Es kann nur eine geben!

Dieser Tage kocht mal wieder ein Thema hoch, das sich in regelmäßigen Abständen in der Serien-, Fernseh- und Filmwelt in Deutschland finden lässt. Synchronisation. Das betrifft zwar nicht nur Deutschland, sondern unter anderen auch Frankreich, Spanien und Italien, doch die Diskussion über Synchronsprecher und Synchronisationen findet in dieser Härte nur in Deutschland statt und zwar immer dann, wenn entweder ein Synchronsprecher verstirbt oder ein neuer Synchronsprecher einen alten ablöst.

Im aktuellen Fall betrifft es mal wieder David Duchovny. Der arme Mann bekommt alleine innerhalb von Akte X jetzt seinen dritten Sprecher: Sven Gerhardt. Bekannt wurde Mulder hierzulande mit der Stimme von Benjamin Völz (übrigens der Sohn von Wolfgang Völz). Neun Staffeln lang lieh Völz Duchovny seine Stimme. Dann war Pause. Und beim zweiten Akte-X-Film sechs Jahre nach Serienende schauten einige im Kino nicht schlecht, als Völz nicht mehr zu hören war. Ein schwerer Schlag in die Magengrube! Für die Rückkehr der Serie im Jahr 2016 hatten sich nicht wenige auch die Rückkehr von Herrn Völz gewünscht. Was 2008 beim zweiten Film scheiterte, gelang auch dieses Jahr nicht. Damals hatte Völz eine „zu hohe Gage“ von 20.000 Euro gefordert, die abgelehnt wurde. Auch dieses Jahr wurde nichts daraus – Völz wird Duchovny nicht sprechen. Ob es wieder am Geld gescheitert ist – man weiß es nicht. ProSieben spricht in einer Erklärung von redaktionellen Gründen. Kann man glauben, kann man auch lassen. In dieser Erklärung bezieht sich ProSieben übrigens auf eine Petition, die einige enttäuschte Fans gestartet haben. Es darf vermutet werden, dass sie erfolglos bleibt.

Insgesamt wirft das mal wieder die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Synchronisationen auf. Es ist natürlich leichter, sich fremdsprachige Filme und Serien in der eigenen Sprache anzuhören. Vielleicht ist es zu leicht. In Schweden beispielweise läuft jede nichtschwedische Serie, jeder nichtschwedische Film im Original mit Untertiteln – und ein ganz subjektiver Eindruck ist, dass Schweden nicht nur deutlich besser Englisch sprechen (und deutlich öfter) als Deutsche, sondern dass es auch besser klingt. Sie haben ein besseres Gespür für andere Sprachen. Das, was in der Schule gar nicht geleistet werden kann, weil die meisten Lehrer ebenfalls mit Akzent sprechen, schafft der Fernseher wie von selbst. Ja, es ist vielleicht am Anfang anstrengender, Untertitel zu lesen. Ja, viele Senioren würden vermutlich überhaupt kein Fernsehen mehr gucken oder nur noch auf deutschsprachige Flachkomödien und ideenlose Heimatfilme zurückgreifen. Ja, eine Umstellung brächte einen Aufschrei mit sich. Das ginge nicht von jetzt auf gleich. Der Sprachbildung in Deutschland könnte es aber nicht schaden.

Hinzu kommt ein wesentlicher anderer Punkt: Es gibt viele Verfechter der Synchronisation, aber selbst der beste Synchronsprecher kann nicht vermitteln, was der Schauspieler gerade denkt, meint, fühlt und tut. Jede Synchronisation verliert im Vergleich zum Original. Besonders krass ist das übrigens – ein gern bemühtes Beispiel – die unfassbar miese Synchronisation von Star Trek: Voyager. Von inhaltlichen Fehlern ganz zu schweigen.

Natürlich bringt eine Franziska Pigulla eine unglaublich gute Ausgangsstimme mit. Und natürlich verliert Gillian Anderson erst einmal im Original, wenn man sie das erste Mal quietschen hört. Sie hat nun mal keine verraucht-tiefe Stimme, sondern eine hohe, sehr weibliche. Aber spätestens nach drei Folgen will man es nicht mehr anders.

Und andersrum wird es schlimm, wenn ein Sprecher jahrzehntelang einen Schauspieler oder eine Figur gesprochen hat und dann verstirbt. Beispiel: Norbert Gastell. Er ist für mich DER Homer Simpson. Vermutlich haben die meisten Deutschen angefangen, Die Simspons zu schauen, bevor es Internet oder Netflix gab – auf Deutsch. Jetzt ist Gastell verstorben, Homer Simpson bekommt eine neue Stimme. Er wird nicht mehr der alte Homer sein. Und das ist in jedem Fall eine Enttäuschung. Egal, wie wertfrei man den neuen Sprecher willkommen heißt. Gastell war hier sogar noch eine Spur spezieller und besser als Elisabeth Volkmann, die Marge gesprochen hat. Anke Engelke übernahm und macht das erstaunlich gut. Ob es dem Nachfolger von Gastell gelingt, bleibt abzuwarten.

Ein besonders krasses Beispiel ist auch die Netflix-Serie „Orange is the new Black“. Im Gefängnis leben lateinamerikanische, weiß-amerikanische, zugewanderte Insassinnen ebenso wie welche aus der New Yorker Bronx. Allein die verschiedenen Farben der amerikanischen Sprache zu hören, macht diese Serie so sympathisch. Jede ist anders, jede redet anders. Die deutsche Synchronisation kann da nicht rankommen, egal, wie sehr sie sich bemüht. Letzlich bleibt die Frage, wieso bei der Ausstrahlung von Fernsehserien nicht wenigstens der Zweikanalton genutzt wird. Er wird viel zu selten berücksichtigt. Vielleicht möchten Menschen, die ohnehin wenig Fernsehen, weil sie sich Streaming-Diensten zugewandt haben, dann wenigstens beim linearen Fernsehen die Option haben, den Ton zu wechseln.

Nur zu Beginn eine Träne

Die X-Akten sind zurück. Endlich! Nach 7,5 langen Jahren. Und den zweiten Film könnte man ja durchaus auch einfach aus der Liste streichen. Demnach sind es also fast 14 Jahre. In den vergangenen zwei Wochen war es sehr schwierig, nicht versehentlich in irgendwelche Spoiler zu geraten. Die Fox-Promo-Maschinerie war in vollem Gange. Wer sich dem Thema vor lauter Vorfreude auch nur etwas annahm, bekam alles an Trailern und Teasern zu sehen, was die Fernsehproduktion so hergibt. Zusätzlich dazu: ein 20-minütiges Special zur Rückkehr der X-Akten. Außerdem 12642881_952462364791497_496149624039202369_nüberall im Netz: Reviews zur ersten Folge „My Struggle“. Fast alle durch die Bank weg schlecht. Auch diese nicht zu lesen, war schwierig.

Und gestern Abend war es dann soweit. Endlich wieder The X-Files. Als der Vorspann begann, waren sicherlich viele Augen kurz mal feucht geworden. Was mit einer Träne im Knopfloch begann, wurde dann allerdings recht schnell eine ziemlich trockene Angelegenheit. Zu viel Verschwörungstheorie, zu viel Off-Ton von Mulder, zu viele Erklärungen und zu viele Bilder aus Roswell. Irgendwie war nicht ganz klar, wo das hinführen sollte. Chris Carter, Erfinder und derjenige, der die Episode geschrieben hat, wohl ebenso nicht.

Da taucht der schnittige Talkshow-Moderator O’Malley auf, der behauptet, an Verschwörungstheorien zu glauben. Es wird die steile These aufgestellt, dass gar nicht die Außerirdischen Experimente an Menschen durchführen, sondern dass die Menschen die bei Roswell und sonst so abgestürzten Aliens genutzt haben, um dann wiederum Experimente an Menschen durchzuführen. Klang genau das aber nicht auch schon mal in der Original-Serie an? Wo ist der neue Ansatz? Als dann 30 Minuten später klar war, dass der schnittige Moderator offenbar nur Blödsinn von sich gegeben hat, war diese Theorie auch schon wieder hinüber. Nun stellte sich doch relativ schnell die Frage, wieso ausgerechnet dieser Moderator die Macht hat, Scully und Mulder wieder zusammenzubringen. Wieso Skinner das als so wichtig erachtet hat? Er war schließlich nur ein Dummschwätzer, mehr nicht. Davon gibt es dieser Tage ja sehr viele. Und dass Scully am Ende außerirdische DNA findet und beschließt, dem nachzugehen, entspricht ebenfalls nicht ihrem Charakter. Die skeptische Dana Scully, die schon im zweiten Film mit den X-Akten eigentlich nichts mehr zu tun haben wollte, wehrt sich auch hier fast die komplette Folge tapfer dagegen, wieder in dieses Thema gezogen zu werden, hält Mulder sogar eine deftige Standpauke darüber, dass er wieder einmal heftig übertreibt und sich in etwas reinziehen lässt. Dann lässt sie ihn wie einen kleinen Schuljungen stehen. Man sieht, dass sie so weit weg will davon, wie es nur geht – spätestens in der Szene, als sie mit O’Malley in dessen Limousine sitzt und Champagner schlürft, wird das deutlich. Der depressive Fox Mulder, der sein Haus nie verlässt und die Tage wirwissennichtwomit verbringt, geschweige denn von welchem Geld er lebt.

Es bleiben viele Fragen offen: Wieso erachtet es Assistant Director Skinner als so wichtig, die X-Akten wieder zu öffnen? Wieso ist diese vermeintliche Verschwörungstheorie auf einmal wieder so wichtig, dass man sich darum kümmern muss? Wie ist Scullys Gesinnungswechsel zu erklären? Was ist denn jetzt die eigentliche Verschwörung? Hat William doch außerirdische DNA? Und Scully? Wussten sie das nicht schon immer? Wieso bricht diese Wunde nach 14 Jahren wieder auf? Wer ist eigentlich O’Malley und was ist seine Aufgabe?

Chris Carter bleibt die Antworten noch schuldig. Die Macher bleiben uns ebenso einen Plot, dem man folgen kann, eine Geschichte, die irgendwie spannend ist, und eine Verschwörungstheorie, der man unbedingt folgen will, schuldig. Vieles wirkt zu konstruiert. Als gäbe es tatsächlich gar keinen Grund, der es nötig macht, die X-Akten wieder zu öffnen. Und so ist es vielleicht auch. Es gibt wahrscheinlich keinen. Es gab genauso wenig einen, sie zu schließen. Am Ende ist das aber egal. Es darf gerne jeder Grund der Welt sein, die Arbeit an den X-Akten wiederzubeleben. Denn eigentlich geht es am Ende ja doch nur um Mulder und Scully. Und selbst das kann Chris Carter nicht kaputtschreiben. Mit hohen Erwartungen dürfen wir uns jetzt auf die Folgen freuen, die Darin Morgan, Glen Morgan und James Wong geschrieben haben. Sie sind immerhin verantwortlich für einige der besten Folgen dieser Serie überhaupt.

Und so steht nach dem mauen Anfang fest: Es kann nur besser werden. Das ist die zweite gute Nachricht bei diesem Reboot. Die erste? Fox Mulder und Dana Scully sind zurück!

Der Gute unter den Bösen

Alan RickmanNiemand war gleichzeitig so arrogant und so sympathisch. So klassisch britisch und merkwürdig interessant. So böse und so einnehmend.

Völlig zurecht blieb seine Improvisation in „Robin Hood – König der Diebe“ im fertigen Film: Als der Sheriff von Nottingham beim lässigen Abgang mit dem Mantel hängenbleibt, treibt das den Schurken zu einem weiteren übertriebenen Zornesausbruch. Herrlich, dabei zuzusehen. Allein dafür wird Alan Rickman unvergessen bleiben.

Jedes Jahr werden wir uns seiner erinnern, wenn Hans Gruber vom Nakatomi Tower fällt. Kein Weihnachten ohne „Stirb langsam“, kein Weihnachten ohne Alan Rickman.

Der Mann war Rasputin und König Louis XIV, Ronald Reagan und die Raupe im Wunderland. Meine liebsten Filme mit ihm sind allerdings „Galaxy Quest“ (Rickman als geniale Spock-Parodie) und „Im Zeichen der Jungfrau“ (Rickman als genervter Sidekick).

Klar, in „Quigley, der Australier“ haben wir Elliott Marston gehasst. Severus Snape in den „Harry Potter“-Filmen zunächst auch, später nicht mehr.

Und immer, jede einzelne Minute, haben wir Alan Rickman geliebt. Traurig, wenn die Guten unter den Bösen uns verlassen.

Star Wars Episode 8 und 9: So geht’s weiter (eventuell)…

BB8Alle Welt fragt sich, wie es nach „Star Wars: The Force Awakens“ wohl weitergehen mag. Welche überraschenden Twists haben sich J.J. Abrams und sein Gefolge für die Fans ausgedacht? Wer sind Reys Eltern? Und welche Geschichte verbirgt sich hinter dem geheimnisvollen Snoke?

Uns wurden exklusiv die Drehbücher für die beiden nächsten Episoden der neuen Trilogie zugespielt. Und natürlich fassen wir die Handlung gern für euch zusammen…

In Episode 8 sehen wir zum ersten Mal den vierten Todesstern, diesmal noch größer, dafür ist die Schwachstelle der Einfachheit halber rot markiert. Leider ist Poe rot-grün-blind und kann daher den Angriff nicht selbst leiten. Admiral Ackbar und General Organa sind schon ganz verzweifelt („Millionen werden in panischer Angst aufschreien und plötzlich verstummen“), da fällt ausgerechnet C-3PO ein, dass Finn ja der Experte für Todessterne aller Art ist. BB-8 und R2-D2 erwecken ihn mit ihren Kitzel-Lasern aus dem Koma, und gemeinsam mit Poe („du musst mein Auge sein, Kumpel“) fliegt er voran. Todesstern IV ist rasch vernichtet, irgendwann bekommt man ja Übung in sowas. Leider ist Rey mit schlechten Nachrichten vom Rand der Galaxis zurückgekehrt: Luke wollte ihr nicht verraten, wer ihre Eltern waren, und ist außerdem der Ansicht, ihm stehe ein wenig Entspannung zu („Meister Yoda mir das beigebracht hat“), weswegen er keine Lust hat, den neuen Jedi-Orden zu gründen. Leia lächelt nachsichtig – so sind die Skywalker-Jungs halt – und schlägt vor, dass Rey das einfach selbst übernehmen soll. Rey entschließt sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie nimmt telepathisch Kontakt zu Kylo auf und zapft auf diese Weise sein Wissen über die Macht an. Kylo wird durch diesen Vorgang allerdings immer dümmer und unberechenbarer: Als er an einem Bad-Hair-Day ein Dutzend Stormtrooper massakriert, entscheidet Snoke, sich von ihm zu trennen. Man setzt ihn auf Endor aus, wo er zu einer schmackhaften Mahlzeit für die Ewoks wird, deren improvisierten Waffen er nichts entgegenzusetzen hat. Alle lachen. Ende der Episode.

Episode 9 beginnt mit einem Kameraschwenk über den fünften Todesstern, der diesmal die Form eines Footballs hat. An Bord ist man eher resigniert; einige Stormtrooper weigern sich, an der eingebauten Schwachstelle ihren Dienst zu verrichten. Kylos Nachfolger – ein kleiner Pummeliger mit alberner Gesichtsmaske – wird ebenfalls nicht Recht Herr der Lage. Also entscheidet sich Snoke, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die Republik stoppt im letzten Moment den Angriff auf die offen stehende Toilettentür, weil Rey mit Hilfe der Macht feststellt, dass Snoke auf dem Todesstern ist, und Jedi lieber Mann gegen Mann… äh, also: Mädchen gegen Alien kämpfen. Gemeinsam mit Chewie (der vor Trauer um Han ganz grau geworden ist) und dem wieder aufgetauchten Lando Calrissian (im Rollstuhl) entert sie die Basis und sucht nach Snoke. Chewie ist sauer, dass er sich nicht an Kylo rächen durfte, und macht im Alleingang ganze Horden von Stormtroopern nieder. Lando trifft auf Phasma und wickelt sie mit seinem Charme ein („ich hab’s einfach noch drauf“). Rey steht schließlich Snoke gegenüber, der seine wahre Identität preisgibt: Er ist niemand anderes als Boba Fett, dem die Zeit im Sarlacc zwar die Physiognomie zerstört, aber immerhin genug Muße gelassen hat, den Umgang mit der Macht zu erlernen. Er ist natürlich stärker als Rey, und nach 20 Minuten Schwertkampf scheint sie zu unterliegen. In diesem Moment taucht Kylos Nachfolger auf und nimmt seine Maske ab: Es ist Wicket, der durch das Verspeisen von Kylo a) auf den Geschmack gekommen ist und b) ebenfalls reichlich Macht abbekommen hat. Zusammen besiegen sie Snoke Fett, und am Ende verrät Leia endlich, wer Reys Eltern sind: „Du musst verstehen, Kind. Han war unterwegs, und ich stehe einfach auf Schlappohren. Außerdem war er so schön tollpatschig, und schon meine Mutter mochte ihn…“

Warum „Morgen hör ich auf“ kein neues „Breaking Bad“ ist

Quelle: ZDF

Bevor ich auch nur eine Sekunde von „Morgen hör ich auf“ gesehen hatte, hatte ich scheinbar auch schon alles gelesen, was wichtig war. Auf Twitter war man sich nach der Veröffentlichung der Ankündigung einig: „Och jo, ein deutsches ‚Breaking Bad'“. Der Inhalt im Groben: Ein Druckerei-Besitzer (Bastian Pastewka) steigt ins Geldwäsche-Geschäft ein, um die drohende Insolvenz abzuwenden.

Nun ist es vermutlich absurd, dass jemand eine Webseite mit Kritiken über Fernsehserien und Filme betreibt, der es vermeidet, Kritiken über Fernsehserien und Filme zu lesen. Ehrlich gesagt: Ich hasse Kritiken, Reviews oder wie auch immer man sie nennen mag. Sie nehmen mir den Spaß, bevor mir klar war, dass ich Spaß haben könnte. Es gibt nichts Unsinnigeres, als Kritiken zu lesen, bevor man den Film oder die Serie selbst gesehen hat. Die Steigerung davon ist das, was täglich in sozialen Netzwerken passiert: Dinge werden bewertet und kritisiert auf der Basis von NICHTS. Menschen, die noch nicht mal eine Sekunde gesehen haben, drehen ihren Daumen bereits in eine Richtung; meistens nach unten. Ich maße es mir nicht an, eine Serie zu kritisieren, die ich nicht kenne. Und Kritiken lese ich erst, wenn ich den Stoff bereits kenne. Wer meint, er bekäme mit einer Kritik einen Hinweis für sein eigenes Leben dahingehend, ob er dann überhaupt einschalten müsse, der irrt. Denn auch hinter einer Kritik steckt nur ein Mensch, der eine eigene Meinung hat, die mit allem, was man selbst schätzt oder mag, anders liegen kann. Vor Jahren schrieb ich mal eine „Tatort“-Kritik für meinen ehemaligen Arbeitgeber, eine regionale Tageszeitung. Ich verriss diesen Krimi, es war einer dieser gähnend langweiligen Filme vom Bodensee. Drei Tage nach der Ausstrahlung bekam ich eine Mail von einem Leser, der mir relativ unhöflich mitteilte, dass er froh sei, eingeschaltet und sich nicht auf mein Urteil verlassen zu haben. Ich schrieb zurück, dass mich freue, dass ihm der Film gefallen habe, aber das eine Kritik eben immer nur eine Meinungsäußerung sei – und dass DARIN jeder Mensch Experte ist. Dafür muss man nicht Dutzende Filme oder Serien über einen Zeitraum von 30 Jahren gesehen haben.

Zurück zu Pastewkas Fünfteiler: Nun muss ich dazu sagen, dass ich „Breaking Bad“ nicht besonders gut fand. Darauf folgt meistens die Frage, wie viel davon ich denn gesehen habe. Eine Staffel. Ich habe mir diesen Quark eine Staffel angetan und dann aufgegeben. Ich habe es wirklich versucht. Es gefiel mir aus einem einfachen Grund nicht: Keiner der Charaktere war sympathisch. Ich konnte mich auf keine Seite schlagen, mit niemandem mitfühlen oder vielleicht auch nur inbrünstig scheiße finden. Walter Whites Familie war einfach nur nervtötend – sollte sie ja auch sein – und Walter White selbst blieb für mein Empfinden in dieser ersten Staffel extrem blass. Vielleicht war der Charakter so angelegt, aber mir gefiel das einfach nicht. Die Serie war gut gemacht, klasse inszeniert und der Plot war neu und einzigartig, aber ich hatte meinen Zenit an Serien, in denen Antihelden zum Protagonisten gemacht werden, vielleicht überschritten.

Nun habe ich leider die erste Folge von „Morgen hör ich auf“ nicht gesehen. Gestern schaute ich dann trotzdem Folge zwei und war froh über die kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse. Und dann war ich erschrocken darüber, wie düster das ist. Ja, da gibt es auch mal Gewalt. Ja, da bleiben Fragen unbeantwortet. Die Autoren wagen einen Blick in die tiefen Abgründe eines Menschen, der droht, alles zu verlieren. Familie, Firma, Ansehen, Geld. Ja, das ist thematisch nah an „Breaking Bad“. Da hört der Vergleich für mich aber auch schon auf. Dass ein Mensch kriminell wird, um seinen Status zu bewahren, sehen wir jeden Tag in schlechten Krimiserien und im realen Leben in Unternehmen, der Politik und der Gesellschaft. Das haben nicht die Autoren von „Breaking Bad“ erfunden.

Ich finde die Reihe erstaunlich gut gemacht, überraschend düster (wie bereits erwähnt) und erfrischend schnell in der Taktung. Man hat nur fünf Folgen (zum Glück, denn nicht alles muss in acht Staffeln erzählt werden) und die haben es in sich. Auch hier schon ein gravierender Unterschied zu „Breaking Bad“, das man locker auch in einer Staffel hätte erzählen können. Nachdem ich mal gelesen hatte, was Walter White noch alles passiert war, fragte ich mich, ob es eigentlich noch haarsträubender geht. Gut, dass man hier der Erzählung von „Morgen hör ich auf“ erst mal Grenzen gesetzt hat.

Überraschend ernst und dunkel wirkt auch Bastian Pastewka. Heute, nach einer Nacht ‚drüber schlafen‘ bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich ihn wirklich zu hundert Prozent ernst nehmen kann. Er hat nun mal einen Stempel quer über seinem Gesicht, darauf steht „witzig“ und nicht „ernst“. Ich habe keine Ahnung, ob man diesen Stempel irgendwie ausradieren kann, mir fällt es noch ein bisschen schwer, ihn zu ignorieren. Im Nachhinein ging es mir schon so, dass ich zwischendurch auf eine Pointe, ein dümmliches Grinsen oder einen lustigen Spruch wartete. Der kam nicht. Vielleicht ist es aber auch die Aufgabe des Zuschauers, diese Trennung selbst zu leisten, vielleicht ist das nicht die Aufgabe des Schauspielers. Bastian Pastewka gibt sein Bestes, seine Co-Stars ebenfalls – und das sollte man gebührend anerkennen. Ich bin froh, dass sich das ZDF an die Thematik ranwagt. Innovative Stoffe selbst zu entwickeln – davon ist das deutsche Fernsehen weit entfernt (abgesehen vom Tatort-Reiniger und Weissensee, vielleicht). Ich kann also gut damit leben, dass erst einmal eine Vorlage wirklich ansehnlich adaptiert wurde. Ich freue mich auf die kommenden drei Folgen! Das ist gute Abendunterhaltung und der deutsche Standard-Nörgler sollte mal kurz innehalten und sich fragen, was zur gleichen Zeit Annehmbares auf den anderen Kanälen im Fernsehen lief. Die Antwort ist einfach: nichts! Wie jeden verdammten Abend.

Klein, aber fein – eine Liebeserklärung an das Oberstadtkino

Marburger Filmkunsttheater – das ist die offizielle Bezeichnung, und sie klingt genau so schön wie das Kino ist, das sich dahinter verbirgt. Für uns war es einfach das „Oberstadtkino“. Und ist es bis heute.

Ein Familienbetrieb ist es, mehr noch als das große Kino der kleinen Stadt, das Cineplex mit seiner (inzwischen) Außenstelle, dem Capitol. Seit 1965 kümmert sich Hubert Hetsch darum, dass an der Lahn die kleinen, aber feinen Filme nicht vergessen werden – die nur auf den ersten Blick unscheinbaren Meisterwerke, für die man den Aufstieg in die Oberstadt gerne in Kauf nimmt. Inhaber ist der Filmvorführer – wie er sich selbst nennt – „erst“ seit 30 Jahren. Und völlig zurecht wurde das Programm des Kubrick-Freundes bereits mehrfach ausgezeichnet.

Allein die altmodischen Schaukästen am Gebäude und die… nun ja – klassische Inneneinrichtung wären einen eigenen Blog-Beitrag wert. Lassen wir es aber zunächst dabei bewenden, dass beides einfach großartig ist.

Mich persönlich verbinden vier Erinnerungen mit dem Oberstadtkino – drei davon gut, eine weniger. (Meine beruflichen Erfahrungen mit dem Filmkunsttheater und seinem Inhaber lasse ich dabei mal bewusst außen vor.)

1991: So sehr ich mich auch bemühe – ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, worum genau es in „Highway 61“ geht. Ich weiß nur noch, dass mich dieses Roadmovie bestens unterhalten hat, obwohl oder vermutlich gerade weil der Film mit meinen damaligen Sehgewohnheiten brach. Und dass Jello Biafra von den Dead Kennedys einen schnauzbärtigen Grenzbeamten spielt.

1992: Insgesamt dreimal habe ich ein Kino während der Vorführung verlassen. „Jagd auf Roter Oktober“ bleibt für mich einer der langweiligsten Filme aller Zeiten. „Kap der Angst“ konnte ich nicht zu Ende schauen, weil meine Mitfahrgelegenheit drohte, ohne mich zu starten. Und „Twin Peaks – der Film“ führte mir einmal mehr vor Augen, dass mir aus dem großen Werk von David Lynch nur seine erste Fernsehserie gefällt. Diese war auch der Grund, weshalb ich mir den zugehörigen Film angucken wollte. Allerdings bin ich vermutlich schlicht zu blöd, um das Genie des Meisters zu erkennen oder gar zu würdigen – ich kapierte überhaupt nichts und marschierte nach der Hälfte aus dem kleinen Kinosaal.

1995: Mit „Living In Oblivion“ lernte ich den fantastischen Steve Buscemi kennen, mit „The Last Supper“ den ähnlich fantastischen Ron Perlman. Beide Filme erinnerten mich daran, dass es abseits aufwendig produzierter Hollywood-Epen auch die schwarzhumorige, groteske Seite der Traumfabrik gibt. Oder anders: Ich werde nie ein Fan von „Fahrraddiebe“ – aber auch mich passionierten Anhänger von Fiktion und Fantasie kriegt man ab und zu mit leisen Tönen.

Allein dafür, liebes Oberstadtkino, herzlichen Dank!

Mein Krieg der Sterne, Episode II

Ja, die Episoden I bis III hatten mich definitiv angefixt. Ich musste wissen, wie es weitergeht. Und letztlich habe ich alle sechs Filme innerhalb von drei Tagen geguckt. Ja, das war wirklich feine Fernsehunterhaltung. So richtig ist der Funke aber nicht übergesprungen. Ich mag die Charaktere, ich mag die Handlung, mir gefällt die Umsetzung ebenfalls größtenteils. Aber das, was mir von glühenden Fans als Magie versprochen wurde, habe ich nicht empfunden. Ab Teil IV sollte es magisch werden, etwas ganz Besonderes. Im Nachhinein muss ich sagen: Es war halt ein Science-Fiction-/Fantasy-Film. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Ganz interessant war jedoch die Herangehensweise an diese „alten“ Filme. Denn ich wusste ja nun schon, dass Darth Vader früher einmal Anakin Skywalker gewesen ist – und damit Lukes und Leias Vater. Dieser Moment, der für sehr viele Menschen damals wie eine Bombe einschlug und tatsächlich so überraschend kam wie jedes Jahr Weihnachten, den gab es für mich nicht. Mir stellten sich ganz andere Fragen: „Wieso hat Obi-Wan eigentlich nichts gesagt?“ und „Wann wird Luke es erfahren und wie?“ und „Wird er sich wie sein Vater der dunklen Seite zuwenden?“. Es war dann tatsächlich spannend, dem Verlauf zu folgen.

Ich bin vor allem immer dann begeistert, wenn die Charaktere mich mitreißen, wenn eine spannende Geschichte über die Leute erzählt wird, die da über den Bildschirm flimmern. Das ist besonders in Teil VI der Fall. Wann kommt es zum Showdown? Was wird passieren? Entdeckt Vader den Anakin in sich? Teil VI ist daher aus der alten Reihe mein absoluter Favorit, dicht gefolgt von Film Nr. IV. Teil V konnte ich indes gar nicht so viel abgewinnen. Keine Ahnung, wieso – aber ich bin nach 30 Minuten eingenickt und musste am nächsten Tag weiterschauen.

So ergibt sich für mich eine Komplettreihenfolge, die so aussieht: 6, 3, 4, 5, 1, 2.

Würde ich es noch mal schauen? Ja, wieso nicht. Aber ich bin tatsächlich nicht so heiß darauf, dass ich sagen würde, dass ich die Reihe unbedingt im Regal stehen haben müsste. Ich habe den Hype damals einfach verpasst und auf einen abgefahrenen Zug kann man vielleicht auch nicht mehr aufspringen. Der Plot hat meines Erachtens auch keinen Super-Twist, der einem den Atem verschlägt. Es ist spannend, ja. Es ist gut inszeniert, ja. Die Effekte in den Teilen 1-3 blende ich hier mal aus. Ich bevorzuge übrigens den Yoda aus den ersten drei Teilen. Optisch und charakterlich. Das passt vielleicht nicht zu meiner Kritik an den Effekten. Aber der spätere Yoda wirkt einfach sehr altbacken – und damit meine ich nicht alt, sondern einfach altmodisch.

Der besonderste Clou an den alten Teilen ist für mich übrigens der Tod des Obi-Wan Kenobi. Ein letztes Mal schaut er zu Luke Skywalker, lächelt wissend und erleichtert und segnet dann das Zeitliche. Das ist vielleicht der für mich schönste Moment in allen sechs Teilen.