Wenn die Hochhäuser wackeln: Hier kommen „The Defenders“!

In der Stadt, die niemals schläft, treiben sich vor allem nachts seltsame Gestalten herum: Luke Cage (Mike Colter) wird nach seinem gewalttätigen Kampf gegen das organisierte Verbrechen aus dem Knast entlassen und kehrt nach New York zurück. Der Muskelmann will seinem Ruf als Retter der Schwachen gerecht werden und sucht nach einem Ziel im Leben. Möglich gemacht hat seine neue Freiheit der clevere Anwalt „Foggy“ Nelson (Elden Henson), einst Partner von Matt Murdock (Charlie Cox). Der wiederum hat sein Kostüm als Unterweltschreck Daredevil an den Haken gehängt und kämpft lieber im Gerichtssaal für die gute Sache. Dieser hat sich auch Danny Rand (Finn Jones) alias Iron Fist verschrieben: Gemeinsam mit seiner gleichfalls kampferprobten Freundin Colleen Wing (Jessica Henwick) sucht er in aller Welt nach den Mördern seiner leiblichen und seiner Adoptiveltern. Mit all dem hat Jessica Jones (Krysten Ritter) nichts am Hut. Die so schlagkräftige wie mürrische Privatdetektivin verfolgt gewohnt widerwillig die Spur eines verschwundenen Architekten.

Dann jedoch führen ihre Wege die vier Einzelgänger zusammen. Alte Gefahren aus der Vergangenheit kehren zurück, denen sie sich nur gemeinsam entgegenstellen können. Vereint durch Matts mysteriösen Trainer Stick (Scott Glenn) müssen sie persönliche Differenzen und unterschiedliche Philosophien überwinden und zu einem Team werden, denn ihrer Stadt droht die Vernichtung – buchstäblich. Als sie eher zufällig dasselbe Hochhaus betreten – der Held von Harlem, die trinkfeste Ermittlerin, die lebende Waffe und der Teufel von Hell’s Kitchen – werden die Karten im Kampf gegen die dunklen Mächte neu gemischt. Zwischen den Bürgern von New York und der totalen Zerstörung stehen nun vier Verteidiger…

Spannung aufbauen – darin ist Marvel ganz groß. Mit dem Marvel Cinematic Universe hat der amerikanische Comic-Gigant längst Kino-Geschichte geschrieben, und die zugehörigen Fernsehserien sind viel mehr als nur Beiwerk. Vor allem die Netflix-Reihen bieten naturgemäß mehr Möglichkeiten, auch düstere und brutale Geschichten ausführlich zu erzählen. Das ist keine brave Familienunterhaltung, da wird geflucht, geblutet und gevögelt. Während auf der großen Leinwand etwa das erste Zusammentreffen der Avengers im gleichnamigen Film ein episch anmoderierter Höhepunkt war, fiebern die Fans vor der heimischen Glotze seit Monaten dem Tag entgegen, an dem sich die Defenders zum ersten Mal begegnen. Die Vorgängerserien „Daredevil“, „Jessica Jones“, „Luke Cage“ und „Iron Fist“ zeigten die individuellen Abenteuer der vier Protagonisten, zusammengehalten unter anderem durch die Figur der mutigen Krankenschwester Claire Temple (Rosario Dawson). „The Defenders“ lässt die eher einsamen Streiter für das Gute nun gemeinsam gegen einen schier übermächtigen Gegner antreten.

Erwartungsgemäß knackt und splittert es recht laut, ehe aus unseren Helden ein Team wird. Dann jedoch erleben wir nicht nur eine Zweckgemeinschaft, sondern deutlich mehr – nämlich Freunde. Die Charakterzeichnung ist dabei so glaubhaft wie die Story sich Zeit lässt. In acht Folgen lässt sich das Bild der einsamen Reiter, die nun nebeneinander galoppieren, mit dicken Strichen zu einem beeindruckenden Gemälde vergrößern. Dabei hat Netflix sich offenbar die Kritik an den vorangegangenen Serien zu Herzen genommen – 13 Folgen waren mitunter etwas zu lang. Besagtes Gemälde besteht aus den Farben Rot, Lila, Grün und Gelb – und aus reichlich Schwarz. Die Idee, jedem Protagonisten eine eigene Farbe zuzuschreiben, war also nicht nur ein Promo-Gag. Ohnehin wartet „The Defenders“ mit teils beeindruckenden Schauwerten auf: Die Kamera-Arbeit vor allem in den ersten Folgen setzt Standards in Sachen Serienoptik. Zudem wissen sämtliche Beteiligten vor und hinter der Kamera, was sie tun – aber das sind wir von Marvel auch nicht anders gewohnt.

Die Geschichte ist einigermaßen komplex, wird aber straff und atemlos erzählt. Andeutungen und Skizzen aus den vier anderen Serien werden ausgearbeitet und münden in ein furioses Finale. Sigourney Weaver ist als sinistre Geschäftsfrau Alexandra auf der Seite des Bösen eine Macht: Mit wenigen, aber wohlgesetzten Worten und sparsamer Gestik bestimmt die einstige Alien-Jägerin ihre Szenen. Und natürlich kommen wieder die beliebten Nebenrollen zum Zug: Neben den eingangs erwähnten Charakteren kehren auch Jessicas Adoptivschwester Patsy Walker (Rachael Taylor), die knallharte Polizistin Misty Knight (Simone Missick) und die Journalistin Karen Page (Deborah Ann Woll) zurück ins Geschehen.

Wenn Reporterinnen mit Nachnamen „Seite“ heißen und Herr und Frau Knight ihre Tochter ernsthaft Misty genannt haben, wird klar: Dies ist eine Comic-Verfilmung. Und was erwarten wir von einem Superhelden-Film? Richtig: Action! Diese gibt es in „The Defenders“ mehr als reichlich. Die ungezählten Kampfszenen sind atemberaubend choreografiert und trotz dunkler Kulisse nie unübersichtlich. Jeder unserer Kämpfer für Gerechtigkeit bekommt seinen beeindruckenden Moment, hat seine besonderen Tricks und Eigenschaften. Ihr liebt die berühmten Hallway-Szenen aus den Vorgängerserien? Dann gibt es reichlich Grund zur Freude. Oder wie Jessica es ausdrückt: „Mein Leben ist inzwischen eine riesige Kung-Fu-Party.“

Daredevil und Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist sind Helden der Straße und der Dunkelheit. Sie gehen dahin, wo es weh tut, und dabei notfalls bis zum Äußersten. Sie bluten und stürzen, aber sie stehen immer wieder auf. Sie sind nicht die netten Jungs (und das nette Mädel), die den Tag retten – aber sie machen die Nächte sicherer. Sie sind die „Defenders“. Und ihr erstes gemeinsames Abenteuer sorgt dafür, dass man es kaum erwarten kann, zurückzukehren in die Stadt, die niemals schläft.

 

Hintergrund: Wer sind die Defenders?

Ursprünglich hatte Marvel die Verteidiger (wie sie im deutschsprachigen Raum zunächst genannt wurden) entwickelt, um Superhelden zu versammeln, die eigentlich nicht als Teamplayer taugen. So kamen etwa der Hulk, Namor, der Silver Surfer, Doctor Strange oder Gargoyle als eher lose Gemeinschaft zusammen, wenn ein Gegner für einen von ihnen zu mächtig war. Das MCU ignoriert die klassische Besetzung zwar, orientiert sich aber an dieser Prämisse. Auch diese Defenders sind es eigentlich gewohnt, weitgehend allein zu arbeiten, und raufen sich anfangs relativ widerwillig zusammen. Dabei übernehmen die Produzenten jene Charaktere, die im Comic in Reihen wie „Marvel Knights“ auftauchen, also die vergleichsweise düsteren Abenteuer der Straßenköter aus der zweiten Reihe. Nicht umsonst dienen ihnen dabei Genres wie Film noir oder Blaxploitation als Vorbilder. Kurz: Niemand trägt ein flatterndes Cape.

Sehen, hören, sagen: „Planet der Affen: Survival“

Die Story

Nachdem ein medikamentös erschaffener Virus nicht nur Affen mit Intelligenz ausgestattet, sondern auch den größten Teil der Menschheit dahingerafft hat, ist die Situation zwischen den verfeindeten Gruppen mittlerweile verhärtet. Die Truppe um einen verbitterten Colonel (Woody Harrelson als Marlon Brando) macht gnadenlos Jagd auf den Affenstamm um den ersten Vertreter der neuen Spezies, den mutigen Schimpansen Caesar (Andy Serkis). Verstärkt wird die militärische Einheit von übergelaufenen und versklavten Affen, den so genannten Donkeys, die einst Caesars Widersacher Koba (Toby Kebbell) unterstützten. Nach harten Kämpfen in den Wäldern fallen Caesar, seine Familie und die meisten der übrigen Primaten den Soldaten in die Hände. Die Menschen zwingen sie zum Bau einer Mauer und setzen sie mit Gewalt unter Druck. Dank der Hilfe des stummen Mädchens Nova (Amiah Miller) gelingt es Caesars Freunden, ihren Anführer zu befreien. In einer letzten, verzweifelten Schlacht kämpfen Menschen und Affen um die Vorherrschaft auf dem Planeten.

Die Meinung

Nach „Planet der Affen: Prevolution“ (2011) und „Planet der Affen: Revolution“ (2014) kommt nun logischerweise „Planet der Affen: Survival“… Da hatte mal jemand eine relativ pfiffige Idee, um die Originaltitel für den deutschen Markt zu ändern, und dann wird sie nicht konsequent durchgezogen. Völlig unverständlich, zumal „Evolution“ recht gut gepasst hätte. Denn tatsächlich sehen wir, wie das Leben in der postapokalyptischen Zukunft auf die Gegebenheiten zusteuert, die im Klassiker „Planet der Affen“ (1968) dargestellt werden. Nach dem relativ realistischen Ansatz des ersten Teils und den wilden Kampfszenen des zweiten hält sich der dritte (und vermutlich nun doch nicht letzte) an das Erfolgsrezept seiner Vorgänger. Der Film nimmt sich Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Die Protagonisten auf beiden Seiten werden detailliert und glaubhaft gezeichnet. Und mit Angst, Hoffnung, Wut und Liebe werden ganz große Gefühle bedient. Zudem sind die Spezialeffekte fast nicht zu fassen – und das im Wortsinn. Abgefahrene Monster aus dem All per CGI auf die Leinwand zu zaubern, ist eine Sache. Aber real existierende Lebewesen wie Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans zu erschaffen, ihnen per motion capture von Schauspielern Leben einhauchen zu lassen und sie mit unterschiedlichen Charakteren zu versehen – das ist Kunst. Die Effekte verkommen nicht zum Selbstzweck, sondern unterstützen die Story, sind ein Teil davon. Diese wiederum ist packend genug, so dass man sich über die perfekt integrierten Elemente aus dem Rechner ohnehin keine Gedanken macht. Andy Serkis als Caesar ist mal wieder eine Macht und dürfte spätestens jetzt dafür mit ein paar Preisen geehrt werden. Trotz kleinerer Hänger – der Film ist ein bisschen zu lang und an manchen Stellen etwas symbolbeladen – ist „War For The Planet Of The Apes“ (so der US-Titel) ein würdiger Abschluss der Trilogie. Die allerdings (weiter oben deutete ich es bereits an) nach aktuellen Angaben der Produzenten ziemlich sicher fortgesetzt wird. Letztlich regiert eben auch auf dem Planeten der Affen das liebe Geld.

Der Hintergrund

Die erste Verfilmung des Romans von Pierre Boulle stammt aus den späten 60ern und nimmt klare Bezüge auf damals aktuelle Themen wie Rassismus und die Gefahr eines dritten Weltkriegs. (Übrigens zwei Probleme, die leider heutzutage ebenso zum Alltag gehören.) Die Folgefilme beschäftigten sich mit Zeitreisen und dem üblichen Paradoxon, um zu erklären, wie es zum Machtwechsel auf der Erde kam. Leider fand die Kinoreihe mit „Die Schlacht um den Planet der Affen“ (1973) und der ein Jahr später produzierten Fernsehserie einen eher unrühmlichen Abschluss. Tim Burton versuchte sich 2001 an einer Neuinterpretation, die viel gescholten wurde, sich aber letztlich enger an die literarische Vorlage hielt. Die aktuelle Kinofassung startete vor sechs Jahren und stellt so etwas wie die Vorgeschichte zum 68er-Film dar, auf den auch immer wieder angespielt wird. Dabei beziehen sich vor allem im dritten Teil die sozialkritischen Elemente auf Themenkomplexe wie Faschismus (die Affen werden in Lagern gehalten und bis zum Tod ausgebeutet) und den wieder erstarkenden Nationalismus (der Bau der Mauer). Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen? Im Gegenteil – gut gebrüllt, Affe.

Und vergesst die verdammten Smileys nicht!

Michael Kessler hat eine neue Fernsehreihe, in der er befreundete Kollegen im Auto durch die Stadt kutschiert und sich mit ihnen unterhält. Quasi wie das „Quiz-Taxi“ mit Prominenten, aber ohne Quizfragen. Wem diese Beschreibung langweilig erscheint, der kennt Michael Kessler nicht. Dieser könnte sogar eine Talkshow mit Köchen moderieren oder Flohmarktware an Antiquitätenhändler verticken lassen, und es wäre lustig. „Sitzheizung gibt’s nicht“ läuft auf ZDFneo, deswegen spielen die Sendetermine keine Rolle. Ihr guckt das ohnehin in der Mediathek.

Wir haben einen nicht mehr ganz neuen Twitter-Account, mit dem wir drei Dinge tun: Wir weisen auf neue Blog-Beiträge hin, twittern gar lustig zum aktuellen „Tatort“, während dieser zum ersten Mal ausgestrahlt wird, und äußern uns zu der einen oder anderen Fernsehsendung. So auch zu „Sitzheizung gibt’s nicht“:

Die besten Scherze sind ja bekanntlich jene, die man ausgiebig erläutern muss. Der hier funktioniert folgendermaßen: „Sitzheizung gibt’s nicht“ ist gar nicht identisch mit der Serie „Pastewka“, die im Frühjahr mit neuen Folgen auf Amazon Video fortgesetzt wird. Allerdings sind in der ersten Folge die Protagonisten identisch: Michael Kessler, Bastian Pastewka und Annette Frier sind allesamt auch in „Pastewka“ zu sehen, der Mittlere überraschenderweise sogar in der Haupt- und Titelrolle. Und die Dialoge wirken nicht nur improvisiert, sie sind es auch. Das versteht jeder normalbegabte Zuschauer spätestens nach 20 Sekunden. Uns war es zudem bereits im Vorfeld bekannt. Soviel zu den beiden Pointen. Beziehungsweise dem, was als solche gemeint war.

Dieser Tweet brachte uns unterschiedliche Reaktionen ein. Kessler favorisierte ihn, wies jedoch gleichzeitig darauf hin, dass wir einen entscheidenden Aspekt seines neuen Formats offenbar nicht ganz verstanden hätten:

Acht wohlmeinende Herzchen bekam diese freundliche Aufklärung. Es gibt dort draußen also insgesamt mindestens neun Menschen, die uns nicht zu den normalbegabten Zuschauern zählen. (Fairerweise müsste es heißen: mich. Denn für den ursprünglichen Tweet zeichnet der Autor dieses Beitrags allein verantwortlich.)

Einer von ihnen – Lutz – kommentierte unser vermeintliches Unwissen mit einem Katzen-GIF. Dafür gebührt ihm besondere Erwähnung:

Putzig, nicht wahr? Blieb aber ähnlich folgenlos wie unsere (meine) Versuche, das Missverständnis um das vermeintliche Missverständnis aufzuklären.

Was bleibt, sind zwei Erkenntnisse:

  1. Erst Smileys machen einen Tweet verständlich. 🙂
  2. „Sitzheizung gibt’s nicht“ ist improvisiert und sehr sehenswert.