“Batman v Superman: Dawn Of Justice” – viel Lärm um überhaupt nichts

Batman V SupermanEs ist dunkel und regnet. Das macht aber nichts, denn selbst wenn zwischendurch mal die Sepia-Sonne durchkommt, bleibt die Stimmung trist und öde. So und niemals anders ist die Atmosphäre im Superhelden-Kino-Universum, das einer der größten Comic-Verlage nun endlich etablieren will. Aber der Reihe nach…

Nach viel zu langen neidischen Blicken zum randvollen Geldspeicher des Konkurrenten Marvel versucht DC seit einiger Zeit verzweifelt, den jahrelangen Vorsprung ein wenig zu verringern, den ein Dutzend Filme (flankiert von bislang vier Fernsehserien) konsequent ausgebaut haben. Dabei stellt sich das zweite große Flaggschiff des Superhelden-Comics denkbar ungeschickt an. Während Marvel seine Kinowelt mit Bedacht, Sorgfalt und Liebe zum Genre zu einem in der Filmgeschichte einmaligen Konstrukt verzahnt, verirrte DC sich in halbgaren Versuchen wie “Superman Returns” oder “Green Lantern” und konnte in jüngerer Vergangenheit einzig mit Christopher Nolans Batman-Trilogie kommerziell wie künstlerisch punkten. Die allerdings stellt eine abgeschlossene Geschichte dar und eignet sich daher nicht als Grundstein für ein neues Kino-Universum. Mehr noch: Statt die eigenen erfolgreichen Fernsehserien wie “Arrow”, “The Flash” und durchaus auch “Supergirl” dazu zu nutzen, ein DC-Universum auf der großen Leinwand zu befeuern, klammert sich der Comic-Riese an die Idee der Multiversen, also einzelner, autarker Welten, in denen seine Geschichten spielen. Das ist unnötig kompliziert und macht es den bisher zwei auf eine DC-Kinowelt ausgerichteten Filmen schwer. “Man Of Steel” sollte vor drei Jahren der erste Schritt in die richtige Richtung sein; rasch wurde angedeutet, dass die Reise als Ziel eine Filmversion der Justice League hat, um endlich Marvels viel gelobten Avengers Paroli zu bieten.

Dumm nur, dass die Fans gar nicht besonders angetan waren vom Versuch, den Abenteuern des bekanntesten Superhelden der Welt einen neuen, einen dunkleren Anstrich zu verpassen. Statt die gleichnamige Comicreihe zum Vorbild zu haben, kamen Vorgeschichte und erster Kampf von Superman merkwürdig schwergängig daher. Noch dazu verzettelten sich Regisseur Zack Snyder (“Watchmen”) und Drehbuchautor David S. Goyer (“Kickboxer 2”) in unausgegorenen Ideen und dem verkrampften Bemühen, besonders originell zu sein. Und so wurde in der Folge in einschlägigen Fan-Foren und auf Film-Blogs eifrig darüber diskutiert, womit DC künftig arbeiten will: mit einem Superman nämlich, der seine Gegner offenbar notfalls tötet, keinen Blick für heftigste Kollateralschäden hat und von gleich zwei Vätern mit fragwürdigen Ratschlägen versorgt wurde. Und so einer soll der strahlende Champion sein, der fliegende Pfadfinder, als der der Stählerne seit fast 80 Jahren nun mal gilt?

Die ersten Trailer zur daher mit wenig Überschwang erwarteten Fortsetzung ließen erahnen, dass die Geburtshelfer des “DC Extended Universe” (wie der Kontrahent des “Marvel Cinematic Universe” offiziell heißt) zumindest entschlossen zu ihren Entscheidungen stehen. Wir bekamen einen neuen Batman (Ben Affleck in seiner zweiten Superhelden-Rolle nach Daredevil) zu sehen, der offenbar sauer war, weil Supie (Henry Cavill) im finalen Kampf gegen seinen Widersacher General Zod mal eben halb Metropolis in Schutt und Asche gelegt hat. Frei nach dem Motto: “Ist es ein Vogel, ist es ein Flugzeug – egal, lauft um euer Leben!” Also warf sich der Fledermaus-Mann in eine klobige Rüstung, die nicht umsonst an sein Auftreten in Frank Millers Kultcomic “The Dark Knight Returns” erinnert, und die beiden Ikonen gaben sich Saures. Denn das wollen die Fans sehen – so zumindest die Theorie im Hause DC. Aufgelockert (sofern man von Lockerheit sprechen kann angesichts der düsteren Szenerie) wurden die Trailer von merkwürdigen Sequenzen, die nicht nur beinharte Comic-Fanatiker rasch als Alpträume identifizierten. Superman als despotischer Herrscher, eine Invasion insektoider Aliens, Batman mit Maschinenpistole und Bogart-Mantel… Man versuchte, interessant zu sein.

Relativiert wurde das alles durch den finalen Trailer, der – soviel sei verraten – quasi die Handlung von “Batman v Superman: Dawn Of Justice” vollständig erzählt. Die ist nämlich im Gegensatz zum Filmtitel wenig ambitioniert und daher rasch zusammengefasst: Der dunkle Ritter und der Mann aus Stahl raufen sich, angefeuert von Schurkenlegende Lex Luthor, den ein souveräner Jesse Eisenberg als Mischung aus Mark Zuckerberg auf Koks und Heath Ledgers Joker anlegt. Erstaunlich, dass ausgerechnet ein zwischen Größenwahn und Autismus zuckender Millionenerbe die einzige Figur ist, die wirklich funktioniert. (Aber dazu später mehr.) Dann mischen sich noch die schwertschwingende Amazone Wonder Woman (Gal Gadot) und ein Höhlentroll aus “Der Herr der Ringe” ein, der hier Supermans Übergegner Doomsday verkörpert. Es geht viel kaputt, es wird laut, aber niemals hell, und alle haben schlechte Laune. Das Ende hält tatsächlich noch einen Twist bereit (zumindest für alle, die nicht wissen, welche Funktion Doomsday im Comic hat), aber ansonsten ist das ziemlich genau alles, was in 151 Minuten erzählt wird.

Okay – das war gelogen. Es gibt noch völlig irrelevante Handlungsstränge und ein paar Nebenkriegsschauplätze, die dazu dienen, uns die Motive der Protagonisten und ihrer Gegenspieler zu erklären. Dies erscheint zwar bitter nötig, damit die Helden nicht wie unbeherrschte Trottel wirken, funktioniert aber kein bisschen. Die beiden Muskelmänner hadern ob des Ablebens eines oder beider Elternteile, soviel Hintergrundwissen gehört zur Popkultur. Und so sehen wir einmal mehr das Ehepaar Wayne die falsche dunkle Gasse entlang schlendern, erfahren zum wiederholten Mal, dass sich der letzte Überlebende eines explodierten Planeten auf der Erde gar nicht richtig zu Hause fühlt. Und wir bekommen ein wenig vom Umfeld der Helden gezeigt, in erster Linie durch Supies Liebste Lois Lane (Amy Adams ist übrigens zehn Jahre älter als Cavill, was man inzwischen auch deutlich sieht) und seine Adoptivmutter (Diane Lane) sowie Waynes treuen Butler Alfred, den Jeremy Irons um einiges wehrhafter und agiler anlegt als gewohnt. Der Rest ist Staffage: Holly Hunter verschwendet ihr Talent als streitbare Senatorin, Laurence Fishburne ist als Chefredakteur Perry White ein schimpfendes Klischee, und erst im Abspann erfahren wir, dass anscheinend bekannte Nebencharaktere wie Lana Lang und Jimmy Olsen zu sehen waren. (Übrigens: Nein, es gibt in diesem Film keinen Robin. Er wird nicht einmal erwähnt.)

All die brutalen Logiklöcher aufzuzählen, die sich Goyer leistet, würde indes den Rahmen sprengen. Nur zwei Beispiele (milde Spoiler): Zwar wird immer wieder eifrig erwähnt, dass diesmal nur leere Hochhäuser und eine unbewohnte Insel zu Bruch gehen, aber an etwas atomarem Niederschlag stört man sich ebenso wenig wie daran, dass ausgerechnet Batman seine Gegner reihenweise massakriert. Und Gotham liegt nur einen Steinwurf von Metropolis entfernt. Tatsächlich befinden sich die beiden Großstädte sogar derart dicht nebeneinander, dass man die Distanz bequem per Hubschrauber überwinden kann. Zwillingsmetropolen, nur durch etwas Wasser getrennt? (Oder ist das schlicht wurscht, weil man sich besser den Kopf über andere Ungereimtheiten zerbrechen sollte, wie nachlässig zum Beispiel mit Geheimidentitäten umgegangen wird?)

Nun aber zu den drei größten Problemen von BvS: Erstens spricht zwar nichts dagegen, an übermächtigen Ikonen zu kratzen, weltbekannten Figuren einen neuen Dreh zu geben. Nur: Ehe man ein Denkmal vom Sockel schubst, muss man es erstmal errichten. Der Superman dieses Universums hat aus Sicht der Zuschauer bislang nicht viel mehr getan, als einem Feind das Genick zu brechen und zig Tote in Kauf zu nehmen, als er eine halbe Großstadt dem Erdboden gleichgemacht hat. Natürlich sind die Leute daher sauer auf ihn – weshalb sollte uns das überraschen, wieso sollten wir zu ihm halten? Das Gleiche gilt für Batman: Wer sich durchs nächtliche Gotham metzelt, hat nunmal keine gute Presse und ist ein Außenseiter. (Einmal bezeichnet Wayne sich und Alfred sogar selbst als Gesetzlose.) Snyder und Goyer können nicht einfach voraussetzen, was andere Autoren in Film und Comic geschaffen haben. Sie wollten die Helden neu etablieren, ihre Geschichte von vorne erzählen? Dann sollen sie das bitte auch tun und nicht im Eilverfahren gleich zwei legendäre Comics abfrühstücken und zusätzlich die Justice League auf den Weg bringen. (Was im Übrigen dermaßen ungelenk geschieht, dass das barmherzige Cape des Schweigens darüber ausgebreitet werden soll.)

Das zweite Problem wurde eingangs bereits skizziert: Nichts, aber auch wirklich gar nichts macht hier Spaß. Es wird viel gebrüllt, fast noch mehr geweint, alles ist Drama. Batman ist ein verbitterter Gewichtheber in der Mitte des Lebens, der mit seinem Dasein hadert. Alfred im Hintergrund ist ein zynisches Faktotum. Superman weiß offenbar nicht so recht, wohin mit sich. Und dabei ist die überforderte Journalistin an seiner Seite keine große Hilfe. Da drückt man fast Luthor die Daumen, der bringt wenigstens etwas Pfiff ins Geschehen.

Damit sind wir beim dritten großen Makel dieses Films: Während Ben Affleck alles gibt, um die Daredevil-Schmach von einst vergessen zu lassen, bleibt Henry Cavill, was er ist. Nämlich ein wirklich erbärmlicher Schauspieler. Man scherzt ja gerne mal über alte Actionhelden und ihre auf zwei Gesichtsausdrücke limitierten darstellerischen Fähigkeiten. Aber bei Cavill stimmt das: Er guckt entweder wie ein Dackel mit Schmollmund oder wie ein Dackel mit Schmollmund, der wütend rüberkommen will. Bestimmt ist er ein netter Kerl, natürlich sieht er gut aus und hat ordentlich Muckis. Aber über Talent verfügt er praktisch überhaupt nicht.

Die Vorfreude auf den ersten Auftritt der Justice League ist jedenfalls dahin. Eigentlich kann man sogar gleich an das komplette DC-Kino-Universum einen fetten Haken machen – das wird wohl nix mehr. “Batman v Superman” ist ein wirklich schlechter Film, er macht kein bisschen Laune und ist dazu noch ziemlich dämlich. Allenfalls ein kräftiger Tritt für die Herren Goyer und Snyder könnte das Projekt noch retten. Ansonsten ist die Zukunft dunkel und verregnet.

Macht wohlwollende anderthalb von zehn Kryptonit-Splittern.