Neulich im Sternenkrieg: „Rogue One“ – ein leckerer Snack

Ich war skeptisch: In meinem Jahresrückblick habe ich bereits angedeutet, dass ich mich auf „Rogue One: A Star Wars Story“ natürlich nicht so sehr freue wie auf die tatsächliche Fortsetzung der Saga. Trotzdem saß ich durchaus gespannt vor der Leinwand. Würden meine Vorurteile bestätigt werden? Ohne zuviel vorwegzunehmen: Die Antwort ist ein zögerndes „Ja, aber“.

Eine brünette (Halb-)Waise mit mysteriöser Herkunft, deren Fähigkeiten ausschlaggebend sind im Krieg zwischen Rebellenallianz und Imperium? Die von einer zusammengewürfelten Gruppe unterstützt wird, der unter anderem ein Droide und ein zunächst eher unfreiwillig hineingezogener Ex-Imperiumssoldat angehören? Ein Todesstern, den es zu zerstören gilt? Wo habe ich das zuletzt gesehen… In Episode VII, verdammt nochmal! Bereits die Trailer zum ersten One Shot der Sternenkrieg-Reihe ließen mich daher wenig begeistert zurück. Ohnehin haderte ich ein bisschen mit dem Konzept, zwischen den eigentlichen Teilen der Geschichte etwas niedriger budgetierte Häppchen zu servieren. Inzwischen ist ein Jugendabenteuer von Han Solo beschlossene Sache, über einen einzelnen Boba-Fett-Film wird immer lauter nachgedacht. Verwässert das nicht die Grundidee? Sollte man sich nicht aufs Kerngeschäft konzentrieren, wenn man schon das Expanded Universe für nicht existent erklärt? Und überhaupt: Wer braucht eigentlich Prequels? Wir wissen doch alle, wie die Geschichte ausgeht.

Nun, zum einen wissen das leider nicht alle. Die jüngeren Star-Wars-Fans, deren Heldin Rey heißt, sollen daher natürlich mit einer recht ähnlichen Protagonistin ins Kino gelockt werden. Und zum anderen klaffen zwischen Episode III und IV ja schon massive zeitliche Lücken, die von mittlerweile drei Zeichentrickserien längst nicht komplett gefüllt werden.

Zur Geschichte des Films: Die junge Jyn (Felicity Jones) ist die Tochter von Galen Erso (Mads Mikkelsen), dem Konstrukteur des Todessterns, einer mondgroßen Raumstation mit nie gesehener Feuerkraft, mit der das Imperium die Rebellen endgültig auslöschen will. Saw Gerrera (Forest Whitaker), eine Art Freischärler und eher extremistischer Angehöriger der noch neuen Rebellenallianz, nimmt sich ihrer zunächst an, später jedoch muss sie sich allein in den Kriegswirren durchschlagen. Über Umwege kommt sie in Kontakt mit der Allianz, die zum Zeitpunkt der Handlung noch ein fragiles Konstrukt ist, zerstritten und kaum koordiniert.

Gemeinsam mit dem Rebellenoffizier Cassian Andor (Diego Luna), seinem umprogrammierten Imperiumsdroiden K-2SO (Alan Tudyk), dem früheren imperialen Frachterpiloten Bodhi Rook (Riz Ahmed), den beiden Attentätern Chirrut Imwe (Donnie Yen) und Baze Malbus (Jiang Wen) sowie einigen anderen Freiwilligen macht sich Jyn daher auf eine praktisch aussichtslose Mission. Sie wollen die Pläne des Todessterns bergen, auf denen ihr Vater die Schwachstelle der ansonsten unbesiegbaren Kriegsmaschine eingezeichnet hat, um auf diese Weise den Rebellen zum Sieg in der entscheidenden Schlacht zu verhelfen. Auf der Gegenseite: der ehrgeizige Imperiumsdirektor Orson Krennic (Ben Mendelsohn) und zwei für die Zuschauer alte Bekannte, einer ein hartherziger Militarist, der andere der mächtigste Lord der Sith…

Ich gebe zu: „Rogue One“ fühlt sich zu jeder Sekunde an wie Star Wars, und das will was heißen. Und auch die Merchandising-Maschinerie, die aufgefahren wird, steht den „großen“ Filmen kaum nach: Zwischen Actionfigur und Zahnputzbecher gibt es alles, was das Fan-Herz begehrt, und auch dafür steht das Franchise. Die Handlung allerdings, wie erwähnt zeitlich vor dem allerersten Film aus dem Produktionsjahr 1977 angesiedelt, verortet das vermeintliche Spin-Off klar als Zwischenmahlzeit. Es wäre nämlich nicht nötig gewesen, das zu zeigen, was uns auf der Leinwand präsentiert wird. Es hätte – und hat – gereicht, es bei dem Hinweis zu belassen, dass Rebellen ihr Leben gelassen haben, um die Pläne des Todessterns zu besorgen. Aber selbstverständlich ist es völlig okay, diesen Satz filmisch auszuformulieren. Solange ein unterhaltsames Produkt dabei herauskommt – warum nicht? Und unterhaltsam ist „Rogue One“ allemal.

Es braucht jedoch ein paar Minuten, bis der Film seinen Rhythmus findet. Die erste halbe Stunde hat ihre Längen, manches wirkt zu geschwätzig, anderes zu sehr angerissen. Sobald jedoch die Mission startet, ist überraschend, wie mitreißend und spannend hier etwas inszeniert wird, dessen Ausgang die meisten Kinobesucher kennen. Visuell und akustisch wird einiges aufgefahren – der Snack ist so lecker gewürzt wie ein Hauptgang. Es gibt halsbrecherische Verfolgungsjagden im All, es gibt sauber choreografierte Scharmützel am Boden – und gerade dabei zeigt „Rogue One“, was er ist. Ein Kriegsfilm nämlich, kein Märchen – hier ist kaum Platz für weise Sprüche über die beiden Seiten der Macht, hier wird blutig am Strand verreckt. Man hört es knacken und sieht es brennen, das philosophische Element, die Fantasy bleibt fast gänzlich außen vor. Einzig Chirrut darf von den Jedi erzählen, die es ja vor Episode IV faktisch nicht mehr gibt. Das nimmt dem Sternenkrieg natürlich ein wichtiges Element, um sich auf ein anderes zu konzentrieren, und es ist klar, dass das nicht jeder gutheißen wird. Es ist aber auch so mutig wie konsequent, quasi den dreckigen Job der Kämpfer im Hinter- und Untergrund zu zeigen, statt die pathetisch inszenierten Abenteuer der Helden.

Dabei verhebt sich der Film keineswegs, alles ist geschmeidig und souverän inszeniert. Man schließt die kleine Gruppe Aufrechter rasch ins Herz und wünscht ihnen alles Gute – wohl wissend, dass ihr Schicksal längst entschieden ist. K-2 ist eine wohltuende Ausnahme in der Riege der plappernden oder piepsenden Droiden: Er sagt, was er denkt, und das ist meist zynisch, aber unterhaltsam. Schade, dass er in der deutschen Synchro beinahe klingt wie C-3PO. Chirrut und Baze, der blinde Philosoph und der beinharte Soldat, sind ein tolles Gespann, eine überzeugende Hommage an vergleichbare Protagonisten alter Martial-Arts-Filme. Bodhi ist der sympathische Nerd mit einem guten und mutigen Herzen, das er zunächst noch entdecken muss. Und Cassian und Jyn sind das klassische Actionfilm-Paar, sie raufen und sie mögen sich, liefern sich verbale Gefechte, um die echten mal ausblenden zu können. Man mag diese bunte Truppe einfach – und das wird (milder Spoiler) ziemlich schmerzhaft.

Der Auftritt von Darth Vader ist nicht unerwartet, aber beeindruckend. Gerade bei einer derart ikonischen Figur, die entsprechend oft verfremdet und parodiert wurde in den vergangenen fünf Jahrzehnten, ist es wichtig, die Zuschauer daran zu erinnern, mit wem sie es hier zu tun haben. Mit dem absolut Bösen nämlich, dem gefallenen Engel, der personifizierten zerstörten Hoffnung – einer Kreatur, die in der Lage ist, mit bloßen Gedanken zu töten, und ihre Opfer notfalls in Scheiben schneidet. Das ist Darth fuckin‘ Vader, verflucht – und genau so wird er auch gezeigt.

Es gibt (auch das ein milder Spoiler) ungezählte Hinweise auf frühere Filme und einige Cameo-Auftritte. Das ist schön, aber schade. So spricht nichts dagegen, beispielsweise den Droiden RA-7 kurz zu zeigen oder K-2 ein Han-Solo-Zitat andeuten zu lassen. Aber dass man gewissermaßen in jeder größeren Menschenmenge auf Dr. Cornelius Evazan und Ponda Babba stößt, ist eher albern und macht das Star-Wars-Universum unnötig klein. George Lucas hat sowas auch gerne verbockt, und seine Ära wollten wir doch eigentlich hinter uns lassen. Unverzichtbar natürlich die Darstellung von Wedge Antilles, eigenartig und diskussionswürdig jedoch die CGI-Auftritte eines verstorbenen und eines gealterten Darstellers. Dazu an dieser Stelle nur: Es ist beeindruckend, dass so etwas funktioniert. Es ist beruhigend, dass so etwas noch nicht perfekt funktioniert. Und es muss darüber geredet werden, wie man damit umgeht, wenn es in absehbarer Zeit perfekt funktionieren wird. „Casablanca II – The Return Of Rick“ und „Denn sie wissen noch immer nicht, was sie tun“ rücken in greifbare Nähe, Freunde…

Zwei Punkte sind es, die „Rogue One“ eben doch sinnvoll machen: Zum einen erfahren wir, warum eine Superwaffe wie der Todesstern eine relativ einfach auszunutzende Schwachstelle hat. Zum anderen wird angedeutet, weshalb in „Krieg der Sterne“/“A New Hope“ nur menschliche Piloten in den X-Flüglern sitzen. Noch ein kleiner Spoiler: Die frisch gegründete Allianz besteht anfangs fast nur aus Menschen (Corellianern etc.) und Mon Calamari (die eher Strategen in zweiter Reihe sind). Das ist stimmig und macht aus zwei eher unangenehmen Relikten der 70er erklärbare Teile der Handlung. Ähnliches gilt für den erneuten Einsatz einer starken Frauenfigur und das vergleichsweise multikulturelle Ensemble – in beiden Fällen hat Star Wars einiges nachzuholen.

Insgesamt bleibt festzuhalten: „Rogue One: A Star Wars Story“ ist genau das, was uns versprochen wurde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein leckerer Snack nämlich, der Appetit auf das nächste Hauptgericht machen soll. Davon darf es gerne noch ein paar geben, solange die eigentlichen Gänge nicht vernachlässigt werden. Twinkle, twinkle, little star.

2016 – so war’s: Legenden, Loser und ein bisschen Leerlauf

unbenanntOhne gleich an Anfang des Endes die Luft rausnehmen zu wollen: Besonders aufregend war es nicht, das viel gescholtene Jahr 2016. Ich war relativ selten im Kino, habe mehr oder weniger absichtlich den einen oder anderen vermeintlichen Pflichtfilm ausgelassen, ohne es zu bereuen. Dafür habe ich mein Heimkino aufgerüstet, also die Glotze endlich smart gemacht (die abenteuerliche Geschichte dazu könnt Ihr hier nachlesen). Und das hat mein Fernsehverhalten deutlich verändert.

Linearfernsehen ist Geschichte. Nur sehr, sehr selten riskiere ich mal wieder einen raschen Blick ins Angebot der Öffentlich-Rechtlichen – und dann über die App des „Fire TV Sticks“. Zuletzt übrigens, als ZDFneo den Piloten der Miniserie „Tempel“ in die Mediathek gestellt hatte. Besonders viel lässt sich dazu noch nicht sagen, aber die erste Runde des Boxer-Dramas mit Ken Duken war durchaus sehenswert.

Das galt natürlich auch für das Comeback von „Sherlock“. Comeback? Tatsächlich klaffen zwischen den einzelnen Blöcken der Kultserie derart große zeitliche Lücken, dass man praktisch jedesmal von einer Rückkehr sprechen kann. „Die Braut des Grauens“ war eine relativ aufwändig gedrehte Einzelgeschichte, noch dazu leicht überfrachtet mit einer Zeitreise, die keine war… oder doch? Man wünscht sich jedenfalls, dass die Produzenten die Zeit bis zu den nächsten neuen Folgen nutzen, um sich darauf zu besinnen, was vor allem die ersten Teile so großartig gemacht hat. Zuletzt gerieten die Abenteuer des Meisterdetektivs bisweilen doch arg selbstverliebt.

Selbst den „Tatort“ habe ich in diesem Jahr häufiger ausgelassen als gewohnt – und das, obwohl sich unsere sonntägliche Twitter-Begleitung des jeweils neuen Falls unter @kartoffelsitz zunehmender Beliebtheit erfreut. Das zweite „Taxi nach Leipzig“ – die 1000. Folge der Reihe – war natürlich gesetzt und erwies sich als grandioser Fernsehkrimi, dem Anlass durchaus würdig. Und selbstverständlich halte ich Faber die Treue – wenn der kaputte Einzelgänger durch Dortmund streift, sitze ich im Fernsehsessel.

Auch der SchleFaZ auf Tele 5 findet mein Wohlwollen – in den vergangenen Monaten allerdings nur einmal. Und das ausgerechnet bei „Sharknado 4“, der ja eigentlich gar kein Trash ist, sondern bewusst für die Zielgruppe produziert. Laune macht das bekloppte Fisch-Gemetzel trotzdem, selbst in der vierten Auflage noch. Ob ich eine fünfte brauche, bin ich allerdings nicht ganz sicher.

Beim Gedanken an SchleFaZ-Altvater Oliver Kalkofe fällt mir eine Serie ein, die ich in dieser Aufzählung fast vergessen hätte: Mit „Morgen hör ich auf“ versuchte sich Kalkmans in Ungnade gefallener Sidekick Bastian Pastewka nach dem endgültigen Aus für „Tripple WixXx“ und der zugrunde liegenden Freundschaft als ernstzunehmender Schauspieler. Kirsten hat ja hier bereits erklärt, warum das ZDF sich mit der Marketing-Idee, den Fünfteiler als „das deutsche Breaking Bad“ zu verkaufen, keinen Gefallen getan hat. Ich persönlich warte bei Pastewka irgendwie immer auf eine Pointe, die es in diesem Fall natürlich nicht gab. Das liegt nicht an ihm (er macht seinen Job als überforderter Verlierer wirklich gut), sondern an mir. Zu tief sitzt der Schmerz, dass ich auf eine achte Staffel seiner Serie „Pastewka“ wohl vergeblich warte.

Schau ich mir halt die alten Folgen wieder und wieder auf Netflix an. Der Bezahlfernsehen-Riese hat in mir ohnehin einen treuen Kunden gefunden. Die vierte Staffel von „Orange Is The New Black“ hat mich wie erwartet aus den Socken gehauen – warum ich ein Fan bin, habe ich hier ja bereits ausführlich erläutert. Ebenfalls beeindruckt hat mich „Stranger Things“, eine Serie, der ich den unfassbaren Erfolg wirklich gönne. Der unheimliche Trip in die 80er ist liebevoll gemacht, hat tolle Schauspieler und relativ gute Spezialeffekte. (Zur spoilerfreien Rezension geht es hier entlang.)

Nicht ganz so mitgerissen wurde ich leider von „Marvel’s Luke Cage“. Zu bleischwer stampfte der Ghetto-Verteidiger durch sein Viertel, zu betulich wird seine Geschichte erzählt. Wie ich hier bereits dargelegt habe, habe ich die 13 Folgen eigentlich nur ertragen, damit mir als beinhartem MCU-Fanatiker nichts entgeht, was für die Entwicklung der Saga wichtig sein könnte. Schade, da wäre mehr drin gewesen.

Auch Amazon Video darf sich freuen, in mir einen Anhänger gefunden zu haben. Vor allem die lizensierten Serien aus dem Hause AMC haben es mir angetan – dort traut man sich in der Regel, den entscheidenden Schritt weiter zu gehen, weiter in Richtung Kinostil, aber auch in Richtung Gewalt und Witz. „Preacher“ beispielsweise wurde den Vorschusslorbeeren tatsächlich gerecht: Die Story um den schlagkräftigen Geistlichen und seine mörderischen Partner brauchte ein wenig, um Fahrt aufzunehmen, fesselte dann jedoch mit drastischen Szenen und schwarzem Humor. Mit ersteren geizen natürlich auch „The Walking Dead“ und der Ableger „Fear The Walking Dead“ nicht. Leider kommt die Mutterserie mit Staffel 7 etwas fußlahm im Leerlauf daher – Kirsten bringt es hier auf den Punkt. Dafür punktete die Tochter vor allem in der zweiten Hälfte ihrer zweiten Staffel mit grandiosen Ideen und Entwicklungen, die auch langjährige Beobachter der Untoten so noch nicht gesehen haben dürften. Hier erkläre ich das etwas genauer.

„Lucifer“ fand ich recht unterhaltsam, wenngleich es mit der Comic-Vorlage nicht mehr viel zu tun hat. Letztlich ist der Einsatz des Gehörnten als Aushilfs-Cop in der Stadt der Engel jedoch kaum aufregender als all die klassischen Krimiserien, die bei uns im Privatfernsehen laufen. Oder anders: Diese teuflische Variante von „The Mentalist“ ist nicht direkt höllisch scharf. (Meine Kritik dazu und zu „Preacher“ kann man hier nochmal nachlesen.) Ähnliches gilt für „The Night Manager“, wobei die Miniserie eigentlich alles richtig macht: mit Hugh Laurie und Tom Hiddleston großartig besetzt, gedreht an Originalschauplätzen, sorgfältig inszeniert – und stinklangweilig. Ich bin einfach kein Fan von John le Carré, und diese sechs Folgen haben es nicht geschafft, etwas daran zu ändern.

Mein persönlicher Höhepunkt des Fernsehjahres war trotz aller berechtigten Kritik, dass die X-Akten wieder geöffnet wurden. Die zehnte Staffel von „The X-Files“ haben wir hier, hier und hier bereits episch gewürdigt, daher soll es an dieser Stelle dabei belassen werden: Es war nicht alles perfekt, aber wenn es gut war, war es großartig. Wie das mit langen Beziehungen nun mal so ist.

Auf den letzten Drücker hat mich Kirsten noch mit „Designated Survivor“ angefixt, das auf Netflix läuft. Kiefer Sutherland spielt den unfreiwilligen US-Präsidenten Tom Kirkman als Antithese zu Kevin Spaceys Frank Underwood („House Of Cards“) – macht süchtig und hält die Spannung des ersten halben Dutzend Folgen hoffentlich über die volle Distanz von 22.

Zwei Serien, in die ich nur reingeschaut habe, sind „The Shannara Chronicles“ und „Legends Of Tomorrow“. Während mir die Verfilmung der Romanreihe von Terry Brooks etwas zu sehr auf eine juvenile Zuschauerschaft zugeschnitten zu sein schien, war mir die neueste Serie aus dem DC-Fernseh-Universum ein bisschen zu bunt. Sicher, sämtliche TV-Reihen des Comic-Verlags scheuen sich nicht davor, eine überdrehte Alternative zur eher düsteren Ausrichtung des ewigen Konkurrenten Marvel anzubieten. Aber im Vergleich zu „Arrow“ oder „Flash“ sind die Zeitreisen der zusammengewürfelten Zweitligisten doch ein bisschen sehr hysterisch geraten, ganz im Geiste ihrer Vorlage. Sollte es sie demnächst als Teil meiner Amazon- oder Netflix-Abos geben, hole ich sie gerne nach. Bis dahin kann ich als Marvel-Fanboy zunächst verzichten.

Apropos DC (und damit blicken wir zurück auf das Kinojahr): 2016 habe ich den schlechtesten Film aller Zeiten gesehen – sein Name ist „Batman v Superman: Dawn Of Justice“. Die ersten zehn Minuten lang war ich noch ganz angetan davon, was uns da als Fortsetzung von „Man Of Steel“ präsentiert wurde. Aber mit fortschreitender Handlung wurde ich zunehmend fassungsloser: Ich begreife einfach nicht, wie etwas derart Unterirdisches es auf die große Leinwand schaffen konnte. Das Drehbuch ist eine einzige Aneinanderreihung von Logiklöchern, keiner der Charaktere tut auch nur im Ansatz etwas Nachvollziehbares, die Inszenierung ist so ungelenk wie unstrukturiert – kurz: Dieser Drecksfilm ist ein derart hemmungsloses Fiasko, dass ich quasi seit Verlassen des Kinosaals aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskomme. Und nein, ich richte nicht deshalb so gnadenlos, weil ich dieses „düstere Meisterwerk“ nicht verstanden habe (so argumentieren nämlich die wenigen zufriedenen Zuschauer gern). Sondern weil dieser Schlag ins Gesicht eines jeden normal begabten Kinobesuchers es einfach nicht besser verdient hat. Grandiose Grütze, völlig zurecht nicht der erhoffte kommerzielle Erfolg und ebenso zurecht mit Folgen für die weiteren Kinopläne des Hauses DC. Ich bin auf jeden Fall raus, was künftige Filme dieser Reihe angeht. (Lest ruhig nochmal hier meinen Verriss und gönnt euch ein paar der 4738 vernichtenden Kritiken auf YouTube.)

Nun würde ich natürlich in diesem Zusammenhang gerne berichten, dass Marvel es besser, vielleicht sogar alles richtig gemacht hat. Aber leider wäre das gelogen. Allerdings muss man differenzieren: Das MCU bleibt weiterhin unangetastet. Wir sprechen über das größte Kino- und Fernsehprojekt in der Geschichte der bewegten Bilder – das ist bereits jetzt Legende, und nach wie vor gibt es daran allenfalls Kleinigkeiten zu bekritteln. Während DC den finsteren Flattermann und den außerirdischen Pfadfinder aufeinanderhetzte, brachte Marvel in „The First Avenger: Civil War“ praktisch alle seine bisher auf der Leinwand etablierten Helden in Stellung. Nur Thor und der Hulk gönnen sich eine Auszeit – vermutlich wäre die Schlacht sonst zu schnell entschieden. Die Hintergründe für den Konflikt unter den Avengers werden glaubhaft dargestellt, alle Beteiligten wissen, was sie tun – und die finale Auseinandersetzung machte aus mir einen glücklichen Zwölfjährigen. Einzig die Frage, weshalb Marvel seinen Bürgerkrieg als Fortsetzung der Captain-America-Filme verkauft, bleibt ungeklärt. (Bitte hier entlang zur ausführlichen Besprechung.)

Der zweite MCU-Film in diesem Jahr war „Doctor Strange“. Wie ich hier bereits beschrieben habe, gibt Benedict „Sherlock“ Cumberbatch den zaubernden Mediziner erwartungsgemäß stilsicher. Hinzu kommen fantastische Bilder, die einmal mehr vieles von dem, was Genrefans bislang auf der Leinwand gesehen haben, überbieten. Sollte man am besten in 3D und mit Dolby Atmos gucken (und sich eventuell vorher etwas gegen Seekrankheit einwerfen). So kann es gerne weitergehen auf dem Weg zu den „Infinity Wars“. Und ich bin sicher: Das wird es.

Nicht alle Comichelden aus dem Marvel-Verlag sind in den hauseigenen Filmen zu sehen. Die X-Men und alles, was mit dem Thema „Mutation“ zusammenhängt, werden von 20th Century Fox zum Leben erweckt. Und bislang geschah das durchaus sehenswert: Zwar pfiffen die Produzenten mit zunehmender Laufzeit der Mutantensaga auf ein zusammenhängendes Konzept und innere Logik, dennoch kam stets ein weiteres überzeugendes Abenteuer von Professor X und seinen Schülern dabei heraus. Es fällt mir schwer, das zuzugeben: Das hat nun ein Ende. „X-Men: Apocalypse“ macht seinem Namen auf unfreiwillige Weise alle Ehre. Ich hatte angesichts der wirren, lauten Trailer bereits Bedenken und schaute mir zum ersten Mal einen X-Men-Film nicht im Kino, sondern später auf Blu-ray an. Und um es kurz zu machen: Das genügt auch völlig. Es knallt und zischt, passieren tut nischt – jedes bisschen an Charme und Sozialkritik (zwei wichtige Eckpfeiler der Mutantenabenteuer) wird durch wüste Actionszenen beiseite gewischt. Das Ganze kommt derart seelenlos daher, dass man fast hofft, der fürs Frühjahr angekündigte „Logan“ möge der letzte Film der Reihe sein. (Zumal er in einer anderen Zeitlinie spielt – Konzept, Logik, Ihr wisst schon…) Das Beste wäre es, Marvel würde übernehmen, damit zusammenwächst, was zusammen gehört.

Das wird allerdings auf absehbare Zeit nicht passieren, und das ist schade, aber schön. Denn der Grund dafür ist ein Film, der im X-Men-Universum spielt, allerdings als dreckiger kleiner Bruder des überkandidelten „Weltuntergangs“ daherkommt: „Deadpool“ war der Überraschungshit des Kinojahres. Und das völlig zurecht. Mit einem erstaunlich niedrigen Budget und einem noch niedrigeren Verständnis von Moral inszenierten die Produzenten einen lustigen und brutalen, charmanten und anarchistischen Thriller, der die Messlatte für Gewaltdarstellungen im Superhelden-Genre mal eben ein paar Meter nach oben wuchtete. Es ist zu erwarten, dass bereits Blut spritzt, wenn „Logan“ zuschlägt, denn ähnlich wie Wolverine gehört Deadpool zu den brutaleren Zeitgenossen unter den maskierten Verbrecherjägern. Der quasselnde Söldner wurde derart adäquat ins Kino geschossen, dass man nur inständig hoffen kann, dass für die gesicherte Fortsetzung nichts an dieser Ausrichtung geändert wird. Genau so muss man das machen und auf keinen Fall anders.

So etwas Ähnliches dachte ich auch, als ich das Kino verließ, nachdem ich „Star Trek Beyond“ gesehen hatte. Erst später kam mir der Gedanke, dass man doch ein bisschen was an der Fortsetzung des Reboots aussetzen könnte: Die Story vom Kampf der Kirk-Crew gegen einen mysteriösen Despoten ist ein klein wenig zu geradlinig und fühlt sich daher etwas zu sehr nach einer sehr aufwändigen Serienfolge an. Wobei ich auch verstehen könnte, wenn jemand gerade diesen Aspekt als positiv wahrnimmt. Meine ausführliche Rezension gibt es hier – natürlich ist das immer noch Star Trek, also von Haus aus großartig, vielleicht sogar etwas mehr als beim ersten „neuen“ Film.

Mein letzter Kinobesuch in diesem Jahr wird wohl „Rogue One: A Star Wars Story“ werden. Ich bin ein wenig skeptisch, immerhin reden wir hier über ein Prequel zu jenem Filmklassiker, der für mich immer „Krieg der Sterne“ heißen wird, „A New Hope“ hin, „Episode IV“ her. Was, wenn mir die Figuren ans Herz wachsen? Dann sehe ich sie trotzdem nie wieder, denn in den folgenden Filmen spielen sie ja keine Rolle. Und warum ist die Protagonistin schon wieder ein toughes Mädchen? Sollen damit die neuen Fans eingefangen werden? Ich lasse mich überraschen und rechne zumindest mit großartiger Optik. Während ich mich deutlich mehr auf „Episode VIII“ freue – also auf nächstes Jahr.