immerhin auf Dreidimensionalität setzt.

“Zombie Shark” (2015): Ein untoter Hai frisst alle, die er trifft, und macht sie zu Zombies.

Nichts ist unmöglich: “Mission: Impossible – Fallout” hängt die Konkurrenz locker ab

Superagent Ethan Hunt (Tom Cruise) ist eigentlich zu menschlich für seinen Job. Im Zweifel entscheidet er sich dafür, sein Team zu beschützen und die Rettung der Welt danach anzugehen. Sein Chef Alan Hunley (Alec Baldwin), Leiter der Spezialeinheit IMF, sieht diesen Wesenszug jedoch als Vorteil. Der klotzige CIA-Killer August Walker (kongenial besetzt: Henry Cavill), der Hunt zur Seite gestellt wird, ist hingegen das genaue Gegenteil. Gemeinsam sollen der mit allen Wassern gewaschene Draufgänger und der großmäulige Hüne den Anarchisten Solomon Lane (Sean Harris) zur Strecke bringen, bevor dieser die eingangs erwähnte Welt mit gestohlenen Atomwaffen bedrohen kann.

Einmal mehr werden die Karten im Katz-und-Maus-Spiel um Hunt also neu gemischt. Gut, dass er sich auf seine inzwischen eingespielten Mitstreiter verlassen kann: die gerissene Ilsa Faust (Rebecca Ferguson), das Technik-Ass Benji Dunn (Simon Pegg) und den Veteranen Luther Stickell (Ving Rhames). In den Gassen von Paris und den Bergen von Kashmir liefern sich Spione und Terroristen eine wilde Verfolgungsjagd, während die Fäden ein geheimnisvoller Unbekannter im Hintergrund zieht. Als seine Ex-Frau Julia (Michelle Monaghan) bedroht wird, wird es für Ethan persönlich. Und mal wieder scheint seine Mission unmöglich zu meistern zu sein…

Wow! Mit jedem neuen Action-Kracher, den Hollywood auf die Leinwand bringt, werden neue Superlative bemüht. Die aufregendste Szene. Die spektakulärsten Bilder. Noch nie gesehene Ideen. Und jedesmal denken selbst erfahrene Cineasten: Das war’s – mehr geht nicht. Die sechste “Mission: Impossible” nun legt die Messlatte für künftige Streifen dieses Genres noch einmal höher. Versprochen: Es gibt in diesem Film tatsächlich mindestens eine Szene, die man so noch nie gesehen hat. Und die einem den Atem raubt.

Das war streng genommen bei den Vorgängern kaum anders: Man erinnere sich nur an Tom Cruise’ Stunt am Burj Khalifa in “Phantom Protokoll”. Die Reihe wird spätestens seit dem dritten Teil immer sehenswerter, und das verdankt sie in erster Linie ihrem ehrgeizigen Hauptdarsteller und Produzenten. Der umstrittene Scientologe mag ein fragwürdiger Charakter sein, aber für seinen Job gibt er immer 100 Prozent – und das sieht man. Cruise ist eine getriebene Kampfsau, er geht dahin, wo’s weh tut. Buchstäblich: Während der Dreharbeiten zu “Fallout” verletzte er sich beim Sprung von einem Hochhaus zum anderen am Bein und humpelte weiter. Die Szene blieb im Film. Das Ergebnis dieses Ehrgeizes ist einer der besten Actionfilme der vergangenen Jahre – da verzeiht man Cruise gerne Gurken wie “Die Mumie”.

Zu keiner Sekunde langweilig, atemberaubend gefilmt und voller Ideen: “Fallout” ist verdammt nah an der Perfektion. Was diese verhindert? Kleinkram. Beispielsweise agiert “Superman” Henry Cavill mit seinem tapfer verteidigten Schnauzer gewohnt hölzern. Seinen Walker hätte “Beißer” Richard Kiel nuancierter angelegt. Und ein, zwei überraschende Twists scheinen doch etwas sehr weit draußen. Das trübt den Gesamteindruck jedoch wirklich nur minimal. Seit 23 Jahren tobt Ethan Hunt mittlerweile durchs Kino und wird dabei besser und besser.

Unterdessen hört man aus London ein lautes Schluchzen, eher geschüttelt als gerührt.

Auf die Größe kommt’s nicht an: “Ant-Man And The Wasp”

Haben wir ihn übersehen, weil er so winzig ist? Nein, Scott Lang alias Ant-Man (Paul Rudd) hat in “Avengers: Infinity War” tatsächlich als eines von zwei Teammitgliedern nicht mitgespielt. Sein zweiter Solo-Film füllt nun die Handlungslücke: Nachdem er in “Civil War” an der Seite von Steve Rogers (Chris Evans) über sich hinausgewachsen ist, wird Lang dieser Einsatz als Verbrechen ausgelegt. Ausgerechnet der geläuterte Meisterdieb ist erneut mit dem Gesetz in Konflikt geraten und zu Hausarrest verdonnert worden.

Als er wieder Kontakt zu seinem Mentor Henry Pym (Michael Douglas) und dessen Tochter Hope van Dyne (Evangeline Lilly) aufnimmt, ist es für Scott mit der relativen Ruhe im Gewahrsam bald vorbei. Dabei will er ebenso wenig ein Held sein wie ein Ganove – zumal neue Abenteuer nicht recht konform gehen mit seiner Fürsorge für Töchterchen Cassie (Abby Ryder Fortson). Da es jedoch um Hopes verschollene Mutter Janet (Michelle Pfeiffer) geht und Pyms früherer Partner “Goliath” Foster (Laurence Fishburne) ins Spiel kommt, wird Lang einmal mehr zum insektengroßen Superhelden – immer auf der Flucht vor den Behörden, denen gegenüber er den reumütigen Verurteilten gibt. Cassie erteilt ihm ihren Segen: “Vielleicht brauchst du einfach einen Partner.” Und so ist Scott nicht der einzige Verbrecherjäger im Miniaturformat…

Es ist und bleibt die große Stärke des Marvel Cinematic Universe, einerseits massenkompatible Geschichten von hohem Unterhaltungswert und vor relativ realistischem Hintergrund zu erzählen, andererseits aber souverän die echten Fans zufriedenzustellen. Diesmal werden Comic-Leser unter anderem die Bezüge zum Verhältnis von Janet und Hank erkennen sowie sich über eine vielsagende Andeutung freuen. Und eine beliebte Nebenfigur aus dem ersten “Ant-Man” bekommt mehr Zeit auf der Leinwand.

Zum Film selbst: Jeder MCU-Streifen (und auch jede Serie) zerrt ein eigenes Genre ins große, komplexe Universum. Diesmal ist es tatsächlich familientaugliches Abenteuerkino: Das Treffen des Ameisenmanns und der Wespe ist zu keiner Minute langweilig, aber eben auch zu keiner Minute tatsächlich dramatisch. Die Actionszenen sind gewohnt großartig gemacht, aber eben auch eher lustig als spannend. Oder anders: Man sollte sich klar machen, dass die Abenteuer von Scott Lang deutlich mehr mit “Die Reise ins Ich” zu tun haben als mit dem “Punisher”. “Ant-Man And The Wasp” ist kleiner, leichter, lockerer als “Infinity War”.

Nun kommt es ja nicht auf die Größe an, deswegen ist das völlig in Ordnung. Es ist auch wie erwartet sehenswert. Es wendet sich jedoch möglicherweise an die jüngeren unter den Marvel-Fans – wie bereits “Spider-Man: Homecoming”. Schon erstaunlich, was man aus dem Spiel mit Größenverhältnissen alles rausholen kann. Und schön, dass sich Paul Rudd auf seine Comedy-Wurzeln besinnen darf.

Doch jetzt kommt’s: Es gibt in diesem farbenfrohen Gewusel eine Ausnahme. Eine Szene ist es, die das Ganze dann doch dramatischer macht. Und gleichzeitig die große Hintergrundgeschichte weitererzählt. Aber davon soll an dieser Stelle natürlich nichts zu lesen sein. Es bleibt spannend. Auch nach dem Kinobesuch.

Blick auf den bunten Herbst – noch mehr Trailer von der Comic-Con

Nachdem wir hier bereits den ersten Schwung der neuen Trailer von der Comic-Con 2018 gezeigt haben, gibt’s noch ein paar. Der Herbst wird bunt (und der kommende Frühling offenbar auch).

Der Film: Aquaman
Der erste Eindruck: Zu bunt, zu viele Effekte – wird DC im Kino den Rest geben.

Der Film: Shazam
Der erste Eindruck: Zu bunt, zu viele Witze – okay, der wird DC im Kino den Rest geben.

Der Film: Godzilla – King Of The Monsters
Der erste Eindruck: Dürfte etwas weniger poetisch sein, aber immerhin sieht man was.

Der Film: Glass
Der erste Eindruck: Macht aus “Unbreakable” und “Split” die lang erwartete Trilogie.

Die Serie: Fear The Walking Dead – Staffel 4
Der erste Eindruck: Der Cowboy lebt! Yeehaa!

Die Serie: Star Trek: Discovery – Staffel 2
Der erste Eindruck: Immer noch ein bisschen zerrupft…

Die Serie: Arrow – Staffel 7
Der erste Eindruck: Alles beim Alten in Star City.

Die Serie: Legends Of Tomorrow – Staffel 4
Der erste Eindruck: Gewohnt bunt, könnte auch gewohnt unterhaltsam werden.

Die Serie: The Flash – Staffel 5
Der erste Eindruck: “Ich bin deine Tochter!” – “Neeeiiin!”

Die Serie: Supergirl – Staffel 3
Der erste Eindruck: Wie immer geht es um das ganz Große – bisschen ermüdend.

Frische Kurz-Kritiken (4): Skyscraper

Was? FBI-Agent Will Sawyer (Dwayne “The Rock” Johnson) hat sich nach einem misslungenen Einsatz aus seiner Branche zurückgezogen. Mit seiner Frau, der Miltär-Ärztin Sarah (Neve Campbell), und den Zwillingen lebt der amputierte Hüne nun im größten Wolkenkratzer der Welt in Hongkong, um dort im Auftrag von dessen Erbauer – Philantrop Zhao Long Ji (Chin Han) – für die Sicherheit zu sorgen. Diese ist allerdings akut gefährdet, als Terroristen ein Feuer legen, um den Milliardär zu erpressen. Um seine Familie, seinen Auftraggeber und das Gebäude zu retten, muss die Ein-Bein-Armee also nochmal ran. Gut, dass er immer reichlich Klebeband dabei hat…

Wo? im Kino

Wie? Man bekommt, was man erwartet: “The Rock” reißt sich für seine Lieben förmlich ein Bein aus, um in dieser tumben, aber unterhaltsamen Variante von “Stirb langsam” den Tag zu retten. Johnson weiß, was er tut – er ist clever und selbstironisch genug, um die immer gleiche Rolle nicht langweilig werden zu lassen. 90’s-Darling Neve Campbell hat erwartbar den Charme und das Talent, um an seiner Seite als überraschend passende Partnerin die bösen Buben zu vertrimmen. Und Pablo Schreiber (“Orange Is The New Black”, “American Gods”) empfiehlt sich in der Figur des zunächst undurchsichtigen – Spoiler! – Widerlings als seinem Halbbruder Liev durchaus ebenbürtig. Die eigentliche Hauptrolle spielt indes das Hochhaus, letztlich also die Spezialeffekte. Und die können sich sehen und hören lassen: Es kracht und rumpelt ordentlich, schwindelfrei sollte man außerdem sein. Ideal also für einen Kino-Abend ohne intellektuellen Anspruch oder demnächst für Heimkino mit kalten Getränken. Er humpelt auf jeden Fall souverän über die Ziellinie, dieser Wolkenkratzer unter den aktuellen B-Movies.

Mach’s uns noch einmal, Wade: Volle Deckung – “Deadpool 2” legt los!

Symbolbild: Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds).

Luke (Alan Tudyk) und sein Kumpel (Matt Damon) sind Rednecks und verbringen ihre Zeit gerne mit langen Gesprächen. Als sie sich eines Nachts über die Verwendung von Toilettenpapier unterhalten, werden sie vom Zeitreisenden Cable (Josh Brolin) unterbrochen, der sie nach der Jahreszahl fragt, aber dann ungeduldig betäubt…

Okay – das ist natürlich nicht die Handlung von “Deadpool 2”. War nur ein Scherz. Die geht nämlich so:

Peter (Rob Delaney) bewirbt sich nach der Lektüre einer Kleinanzeige für die Gründung eines neuen Superhelden-Teams. Zwar verfügt er weder über außergewöhnliche Fähigkeiten noch über Erfahrungen in der Branche, aber er fand die Annonce lustig und versuchte daher sein Glück…

Schon gut, schon gut! Auch das ist nicht die Handlung von “Deadpool 2”. Das hier ist sie:

Nachdem seine Freundin Vanessa (Morena Baccarin) ermordet wurde, versucht der Söldner und Antiheld Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds), ebenfalls aus dem Leben zu scheiden. Dies stellt sich jedoch als erwartbar kompliziert heraus, denn seine Selbstheilungskräfte setzen selbst nach einer Explosion zuverlässig ein. Da kommt es ihm fast gelegen, dass Colossus (Stefan Kapicic) ihn endlich zu einem Mitglied der X-Men machen will. Bei seiner ersten Mission als Lehrling der Mutanten-Truppe bekommt es Wade mit dem 14-jährigen Russell Collins (Julian Dennison) zu tun, der sich selbst Firefist nennt und damit droht, das Waisenhaus abzufackeln, in dem er lebt. Nachdem Deadpool den Grund für den Tobsuchtsanfall des jungen Mutanten erfahren hat, ist klar, auf wessen Seite er steht, als der grimmige Cable aus der Zukunft dem Jungen nach dem Leben trachtet. Fortan geht es um die mögliche Entwicklung eines Teenagers, um einen Teddybären und darum, wer schneller ballert und härter zuschlägt. Und dabei wollte Wade doch nur in aller Ruhe sterben.

Fast Thanos (Josh Brolin, links) und nicht Deathstroke (Hal Jordan).

Das ist nun wirklich die grob skizzierte Handlung der Fortsetzung von “Deadpool”. Und mehr soll dazu auch nicht verraten werden. Denn was Regisseur David Leitch und die Autoren um Hauptdarsteller Reynolds da in knapp zwei Stunden abfackeln, ist mit “Feuerwerk” nur unzureichend beschrieben. Ihr glaubt, ihr habt schon alles gesehen? Derart viele Gags, Anspielungen und Gastauftritte in solch schneller Folge noch nicht! Und dabei haben wir noch kein Wort über die furiosen Action-Sequenzen verloren. Wie beschreibt man sowas..? Ach ja: Stellt euch einfach “Deadpool” vor und multipliziert es mit 100.

Das Erstaunliche: Zwischen einem wahren Hagel aus bekloppten Sprüchen, tödlichen Kugeln und krachenden Karate-Tritten bleibt der Fortsetzung des Erfolgsfilms von 2016 tatsächlich noch Zeit für echte Gefühle. Es geht wirklich um etwas, die dauerquasselnde Kampfmaschine wird sympathischer und menschlicher dargestellt als im Vorgänger. Ansonsten bekommen die Fans, was sie wollen: “Deadpool 2” (erfrischenderweise ohne deutsche Ergänzung im Titel wie “Den Himmelhund auf dem Highway küsst man nicht” oder “Draußen nur Kännchen”) hält sich verdammt nah an die Comic-Vorlage, ist also brutal und lustig, dreckig und mitreißend, anstrengend und großartig – und bricht ständig die “Vierte Wand”.

Ihr habt genug von den erfolglosen Versuchen, das DC-Universium auf Luthor komm raus möglichst düster zu inszenieren? Selbst das grandiose Marvel Cinematic Universe macht euch nach zehn Jahren langsam ein wenig müde? Dann guckt euch trotzdem – oder gerade deshalb – das neue Abenteuer von Deadpool an. Wade Wilson will’s wieder wissen (und auf Alliterationen steht Prügelstrafe – mit dem Samurai-Schwert).

Alleingang im All: Der Krieg der Sterne wird zum Piratenabenteuer

Der junge Draufgänger Han (Alden Ehrenreich) schlägt sich auf seinem Heimatplaneten Corellia zwischen maroden Fabrikhallen und überfüllten Straßen als Gauner durch. Nach einem Konflikt mit der kriminellen Elite und der unterdrückenden Obrigkeit entschließt er sich, seinem Freiheitsdrang nachzugeben und dem tristen Dasein zu entfliehen. Dabei wird er von seiner Freundin Qi’ra (Emilia Clarke) getrennt und schließt sich kurzerhand dem Imperium an. Sein Ziel: eine militärische Pilotenausbildung zu absolvieren, um eines Tages zurückzukehren und seiner Gefährtin ebenfalls ein freies Leben zu ermöglichen. In den Wirren des Krieges zwischen den Sternen kommt es für den charmanten Halunken allerdings anders als geplant. Er gerät weiter auf die schiefe Bahn, kann sich im abenteuerlichen Getümmel nur auf seine Talente als Schütze und Pilot verlassen – und auf einen besten Freund fürs Leben, der fortan nicht von seiner Seite weicht.

Wow! Auch nach 40 Jahren als Fan schafft es “Star Wars”, mich zu überraschen. Erst krempelt die Fortsetzung der Saga in “Die letzten Jedi” mal eben Gewohntes um und haucht dem Franchise neues Leben ein. Und nun zeigt die zweite Zwischenmahlzeit nach “Rogue One” erneut, dass man die Vorgeschichte altbekannter Helden packend erzählen kann. Dabei geht “Solo” einen ganz ähnlichen Weg: Zwar ist die Stärke von George Lucas’ Sternenkrieg seit jeher, dass grundverschiedene Elemente miteinander kombiniert werden, und das ist auch der Grund für den jahrzehntelangen Erfolg bei immer neuen Generationen von Anhängern. Raumschiffe und Roboter, Ritter und Piraten, Monster und Außerirdische, Magie und Technik, Schwerter und Blaster, das Ganze in einer packenden Geschichte um Krieg und Freundschaft und Liebe… Klar, dass das begeistert.

Aber die “Star Wars Storys” setzen auf ein anderes Konzept: Sie nehmen eines der Mosaiksteinchen und schaffen dadurch einen neuen Fokus auf das große Ganze. War “Rogue One” ein vergleichsweise harter Kriegsfilm, der die schwitzenden und blutenden Truppen in Nahaufnahme zeigte, ist das erste Abenteuer von Han Solo ein klassisches Swashbuckler-Märchen, voller aufregender Bilder und schräger Figuren.

Das funktioniert grundsätzlich großartig: Alden Ehrenreich verkörpert den Schurken, der meist widerwillig das Richtige tut, durchaus überzeugend und ohne Harrison Ford nur zu kopieren. Donald Glover ist ein charmant-hinterhältiger Lando Calrissian, während Emilia Clarke (“Game Of Thrones”) allenfalls solide und Woody Harrelson sich selbst spielt. Paul Bettany gibt wirklich bedrohlich den sinistren Psychopathen – und wer die vier mehr oder weniger überraschenden Cameos bekannter Darsteller mitkriegt, darf sich zu Recht als Fan bezeichnen. Auch kommt das “Solo”-Abenteuer als kühner Ritt daher, niemals wird es langweilig, immer ist etwas los. Die Protagonisten hetzen von einer grotesken Welt zur nächsten – und natürlich sind die Spezialeffekte erwartungsgemäß atemberaubend. Die Geschichte von Han im Unglück erzählt jedoch die eines Vertreters der Unterschicht. Seine Heimat wird dargestellt als eine Art Detroit im Weltall, voller kaputter Fabrikgelände und heruntergekommener Industrie. Seine Mitstreiter sind keine edlen Jedi-Ritter oder strahlenden Prinzessinnen, sondern Kriminelle und Söldner – allerdings mit dem Herz am rechten Fleck, wenn es darauf ankommt. (Oder doch nicht?) Hier kämpft nicht die Rebellion gegen das Imperium, sondern ein Gescheiterter um sein Überleben. Die Anfangsjahre der Allianz werden allenfalls in einer Parallelhandlung skizziert, um anzudeuten, dass unser Held ein anderes Schicksal erwarten kann, als aktuell zu sehen ist.

Man könnte eventuell kritisieren, dass Solos charakteristische Eigenschaften und Merkmale ein wenig zu gehetzt abgehakt werden: Der legendäre Kessel-Flug, die Uniformhose, die Übernahme des “Millennium Falcon”, seine Sprüche, die Freundschaft zu Chewie (Joonas Suotamo) und das Misstrauen gegenüber Lando – das alles wird eben in einem einzigen Film gezeigt. (Harrison Ford dürfte sowas gewohnt sein: In “Indiana Jones und der letzte Keuzzug” (1989) eignet sich der junge Indy sämtliche Attribute im Prolog an.) Und wie bei “Rogue One” sollte niemand einen klassischen “Star Wars”-Film erwarten: Die Macht gilt zum Zeitpunkt der Handlung als Mythos, der Konflikt zwischen dem Imperium und den Trümmern der Alten Republik steckt wie erwähnt noch in den Kinderschuhen.

Dafür schafft es Regisseur Ron Howard, genau jene Atmosphäre zu schaffen, die gerade Han Solos Abenteuer für viele Fans zu etwas Besonderem macht. Die Chemie zwischen ihm und Chewbacca wird glaubhaft vermittelt: Wenn die beiden zum ersten Mal gemeinsam im “Falken” sitzen, kann man gar nicht anders als so breit zu grinsen wie der Protagonist.

Wir erleben hier jemanden, dem das Leben übel mitgespielt hat und der trotzdem nie seinen Optimismus verliert. Der eine wilde Jagd mit lässigen Witzen und einer Extraportion Mut meistert. Und – versprochen – der immer zuerst schießt.

Unbesiegbar: “Avengers: Infinity War” wirft riesige Schatten

Thanos kommt. Der übermächtige Despot aus dem All nähert sich nach blutigen Schlachten und grausamen Massakern auf anderen Welten der Erde. Bedrohlich, gnadenlos und unaufhaltsam. Das Ziel des wahnsinnigen Titanen (Josh Brolin) ist der Besitz der so genannten Infinity-Steine, die nahezu unbegrenzte Macht verleihen. Mit ihrer Hilfe will er die Bevölkerung der gesamten Galaxis um die Hälfte reduzieren – was natürlich ungezählte Tode zur Folge hätte. Die Avengers und ihre Freunde stellen sich ihm in den Weg, sind jedoch nicht in der allerbesten Verfassung: Nach den Ereignissen in “Civil War” ist das Team gespalten, persönliche Krisen und interne Fehden zehren an den Helden. Und so ziehen Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey jr.), Steve Rogers (Chris Evans), der einstige Captain America, der heimatlose Thor (Chris Hemsworth), aber auch Doctor Strange (Benedict Cumberbatch), Spider-Man (Tom Holland), Black Panther (Chadwick Boseman) und die Guardians Of The Galaxy in mehreren Gruppen in die Schlacht, die ihre letzte sein könnte.

Wow. Ich bin selten sprachlos, aber dieser Film hat das geschafft. Die schiere Wucht der Bilder, die Intensität der zahllosen Actionszenen, aber auch die unterschiedlichen Emotionen und die konsequent umgesetzte Geschichte haben mich in den Kinosessel gedrückt – mehr als zwei Stunden lang. Ein ganzes Jahrzehnt hat Marvel an seinem filmhistorisch einmaligen Mammutprojekt gearbeitet, hat das Marvel Cinematic Universe (MCU) langsam und Schritt für Schritt ausgebaut, um endlich alles in diesem Monster von einem Monumentalfilm zu einem gigantischen Epos zusammenzuführen. Und das ist nur der erste von zwei Teilen!

Aber der Reihe nach (und wie immer ohne Spoiler): Man kann nicht oft genug betonen, dass dies ein Marathon ist, kein Sprint. Anders als sämtliche Konkurrenten, die deshalb gnadenlos gescheitert sind, haben die Produzenten der Marvel Studios um Kevin Feige sich Zeit gelassen. Legenden entstehen nicht über Nacht. Und nun, zehn Jahre nach dem ersten “Iron Man”-Film, können sie auf ein buntes Portfolio etablierter Charaktere zurückgreifen. Die Geschichte, die sich in “Avengers: Infinity War” zu einem Höhepunkt aufbäumt, begann damit, dass Nick Fury (Samuel L. Jackson) damals Tony Stark wissen ließ, dass dieser nicht der einzige Superheld sei: “Ich bin hier, um mit Ihnen über die Avengers-Initiative zu reden.” In der Folge haben die Fans hundertfach mit ihren Helden gefiebert und gelacht und gelitten. Wir haben die tragische Geschichte um Bruce Banner und sein verhasstes Alter Ego erlebt. Wir waren dabei, als aus einer bunt zusammengewürfelten Truppe so etwas wie eine Familie wurde. Wir wurden Zeuge davon, wie der schüchterne Peter Parker sich in einen Helden verwandelt hat. Und wir mussten mitansehen, wie die Freundschaft von Steve und Tony zerbrach.

Kurz: Die Erwartungshaltung war nicht eben niedrig. Doch Feige und seine Leute wissen, was die weltweite Anhängerschaft erwartet – und versprochen, Freunde, ihr werdet nicht enttäuscht! Zum ersten Mal treffen sämtliche Protagonisten des hauseigenen Marvel-Universums aufeinander. (Mit Ausnahmen: Mit einem Auftritt der Fernseh-Figuren wie den “Agents Of S.H.I.E.L.D.” oder den “Defenders” hatte niemand gerechnet, aber auch zwei Kino-Charaktere werden vorläufig nicht gezeigt.) Das kracht erwartungsgemäß ordentlich und sehenswert, es beweist aber auch, dass es eben nicht genügt, ein paar Muskelmänner und Models in bunte Kostüme zu stecken. Hier spielen preisgekrönte Schauspieler mit oder zumindest solche, die an der Rolle ihres Lebens gewachsen sind. Zwischen atemloser Spannung und knackiger Action ist nämlich auch Zeit für Ruhepausen, in denen große Gefühle beschworen werden – und das funktioniert einwandfrei.

Wer wirklich jede Feinheit mitbekommen, jede Anspielung verstehen und jede Szene in ihrer Bedeutung erfassen will, sollte tatsächlich sämtliche 18 Vorgängerfilme gesehen (und in die TV-Serien zumindest mal reingeschaut) haben. Natürlich hat auch der durchschnittliche Kinogänger seinen Spaß an den Schauwerten und der packenden Handlung. Aber Marvel dreht sein Konstrukt konsequent weiter, dessen sollte man sich bewusst sein.

Natürlich ist das alles episch und beeindruckend, klar haben alle unsere Lieblinge ihre eigenen, ganz besonderen Momente, und fast selbstverständlich bricht “Infinity War” sämtliche Rekorde, was Bewertungen und Einspielergebnisse angeht. Es gibt jedoch auch Gründe dafür, dass manche Szenen vom Kinopublikum mit Schweigen quittiert werden. Dieser Titan von einem Film ist unbesiegbar, und er wirft riesige Schatten voraus – von etwas, das sich jetzt noch nicht erfassen lässt. Das mit dem Begriff Twist zu beschreiben, wird der Sache fast nicht gerecht.

Der Blockbuster des Jahres. Der bislang wichtigste Film des MCU. Ein Meisterwerk. Und eine Folter für alle, die nun ein Jahr auf die Fortsetzung warten müssen. Excelsior!

“Ready Player One”: Perfekte Unterhaltung statt Game Over

Im Jahr 2045 sieht die Welt so aus, wie wir uns die nahe Zukunft heute vorstellen – also kaputt und trist. “Die anhaltende Energiekrise. Der katastrophale Klimawandel. Hungersnöte, Armut und Krankheit. Ein halbes Dutzend Kriege. Sie wissen schon: ‘Vierzig Jahre Dunkelheit, Erdbeben, Vulkanausbrüche. Die Toten erheben sich. Menschenopfer. Hunde und Katzen leben miteinander. Massenhysterie!'” So beschreibt Autor Ernest Cline den Zustand der Erde in seinem Roman “Ready Player One”, und der gleichnamige Film deutet das zumindest an. Denn Hauptcharakter Wade (Tye Sheridan) lebt mit seiner Tante und deren wechselnden Liebhabern in einer im Wortsinn zusammengeschweißten Slum-Baracke in Ohio. So etwas wie Privatsphäre gibt es für die zusammengepferchten Bewohner des Unterschicht-Viertels nicht. Ihr Leben besteht aus Müll, Rost und Pizza per Drohne. Und aus der “Oasis”. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches Multiplayer-Online-Game, eine virtuelle Realität, die jedem Spieler die Möglichkeit gibt, der tristen Realität zu entfliehen und zu sein, wer er sein will.

Wades Alter Ego ist der elfenartige Draufgänger Parzival, der mit seinem Sidekick, dem hünenhaften Mechaniker Aech, knallbunte Abenteuer auf fernen Planeten und bei einem rasanten Autorennen erlebt. Wie jedes Spiel hat auch die “Oasis” ein Ziel: Ihr Schöpfer, der autistische Programmierer James Donovan Halliday (Mark Rylance), hat vor seinem Ableben die Aufgabe hinterlassen, drei versteckte Schlüssel – klassische Easter Eggs – zu finden, die die Kontrolle über die komplette Digitalwelt ermöglichen. Für Wade/Parzival und seine Kontrahenten ist diese Suche nach dem Heiligen Gral mehr als nur ein Spiel. Denn die Erlebnisse in der “Oasis” haben durchaus Auswirkungen auf das echte Leben der Protagonisten: Eine virtuelle Währung, die tatsächliches Geld kostet beziehungsweise bringt, und immer perfektere werdende Virtual-Reality-Anzüge sorgen dafür. Während die meisten Spieler also auf der Jagd nach einer Fluchtmöglichkeit aus ihrem Dasein sind, spielt der sinistre Großkonzern Amaz…, äh: IOI mit gezinkten Karten. Dessen Chef Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) ist in der “Oasis” nur unwesentlich finsterer als im wahren Leben und setzt alles daran, die Macht über das Erbe seines einstigen Bosses zu erlangen. Notfalls mit Gewalt, wie Wade schon bald zu spüren bekommt.

Als er eine “Oasis”-Spielerin mit dem Avatar-Namen Art3mis kennen lernt, ist es rasch vorbei mit seinem vergleichsweise ruhigen Leben im Container. Sie nimmt Parzival und somit dessen 18-jährigen Spieler selbst mit in die Schlacht zwischen Gut und Böse – die nicht nur virtuell ausgetragen wird, sondern Einfluss auf das gesamte Leben auf der Erde hat. Und so fliegen schon bald die Fetzen – als Computergrafik, aber auch in Columbus/Ohio.

Endlich! Steven Spielberg hat nach einer Reihe sicherlich guter und wichtiger, aber für die frühen Fans seines Schaffens zu ernster Filme zurückgefunden zu dem, was ihn in den 80ern zu einem der größten Regisseure der Traumfabrik machte. “Ready Player One” atmet zu jeder Sekunde das, was Spielbergs Schaffen damals ausmachte: Abenteuer, Spannung, Action und Unterhaltung – und zwar (soviel vorab) für die ganze Familie. Dies ist ein Film für Zwölfjährige und solche Erwachsene, die sich nach der großäugigen Naivität zurücksehnen, mit der sie seinerzeit staunend im Kinosessel saßen. Wer erinnert sich noch daran, als er zum ersten Mal “Zurück in die Zukunft” gesehen hat? So fühlt sich der neueste Streich des Meisters an – und das ist verdammt gut so.

Natürlich ist die Story vergleichsweise schlicht. Es gibt eine klare Einteilung in die gierigen Bösen mit ihrer Kaltschnäuzigkeit und unnachgiebigen Kontrollsucht einerseits und die charmanten, stets loyalen und mutigen Guten andererseits. Es ist die klassische Geschichte vom scheinbar unbesiegbaren Feind, dem eine bunt zusammengewürfelte Gruppe ihre Freundschaft und ihre Abenteuerlust entgegensetzt. Ebenso natürlich ist Clines Geschichte, die hier verfilmt wurde, nicht gerade übermäßig originell: “Tron” trifft “Matrix”, dazu ein Hauch “Avatar”, ein Spritzer “Surrogates” und eine Prise “The Last Starfighter”. Aber was hat Spielberg daraus gemacht! Selten, möglicherweise noch nie gab es in einem Film derart viel zu entdecken. In jeder Ecke wimmelt es vor Gastauftritten, Anspielungen und Details, die das Nerd-Herz höher schlagen lassen. Hier gibt es wie immer keine Spoiler, aber um das zu verdeutlichen zwei Beispiele: An erwähntem Autorennen nehmen unter anderem das Batmobil der 60er, der Van des A-Teams und Stephen Kings “Christine” teil. Die Fahrer bekommen es auf der abenteuerlichen Rennstrecke mit dem T-Rex aus “Jurassic Park” und King Kong zu tun. Und die zu erwartende große Schlacht zwischen Gut und Böse stellt später sogar vergleichbare Szenen in Mittelerde oder Narnia in den Schatten. Wer erkennt alle Teilnehmer auf beiden Seiten?

“Ready Player One” liefert einfach perfekte, grandiose Unterhaltung in ganz großem Stil. Die 140 Minuten vergehen wie im Flug, es gibt kaum Zeit zum Luftholen, schon gar nicht für Langeweile. Und in Sachen Spezialeffekte stockt dem Zuschauer ebenfalls manches Mal der Atem – wobei die Produzenten das große Glück haben, ja ein Computerspiel darzustellen. Soll heißen: Die Figuren in der “Oasis” müssen nicht perfekt sein wie etwa in den neuen Filmen vom “Planeten der Affen”, sondern lediglich den aktuellen, bereits relativ realistisch aussehenden Computer- und Videospielen etwas entgegensetzen. Und das tun sie mehr als souverän.

Ihr wollt mal wieder einen netten Abend im Kino verbringen? Ein paar Stunden der Realität entfliehen? Und ihr seid keine Fans von Marvel oder Star Wars? Dann ist das hier euer Blockbuster des Jahres. Aber denkt dran: “Der Vorteil der Realität ist, dass sie real ist” (James Halliday)…

2017 – so war’s / 2018 – so wird’s

Rück-Sicht

2017 liegt in den letzten Zügen – es ist die beschauliche Zeit des Jahres, in der man einen Blick zurück wagt. Und einen nach vorn. Ähnlich wie sein Vorgänger war das ablaufende Jahr nicht besonders aufregend, was Film und Fernsehen angeht. Fast könnte man nörgeln: solide. Aber gehen wir ruhig mal ins Detail (die ausführlichen Rezensionen sind wie immer verlinkt)…

Ich habe diesmal relativ viele vorgebliche “Pflichtfilme” ganz bewusst ausgelassen. Dazu gehörte selbstverständlich “Wonder Woman”, weil mir DC spätestens mit “Suicide Squad” endgültig den Spaß an seinen hilflosen Versuchen, ein neues Kino-Universum zu etablieren, ausgetrieben hatte. Angeblich habe ich dadurch wirklich was verpasst. Aber mein wohlmeinender Besuch von “Justice League” ließ mich daran zweifeln. Endgültiges Aus für die Unterhosen-Fraktion aus dem Hause “Detective Comics” von meiner Seite (und wohl auch von offizieller).

Marvel-Fan fürs Leben – und stolz darauf: Vor allem “Logan” machte mir das dieses Jahr sehr einfach. Der letzte Film mit Hugh Jackman in der Titelrolle zeigt Wolverine endlich als das, was er in den Comics seit Jahrzehnten ist: ein Einzelgänger, ein Antiheld und doch der letzte Aufrechte, wenn es hart auf hart kommt. “Deadpool” sei Dank gehen Superheldenfilme eben auch mit etwas mehr Blut und Eingeweiden. Hoffen wir, dass sich daran nicht allzu viel ändert, wenn Marvel (alias Disney) von Fox übernimmt.

Denn das war auf den letzten Metern meine persönliche Nerd-Nachricht des Jahres: Dank dieser Übernahme werden die X-Men und die Fantastic Four endlich Teil des Marvel Cinematic Universe. Ohnehin MCU: “Guardians Of The Galaxy Vol. 2” machte mich glücklich, “Spider-Man: Homecoming” zumindest zufrieden, und dank “Thor: Tag der Entscheidung” zog Ironie in die Welt der kaputten Helden ein. Alle drehten sie das Rad des größten Film-Projekts der Geschichte souverän weiter. Wer bin ich, mich darüber zu beklagen?

Grundsätzlich blieb Hollywood auch im vergehenden Jahr seinem Hang zu Fortsetzungen und Reboots treu. So erfuhr der Alien-Mythos nach dem vergurkten “Prometheus” (2012) dank “Alien: Covenant” einen erfreulichen Schubs zurück in Richtung Horrorfilm. “Kingsman: The Golden Circle” setzte gut gelaunt dort an, wo der erste Teil wuchtige Spuren hinterlassen hatte. Und “Planet der Affen: Survival” schloss (vorläufig) eine der besten Trilogien der vergangenen Kinojahre ab. Cleverer geht Science Fiction kaum.

Das wurde dem Zuschauer auch schmerzlich bewusst, wenn er sich “Valerian – Die Stadt der tausend Planeten” ansah. Die titelgebende Weltraum-Metropole ist zwar unterhaltsam in Szene gesetzt, wegen der mediokren Hauptdarsteller und der eher flachen Story wurde aus dem angekündigten Meisterwerk allerdings eher Mittelmaß.

Als kleiner, aber sehr feiner SF-Film hingegen erwies sich “Passengers”. Sollte man gesehen haben, wenn man sich hinterher die Köpfe heiß diskutieren möchte. Denn dazu ist die Story bestens geeignet (und das ist ein Lob).

Zwei weitere Versuche, eine eigenes Film-Universum à la MCU auf den Weg zu bringen, endeten unterschiedlich. Während “Kong: Skull Island” nach der relativ schwachbrüstigen “Godzilla”-Neuauflage von 2014 durchaus mit Action und Schauwerten zu punkten wusste, wurde der Neuaufguss von “Die Mumie” auch und gerade wegen Tom Cruise zum Rohrkrepierer. Das Ergebnis lautet 1:0 für die Riesenmonster – aus der Reihe um die klassischen Universal-Ungeheuer wird vorerst nichts.

Die größte Fortsetzung des Jahres war selbstredend “Star Wars: Die letzten Jedi” – wenngleich Teil zwo der dritten Trilogie die Fans spaltet. Mich ließ er nach anfänglicher Skepsis schlicht begeistert zurück, andere jedoch können mit der Neuausrichtung der Saga nichts anfangen. Mutig ist der Film allemal – und damit eigenständig in einer Flut von Streifen, die eher auf Nummer sicher gehen.

Zwei Kinofilme habe ich mir erst später über die einschlägigen Streaming-Dienste angeguckt: “John Wick: Kapitel 2” ist gekonnte Arthouse-Action wie das erste Kapitel, “Life” längst nicht so schlecht, wie er mitunter gemacht wird – stellt euch vor, “Das Ding aus einer anderen Welt” trifft auf “Das Kondom des Grauens”…

Damit (mit den Streaming-Diensten, nicht mit dem Kondom) sind wir auch schon beim Fernsehen – das für mich nach wie vor nicht mehr linear stattfindet. Gefühlt habe ich die Hälfte des Jahres vor der Glotze verbracht und dabei ausgetestet, wo die Grenzen von Amazon Video und Netflix liegen. Was einige überraschen wird: Man erreicht sie erstaunlich schnell. Letztlich besteht das (Standard-)Angebot beider Dienstleister aus lange bekannten Filmen und den erfolgreichsten Serien. Soll heißen: Cineasten entdecken kaum Neues, wer jedoch gerne in Archiven wühlt, wird unter Umständen belohnt.

Übrigens gelingt es mir gedanklich kaum noch, die beiden Anbieter meiner Wahl zu unterscheiden. Anders als im Fall klassischer Fernsehsender ist dies für mich einfach “das” neue Fernsehen. Mit kleinen Einschränkungen: Hin und wieder klicke ich mich durch die Mediatheken der Saurier, ich habe zwei günstige Zusatzkanäle bei Amazon gebucht, und die populären Eigenproduktionen habe ich auch (buchstäblich) auf dem Schirm.

In Sachen Bekanntheitsgrad vorne mit dabei: “You Are Wanted”. Wie erwartet hielt der Mehrteiler dem Hype nicht stand – Stangenware statt Ereignis. Auch zwei schrägere Serien enttäuschten mich, die eine mehr, die andere weniger: “American Gods” habe ich nach wenigen Folgen aufgegeben – zu plump, pompös und langweilig kam die Geschichte daher. Die freudig erwartete Fortsetzung von “Preacher” hingegen wollte ich so gut finden wie die erste Staffel. Das gelang mir leider nur teilweise: Es ist schlicht unverständlich, warum etwas, das so sehr für ein Road Movie prädestiniert ist, derart in Stagnation erstickt wird. Da wäre mehr drin.

Auch mit “Orange Is The New Black” haderte ich, unter anderem wegen der ungewohnten Erzählart der aktuellen Staffel. Kirsten konnte das nicht recht glauben und hatte ihrerseits Probleme mit dem vieldiskutierten Drama “Tote Mädchen lügen nicht” (auch mit dessen deutschem Titel) sowie den wandernden Toten. Und in der Tat: Staffel 7 von “The Walking Dead” darf getrost als Tiefpunkt der Zombie-Serie angesehen werden, die sich allerdings mit der aktuellen Season 8 souverän erholt. Eventuell sollten die Macher hinter den Kulissen mal ein Praktikum bei den Verantwortlichen der Tochterserie machen: “Fear The Walking Dead” nahm nämlich ordentlich Fahrt auf und bot einige der besten Folgen des gesamten Franchise.

Als quicklebendig erwies sich “Sherlock”, von allen geliebt, von mir jedoch mittlerweile leicht skeptisch beäugt. Doch das (derzeitige) Finale der Reihe erwies sich als komplexe und kluge Abenteuergeschichte voller raffinierter Wendungen und verschaffte den “Baker Street Boys” den erhofften großen Abgang. Ebenfalls ein Liebling der Massen: die Retro-Mystery “Stranger Things”, die in der zweiten Staffel eisenhart die Geschichte der erfolgreichen ersten aufwärmte. Großartige Unterhaltung, klar – aber beim dritten Mal darf es gerne wieder etwas origineller werden.

Durchaus originell kommt “Star Trek: Discovery” daher, mit dem nach zu vielen Jahren eine der erfolgreichsten Science-Fiction-Geschichten aller Zeiten auf den Bildschirm zurückkehrte. Unser Vier-Augen-Test fiel begeistert aus, bei näherem Hingucken tauchten jedoch erste Fragen auf – und davon viele. Trotzdem: Dranbleiben lohnt sich. Das wird schon.

Regelmäßige Leser und alle, die diesen Beitrag von Anfang an verfolgt haben, kennen meine unsterbliche Liebe zum MCU. Und tatsächlich hatte ich weder über “Iron Fist” noch über “The Punisher” viel zu meckern. Dass “The Defenders” mich gleichfalls großteils begeisterten, überrascht da niemanden mehr.

Zwei kleine Geheimtipps: Im Film “David Brent: Life On The Road” erzählt der große Ricky Gervais die Lebensgeschichte seiner titelgebenden Figur nach dem Ende der Serie “The Office” (dem Original zu “Stromberg”) weiter. Aus dem Schreibtischtäter ist ein erfolgloser Vertreter geworden, der verzweifelt versucht, seinen Traum von einem Leben als Rockstar zu verwirklichen. Das Ganze ist saukomisch, tieftraurig und bricht sämtliche Rekorde im Fremdschämen.

Ähnliches gilt für “Wet Hot American Summer”, einen Film, der nicht ganz leicht zu beschreiben ist. Also: In dieser Parodie der amerikanischen Teenage-Klamotten der späten 70er und frühen 80er aus dem Jahr 2001 stellen erfolgreiche Schauspieler und Komiker wie Amy Poehler und Paul Rudd die kaum volljährigen Bewohner eines Feriencamps dar. Das Prequel “Wet Hot American Summer: First Day Of Camp” wurde 14 Jahre später gedreht und behandelt als Serie (!) den ersten Tag (!) der Sommerferien. Und der im Folgejahr veröffentlichte Achtteiler “Wet Hot American Summer: Ten Years Later” spielt – ganz genau – zehn Jahre später, also in den 90ern. Wer jetzt noch mitkommt, sollte sich das unbedingt anschauen – absurder und unterhaltsamer geht’s eigentlich nicht.

Vor-Sicht

Nachdem wir uns bei der Rückschau durch mein wirres Kleinhirn gearbeitet haben, gehen wir den Blick in die Zukunft mal etwas strukturierter an. Was bringt das neue Jahr?

Januar: Na endlich! Als alter Pastewka- und “Pastewka”-Fan halte ich es kaum noch aus bis zum 26. Januar. Dann nämlich hat Amazon Video alle zehn Folgen der brandneuen achten Staffel im Programm. Gut so, denn die Staffeln 1 bis 7 kann ich längst mitsprechen. (Wahre Fans haben nämlich das Mitspracherecht. ‘tschuldigung.) Ebenfalls mit Spannung erwartet (und das natürlich auch von Kirsten): die neuen Folgen von “The X-Files”. Hoffen wir, dass Chris Carter die Schwächen der vergangenen Season ausbügelt – bereits ab 3. Januar wissen wir mehr.

Februar: Ab ins Kino – das MCU wird am 15. Februar mit “Black Panther” fortgesetzt. Da Hollywood nach wie vor erschreckend rassistisch ist, sind Thema und Cast eine durchaus mutige Wahl. Ich freu mich drauf und erwarte wie immer Großes. Nachdem man “Hellboy” aus Guillermo del Toros verzweifelten Fingern gewunden hat, macht dieser einfach quasi seinen eigenen Ape-Sapien-Film: Der Trailer von “Shape Of Water” sieht beeindruckend aus, die Story klingt interessant, der 15. Februar wird also noch einmal unterstrichen.

März: Am 15. März kehrt Lara Croft auf die Leinwand zurück. Nach den beiden relativ schwachen Verfilmungen mit Angelina Jolie erscheint alles, was man bislang vom neuen “Tomb Raider” sehen konnte, ungleich besser. Am 29. März startet Steven Spielbergs “Ready Player One”, zu dem wir mal den Trailer sprechen lassen:

April: Die Geschichten um Marvels Mutanten sind ja seit jeher komplett verworren und unsortiert, was ihre Verfilmungen angeht. Ab 12. April läuft nun “X-Men: The New Mutants”, der drei Probleme mit sich bringt: Das Franchise dürfte nach der Übernahme durch Disney in den letzten Zügen liegen, kaum jemand außer uns Comic-Nerds kennt die Titelhelden, und das Ganze soll ungewöhnlicherweise ein Gruselfilm werden. Hatte ich eigentlich mal meine Begeisterung für das MCU erwähnt? Keine Frage, dass ich am 26. April im Kino sitze, wenn endlich “Avengers: Infinity War” zu sehen ist, der erste große Höhepunkt der Saga! (Und ziemlich sicher der erfolgreichste Film des Jahres 2018.)

Mai: Da kann nicht mal “Solo: A Star Wars Story” mithalten, der zweite “kleine” Sternenkriegsfilm nach “Rogue One”. Am 24. Mai ist Starttermin für Han, Lando und den “Falken”. Nette Dreingabe: die Videospiel-Verfilmung “Rampage” ab 10. Mai. Riesenaffe! Riesenechse! Riesenwolf! The Rock!

Juni: Apropos Videospiel: “Jurassic World: Das gefallene Königreich” hat einen Trailer, der sehr an “Dinorun” erinnert. Trotzdem werden wieder viele ab dem 21. Juni in die Lichtspielhäuser pilgern, um sich den mittlerweile fünften Teil der Saurierreihe anzugucken.

Juli: Am 5. Juli geht es schon weiter mit dem MCU, wenn “Ant-Man And The Wasp” die Geschichte um Ameisenmann Scott Lang fortsetzt.

November: “X-Men: Dark Phoenix”, der zweite Film um Marvels Mutantentruppe in diesem Jahr, läuft am 1. November an und dürfte das Ende dieser Interpretation einläuten. Schade, aber schön.