Das wird Folgen haben – aber nur zehn

Meine zehn liebsten Serienfolgen… Wo soll ich da anfangen, wo aufhören? Und vor allem: Was kann ich guten Gewissens weglassen? Was gehört unbedingt in diese Liste? Die erste Folge von “The Shield” mit ihrer schonungslosen, völlig überraschenden letzten Szene? So manche kunstvoll verschachtelte, mit diversen Ebenen spielende Folge von “How I Met Your Mother”? Die Pilotfolge von “Breaking Bad”, die mich so angefixt hat, dass ich dreieinhalb Staffeln an einem Wochenende gucken musste? Oder die Episode von “Mitsfits”, die dafür gesorgt hat, dass ich die Serie in irgendeinem Spartenprogramm komplett verfolgt habe? Die wirklich berührende letzte “Futurama”-Folge? Und welcher Teil welcher Star-Trek-Serie kommt in die Liste? Was ist mit “Justified” und “Stromberg”, mit “The IT Crowd” und “Ripper Street”?

Um es kurz zu machen: Keine der genannten Folgen hat es in meine persönliche Top Ten geschafft, wenngleich es für einige sehr knapp war. Zehn Folgen sollen es sein, das bedeutet: Mut zur Lücke und Spaß an Brüchen. Hier sind sie nun – zehn Serienfolgen, die jeder gesehen haben sollte:

1. Doctor Who: “Blink” (“Nicht blinzeln”, 10/3)  Ein Klassiker, völlig zurecht mit Preisen und Kritikerlob überschüttet. Steven Moffats (“Sherlock”) Drehbuch drechselt wie gewohnt aus wenigen Mitteln eine atemberaubend spannende Geschichte, die nicht zuletzt durch ihre kühle Konsequenz fesselt. Der Doktor (2007 verkörpert von David Tennant) spielt dabei fast eine Nebenrolle und hat trotzdem den Verlauf dieses düsteren Abenteuers fest im Griff: Das Leben von Sally Sparrow (Carey Mulligan) gerät aus den Fugen, als sie der Spur einer geheimnisvollen Nachricht folgt. Mysteriöse Warnungen eines Fremden, die auf DVDs versteckt wurden, bizarre Zeitreisen und eine unheimliche Rasse von Außerirdischen lassen sie fast den Verstand verlieren. Gut, dass die junge Britin sich nicht so leicht einschüchtern lässt – und dass der Fremde sich mit Zeitreisen und Aliens gut auskennt… Wer “Blink” gesehen hat, sieht Statuen künftig mit anderen Augen. Nämlich mit weit aufgerissenen.

2. Der Tatortreiniger: “Angehörige” (5/2)  Tatortreiniger Schotty trifft auf den heimlichen Ex-Freund des toten Zauberkünstlers, dessen letzte Spuren er beseitigen soll und dessen Leiche im Übrigen noch nicht wie vereinbart abtransportiert wurde. Die beiden so unterschiedlichen Männer kommen ins Gespräch, begegnen sich zunächst sehr skeptisch und voller Vorurteile. Doch je länger sie gemeinsam statt gegeneinander philosophieren, desto mehr entsteht Verständnis zwischen ihnen. Schließlich trennen sie sich als Freunde und haben beide viel gelernt. Mehr Kammerspiel geht nicht: Bjarne Mädel und Florian Lukas liegen zeitweise zusammen in einem Sarg. Allein mit ihrem großartigen Schauspieltalent und mit grandiosen Dialogen skizzieren sie diese beiden grundverschiedenen Menschen, die es schaffen, Empathie und schließlich Sympathie für den anderen aufzubringen. Diese Episode kann Leben retten. Denn am Ende denkt man: Vielleicht ist die Welt doch gar nicht so übel.

3. Sherlock: “A Study In Pink” (“Ein Fall von Pink”, 1/1)  “Sherlock” ist die beste Fernsehserie der vergangenen zehn Jahre. Das liegt an den Darstellern – allen voran natürlich Benedict Cumberbatch und Martin Freeman -, das liegt aber auch an der Inszenierung und an den unschlagbaren Skripten von Steven Moffat (“Doctor Who”). Der erste Fall mag nicht der cleverste oder der mit der überraschendsten Auflösung sein (wobei beides relativ ist – vor allem “clever”, denn mehr Hirnschmalz steckte selten in einem Drehbuch). Aber es war eben diese erste Folge, die mich seinerzeit staunend und begeistert zurückließ und zum Fan machte. Dabei war ich durchaus skeptisch: Guy Ritchie hatte sich erst kurz zuvor an einer Wiederbelebung der Figur Sherlock Holmes versucht und das durchaus erfolgreich. Aber diese BBC-Serie ist anders, nämlich noch respektloser im Umgang mit dem legendären Meisterdetektiv. Und verströmt doch zu jeder Sekunde die Atmosphäre von Arthur Conan Doyles Geschichten, die sie in die Gegenwart holt. Besser geht Fernsehen eigentlich nicht.

4. Stargate Universe: “Air” (“Die Destiny”/”Führungskampf auf der Destiny”, 1+2/1)  Ganz neu ist die Idee, die Mannschaft eines Raumschiffs in ferne Galaxien zu verbannen, sodass sie den Weg zurück nach Hause finden muss, natürlich nicht. Aber im Vergleich zum Star-Trek-Ableger “Voyager”, der sicherlich Pate stand, ist die dritte Serie aus dem Stargate-Universum überraschend düster und schmutzig. Denn die zusammengewürfelte Gruppe um den sinistren Wissenschaftler Dr. Nicholas Rush (Robert Carlyle) und den grimmigen Offizier Everett Young (Louis Ferreira) ist weit davon entfernt, ein Team zu sein. Und die “Destiny” ist ihnen keine Heimat, nicht mal eine vorübergehende, sondern ein kaum erforschtes, schwer beherrschbares Relikt aus fernen Tagen. Es wird improvisiert, gestritten und gelitten, sogar gestorben. Die dunkle Stimmung an Bord ist fast greifbar, wir sehen die Schweißperlen und die Tränen, wir spüren die Atemlosigkeit, als die unfreiwilligen Pioniere um ihre Existenz kämpfen. Die Doppelfolge zum Auftakt weckt große Erwartungen – leider werden diese bereits im Verlauf der ersten von zwei Staffeln enttäuscht. Tiefer als “SGU” ist selten eine Serie gestürzt: Was als drohendes Drama beginnt, wird zu schnell zum langweiligen Ritual.

5. The X-Files: “Bad Blood” (“Böses Blut”, 12/5)  Diese Episode ist natürlich nicht repräsentativ für “Akte X”. Denn wenn die FBI-Agenten Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny) auf der Jagd nach Vampiren sind, ist das näher an einer Parodie auf diese vielleicht stilprägendste Serie aller Zeiten als an den gewohnten Schauergeschichten um Alien-Verschwörungen und Wurm-Monster. Und doch macht das böse Blut vielleicht noch mehr als jede andere Folge deutlich, was die große Stärke dieses Serienklassikers ist: die Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Ihre beiden Charaktere erzählen die Ereignisse völlig unterschiedlich und zeigen dabei sehr schön, wie sie sich und ihren Partner sehen. Die Wahrheit ist diesmal also nicht irgendwo da draußen, sondern irgendwo dazwischen. Grandios ist dabei einiges, zum Beispiel die legendäre Obduktionsszene. Und bemerkenswert ist fast alles, unter anderem der unterschätzte Luke Wilson als Dorfsherrif. Die X-Akten haben sehr viele Höhepunkte, dies ist definitiv einer davon. Vielleicht der ungewöhnlichste.

6. Miami Vice: “Glades” (“In den Sümpfen”, 9/1)  Zwar war ich glücklicherweise zu klein für pastellfarbene Sakkos, aber ich habe “Miami Vice” geliebt. Neben “Magnum” war das die einzige Serie, die ich als Kind komplett gesehen habe. Und wir reden hier über die 80er, also darüber, keine Folge im Öffentlich-Rechtlichen zu verpassen. Meine liebste Szene ist eine Actionsequenz mit einem saucoolen Dialog (beides sollte allerdings im zeitlichen Kontext gesehen werden). Nachdem die Cops Sonny Crockett (Don Johnson) und Rico Tubbs (Philip Michael Thomas) auf der Jagd nach einem Kronzeugen in den Everglades gegen skrupellose Entführer kämpfen mussten, kommt es zum Showdown. Crockett steht mit gezogener Waffe vor dem Gangsterboss, der ein kleines Mädchen bedroht. “Wenn ich nur zucke, ist sie tot”, ruft der Finsterling. Und unser Held antwortet grimmig: “Vielleicht zuckst du nicht mal…” Bang! Klar habe ich mir Jahrzehnte später die DVD-Box gekauft, und natürlich war ich als erstes “In den Sümpfen” unterwegs. “Wenn ich nur zucke, ist sie tot!” Ha, genau so hatte ich den Dialog in Erinnerung… Überrascht war ich allerdings davon, dass die Szene einfach damit endete, dass Sonny das Kind in Sicherheit bringt. Was war mit dem “Zucken”, wo blieb das “Bang”? Die Online-Recherche brachte ein ernüchterndes Ergebnis: Auf DVD gibt es nur die geschnittene Fassung fürs Privatfernsehen. Na toll. Trotzdem bleibt “Glades” eine tolle Serienfolge, straff inszeniert, sehr lässig und immer wieder sehenswert. Allerdings nur in der Originalversion.

7. Community: “Advanced Dungeons & Dragons” (“Fat Neil schlägt zurück”, 14/2)  Es gibt zwei Sorten von Menschen: Die einen haben “Community” schon mal gesehen, den anderen kann man die Serie praktisch nicht erklären. Ein hilfloser Versuch: Eine Lerngruppe an einem amerikanischen Community-College wird zur Ersatzfamilie für die sieben Nerds, die sich dort zusammengefunden haben. Ihre Erlebnisse wimmeln vor popkulturellen Anspielungen und absurden Ideen, und über praktisch jede Folge ließe sich eine Diplomarbeit schreiben. Ein besonders gelungenes Beispiel für die pfiffige Inszenierung ist “Advanced Dungeons & Dragons”, benannt nach dem legendären Rollenspiel, mit dessen Hilfe die Gang um Jeff (Joel McHale) ihren deprimierten Kommilitonen Neil (Charley Koontz) aufmuntern will. Das Ergebnis ist eine geniale Persiflage auf Fantasy-Klischees à la “Der Herr der Ringe” oder “Game Of Thrones”, deren Zuschauer sich irgendwann dabei ertappen, dass die Spielszenen in den Filmszenen (!) tatsächlich im Kopfkino stattfinden. Mehr Meta war nie.

8. ER (Emergency Room): “24 Hours” (“Der erste Tag”, 1/1)  Ja, es ist die wackelige Handkamera, die immer ganz dicht dran ist am Geschehen. Ja, es sind die Geschichten, die ihre Akteure (zumindest anfangs) ausschließlich auf der Arbeit zeigen. Ja, es ist der sympathische und ausnehmend souveräne Cast. Alle drei Gründe, die immer wieder lobend erwähnt werden, wenn es darum geht, warum “Emergency Room” im Alleingang das Genre des Krankenhausdramas umgekrempelt hat, sind so wichtig wie richtig. Vor allem die Auftaktepisode zieht uns sofort in die Hektik der Notaufnahme und lässt uns erst gefühlte 24 Stunden später wieder los. Am Schluss sitzen wir wie Neuling John Carter (Noah Wyle) erschöpft da und versuchen, einen klaren Gedanken zu fassen. Tipp: Diese allererste und die allerletzte Folge nacheinander gucken. Lohnt sich.

9. Agents Of S.H.I.E.L.D.: “Pilot” (“Aus großer Kraft folgt…”, 1/1)  Es bleibt mir ein Rätsel, warum der Comic-Verlag DC (“Arrow”, “The Flash”) im Fernsehen die Nase vorn hat. Der Konkurrent Marvel hat klar die besseren und originelleren Storys. Das gilt auch für die Einsätze der Agenten der “Strategic Homeland Intervention Enforcement Logistics Division”, die eine Ergänzung zum “Marvel Cinematic Universe” um Iron Man und Co. sind. Die Pilotfolge wurde von “Avengers”-Regisseur Joss Whedon (“Buffy”, “Firefly”) in Szene gesetzt und trägt eindeutig dessen Handschrift. Perfekt, laut und großartig kommt der Auftakt zur etwas anderen Agentenserie daher. Keine Minute ist langweilig, alles greift ineinander und schafft so ein stimmiges Gesamtbild. Macht süchtig und gute Laune.

10. Law & Order: Special Victims Unit: “Spectacle” (“Sex, Lügen und Videos”, 16/12)  Diese Serie wird sträflich unterschätzt. Sie hat nämlich wenig zu tun mit all den anderen “Law & Order”-Verästelungen. Es gibt viele wirklich gute Folgen, die solide Krimi-Unterhaltung bieten. Und es gibt ein paar großartige, tatsächlich kleine dreckige Meisterwerke, die an Raymond Chandler erinnern oder an Robert B. Parker. “Spectacle” ist so eine. Detective Stabler (Christopher Meloni) bekommt es mit einem jungen Hacker zu tun, der den Ermittler mittels Geiselnahme erpresst. Aber dann folgt Twist auf Twist, wird aus einer Gangster-Hatz eine Selbstjustiz-Geschichte und schließlich ein Familiendrama. Absolut sehenswert, notfalls sogar ohne Wissen um die restliche Reihe.

Was ist rot und rennt?

The FlashWährend der Konkurrent Marvel längst und uneinholbar die Leinwand erobert hat, schafft es der amerikanische Comic-Verlag DC, seinen Vorsprung im Fernsehen auszubauen. Nachdem “Arrow” bei Fans und Kritikern gepunktet und auch in Sachen Einschaltquoten bislang die Serien des Mitbewerbers (“Agents Of S.H.I.E.L.D.”, “Agent Carter”) hinter sich gelassen hat, setzen die Produzenten auf Supergeschwindigkeit, um ins Ziel zu kommen. Und tatsächlich: Auch das “Arrow”-Sequel “The Flash” startet durch. Aber was erwartet die Zuschauer, wenn sie die Abenteuer des schnellsten Comichelden der Welt einschalten, die bei uns auf ProSieben zu sehen sind?

“Arrow”-Fans kennen bereits den eher schmächtigen Forensiker Barry Allen (Grant Gustin), der für die Polizei in Central City arbeitet. Sein Leben wird bestimmt von der Suche nach dem Mörder seiner Mutter, denn an die Schuld seines Vaters (John Wesley-Shipp, übrigens der “Flash” in der 90er-Jahre-Verfilmung), der für die Tat im Gefängnis sitzt, glaubt Barry nicht. Unterstützt wird er von seinem Mentor, Detective Joes West (Jesse L. Martin). Dachte der leicht verpeilte Nerd bereits, er habe genug Probleme, stellt ein Unfall im Labor seine Welt endgültig auf den Kopf: Er wird von einem Blitz getroffen, und als er wieder zu sich kommt, stellt er fest, dass er sich mit unglaublichem Tempo bewegen kann. Inspiriert durch seinen Freund Oliver Queen (Stephen Amell) alias Arrow wird aus der einstigen Laborratte der Verbrecherjäger Flash, der im Kampf gegen die Unterwelt kein Halten kennt.

Die Entstehungsgeschichte des laufstarken Burschen im roten Kostüm orientiert sich also weitgehend an der Comic-Vorlage. Ob sich das im Verlauf der Serie durchhalten lässt, wird abzuwarten sein – immerhin ist der “Rote Blitz” (wie er in unseren Breitengraden einst genannt wurde) dafür bekannt, die albernsten Gegner aller Zeiten zu haben, darunter Gestalten wie Gorilla Grodd oder der Pied Piper. Ohnehin hat DC grundsätzlich mit dem Problem zu kämpfen, dass ihre Comicfiguren letztlich Leute in bunten Strumpfhosen sind und weit weniger mit realem Geschehen zu tun haben als die deutlich geerdeteren Helden des Konkurrenzverlags. Oder anders: Während für Marvel demnächst der blinde “Daredevil” mit roher Gewalt in New York für Recht und Ordnung sorgt, prügeln sich für DC ein grüner und ein roter Kerl durch fiktive Großstädte.

Dem Fernsehpublikum scheint’s zu gefallen – und der Erfolg sei den Produzenten gegönnt. Im Kino haben sie dem Mitbewerber ohnehin nichts entgegenzusetzen: Marvel könnte inzwischen ein Telefonbuch verfilmen und würde damit einen Blockbuster landen. Zudem macht DC nach wie vor etwas falsch, was die Gegenseite richtig macht: Während die Marvel-Fernsehreihen im gleichen Universum wie die Kinofilme spielen, haben die Macher hinter “The Flash” bereits angekündigt, dass ihre Abenteuer auf dem Bildschirm keinen Bezug zu denen auf der Leinwand haben werden. Wenn also (Green) Arrow und der schnellste Mann der Welt irgendwann in der lang erwarteten Justice-League-Verfilmung zu sehen sind, werden sie nicht von Amell und Gustin gespielt, und ihre Geschichten werden völlig neu erzählt.

Der Fangemeinde kann es fast egal sein: Auf diese Weise teilen sich die beiden Comic-Riesen die Fernseh- und die Kinolandschaft brüderlich auf. Und wir müssen uns allenfalls überlegen, wann wir das alles gucken sollen. Vielleicht im schnellen Vorlauf – mit Supergeschwindigkeit?

Schnell wie ein Skorpion, hart wie ein Diamant

ScorpionAktuell punktet SAT.1 mit zwei sehenswerten US-Krimiserien: “Scorpion” läuft sonntags ab 22.15 Uhr, “Detective Laura Diamond” am Montag ab 20.15 Uhr. Weshalb sich das Einschalten lohnt? Weil beide Reihen es schaffen, Klischees geschickt zu umschiffen.

Walter O’Brien (Elyes Gabel) hat einen IQ von 197. Das macht ihn zu einem der intelligentesten Menschen der Welt, bringt ihn aber auch immer wieder in Schwierigkeiten. Bereits als Kind gerät der unschlagbare Hacker in Konflikt mit den amerikanischen Sicherheitsbehörden. Und trotz oder wegen seines brillanten Verstands schafft er es nicht, mit anderen Menschen zurechtzukommen. Ausnahmen sind seine drei gleichfalls hochbegabten Freunde, mit denen er das Unternehmen “Scorpion” ins Leben gerufen hat: Happy Quinn (Jadyn Wong) ist eine geniale Mechanikerin mit Hang zur Arroganz, Sylvester Dodd (Ari Stidham) ein menschlicher Taschenrechner mit Zwangsstörungen und Toby Curtis (Eddie Kaye Thomas) ein hochtalentierter Verhaltensanalytiker und Kleinganove. Die Firma läuft eher schlecht als recht, was auch mit den sozialen Problemen ihrer schrägen Mitarbeiter zu tun hat. Richtig kompliziert wird es allerdings erst, als Special Agent Cabe Gallo (Robert Patrick) erneut in Walters Leben tritt. Der eisenharte Ermittler braucht dringend die Hilfe der vier Nerds: Nur sie können den Tod vieler Menschen verhindern.

“Scorpion” ist pfeilschnell, hat pfiffige Dialoge und interessante Charaktere. Das lässt leicht darüber hinwegsehen, dass die Story nicht immer ganz logisch ist und mancher Twist eher an ein Bond-Abenteuer als eine angeblich auf Tatsachen beruhende Fernsehserie denken lässt. Die durchweg souverän agierenden Darsteller spielen sich rasch ins Herz der Zuschauer, und mehr als einmal ertappt man sich dabei, dass man nicht nur den Atem anhält, sondern kaum die nächste Szene erwarten kann.

Detective Laura Diamond (Debra Messing) hat es nicht leicht: Ganz allein muss sie es mit zwei unbelehrbaren Bösewichten aufnehmen, die ihr das Leben schwer machen. Das Problem: Sie teilt ihre Wohnung mit den beiden Übeltätern – klar, denn immerhin ist sie die Mutter der pfiffigen Zwillinge. Auch im Job ist Stress kein Fremdwort für die allein erziehende Mutter. In New York gibt es für die Mordkommission immer was zu tun. Da ist es gut, dass ihr Partner Billy Soto (Laz Alonso) ihr im Notfall den Rücken freihält. Auch gegen ihren Noch-Ehemann Jake Broderick (Josh Lucas), mit dem Laura nicht nur privat öfter zu tun hat, als ihr lieb ist.

Debra Messing hat seit “Will & Grace” kaum etwas von ihrem Charme verloren. Die Rolle der knallharten Polizistin scheint ihr auf den Leib geschrieben – was sie nicht ist, denn “The Mysteries Of Laura” (so der Originaltitel) ist die US-Fassung einer spanischen Serie. Weibliche Krimi-Ermittler haben seit “Cagney & Lacey” mit dem albernen Vorurteil zu kämpfen, lediglich Thriller-Klischees mit vermeintlich typischen Frauenproblemen zu verknüpfen. Spätestens seit “Crossing Jordan” oder “Rizzoli & Isles” werden Kritiker jedoch regelmäßig eines besseren belehrt. Und auch Detective Diamond ist einfach ein weiterer, nicht uninteressant skizzierter Cop in den Straßen der Großstadt. Und wer sie unterschätzt, hat schnell ein Problem. Die Zwillinge können davon ein Lied singen. (Übrigens: Die Pilotfolge hat eine der überraschendsten Wendungen, die man je im Fernsehen erleben durfte.)