Seltsame Reise für starke Mägen und helle Köpfe

Doctor StrangeDr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch – Sherlock Holmes in „Sherlock“) hat alles, was er will: reichlich Geld, ein flottes Auto, schicke Klamotten, eine nette Ex-Freundin (Rachel McAdams – die Freundin von Sherlock Holmes in „Sherlock Holmes“) und vor allem Erfolg im Beruf. Das arrogante Genie gilt als einer der besten Neurochirurgen der Welt, übernimmt jedoch mit Vorliebe jene Fälle, die ihn auf der Karriereleiter weiterbringen.

Unerwartet reißt ein schwerer Verkehrsunfall, den der Arzt selbst verschuldet hat, diesen aus seinem wohlgeordneten Leben. Seine Hände werden verletzt, er wird nie wieder arbeiten können. Unfähig, sich mit seinem Schicksal abzufinden, sucht Strange den Rat einer geheimnisvollen Frau (Tilda Swinton) in Tibet. Gemeinsam mit Meister Mordo (Chiwetel Ejiofor) und Bibliothekar Wong (Benedict Wong – nein, das ist kein Scherz) weiht sie den skeptischen Narziss in die Geheimnisse der Magie ein. Der kühle Logiker lernt, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als er bislang ahnte. Und dass Erde und Himmel keine Grenzen darstellen. Sein neu gewonnenes Wissen muss Doctor Strange schnell anwenden: Der sinistre Kaecilius (Mads Mikkelsen), ein früherer Student der Ältesten, will dem Dämon Dormammu (Benedict Cumberbatch als „Max Headroom“) den Weg zur Erde ebnen. Gut, dass der Doktor verdammt clever ist. Und sein neuer Mantel verdammt schlagkräftig…

Alle paar Jahre erschüttert ein Film die Nerds dieser Welt mit völlig neuen Bildern. Als besonders markantes, weil erfolgreiches Beispiel sei „Matrix“ genannt, dessen visuelle Strahlkraft extrem stilprägend für die folgende Generation der Genrefilme war. Jahrelang flogen Pistolenkugeln nur noch in Zeitlupe. „Doctor Strange“ ist ein solcher Film.

Wer angesichts des wenig begeisternden Trailers eine „Inception“-Kopie erwartet, wird schon bald eines Besseren belehrt. Dieser Film stellt die Welt, wie wir sie kennen, nicht nur auf den Kopf oder kippt sie zur Seite. Er krempelt sie von innen nach außen, lässt sie explodieren und setzt sie neu zusammen. Es gibt Szenen, die man so ganz einfach noch nicht im Kino gesehen hat. Allenfalls in Fieberträumen. In 3D und mit Dolby Atmos braucht man mitunter einen starken Magen – es gibt keinen Fixpunkt, keinen Horizont, wenn der Doc durch die Dimensionen reist.

Grundsätzlich macht Marvel mal wieder alles richtig. Das MCU ist und bleibt der größte Abenteuerspielplatz der Filmgeschichte. Die Dialoge sitzen, haben Humor und Grips, die Charaktere sind gewohnt gut ausgearbeitet, der Showdown ist einer der ungewöhnlichsten seit langer Zeit. Und wer künftig an Doctor Strange denkt, denkt an Benedict Cumberbatch. Die Story um den geläuterten Egomanen, der zum zaubernden Beschützer der Welt wird, hält sich erwartet eng an die Comic-Vorlage von Stan Lee. (Der natürlich seinen üblichen Cameo-Auftritt hat.) Das bedeutet: Während man optisch in neue Welten vordringt, bleibt es in Sachen Drehbuch bei der klassischen origin story. Das ist aber völlig in Ordnung, denn diese verzahnt sich reibungslos mit den bisherigen Kinofilmen und Serienfolgen, und das will angesichts des Mammutprojekts schon etwas heißen. Ohnehin war nicht zu erwarten, dass Magie als Bestandteil des MCU tatsächlich funktioniert – tut sie aber. Stephen Strange ist charakterlich gar nicht so weit weg von Tony Stark (Robert Downey jr. – Sherlock Holmes in „Sherlock Holmes“), hat aber eine völlig andere Ausrichtung als der technikbegeisterte Milliardär. Es dürfte spannend werden, die beiden demnächst zusammen zu erleben.

Insert name here: Magnolia

Logo_testKlar: Mit Filmen und Serien kennen wir uns aus. Und doch haben Kartoffeln manchmal Löcher, Sitzkartoffeln also auch: Wissenslücken. Wer kennt schon jeden Klassiker? Wir jedenfalls nicht. Wollen wir aber. Also rufen wir uns gegenseitig die Titel von Meisterwerken der Filmgeschichte zu, die das Gegenüber noch nie gesehen hat. Und nun gucken muss – und darüber schreiben (natürlich ohne Google).

Kirsten rief: Magnolia.

Markus‘ erster Gedanke: What the frog?

Es werde Frösche regnen, kündigte Kirsten an, schwieg sich aber ansonsten natürlich über den Inhalt dieses mir völlig unbekannten Films aus. Ich ahnte also nicht, was mich in den folgenden drei Stunden erwarten würde.

Und auch danach kann ich leider nicht recht in Worte fassen, was ich gesehen habe. Während der ersten Viertelstunde hatte ich jedenfalls das dringende Bedürfnis, mir die Haut vom Gesicht und in kleine Fetzen zu reißen. Man hört nämlich ein sehr schönes Lied von Aimee Mann und darüber die Dialoge und Geräusche des Films – alles etwa gleichlaut. Dazu erzählt eine Stimme aus dem Off zunächst absurde Geschichten über merkwürdige, teils tödliche Zufälle, und die Protagonisten werden zwar nicht vorgestellt, aber zumindest gezeigt. Das alles überfordert selbst stabile Nervensysteme, meines jedoch lag nach etwa anderthalb Minuten in Trümmern. Zuviel Informationen, zu viele Töne übereinander, warum kann man den Film nicht einzeln gucken und das Lied gesondert hören, hab ich was am Blu-ray-Player falsch eingestellt, es nimmt kein Ende, ist der ganze Film so, Hilfe, holt mich hier raus!

Nach diesem extrem anstrengenden Intro, also nach einer gefühlten Ewigkeit, beginnt der eigentliche Film. Und der ist nicht viel weniger verwirrend. Ein alter Mann (Jason Robards) liegt im Sterben. Ein anderer alter Mann ist ebenfalls todkrank. Julianne Moore ist traurig und tablettensüchtig. Tom Cruise spielt einen unsympathischen Macho-Coach, William H. Macy einen unsympathischen ehemaligen Kinderstar, Philip Seymour Hoffman einen unsympathischen Krankenpfleger und John C. Reilly einen unsympathischen Polizisten. Ein Junge macht sich vor laufenden Fernsehkameras in die Hose. Es gibt Sex und Gewalt, meist ist es dunkel, es wird viel über den Tod und Gott geredet. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie all diesen Szenen und Figuren zusammenhängen, und ganz ehrlich: Ich habe den Film bis zum Schluss schlicht nicht verstanden.

Kurz vor besagtem Ende regnet es tatsächlich Frösche. Nicht metaphorisch, sondern ganz real. Eigentlich sogar extrem realistisch dargestellt, mit Blut und Glasscherben und so. Warum das passiert, kann ich natürlich nicht sagen, ich bin nicht mal sicher, ob das überhaupt erklärt wird beziehungsweise ob es von Bedeutung ist.

Ich schätze, ein paar der Protagonisten sind die Kinder der Figur von Jason Robards. Und John C. Reillys Cop verliebt sich in eine Junkie-Braut, vermutlich ebenfalls Teil der Familie.

Die Musik ist gut. Ich war überrascht, wie viele Lieder von Aimee Mann ich kannte, ohne zu wissen, dass sie von Aimee Mann sind. Unbedingt mal ohne diesen Film anhören.

Denn „Magnolia“ ist pure Folter. Oder etwas freundlicher formuliert: Dieser sicher gut gespielte und anspruchsvolle Film war die bislang größte Herausforderung für mich, seit wir „Insert name here“ gestartet haben. Zeitweise wollte ich ihn nicht einfach ausmachen, ich wollte weglaufen. Respekt für jeden, der ihn erträgt. Gerne nie wieder.

Insert name here: Notting Hill

Logo_testKlar: Mit Filmen und Serien kennen wir uns aus. Und doch haben Kartoffeln manchmal Löcher, Sitzkartoffeln also auch: Wissenslücken. Wer kennt schon jeden Klassiker? Wir jedenfalls nicht. Wollen wir aber. Also rufen wir uns gegenseitig die Titel von Meisterwerken der Filmgeschichte zu, die das Gegenüber noch nie gesehen hat. Und nun gucken muss – und darüber schreiben (natürlich ohne Google).

Kirsten rief: Notting Hill.

Markus‘ erster Gedanke: Hugh Grant, die alte Klimperfresse? (Würde Bastian Pastewka jetzt fragen.)

Das ist doch..? Klar, da singt Elvis Costello. Aber was zur Hölle singt er da? Das klingt derart zuckrig und pathetisch, dass es unmöglich eine Eigenkomposition sein kann. Vermutlich ein ironisch gemeintes Cover. Oder schlimmer noch: ein bewusst unironisches Cover. Auf jeden Fall hören wir die Stimme eines meiner alten Helden, während uns Hugh Grant aus dem Off erzählt, wo wir sind. Nämlich in Notting Hill.

Dort leben, so erfahren wir, lauter einst erfolgreiche Menschen, die lieber glückliche Menschen sein wollten. Deswegen machten sie sich in anderen Berufen selbstständig. Parallel dazu muss es in Notting Hill irgendeine Einrichtung geben, die diesen Leuten den Lebensunterhalt finanziert, denn obwohl permanent erwähnt wird, wie schlecht beispielsweise die Reisebuchhandlung des Protagonisten läuft, sind alle immer schick angezogen und leben in nett renovierten Altbauwohnungen. Man ahnt also bereits jetzt: Dies ist ein Märchen.

Selbiges lebt auch die zweite Hauptfigur, gespielt von Julia Roberts. Diese steht vor der Herausforderung, einen Hollywood-Star verkörpern zu müssen, und macht das erstaunlich charmant. Eines Tages betritt sie – leidlich getarnt mit Hut und Sonnenbrille – den Buchladen unseres Helden und kommt mit diesem ins Gespräch. Das findet vor allem er ganz gut, ist er doch ein großer Fan der Schönen. Sie findet offenbar ebenfalls Gefallen am schusseligen Briten, und zum Abschied küsst sie ihn. Soweit, so erwartbar. Was mich jedoch massiv stört: Natürlich ist Hugh Grant kein ungeschickter Typ, der stets das Falsche sagt, sondern er ist ein gut aussehender ungeschickter Typ, der auf sympathische Art stets das Falsche sagt. Das hier ist ein Märchen, schon vergessen?

Wann immer Grant dämlich guckt (und seine Rolle erfordert, dass er das alle paar Minuten tut), verspüre ich den Drang, ihm einen schweren Gegenstand über die sorgfältig zerwühlte Frisur zu ziehen. Beispielsweise einen Stuhl oder auch gern etwas Schwereres. Der weitere Verlauf der Geschichte ist rasch erzählt: Die beiden treffen sich wieder, sie lernt seine – problembeladene, aber selbstverständlich extrem einnehmende – Familie kennen, er kurz darauf ihren Freund (Alec Baldwin)… Ihren Freund? Ganz genau. Den hat sie im Eifer des verbalen Gefechts vermutlich völlig vergessen, auf jeden Fall aber nicht erwähnt. Diese Stars! Da guckt der Hugh nicht mehr dumm aus der Wäsche, sondern ganz traurig.

Natürlich können die zwei Verliebten nicht voneinander lassen, sie trennt sich, er tut alles, um sie doch noch zu überreden, die Seine zu werden. Für erstaunlich unterhaltsame Momente sorgen dabei seine erwähnte Familie (die es – versprochen – so nett wirklich nur im Märchen gibt) und sein walisischer Mitbewohner (Rhys Ifans). Der ist übrigens der Einzige in diesem Film, der nicht schick gekleidet ist, denn die lustige Nebenfigur trägt selbstverständlich lustige T-Shirts.

Wer zwischen den Zeilen liest, hat es längst bemerkt: Ich mache mich durchaus lustig darüber, dass dieser Film voller Klischees ist und konsequent auf einen Subtext verzichtet. Was mich allerdings überrascht: Gerade deshalb, gerade wegen der unaufgeregten und kein bisschen zynischen Erzählweise funktioniert „Notting Hill“ ganz hervorragend. Wie immer im Märchen geht natürlich alles gut aus, und ich ertappe mich dabei, wie ich mich darüber wirklich freue.

Ich bin ziemlich sicher, dass es Ende der 90er bereits Filme gab, die mit den hier benutzten Allgemeinplätzen gebrochen haben, die eine Metaebene unter eine derart romantische Handlung schoben, deren glücklicher Ausgang durch irgendetwas relativiert wurde… Aber muss das denn immer sein? Kann man sich nicht einfach mal von einer sicher schlichten, aber dicht erzählten Geschichte unterhalten lassen? Natürlich kann man, sollte man vielleicht sogar öfter mal. Außerdem: Die Dialoge sind lustig, die Darsteller souverän, die Musik passt immer – handwerklich läuft hier alles richtig. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzen sie noch heute auf ihrer Holzbank und lesen.

Insert name here: Der Vorleser

Logo_testKlar: Mit Filmen und Serien kennen wir uns aus. Und doch haben Kartoffeln manchmal Löcher, Sitzkartoffeln also auch: Wissenslücken. Wer kennt schon jeden Klassiker? Wir jedenfalls nicht. Wollen wir aber. Also rufen wir uns gegenseitig die Titel von Meisterwerken der Filmgeschichte zu, die das Gegenüber noch nie gesehen hat. Und nun gucken muss – und darüber schreiben (natürlich ohne Google).

Kirsten rief: Der Vorleser.

Markus‘ erster Gedanke: Ah, das klingt nach Action – dem Titel nach irgendwas mit Verfolgungsjagden und Schießereien.

Ganz ehrlich: Wie man meinem ironischen ersten Gedanken entnehmen kann, hatte ich Vorurteile. Deswegen habe ich es auch sehr lange vor mir hergeschoben, mir den Film anzuschauen. Als ich das dann schließlich doch tat, wurde ich nicht enttäuscht. Oder eben doch. Aber der Reihe nach…

Der Film spielt auf mehreren Zeitebenen, zwischen den 50er und 90er Jahren. Die Geschichte in der Nachkriegszeit erzählt von einem Jugendlichen (David Kross), der sich erstmal übergibt. Dadurch lernt er eine etwas ältere Frau (Kate Winslet) kennen. Diese verführt ihn, und die beiden beginnen eine Affäre, die aus zwei Gründen ungewöhnlich ist: Erstens ist sie wie erwähnt älter als er (ich schätze ihn auf 16, sie auf Mitte 30) und zweitens gewöhnen sie sich an, dass er ihr vor dem Poppen etwas vorliest (das erklärt wohl auch den Titel des Films, sonst wäre dieser vielleicht „Der Beischläfer“ oder so).

Vorlesen ging auch in den 50ern ganz okay, nehme ich an, aber der Altersunterschied dürfte seinerzeit gesellschaftlich nicht recht akzeptiert gewesen sein. An einer Stelle hält eine Kellnerin die Dame sogar für die Mutter des Jungen. Also tun die beiden, was man mit einer Affäre ohnehin meist macht: Sie halten sie einigermaßen geheim. Warum nur einigermaßen? Wir werden Zeuge einer gemeinsamen Radtour inklusive eines deutlichen Kusses in der Öffentlichkeit (der besagte Kellnerin erst recht irritiert). Diese Passage ist übrigens während des gesamten Films ungefähr die einzige Gelegenheit, zu der die Protagonisten lachen und die Sonne scheint.

Ansonsten herrscht eine ziemlich trübe Stimmung, auch in den wilden 60ern (der zweiten Zeitebene), als unser junger Freund seine inzwischen verschollene Liebe im Gerichtssaal wiedersieht. Sie sitzt auf der Anklagebank, weil sie im Dritten Reich als KZ-Aufseherin gearbeitet hat. Während dieser Tätigkeit hat sie unter anderem Häftlinge genötigt, ihr vorzulesen – weil sie das schlicht nicht kann. In den 70ern – die so mausgrau dargestellt werden wie die vorangegangenen Jahrzehnte – nimmt der inzwischen gereifte Vorleser (Ralph Fiennes) Kontakt zu seiner inhaftierten Jugendliebe auf. Und damit sind wir an der einzigen Stelle, die mich emotional berührt hat: Er schickt ihr selbst aufgenommene Cassetten, um ihr düsteres (klar) Dasein ein wenig zu erhellen. Allerdings stellt er erwartungsgemäß keinen Musikmix zusammen, wie das der eine oder die andere vielleicht kennt. (Die Möglichkeiten! Elvis‘ „Jailhouse Rock“! Johnnys „Folsom Prison Blues“!) Sondern natürlich liest er ihr wie einst Bücher vor – und das hat schon was anheimelnd Romantisches.

In den 80ern (trist und deprimierend wie erwartet) treffen sich die beiden schließlich während der Besuchszeiten im Knast wieder. Damit der Film nicht zu fröhlich wird, nimmt sich die Frau kurz vor ihrer Entlassung das Leben. Ihr Vorleser bekommt per Testament den Auftrag, das Geld aus ihrem Nachlass einer jüdischen Organisation zukommen zu lassen – quasi eine Art Wiedergutmachung aus dem Jenseits.

In den 90ern schließlich steht der Mann mit seiner Tochter (Hannah Herzsprung) am Grab der Guten, wo er dem Nachwuchs die ganze traurige Geschichte erzählt. Boshaft ausgedrückt: „How I Met Your Mother“ hätte noch schlimmer enden können, Freunde.

Ich kann mir wirklich keine Situation vorstellen, in der ich den Drang verspüre, mir einen Film wie diesen anzusehen – einen Film, der so sehr unter der eigenen bleischweren Last zerdrückt wird. Man kommt ja auch nicht nach Hause und denkt sich: „Jetzt mal schön ein paar blutige Autounfälle angucken.“ Andererseits gibt es für beide Fälle sicher Menschen, die genau das tun – Voyeurismus auf der einen Seite, eine Begeisterung für Drama auf der anderen. Ich persönlich bin da einfach nicht Teil der Zielgruppe. Mir war nach gefühlten 48 Stunden (realen zwei) in der Gewalt der quälenden Tristesse zumindest sehr nach einer Runde alberner Witze oder wenigstens etwas Sonnenlicht. Aber vielleicht bin auch einfach zu doof und habe keine Ahnung von großer Kinokunst.

Insert name here: Singles

Logo_testKlar: Mit Filmen und Serien kennen wir uns aus. Und doch haben Kartoffeln manchmal Löcher, Sitzkartoffeln also auch: Wissenslücken. Wer kennt schon jeden Klassiker? Wir jedenfalls nicht. Wollen wir aber. Also rufen wir uns gegenseitig die Titel von Meisterwerken der Filmgeschichte zu, die das Gegenüber noch nie gesehen hat. Und nun gucken muss – und darüber schreiben (natürlich ohne Google).

Markus rief: Singles

Kirstens erster Gedanke: Bunt, laut, witzig?

Nein, ich kannte nicht mal den Titel. Ich hatte die Wahl zwischen drei Filmen, die Markus mir mitgebracht hatte und entschied mich für den vermeintlich „leichtesten“ aufgrund des Klappentextes. Matt Dillon war dann auch der einzige mir bekannte Name.

Ich bin nach diesen tatsächlich relativ locker und luftig verbrachten 90 Minuten weder positiv noch negativ angetan. „Singles“ ist ein gewöhnlicher Film. Menschen Mitte 20 auf der Suche nach der großen Liebe. Irgendwie ist es eine frühe Version von „American Pie“. Nicht ganz so schlüpfrig, nicht ganz so lustig, nicht ganz so getrieben. Alles irgendwie „nicht so ganz“.

Nach etwa zehn Minuten erkenne ich eine der Hauptdarstellerinnen dann doch. Am Mund. Man glaubt es kaum. Kyra Sedgwick, der Name sagt mir tatsächlich überhaupt nichts, aber ich weiß dennoch sofort, dass das Hauptdarstellerin in „Closer“ ist – da bin ich öfter mal abends bei VOX hängengeblieben.

Die Handlung ist dann aber auch so banal, dass ich sie jetzt, knappe 48 Stunden später, schon wieder vergessen habe. Irgendwie: Kennenlernen im Club, scheues Weib, schüchterner Kerl, große Liebe, alte Verletzungen, Verliebtheit, Schwangerschaft, Verlust des Kindes, Trennung, Wiedervereinigung. So die eine Geschichte. Die andere: verliebte graue Maus, dümmlicher Pseudo-Rockstar, der sich seiner Gefühle erst klar wird, als die graue Maus feststellt, dass sie allein gar nicht mehr so grau ist.

Was mich ebenso wie in Radio Rock Revolution stört, ist, dass jedes Lied im Film etwa 20 bis 30 Sekunden angespielt wird, mehr aber auch nicht. Ich finde das extrem nervig. Wenn Musik, dann bitte wenigstens eine Minute.

Dies ist dann jetzt auch deshalb eine Kurzrezension, weil mir zu diesem Film gar nichts einfällt. Er hat mich weder vom Hocker gehauen noch hat er mich besonders entsetzt oder enttäuscht. Es ist ein mittelmäßiger Film aus den Neunzigern, wie es viele von ihm gibt. Er besticht weder durch einen außergewöhnlichen noch durch herausragende schauspielerische Leistungen. Ein „weder noch“-Film, der mich schulterzuckend zurücklässt.

Würde ich ihn noch mal ansehen? Sicherlich. Würde ich ihn anderen Leuten empfehlen? Nein, ich denke nicht.

Ich würde so gerne in irgendein Detail gehen, aber ich wüsste einfach nicht, in welches. Markus klärte mich nach dem Gucken noch darüber auf, dass „Touch me, I’m dick“ eine Anspielung auf den Mudhoney-Song „Touch me I’m sick“ ist. Tja, ich kenne den Song nicht und frage mich sicherlich, was in dem Film sonst noch so zu finden ist. Aber dazu bin ich zu wenig bewandert. Es spielt vermutlich nicht mal eine Rolle. Ich tauche nur dann intensiv in Filme/Serien ein, wenn sie mir etwas bedeuten. Dann mache ich mir Gedanken über Songs, Szenen, Dialoge.

Beim nächsten Mal vielleicht wieder..

Kein Held für alle: Wie kugelsicher ist Luke Cage?

Luke CageAlle lieben Luke Cage – und das ist ein Grund zur Freude. Es ist schön, dass sich Qualität durchsetzt und Marvel mit seinen durchaus mutigen (weil relativ düsteren und brutalen) Netflix-Serien genau so punktet wie mit dem restlichen MCU. „Daredevil“ stieß die Tür auf, durch die „Jessica Jones“ und nun eben „Luke Cage“ gehen konnten – nach „Iron Fist“ im kommenden Frühjahr steht dann das große Crossover der Straßenhelden an – „The Defenders“.

Der Erfolg von „Luke Cage“ bei Fans und Kritikern ist trotz der Vorlage der beiden Vorgängerserien aber auch überraschend. Denn diese Serie ist anders. Sogar ganz anders.

Nachdem wir den kugelsicheren Hünen (Mike Colter) als Kampf- und Bettgenossen von Jessica Jones kennen gelernt haben, zieht es ihn in seiner eigenen Netflix-Reihe fort von Hell’s Kitchen in einen anderen Stadtteil von New York: Harlem. Dort versucht Luke zunächst wie gehabt, Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. Aber erwartungsgemäß gerät er rasch zwischen die Fronten einer korrupten Polizei, intriganten Lokalpolitikern und den örtlichen Gangstern. Und so wird aus dem einsamen Außenseiter der Held des Ghettos, die letzte Hoffnung für alle, die den Glauben an das Gute längst verloren hatten.

„Luke Cage“ orientiert sich sehr an afroamerikanischer Kultur: Treffpunkt für den schweigsamen Riesen und seine Freunde ist ein Barbershop, im Nachtclub des Antagonisten spielen Funk-Bands, und vor allem am Soundtrack merkt man als Zuschauer, wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, was Hollywood uns vorsetzt. Statt Rockballaden gibt es sanften Soul, wenn es emotional zugeht, statt Dubstep-Rhythmen hören wir HipHop-Grooves, wenn es knackiger wird. Grundsätzlich ist die ganze Serie eine einzige große Hommage ans Blaxploitation-Kino der 70er: Cage ist der moderne Shaft, ebenso wie sein Vorbild ist er ein Frauenheld, und ebenso wie einst Foxy Brown oder Cleopatra Jones sind diese Frauen knallhart und selbstbewusst. Die stärksten weiblichen Charaktere sind die machthungrige Politikerin „Black Mariah“ (Alfre Woodward) auf der einen Seite und die aufrechte Polizistin Misty Knight (Simone Missick) auf der anderen. Comic-Fans ahnen angesichts dieser Namen, dass der literarischen Vorlage liebevoll Tribut gezollt wird – und auch die stammt aus den 70ern.

Also alles ziemlich alte Schule in Harlem? Allerdings. Und nun kommt der große (Kinn-)Haken: Auch Drehbuch und Inszenierung muten an, als sei in den vergangenen 40 Jahren nichts passiert. Das bedeutet, die Geschichte wird relativ langatmig und redselig erzählt. Ohnehin würde es den Netflix-Marvel-Serien ja mitunter nicht schaden, sich vielleicht auf zehn Folgen zu beschränken. Diesmal jedoch wird die Sache vor allem für Bingewatcher regelrecht langweilig – zumal die Story nach der Hälfte kurz Luft holt, um dann im zweiten Teil das gleiche behäbige Tempo vorzulegen. Besonders auffällig ist die ungewohnte Geschwindigkeit bei den ohnehin nicht besonders häufigen Actionszenen: Meist stampft Luke in ein heruntergekommenes Gebäude, lässt sich von den Schergen des Gangsterbosses Cottonmouth (Mahershala Ali) erfolglos beschießen und schubst sie dann ein wenig herum. Oder anders: Wer ähnlich durchchoreografierte Kampfsequenzen wie bei „Daredevil“ erwartet, wird definitiv enttäuscht.

Um es klarzustellen: Das ist kein Fehler. Es ist den Produzenten nicht versehentlich passiert, sondern diese detailfreudige Serie soll genau diese Atmosphäre haben, und wer Freude an „The Wire“ oder den erwähnten Kultfilmen hat, mag das vermutlich sogar als Stärke sehen. Andere konzentrieren sich auf die offensichtlicheren Pluspunkte wie etwa die gute Besetzung (neben den Genannten sticht Theo Rossi als Killer Shades heraus) oder den Umstand, dass die Story etwas weiter in Richtung „Defenders“ gedreht wird und wir mehr über Lukes Hintergründe erfahren.

Die Verbindung zu den anderen Serien erfolgt übrigens wie gewohnt über Krankenschwester Claire Temple (Rosario Dawson) – an einer Stelle nimmt sie sich die Werbung für eine Kampfsportschule mit… Hoffen wir, dass die Abenteuer von „Iron Fist“ im März etwas flotter daherkommen. Und freuen wir uns bis dahin über eine ungewöhnliche neue Facette im MCU mit einem immerhin charismatischen Helden.