„Mein Name ist Lohse..“

Es passiert von allein, es passiert immer wieder, es passiert, obwohl man es nicht möchte. Es ist ein Reflex, vielleicht ein innerer Zwang. Stellt sich jemand mit dem Namen Lohse vor, lese ich einen Text, in dem jemand namens Lohse vorkommt – mein erster Gedanke ist: „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein.“ Egal, wie die Herleitung ist, dieser Satz rollt sofort aus dem Unterbewusstsein nach oben, schiebt alles Aktuelle zur Seite und quetscht sich vorbei bis zur Hintertür des Sprachzentrums. Dann merkt man, dass es kommt, aber dann kann man es auch schon nicht mehr stoppen. Und ich, ich kann dann nicht anders, ich muss dann sagen: „Mein Name ist Lohse. Ich kaufe hier ein.“

Kommt man in einer geselligen (und filmbewanderten) Runde auf dieses Thema, reiht sich schnell Film-Zitat an Film-Zitat. Erzählt jemand ein lustiges Ferien-Erlebnis, dauert es maximal drei Minuten, bis aus jemandem ein gekichertes „Und einmal, im Ferienlager..“ heraussprudelt. Und dann sagt jemand „Haha, das habe ich gerade gedacht, aber ich wollte es nicht sagen.“

Sobald sich ein Zitat einmal eingebrannt hat, ist es da im Gehirn, an einer Stelle, die für nichts anderes gebraucht wird. Da werden nur Film-Zitate abgelegt und bei Gelegenheit bemüht. Das funktioniert sogar digital.Viele klassische und beliebte Film-Zitate gibt es inzwischen in genau jenem Ausschnitt auf YouTube. So zum Beispiel auch der hier:

Warum bitte hat ein Zitat aus (dem zugegeben besten) einem Didi-Hallervorden-Film fast 45.000 Zugriffe? Es kann nur der gleiche Grund sein, der es bei mir ist. Postet jemand kryptisch auf Facebook und ich hätte gerne mehr Informationen zu diesen inhaltlichen Hieroglyphen, kommentiere ich mit einem Link zu diesem Ausschnitt. Anders kann ich mir auch nicht erklären, dass man sich immer und immer wieder einen vier Sekunden lang Ausschnitt eines Films ansieht. Oder vielleicht doch einfach nur, weil es Kult ist, weil es Hallervorden ist, weil es genial ist? So wie „Das ist nur Ihre Meinung!“ und „Schreiben Sie es auf, ich beschäftige mich später damit“? Was Hallervorden wohl darüber denkt?

Auf eine unangenehme Frage kann man auch einfach gern mal antworten: „Ich? Ich habe eine Wassermelone getragen.“ Gerät eine Situation außer Kontrolle wird sehr gerne auch „Houston, wir haben ein Problem!“ verwendet, und wenn ein Trip ins Ungewisse ansteht, darf gerne auch einmal „Straßen? Wo wir hinfahren, brauchen wir keine… Straßen!“ bemüht werden.

Es gibt unzählige Beispiele für Film-Zitate, die sich so sehr eingebrannt haben, dass wir sie nie wieder vergessen werden. Ob das gleichzeitig bedeutet, dass der Film dazu unfassbar gut war – das wäre eine andere Theorie.