2017 – so war’s / 2018 – so wird’s

Rück-Sicht

2017 liegt in den letzten Zügen – es ist die beschauliche Zeit des Jahres, in der man einen Blick zurück wagt. Und einen nach vorn. Ähnlich wie sein Vorgänger war das ablaufende Jahr nicht besonders aufregend, was Film und Fernsehen angeht. Fast könnte man nörgeln: solide. Aber gehen wir ruhig mal ins Detail (die ausführlichen Rezensionen sind wie immer verlinkt)…

Ich habe diesmal relativ viele vorgebliche “Pflichtfilme” ganz bewusst ausgelassen. Dazu gehörte selbstverständlich “Wonder Woman”, weil mir DC spätestens mit “Suicide Squad” endgültig den Spaß an seinen hilflosen Versuchen, ein neues Kino-Universum zu etablieren, ausgetrieben hatte. Angeblich habe ich dadurch wirklich was verpasst. Aber mein wohlmeinender Besuch von “Justice League” ließ mich daran zweifeln. Endgültiges Aus für die Unterhosen-Fraktion aus dem Hause “Detective Comics” von meiner Seite (und wohl auch von offizieller).

Marvel-Fan fürs Leben – und stolz darauf: Vor allem “Logan” machte mir das dieses Jahr sehr einfach. Der letzte Film mit Hugh Jackman in der Titelrolle zeigt Wolverine endlich als das, was er in den Comics seit Jahrzehnten ist: ein Einzelgänger, ein Antiheld und doch der letzte Aufrechte, wenn es hart auf hart kommt. “Deadpool” sei Dank gehen Superheldenfilme eben auch mit etwas mehr Blut und Eingeweiden. Hoffen wir, dass sich daran nicht allzu viel ändert, wenn Marvel (alias Disney) von Fox übernimmt.

Denn das war auf den letzten Metern meine persönliche Nerd-Nachricht des Jahres: Dank dieser Übernahme werden die X-Men und die Fantastic Four endlich Teil des Marvel Cinematic Universe. Ohnehin MCU: “Guardians Of The Galaxy Vol. 2” machte mich glücklich, “Spider-Man: Homecoming” zumindest zufrieden, und dank “Thor: Tag der Entscheidung” zog Ironie in die Welt der kaputten Helden ein. Alle drehten sie das Rad des größten Film-Projekts der Geschichte souverän weiter. Wer bin ich, mich darüber zu beklagen?

Grundsätzlich blieb Hollywood auch im vergehenden Jahr seinem Hang zu Fortsetzungen und Reboots treu. So erfuhr der Alien-Mythos nach dem vergurkten “Prometheus” (2012) dank “Alien: Covenant” einen erfreulichen Schubs zurück in Richtung Horrorfilm. “Kingsman: The Golden Circle” setzte gut gelaunt dort an, wo der erste Teil wuchtige Spuren hinterlassen hatte. Und “Planet der Affen: Survival” schloss (vorläufig) eine der besten Trilogien der vergangenen Kinojahre ab. Cleverer geht Science Fiction kaum.

Das wurde dem Zuschauer auch schmerzlich bewusst, wenn er sich “Valerian – Die Stadt der tausend Planeten” ansah. Die titelgebende Weltraum-Metropole ist zwar unterhaltsam in Szene gesetzt, wegen der mediokren Hauptdarsteller und der eher flachen Story wurde aus dem angekündigten Meisterwerk allerdings eher Mittelmaß.

Als kleiner, aber sehr feiner SF-Film hingegen erwies sich “Passengers”. Sollte man gesehen haben, wenn man sich hinterher die Köpfe heiß diskutieren möchte. Denn dazu ist die Story bestens geeignet (und das ist ein Lob).

Zwei weitere Versuche, eine eigenes Film-Universum à la MCU auf den Weg zu bringen, endeten unterschiedlich. Während “Kong: Skull Island” nach der relativ schwachbrüstigen “Godzilla”-Neuauflage von 2014 durchaus mit Action und Schauwerten zu punkten wusste, wurde der Neuaufguss von “Die Mumie” auch und gerade wegen Tom Cruise zum Rohrkrepierer. Das Ergebnis lautet 1:0 für die Riesenmonster – aus der Reihe um die klassischen Universal-Ungeheuer wird vorerst nichts.

Die größte Fortsetzung des Jahres war selbstredend “Star Wars: Die letzten Jedi” – wenngleich Teil zwo der dritten Trilogie die Fans spaltet. Mich ließ er nach anfänglicher Skepsis schlicht begeistert zurück, andere jedoch können mit der Neuausrichtung der Saga nichts anfangen. Mutig ist der Film allemal – und damit eigenständig in einer Flut von Streifen, die eher auf Nummer sicher gehen.

Zwei Kinofilme habe ich mir erst später über die einschlägigen Streaming-Dienste angeguckt: “John Wick: Kapitel 2” ist gekonnte Arthouse-Action wie das erste Kapitel, “Life” längst nicht so schlecht, wie er mitunter gemacht wird – stellt euch vor, “Das Ding aus einer anderen Welt” trifft auf “Das Kondom des Grauens”…

Damit (mit den Streaming-Diensten, nicht mit dem Kondom) sind wir auch schon beim Fernsehen – das für mich nach wie vor nicht mehr linear stattfindet. Gefühlt habe ich die Hälfte des Jahres vor der Glotze verbracht und dabei ausgetestet, wo die Grenzen von Amazon Video und Netflix liegen. Was einige überraschen wird: Man erreicht sie erstaunlich schnell. Letztlich besteht das (Standard-)Angebot beider Dienstleister aus lange bekannten Filmen und den erfolgreichsten Serien. Soll heißen: Cineasten entdecken kaum Neues, wer jedoch gerne in Archiven wühlt, wird unter Umständen belohnt.

Übrigens gelingt es mir gedanklich kaum noch, die beiden Anbieter meiner Wahl zu unterscheiden. Anders als im Fall klassischer Fernsehsender ist dies für mich einfach “das” neue Fernsehen. Mit kleinen Einschränkungen: Hin und wieder klicke ich mich durch die Mediatheken der Saurier, ich habe zwei günstige Zusatzkanäle bei Amazon gebucht, und die populären Eigenproduktionen habe ich auch (buchstäblich) auf dem Schirm.

In Sachen Bekanntheitsgrad vorne mit dabei: “You Are Wanted”. Wie erwartet hielt der Mehrteiler dem Hype nicht stand – Stangenware statt Ereignis. Auch zwei schrägere Serien enttäuschten mich, die eine mehr, die andere weniger: “American Gods” habe ich nach wenigen Folgen aufgegeben – zu plump, pompös und langweilig kam die Geschichte daher. Die freudig erwartete Fortsetzung von “Preacher” hingegen wollte ich so gut finden wie die erste Staffel. Das gelang mir leider nur teilweise: Es ist schlicht unverständlich, warum etwas, das so sehr für ein Road Movie prädestiniert ist, derart in Stagnation erstickt wird. Da wäre mehr drin.

Auch mit “Orange Is The New Black” haderte ich, unter anderem wegen der ungewohnten Erzählart der aktuellen Staffel. Kirsten konnte das nicht recht glauben und hatte ihrerseits Probleme mit dem vieldiskutierten Drama “Tote Mädchen lügen nicht” (auch mit dessen deutschem Titel) sowie den wandernden Toten. Und in der Tat: Staffel 7 von “The Walking Dead” darf getrost als Tiefpunkt der Zombie-Serie angesehen werden, die sich allerdings mit der aktuellen Season 8 souverän erholt. Eventuell sollten die Macher hinter den Kulissen mal ein Praktikum bei den Verantwortlichen der Tochterserie machen: “Fear The Walking Dead” nahm nämlich ordentlich Fahrt auf und bot einige der besten Folgen des gesamten Franchise.

Als quicklebendig erwies sich “Sherlock”, von allen geliebt, von mir jedoch mittlerweile leicht skeptisch beäugt. Doch das (derzeitige) Finale der Reihe erwies sich als komplexe und kluge Abenteuergeschichte voller raffinierter Wendungen und verschaffte den “Baker Street Boys” den erhofften großen Abgang. Ebenfalls ein Liebling der Massen: die Retro-Mystery “Stranger Things”, die in der zweiten Staffel eisenhart die Geschichte der erfolgreichen ersten aufwärmte. Großartige Unterhaltung, klar – aber beim dritten Mal darf es gerne wieder etwas origineller werden.

Durchaus originell kommt “Star Trek: Discovery” daher, mit dem nach zu vielen Jahren eine der erfolgreichsten Science-Fiction-Geschichten aller Zeiten auf den Bildschirm zurückkehrte. Unser Vier-Augen-Test fiel begeistert aus, bei näherem Hingucken tauchten jedoch erste Fragen auf – und davon viele. Trotzdem: Dranbleiben lohnt sich. Das wird schon.

Regelmäßige Leser und alle, die diesen Beitrag von Anfang an verfolgt haben, kennen meine unsterbliche Liebe zum MCU. Und tatsächlich hatte ich weder über “Iron Fist” noch über “The Punisher” viel zu meckern. Dass “The Defenders” mich gleichfalls großteils begeisterten, überrascht da niemanden mehr.

Zwei kleine Geheimtipps: Im Film “David Brent: Life On The Road” erzählt der große Ricky Gervais die Lebensgeschichte seiner titelgebenden Figur nach dem Ende der Serie “The Office” (dem Original zu “Stromberg”) weiter. Aus dem Schreibtischtäter ist ein erfolgloser Vertreter geworden, der verzweifelt versucht, seinen Traum von einem Leben als Rockstar zu verwirklichen. Das Ganze ist saukomisch, tieftraurig und bricht sämtliche Rekorde im Fremdschämen.

Ähnliches gilt für “Wet Hot American Summer”, einen Film, der nicht ganz leicht zu beschreiben ist. Also: In dieser Parodie der amerikanischen Teenage-Klamotten der späten 70er und frühen 80er aus dem Jahr 2001 stellen erfolgreiche Schauspieler und Komiker wie Amy Poehler und Paul Rudd die kaum volljährigen Bewohner eines Feriencamps dar. Das Prequel “Wet Hot American Summer: First Day Of Camp” wurde 14 Jahre später gedreht und behandelt als Serie (!) den ersten Tag (!) der Sommerferien. Und der im Folgejahr veröffentlichte Achtteiler “Wet Hot American Summer: Ten Years Later” spielt – ganz genau – zehn Jahre später, also in den 90ern. Wer jetzt noch mitkommt, sollte sich das unbedingt anschauen – absurder und unterhaltsamer geht’s eigentlich nicht.

Vor-Sicht

Nachdem wir uns bei der Rückschau durch mein wirres Kleinhirn gearbeitet haben, gehen wir den Blick in die Zukunft mal etwas strukturierter an. Was bringt das neue Jahr?

Januar: Na endlich! Als alter Pastewka- und “Pastewka”-Fan halte ich es kaum noch aus bis zum 26. Januar. Dann nämlich hat Amazon Video alle zehn Folgen der brandneuen achten Staffel im Programm. Gut so, denn die Staffeln 1 bis 7 kann ich längst mitsprechen. (Wahre Fans haben nämlich das Mitspracherecht. ‘tschuldigung.) Ebenfalls mit Spannung erwartet (und das natürlich auch von Kirsten): die neuen Folgen von “The X-Files”. Hoffen wir, dass Chris Carter die Schwächen der vergangenen Season ausbügelt – bereits ab 3. Januar wissen wir mehr.

Februar: Ab ins Kino – das MCU wird am 15. Februar mit “Black Panther” fortgesetzt. Da Hollywood nach wie vor erschreckend rassistisch ist, sind Thema und Cast eine durchaus mutige Wahl. Ich freu mich drauf und erwarte wie immer Großes. Nachdem man “Hellboy” aus Guillermo del Toros verzweifelten Fingern gewunden hat, macht dieser einfach quasi seinen eigenen Ape-Sapien-Film: Der Trailer von “Shape Of Water” sieht beeindruckend aus, die Story klingt interessant, der 15. Februar wird also noch einmal unterstrichen.

März: Am 15. März kehrt Lara Croft auf die Leinwand zurück. Nach den beiden relativ schwachen Verfilmungen mit Angelina Jolie erscheint alles, was man bislang vom neuen “Tomb Raider” sehen konnte, ungleich besser. Am 29. März startet Steven Spielbergs “Ready Player One”, zu dem wir mal den Trailer sprechen lassen:

April: Die Geschichten um Marvels Mutanten sind ja seit jeher komplett verworren und unsortiert, was ihre Verfilmungen angeht. Ab 12. April läuft nun “X-Men: The New Mutants”, der drei Probleme mit sich bringt: Das Franchise dürfte nach der Übernahme durch Disney in den letzten Zügen liegen, kaum jemand außer uns Comic-Nerds kennt die Titelhelden, und das Ganze soll ungewöhnlicherweise ein Gruselfilm werden. Hatte ich eigentlich mal meine Begeisterung für das MCU erwähnt? Keine Frage, dass ich am 26. April im Kino sitze, wenn endlich “Avengers: Infinity War” zu sehen ist, der erste große Höhepunkt der Saga! (Und ziemlich sicher der erfolgreichste Film des Jahres 2018.)

Mai: Da kann nicht mal “Solo: A Star Wars Story” mithalten, der zweite “kleine” Sternenkriegsfilm nach “Rogue One”. Am 24. Mai ist Starttermin für Han, Lando und den “Falken”. Nette Dreingabe: die Videospiel-Verfilmung “Rampage” ab 10. Mai. Riesenaffe! Riesenechse! Riesenwolf! The Rock!

Juni: Apropos Videospiel: “Jurassic World: Das gefallene Königreich” hat einen Trailer, der sehr an “Dinorun” erinnert. Trotzdem werden wieder viele ab dem 21. Juni in die Lichtspielhäuser pilgern, um sich den mittlerweile fünften Teil der Saurierreihe anzugucken.

Juli: Am 5. Juli geht es schon weiter mit dem MCU, wenn “Ant-Man And The Wasp” die Geschichte um Ameisenmann Scott Lang fortsetzt.

November: “X-Men: Dark Phoenix”, der zweite Film um Marvels Mutantentruppe in diesem Jahr, läuft am 1. November an und dürfte das Ende dieser Interpretation einläuten. Schade, aber schön.

Die Rückkehr der Gänsehaut: Warum “Die letzten Jedi” die Rettung für “Star Wars” ist

Die Erste Ordnung hat die Galaxis übernommen. Dem Widerstand ist es nicht gelungen, die Nachfolger des Imperiums aufzuhalten. Im All herrschen Unterdrückung und Dekadenz – es sind düstere Zeiten, Kriegszeiten, Zeiten der Verzweiflung. Auch auf Seiten der einstigen Allianz, die sich wieder in die Rolle der Rebellen gedrängt sieht. Die abenteuerlustige Waise Rey (Daisy Ridley) hat auf der Suche nach ihrer Bestimmung den letzten Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill) aufgesucht, in der Hoffnung, Antworten auf die Frage nach ihrer Herkunft zu finden und den verbitterten Veteranen dazu zu bewegen, sich dem Widerstand unter der Führung seiner Schwester Leia (Carrie Fisher) anzuschließen. Der einstige Stormtrooper Finn (John Boyega) macht sich unterdessen – getrieben von seiner Sorge um Rey – auf einen Alleingang, wobei er auf die tapfere Mechanikerin Rose (Kelly Marie Tran) trifft. Und Pilotenass Poe (Oscar Isaac) stellt fest, dass es im Kampf gegen den übermächtigen Gegner nicht immer gut ist, auf seinen Hitzkopf zu hören. Alle drei Helden gehen ihren Weg, zunächst getrennt, später vereint – um zu erkennen, dass nicht alles so klar ist, wie sie hofften. Dass die Grenzen zwischen der dunklen und der hellen Seite der Macht verschwimmen. Und bis jeder endgültig versteht, wer auf wessen Seite ist, will manch bittere Lektion gelernt sein.

Willkommen zurück in der fernen Sternenwelt, in der vor langer Zeit ein ewiger Krieg den Weltraum erschütterte. Nachdem J.J. Abrams vor zwei Jahren erfolgreich alte und neue Anhänger vereint hat, indem er der Sternensaga ein Kapitel hinzufügte, das mehr als einmal an frühere Geschichten erinnerte, waren Fans in aller Welt durchaus angespannt. Wie würde die Story weitergehen? Wie lauten die Antworten auf die drängenden Fragen, mit denen uns die Cliffhanger von “Das Erwachen der Macht” zurückließen? Und wird es Star Wars schaffen, uns noch einmal zu überraschen, oder verkommt das Epos gar zur wohligen Familienunterhaltung?

Ganz ehrlich: Ich war skeptisch, sehr skeptisch sogar. Nichts, aber auch wirklich gar nichts, was über die Handlung von Episode 8 bekannt wurde, war dazu angetan, mich zu begeistern. Nach dem letzten Trailer vor dem Kinostart hatte ich sogar die Sorge, eventuell enttäuscht zu werden. Das sah doch verdächtig nach “Das Imperium schlägt zurück” aus. Wo blieb die Spannung zum Drama, das Abenteuer zum Bombast? Ich glaubte, zu wissen, was mich erwartet – und das wirkte langweilig.

Doch in Wahrheit wusste ich gar nichts.

Selten hat ein Trailer das potenzielle Publikum so sehr auf die falsche Fährte geführt. Noch nie hat es ein etabliertes Franchise geschafft, seine Anhänger derart zu überraschen. Und niemals zuvor wurde eine über mehrere Filme ausgedehnte Geschichte so konsequent weitergedreht, hat sich gleichzeitig auf links gezogen und erneuert, um sich dann doch selbst treu zu bleiben. Dieser Film hat mich daran erinnert, warum ich seit meinem vierten Lebensjahr Star-Wars-Fan bin. Und weshalb ich das immer bleiben werde.

Es ist schlicht nicht möglich, diese kryptisch skizzierte Euphorie in Worte zu fassen, ohne zuviel über die Handlung zu verraten. Deshalb nur soviel: Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson (“Looper”) nimmt sich sämtliche Versatzstücke und Klischees der Saga vor, sogar den Hype, den sie im realen Leben verursacht, um sie entweder ironisch zu brechen oder mit lautem Krachen in ihre Bestandteile zu zerlegen. Weil er dabei die klassischen Definitionen von Gut und Böse deutlich in Frage stellt, modernisiert er den Sternenkrieg, ohne ihm dabei seinen Charme oder seine Atmosphäre zu nehmen. Der Mann ist selbst Fan – das merkt man jeder Minute dieses Meisterwerks an. (Und es sind einige Minuten. 152, um genau zu sein. Aber es sind epische, sehenswerte Minuten.) Was wir sehen, holt uns ab, um uns dann an Orte zu bringen, an denen wir noch nicht gewesen sind. Wir können die Verwirrung der drei (eigentlich vier) neuen Helden nachvollziehen, wir verstehen auch die Beweggründe für das Handeln ihrer alten Wegbereiter, selbst die Antagonisten bekommen neuen Schwung. Vor allem das letzte Drittel von “Die letzten Jedi” ist ein Festival der Twists. Und alle funktionieren sie, passen perfekt zusammen, ergeben am Ende ein großes Ganzes. Wer bei der letzten Szene keine Gänsehaut bekommt, ist vermutlich klinisch tot.

Jeder der Protagonisten hat seinen heroischen Moment, seine ganz besondere Situation, die er auf jene Weise durchlebt, für die wir ihn lieben. Mein Favorit ist Finn, der “Fehler im System”, der unfreiwillige Held zwischen den Fronten. Er hat einen der besten Dialoge des gesamten Franchises. Fisher (in ihrer letzten Rolle) und Hamill sind die perfekten gealterten, vernarbten, weisen Schlachtrösser. Beide strahlen diese ganz besondere Würde aus, die das Produkt auch harter Zeiten ist, die überstanden werden mussten.

Schlachten zwischen den Planeten, Duelle mit dem Lichtschwert, bizarre Kreaturen, die Musik von John Williams… keine Sorge, das ist alles da. Aber dazu gibt es noch so viel mehr. Dies ist ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk. Der beste Film des Jahres. Und (mir ist bewusst, was ich damit sage): “Die letzten Jedi” ist der beste Star-Wars-Film seit “Eine neue Hoffnung” (der für mich immer “Krieg der Sterne” heißen wird).

Weil er mit Erwartungen bricht, wo der (historisch) erste Film der Reihe noch keine voraussetzte. Weil er seine Zuschauer in ein Abenteuer zieht, das der erste Film erfunden hat. Weil er sich der Tradition des ersten Films voll bewusst ist. Weil er Star Wars buchstäblich lebt und atmet und damit rettet, und weil das mehr ist, als wir erwarten durften.

Und weil das hier im Grunde noch immer eine Geschichte um Freundschaft und Zusammenhalt ist, in der das Böse übermächtig ist, aber das Gute niemals aufgibt.