Pfui Deibel! Halleluja!

Preacher
Joe Gilgun spielt den besten Kumpel von „Preacher“, den irischen Vampir Cassidy.

In gleich zwei himmlischen neuen Serien ist der Teufel los: Amazon Video hat „Preacher“ und „Lucifer“ im Programm, die beide sehr frei auf beliebten Underground-Comics basieren. Treppe zum Himmel oder Autobahn zur Hölle? Wir packen Gebetbuch und Dreizack ein und verraten, ob sich das Einschalten lohnt.

Preacher

Jesse Custer (Dominic Cooper aus „Captain America“) ist ebenso schlagfertig wie trinkfest. Beides hilft ihm, das Dasein in dem rauen Texas-Kaff zu ertragen, in dem er aufgewachsen ist: Moral ist hier ein Fremdwort, jeder hat Dreck am Stecken, und ein Leben ist kaum etwas wert. Jesse kümmert sich in doppelter Hinsicht um die Menschen in dieser staubigen Einöde – denn wenn er nicht gerade eine Whiskyflasche leert oder eine Prügelei anzettelt, steht er auf der Kanzel und preist den Herrn. Jesse ist nämlich der Prediger des Ortes.

Zwar hat seine Organistin Emily (Lucy Griffiths) ein Auge auf ihn geworfen, doch Custers einzige echte Freunde sind seine Ex Tulip (Ruth Negga) und sein irischer Kumpel Cassidy (Joe Gilgun aus „Misfits“). Sie ertragen die Launen des desillusionierten Geistlichen, beide haben nämlich schon ganz andere Probleme gemeistert. Immerhin ist Tulip eine Killerin und Cassidy ein Vampir.

So weit, so schräg. Richtig kompliziert wird es jedoch erst, als eine geheimnisvolle Macht aus dem All in Jesse fährt. Fortan besitzt er die Fähigkeit, allen Menschen seinen Willen aufzuzwingen: Spricht er ein Machtwort, müssen sie gehorchen. Das bekommen auch bald der sinistre Odin Quinncannon (Jackie Earle Haley aus „Watchmen“) und der bräsige Sheriff Root (W. Earl Brown) zu spüren. Und am deutlichsten der unbeliebte und verunstaltete Sohn des Gesetzeshüters, Eugene Root alias „Arseface“ (Ian Colletti). Als dann noch zwei sichtlich überforderte Engel auftauchen, gefolgt von gut getarnten Dämonen, bekommen Jesse, Tulip und Cassidy bald alle Fäuste voll zu tun.

Es ist eine Menge los im verbrannten Wüstendörfchen: „Preacher“ punktet mit ungewöhnlichen Charakteren und detaillierten Bildern. Wer den Kult-Comic der 90er nicht kennt, dürfte eventuell sogar etwas überfordert damit sein, die Protagonisten einzuordnen, zumal die Grenze zwischen Gut und Böse so dünn wie zackig verläuft. Hinzu kommt, dass vor allem die erste Hälfte der ersten Staffel deutlich größeren Wert auf Optik als auf Handlung legt: Alles sieht aus wie ein interessantes Intro, wie der sehenswerte, aber kryptische Auftakt zu etwas Größerem. Das jedoch bekommen wir nie zu sehen. Vieles wird angedeutet, ständig tauchen neue Fragen auf.

Warum „Preacher“ trotzdem eine empfehlenswerte Serie für Hartgesottene ist? Weil die Dialoge perfekt sitzen, die Schauspieler alles geben, und es vor ungewöhnlichen und augenzwinkernden Ideen nur so wimmelt. Wer zum Beispiel mal sehen möchte, wie ein Prediger, ein Vampir und zwei Engel gegen einen Dämonen kämpfen und dabei sorgsam darauf achten, ihn nicht zu töten, weil er sonst reinkarnieren und sie überraschen würde – hier gibt es die Gelegenheit dazu.

Lucifer

Die knallharte Polizistin Chloe Decker (Lauren German) in Los Angeles hat reichlich Probleme: Ihre Vergangenheit als Schauspielerin (inklusive Oben-ohne-Szene) droht sie einzuholen, Töchterchen Trixie (Scarlett Estevez) hat seinen eigenen Kopf, Noch-Ehemann und Partner Dan (Kevin Alejandro) ebenfalls, und auf dem Revier ist sie alles andere als beliebt, glaubt sie doch als Einzige an die Schuld eines im Koma liegenden Kollegen. Zu allem Überfluss drängt sich ein charmanter, aber überheblicher Nachtclub-Besitzer auf und will gemeinsam mit ihr Mordfälle lösen. Der stets gut gekleidete und arrogant lächelnde Bursche nennt sich Lucifer (Tom Ellis). Und genau das ist er auch: Gelangweilt von seinem Job als Höllenfürst hat er sich ausgerechnet in der „Stadt der Engel“ niedergelassen, um unter den Sterblichen zu leben.

Das wurmt nicht nur seinen buchstäblich göttlichen Vater, sondern auch seinen Bruder Amenadiel (D.B. Woodside), im Gegensatz zu Lucifer kein gefallener, sondern ein aktiver Engel, der ihn zurück an seinen angestammten Platz geleiten soll – notfalls mit Gewalt. Gut, dass der Teufel auf Abwegen sich auf seine Assistentin Mazikeen (Lesley-Ann Brandt) verlassen kann, die als Dämonin über reichlich Kampferfahrung verfügt. Aber eines will Lucifer nicht so recht verstehen: Was ist das, was er spürt, wenn er mit Chloe zusammenarbeitet? Doch nicht etwa eines dieser menschlichen… Gefühle?

„Lucifer“ basiert auf einem Charakter aus Neil Gaimans „Sandman“-Comics, wurde fürs Fernsehen allerdings deutlich gezähmt und als klassische Krimiserie umgesetzt. Mitunter erinnert das Ganze an eine Mischung aus „Supernatural“ (die Engel-Thematik) und „The Mentalist“ (alles andere). Die Stärke des titelgebenden Antihelden ist seine Überzeugungskraft, wobei er notfalls auch mal zu rabiateren Methoden greift. Ganz schlüssig erscheint das Konzept allerdings nicht: Wenn wir es hier mit Satan zu tun haben, warum braucht der dann zum Beispiel einen Sportwagen, um durch L.A. zu düsen?

Tom Ellis ist allerdings eine echte Macht: Der Brite legt den Beelzebub als sinistren, aber unfreiwillig sympathischen Zeitgenossen an, der im Übrigen stets und zurecht betont, gar nicht böse zu sein. Vielmehr stolpert er etwas unsicher durch unsere Welt, fängt sich aber immer wieder und bleibt als Meister der Lügen stets breit grinsend Herr der Lage. (Mal schauen, was Jared Leto in „Suicide Squad“ aus seinem Joker macht – Ellis wäre für eine klassische Interpretation des Killer-Clowns nämlich perfekt gewesen.)

Kann man gucken, macht Laune und ist unterhaltsam – aber letztlich ist „Lucifer“ schlicht zu banal, um aus dem Wust ähnlich gelagerter Fernsehkrimis herauszuragen.

„Stranger Things“: Indiana ist nicht Maine

Stranger ThingsJoyce Byers (Winona Ryder) ist verzweifelt: Ihr Sohn Will (Noah Schnapp) ist nach einer Runde „Dungeons & Dragons“ mit seinen Freunden nicht nach Hause gekommen. Auch sein älterer Bruder Jonathan (Charlie Heaton) weiß nicht, wo der Junge stecken könnte. Während der versoffene Sheriff Jim Hopper (David Harbour) eher nachlässig seinen Job macht, lassen Wills Freunde und seine Mutter auf der Suche nach dem Verschwundenen nicht locker. Dann macht ausgerechnet Hopper eine Entdeckung, die seinen verloren geglaubten Spürsinn weckt. Was hat das mysteriöse Elektrizitätswerk mit der Sache zu tun? Und wer ist das kleine Mädchen mit der seltsamen Tätowierung „011“ (Millie Bobby Brown), das offenbar paranormale Fähigkeiten besitzt?

Ihr seid Fans von Stephen King, vor allem von „Stand By Me“? Ihr mögt kafkaeske Rätsel? Habt ein Faible für Spielberg-Filme wie „The Goonies“ oder „Super 8“? Kommt aber auch mit „Twin Peaks“ klar? Und liebt die 80er? Solltet Ihr auch nur eine dieser Fragen mit Ja beantworten können, ist „Stranger Things“ eure neue Lieblingsserie.

In acht packenden Folgen wird nicht nur die Geschichte einer verzweifelten, aber entschlossenen Mutter erzählt, sondern es werden nach und nach auch sämtliche Klischees ausgeknipst. (Kleiner Spoiler: Der örtliche Polizeichef ist gar nicht der übliche Trottel.) Und wenn sich die Handlung bis zum furiosen Finale immer weiter steigert, wird aus dem anfangs beschaulichen Blick ins Kleinstadtleben eine packende Science-fiction-Story mit durchaus gelungenen Spezialeffekten.

Das eigentlich Sehenswerte an „Stranger Things“ sind jedoch die Darsteller. Winona Ryder – in den 90ern praktisch der Schwarm aller Nerds und Musiker – liefert möglicherweise die beste Leistung ihrer Karriere ab. Und Wills Freunde (Finn Wolfhard, Gaten Matarazzo und Caleb McLaughlin) überzeugen als sympathische, aber mit Ecken und Kanten versehene Gemeinschaft, die sich auch in dramatischen Situationen nicht kleinkriegen lässt. Vor allem jedoch Millie Bobby Brown als geheimnisvolle „Eleven“ empfiehlt sich für weitere Rollen – das Mädel ist zwölf und spielt bereits jetzt manch erwachsenen Darsteller an die Wand.

Besonders beeindruckend ist zudem die Liebe zum Detail. Wir befinden uns in den 80ern, also sehen wir natürlich all die lieb gewonnen Relikte jener Zeit. Bis hin zum Umstand, dass eigentlich ständig jemand raucht.

Netflix-Nutzer sollten sich die acht Stunden also gönnen und eine Reise in düstere Wälder und ein lange vergangenes Jahrzehnt wagen. Doch Vorsicht: Erwartet das Unerwartete – das hier ist Indiana, nicht Maine.

Sauberes Dutzend: die Comic-Con-Trailer 2016 (2)

Und weiter geht es mit unserem Blick auf die neuen Trailer, die während der Comic Con in San Diego zu sehen waren…

1. Star Trek: Discovery (2017)

Lang erwartet, viel diskutiert und endlich gibt’s mal was zu sehen: Mit einem Jahr Verzögerung feiert eine neue Star-Trek-Serie den 50. Geburtstag des Franchises. Optik und Details lassen ein Prequel vermuten, offenbar bewegen wir uns zwischen der Original-Serie und „Enterprise“. Klingt ein wenig angestaubt, schließt aber aus, dass die Serie in der Kelvin-Zeitlinie spielt, in der die Reboot-Kinofilme angesiedelt sind – die gab’s seinerzeit nämlich noch nicht. Auf jeden Fall kommt da sicher was Sehenswertes auf die Netflix-Nutzer zu…

2. Dirk Gently’s Holistic Detective Agency (2016)

https://youtu.be/gjDgM_PRcwc

Die neue BBC-America-Serie wendet sich eigenen Angaben zufolge zwar an die Fans von „Doctor Who“ und „Sherlock“ – aber dafür kommt der erste Teaser doch vergleichsweise grell und hektisch daher. Immerhin konnte Hauptdarsteller Samuel Barnett als Renfield in „Penny Dreadful“ durchaus punkten, wenngleich Elijah Wood an seiner Seite das gleiche Hobbit-Gesicht macht wie gewohnt. Mal abwarten – immerhin haben wir es hier mit der Verfilmung einer Buchreihe von Douglas Adams zu tun.

3. Doctor Strange (2016)

Apropos Sherlock: Da ist ja einiges los im zweiten Trailer zum neuen Marvel-Epos, in dem Benedict Cumberbatch den Titelhelden gibt. Sicher wird es interessant, wie sie es hinbiegen, dass nun auch Magie einen Platz im MCU findet (bei den nordischen Göttern haben sie sich ja ein wenig rausgeredet), aber allzu große Sorgen machen muss man sich eigentlich nicht. Die Nummer bleibt einfach das größte Kino-/Fernseh-Universum in der Geschichte der bewegten Bilder, und auch die visuell leicht überladenen Abenteuer des promovierten Zauberers werden ein Erfolg werden.

4. Legion (2017)

Ziemliches Randgruppenthema: Der Comic-Charakter Legion ist in der Marvel-Welt der Sohn von Professor X. Nun sollte trotzdem niemand Gastauftritte von Patrick Stewart in der neuen Fernsehserie erwarten – dafür kommt der Trailer doch ein wenig zu kostengünstig daher. Zudem spielt die Geschichte nicht im MCU, sondern ist bestenfalls mit den „X-Men“-Filmen verknüpft. Offenbar wollen auch die zweiterfolgreichsten Rechteinhaber eines Marvel-Franchises ihren Teil vom Kuchen abhaben – mal schauen, ob der Plan, nun auch die Wohnzimmer zu erobern, aufgeht. Auf der Leinwand machte sich zuletzt ja ein klein wenig Langeweile breit, wenn man mal vom Überraschungserfolg „Deadpool“ absieht.

5. Snowden (2016)

Joseph Gordon-Levitt ist ein guter Schauspieler – der Trailer zu seinem neuen Film unterstreicht das einmal mehr. Anders als viele Hollywood-Stars spielt er nicht sich selbst und ist daher bestens geeignet für die Rolle des Whistleblowers. Andererseits war Oliver Stones bislang letzte Regiearbeit „Savages“ (2012) nur prätentiöser Mist. Prognose: Wird das gut, könnten ein oder zwei Oscars anstehen.

6. The Flash – Season 3 (2016)

https://youtu.be/5LGQRbPERaU

Was Marvel im Kino geschafft, kriegt der Konkurrent DC fast unabsichtlich im Fernsehen hin. Der Trailer zur dritten Staffel „Flash“ zeigt, wie komplex die Geschichten mittlerweile miteinander vernetzt sind. Eingeweihte ahnen, welche Bedeutung die Erwähnung des Phänomens „Flashpoint“ hat, und freuen sich über den ersten Auftritt von Kid Flash. Vergesst die große Leinwand und macht es euch in der Glotze gemütlich, liebe DC-Verantwortliche – das könnt ihr nämlich ganz gut, wenn man kein Problem mit glatter und bunter Optik hat.

Sauberes Dutzend: die Comic-Con-Trailer 2016 (1)

Jahr für Jahr begeistert die Comic Con in San Diego auch Daheimgebliebene mit ersten oder ausführlicheren Trailern zu anstehenden Genrefilmen.

Wir haben uns den ersten Schwung der Auswahl 2016 mal etwas genauer angeschaut:

1. Justice League (2017)

Bislang hat DC beim Aufbau seines eigenen Kino-Universums so ziemlich alles falsch gemacht – nach dem eher laschen „Man Of Steel“ enttäuschte der Comic-Riese uns mit dem vielleicht schlechtesten Film aller Zeiten, dem Plothole-Festival „Batman v Superman: Dawn Of Justice“. Immerhin scheint man sich die vernichtenden Kritiken und mangelnden Einspielergebnisse zu Herzen genommen zu haben und versucht nun, die Superhelden-Story eher klassisch zu erzählen. Der Trailer zeigt einmal mehr, dass es nicht am Cast um Ben „Batman“ Affleck liegt, dass die DC-Abenteuer nicht aus dem Tritt kommen. (Mit Ausnahme von Mimik-Zombie Henry „Superman“ Cavill, den das Filmchen uns erspart. Das sieht alles ganz solide aus, und der neue Flash Ezra Miller unterscheidet sich auf interessante Art von seiner gleichfalls starken Fernsehinterpretation Grant Gustin. Insgesamt trotzdem nicht sehr aufregend, und das gilt auch für

2. Wonder Woman (2017)

Dabei hatte Gal Gadots Auftritt als wehrhafte Amazone in „BvS“ das Zeug dazu, die Fans zumindest auf ihren Solofilm hoffen zu lassen, und war einer der raren Lichtblicke. Der erste Trailer zum Kino-Alleingang wirkt allerdings streckenweise recht käsig und unfreiwillig komisch. Muss man vielleicht im Zusammenhang sehen.

3. Suicide Squad (2016)

Der dritte DC-Trailer der Comic Con zeigt bislang unveröffentlichte Szenen des relativ mutigen Nebenkriegsschauplatzes. Wie gewohnt ist auch dieser Ausblick durchaus pfiffig geschnitten. Scheint letztlich auf eine One-Woman-Show von Margot Robbie („Harley Quinn“), der vermutlich nicht mal Jared Letos Joker etwas entgegenzusetzen hat. Insgesamt bereits jetzt definitiv unterhaltsamer als alles, was DC uns seit Nolans dunklem Ritter vorgesetzt hat.

4. Kong: Skull Island (2017)

Es gibt eine Handvoll Mythen, von denen Hollywood einfach nicht die Finger lassen mag: Tarzan und Sindbad, die drei Musketiere und Zorro, Robin Hood und Sherlock Holmes. Nun ist also King Kong wieder dran. Kaum zu fassen, dass Peter Jacksons Verfilmung auch schon wieder elf Jahre her ist… Der kommende Streifen spielt im Unterschied dazu in den 70ern, und was sofort auffällt: Der Affe ist wesentlich größer. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Es ist geplant, ihn in absehbarer Zeit auf die japanische Riesenechse Godzilla loszulassen, der 2014 ja ebenfalls ein (qualitativ allerdings fragwürdiges) Reboot erfuhr. In drei Jahren soll es soweit sein und die beiden beliebtesten Kolosse der Monsterfilm-Geschichte aufeinander treffen. Atmosphärischer Trailer, interessante Darstellerriege – man darf gespannt sein.

5. King Arthur: Legend Of The Sword (2017)

Den hatte niemand so richtig auf dem Schirm: Noch ein beliebtes Remake-Thema, diesmal betreut von Guy Ritchie, der ja mit seinen beiden Sherlock-Holmes-Filmen bewiesen hat, dass er sowas durchaus kann. „Sons Of Anarchy“-Star Charlie Hunnam ist als Besetzung für den legendären König zwar fast zu naheliegend, aber die Idee, das Ganze als Kombination aus Straßenkampf-Drama und Fantasy-Epos anzulegen, geht zumindest im Trailer überraschend gut auf. Sollte man sich notieren, zumal ähnlich wie in der jüngsten Verfilmung der Artus-Sage (2004) offenbar die Vorgeschichte der Tafelrunde erzählt wird.

6. Fantastic Beasts And Where To Find Them (2016)

Schon in diesen knapp zweieinhalb Minuten wird deutlich, dass das Prequel zur Harry-Potter-Reihe die Optik und die Atmosphäre der Vorgängerfilme beibehält. Das wollen die Fans, und das ist auch gut gemacht. Ob die Story möglicherweise etwas zu lahm für einen abendfüllenden Kinofilm ist, wird sich zeigen. Wer nicht als Muggel gelten will, geht ohnehin rein.

50 Jahre und kein bisschen leise: „Star Trek Beyond“

Star Trek Beyond„Einheit ist nicht eure Stärke – sie ist eure Schwäche.“ Bösewicht Krall (Idris Elba) ist sicher, Recht zu behalten, schließlich kämpft jeder für sich selbst, und wer sich um andere sorgt, macht sich angreifbar. Doch Captain Kirks (Chris Pine) Antwort ist eindeutig: „Du unterschätzt die Menschheit.“ (Wobei damit natürlich nicht nur die Erdbewohner gemeint sind, sondern die Föderation.)

Willkommen zurück im „neuen“ Star-Trek-Universum, in der Kelvin-Zeitlinie, so die offizielle Bezeichnung. Was J.J. Abrams vor mittlerweile sieben Jahren allen Skeptikern zum Trotz erfolgreich und mit Sorgfalt auf die Reise geschickt hat, ist längst der Star Trek der Neuzeit: ein etabliertes Franchise, ein zurecht gelobter Cast, dazu die beliebten Anspielungen auf die klassischen Storys und zumindest reichlich Hirnschmalz, wo es für die philosophischen Ansätze der Original-Abenteuer nicht reicht.

Zum dritten Mal bekommen es Kirk und seine Crew mit einem despotischen Gegner zu tun, wieder einmal ist die Enterprise in Gefahr und einmal mehr untermalen die Beastie Boys das Geschehen… Diesen Eindruck vermittelten jedenfalls die überraschend farblosen Trailer. Und nicht wenige Fans waren bereits vorab enttäuscht: So feiern die Produzenten den 50. Geburtstag von Roddenberrys Baby? Ist da sonst gar nichts mehr?

Unsinn – da ist sogar viel mehr. „Star Trek Beyond“ ist ein lautes, buntes und unterhaltsames Spektakel, dazu extrem clever und wartet vor allem im letzten Drittel mit überraschenden Wendungen auf, die all das erklären, was an den Trailern – und teilweise an den Vorgängern – zu kritisieren war. Kleines Beispiel: Endlich ergibt es einen Sinn, dass im 23. Jahrhundert die Songs einer HipHop-Truppe der 1980er und 90er zu hören sind…

Während „Star Trek Into Darkness“ mit opulenten Bildern begeisterte, aber letztlich die Geschichte von „Star Trek“ (2009) aufwärmte, bewegt sich das neue Abenteuer nicht nur geografisch deutlich weiter. Statt wie in den beiden ersten Filmen des Reboots die Struktur der Föderation und der Sternenflotte in Frage zu stellen, geht es diesmal um Grundlegenderes. Der Disput zwischen Kirk und seinem neuen Feind bringt es auf den Punkt: Die Enterprise ist letztlich nicht das Schiff, sondern seine Mannschaft. Und mit der – daran lassen die gewohnt aufwändigen Actionszenen keinen Zweifel – sollte man sich lieber nicht anlegen.

Auf sich allein gestellt und während einer relativ spontanen Rettungsmission geraten Kirk und Co. diesmal an einen mysteriösen Schurken, der ganze Raumschiffbesatzungen entführt und von der Lebensenergie seiner Opfer zehrt. Unterstützung erfahren sie von der agilen Amazone Jaylah (Sofia Boutella aus „Kingsman“), die dem dämonischen Krall entkommen konnte. Anders als gewohnt sehen sich die Sternenflotten-Offiziere diesmal gezwungen, gehörig zu improvisieren, um sich selbst am Leben zu erhalten und dem Bösewicht Einhalt zu gebieten.

Mit dem Rücken zu Wand dreht die Crew jedoch erst richtig auf. Oder wie Spock (Zachary Quinto) es ausdrückt: „Wir finden Hoffnung im Unmöglichen.“ Einheit ist eben doch eine Stärke.

Die große Stärke des neuen Films ist neben der ungewöhnlich mutigen Kamera und den bereits erwähnten Pluspunkten, dass er nicht nur Hirn hat, sondern auch Herz. Das verdanken wir vermutlich dem Drehbuch von „Scotty“ Simon Pegg. Der Mann ist einfach einer von uns, ein Nerd nämlich, und er weiß verdammt gut, was er tut.

Warum die dritte Reise der runderneuerten Crew für den Verfasser dieser Zeilen zwar einer der besten Star-Trek-Filme, aber trotzdem nur der zweitbeste „neue“ Film nach „Into Darkness“ ist? Darüber musste er nach dem Kinobesuch selbst erstmal nachdenken, ehe es ihm ein- und auffiel: Der erzählte Konflikt ist eigentlich nur ein Rudiment, wenig originell und sehr, sehr klassisch. Dadurch hat selbst ein Epos wie dieses einen kleinen Nachgeschmack, der an eine überlange Serienfolge erinnert.

Trotzdem: „Star Trek Beyond“ ist ein würdiges Geburtstagsgeschenk, äußerst unterhaltsam und felsenfest in der altehrwürdigen Tradition eines halben Jahrhunderts verankert. Und ja (soviel sei verraten) – es wird auch jener gedacht, die wir zwischenzeitlich verloren haben. Beiden.

Macht neun von zehn herumschwebenden Splittern für eine souveräne Fortsetzung, die Hoffnung für die Zukunft macht.