Eine Hymne auf Gary Oldman

Er spielte Sid Vicious und Lee Harvey Oswald. Er verkörperte Graf Dracula und Sirius Black. Er war Commissioner Gordon und ein halbes Dutzend Mal der Bösewicht. Und jedesmal nimmt man Gary Oldman ab, was er sagt und tut. Er übernimmt nicht nur eine Rolle – er wird zu einem anderen Charakter.

Anders als Nicholson und DeNiro wird er nicht dafür gelobt, sich selbst zu spielen. Streng genommen wird er ohnehin selten gelobt: Eine einzige Oscar-Nominierung in 30 Jahren, und gewonnen hat er den goldenen Glatzkopf nie. Das ist so unverständlich wie ungerecht. Aber das ist einer wohl gewohnt, der mit 16 sein tristes Elternhaus verlassen hat, um sich allein durchzuschlagen. Der sich selbst das Klavierspielen beigebracht hat. Der seit Jahren mit dem Alkohol kämpft, obwohl oder weil sein Vater ein Säufer war.

In Interviews hört man den Cockney-Dialekt, mit dem der Londoner aufgewachsen ist. In seinen Filmen passt er sich nicht nur optisch seinen Figuren an, er spricht auch wie sie. Oldman ist ein method actor, aber nennt es nicht so, und niemand schreibt darüber. Er macht einfach seinen Job – noch ein Erbe des Vaters.

Er hat Daniel Radcliffe das Bassspielen beigebracht. Er hat ein Konzert der White Stripes produziert. Er ist zur See gefahren. Er hat einen Schauspieler in “Friends” gespielt. Er kam ins Krankenhaus, weil er sich für “Sid and Nancy” fast zu Tode gehungert hatte.

Vermutlich ist das sein Geheimnis: Er tanzt auf der Rasierklinge. Dafür gibt’s keine Oscars. Dafür gibt’s nur Lob von Fans. “Der größte Schauspieler, der je gelebt hat”, sagt einer von ihnen, nämlich Kollege Tom Hardy. Der kann ja auch mal Recht haben.

Patriot vs. Netzschwinger 1:0

Captain America: The Winter SoldierEs dürfte eine Weile her sein, dass wir Zeuge der Geburt eines neuen Filmgenres werden durften. Aber Ende des vergangenen Jahrtausends geschah genau das: “Blade” war der Startschuss zur Etablierung der Sparte “Superheldenfilm”, und niemandem vor oder hinter der Kamera war das bewusst. Auch wir vor der Kinoleinwand ahnten es nicht.

Doch war die Blutsaugermär mit Wesley Snipes als sonnenbebrilltem “Daywalker” so erfolgreich, dass sie nicht nur zwei Fortsetzungen nach sich zog, sondern zugleich den Weg ebnete für weitere Comic-Verfilmungen. Anderthalb Jahrzehnte später reißen sich Oscar-Preisträger um Nebenrollen in einem längst etablierten Genre, das unter anderem den amerikanischen Comic-Riesen Marvel vor der Insolvenz bewahrt hat. Vor allem das “Marvel Cinematic Universe” hat sich dank cleverer Strategie und konsequenter Verzahnung als Gelddruckmaschine erwiesen: Die Avengers und ihre Nebenkriegsschauplätze haben den Konkurrenten DC und seine verzweifelten Versuche, auch in Hollywood zu punkten, souverän abgehängt (Ausnahme: Nolans “Dark Knight”-Trilogie).

Was das alles mit “The Return Of The First Avenger” und “The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro” zu tun hat? Zunächst mal erklärt es, weshalb der “deutsche” Titel des zweiten Solo-Abenteuers vom Käptn sich vom Originalnamen “Captain America: The Winter Soldier” unterscheidet. Die Kinobesucher der Republik werden von den Verleihfirmen gerne mal für dämlich gehalten – nur wo “Avenger” draufsteht, sind auch die Avengers drin. Und der Vergleich der beiden genannten Filme beweist, dass ein relativ neues Filmgenre irgendwann an den Punkt kommt, an dem nicht mehr alles super ist, auch wenn es um kostümierte Verbrecherjäger geht. (An dem Punkt waren wir dank “Elektra” und der “Fantastic Four” schon vor Jahren, aber im Kopf-an-Kopf-Rennen wird er noch deutlicher.)

Die (angebliche) Rückkehr des ersten Rächers überzeugt in allen Belangen. Wir bekommen natürlich das grandiose Action-Feuerwerk – wer glaubt, in den Trailern bereits alles gesehen zu haben, liegt komplett daneben -, aber wir sehen zudem gute Darsteller in einer spannenden Spionage-Geschichte, die auch ohne das Superhelden-Setting funktionieren würde. Das Drehbuch ist durchdacht und leistet sich kaum Hänger, die Cameos und Andeutungen liefern der Fangemeinde genug Stoff zum Diskutieren, und die Inszenierung der Russo-Brüder katapultiert uns direkt mitten ins Geschehen.

Zwei Jahre “nach New York”, also der Handlung von “The Avengers”, hat sich der aufgetaute Kriegsheld Steve Rogers (Chris Evans) einigermaßen mit der Gegenwart angefreundet. Mit Natascha “Black Widow” Romanoff (Scarlett Johansson) und anderen Agenten der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. – darunter Brock Rumlow (Frank Grillo) – bekämpft er besonders rabiate Bösewichte wie den algerischen Terroristen Batroc (Georges St. Pierre).

Auch privat scheint sich Captain America langsam einzugrooven: Sein neuer Kumpel Sam Wilson (Anthony Mackie) und erste Flirts mit der Nachbarin (Emily VanCamp) lassen ihn über die Verluste der Vergangenheit hinwegkommen. Nachdem Steve jedoch einmal mehr mit seinem Boss Nick Fury (Samuel L. Jackson) aneinandergerät und er einem Komplott innerhalb der Spionage-Organisation auf die Spur kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Kollegen werden Freunde, Kameraden werden Gegner, Freunde werden Todfeinde – und nichts ist, wie es scheint. Der gefeierte Champion wird als vermeintlicher Verräter gejagt, die Situation eskaliert, und die Geister der Vergangenheit kehren zurück. Gut, dass sich der Captain auf die Schwarze Witwe verlassen kann – und dass sein bester Bro dem Begriff “Wingman” eine völlig neue Bedeutung gibt.

Erstaunlich: Evans hat sich nicht nur ordentlich Muckies draufgeschafft, sondern offenbar auch an seinen Schauspielkünsten gearbeitet. Jedenfalls nimmt man ihm den mutigen Mann aus einer anderen Ära nicht nur in den Actionszenen ab. In den leisen Momenten gelingt es ihm, die Melancholie, die den beinharten Helden letztlich menschlich macht, glaubhaft rüberzubringen. Der restliche Cast – darunter Altmeister Robert Redford als sinistrer Geheimdienstchef – überzeugt erwartungsgemäß. Evans, Jackson und Johansson leben ihre Rollen inzwischen geradezu und zeigen, dass bei allem berechtigten Dauerlob für Robert Downeys Iron Man auch die übrigen Marvel-Charaktere adäquate Darsteller gefunden haben. Die Story wird pfeilschnell erzählt, gönnt sich aber nötige Atempausen und treibt zudem das große Ganze weiter voran. Das “Marvel Cinematic Universe” ist genau das: ein geschlossenes Universum mit eigener Dynamik, in dem nichts ohne Konsequenzen bleibt. Und so ist man nach dem Kinobesuch einerseits zufrieden mit dem Gesehenen, andererseits mal wieder heiß auf weitere Kapitel dieses überlebensgroßen Dramas.

The Amazing Spider-Man 2In diesem Universum ist Spider-Man übrigens nicht zu Hause. Die Rechte am Wandkrabbler liegen in der Hand anderer Verwalter, weswegen sich die Rächer und der Spinnenmann in absehbarer Zeit nicht auf der Leinwand über den Weg laufen werden. Den ersten Spider-Man-Film nach dem Reboot hatte ich seinerzeit euphorisch abgefeiert. Ich war froh, dass die neuen Kino-Abenteuer offenbar noch besser funktionieren als Sam Raimis Filmtrilogie. Und ich bleibe dabei: Andrew Garfield ist ein überzeugender Peter Parker. Auch die Actionsequenzen können sich nach wie vor sehen lassen, wenngleich man wegen des überbordenden CGI-Einsatzes mitunter den Eindruck hat, einen Trickfilm zu sehen.

Die Chemie zwischen Spider-Man und seiner Freundin Gwen Stacy (Emma Stone) stimmt – die beiden Schauspieler sind ja auch privat ein Paar -, das ist die große Stärke des zweiten “neuen” Netzkopf-Streifens. Leider webt Regisseur Marc Webb aus den emotionalen Szenen einerseits und den furiosen Kämpfen in New Yorks Straßenschluchten andererseits kein besonders reißfestes Netz. Spider-Man bekommt es diesmal mit gleich drei Gegnern zu tun – zumindest behauptet das die Werbung. Tatsächlich muss sich die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft fast ausschließlich mit seinem durchgeknallten Fan Max Dillon (Jamie Foxx) auseinandersetzen, der als Blitze schleudernder Electro aus kaum nachvollziehbaren Gründen zum Antagonisten wird. Ernsthaft: Hat irgendjemand verstanden, weshalb genau der vereinsamte Nerd so einen Hass auf sein einstiges Idol entwickelt? Dieser Wechsel wird eher behauptet als wirklich gezeigt. Das gilt auch für Peters Freundschaft zu Harry Osborn, den Dane DeHaan etwas zu deutlich als irren Berufssohn anlegt. Dessen Aufgabe ist es, im letzten Drittel des – übrigens viel zu langen – Films die Handlung dahin zu prügeln, wo wissende Comic-Leser sie erwarten.

Ohnehin – die Handlung… Anders als im “Marvel Cinematic Universe” dienen Anspielungen hier nur dazu, den Geeks ein paar Bröckchen hinzuwerfen. Randfiguren ohne nennenswerte Dialoge sind nach Charakteren aus den Comics benannt, ohne dass diese Handlungsstränge weitererzählt würden oder ein tatsächlicher Zusammenhang erkennbar wäre. Die Geschichte davon, was aus Peters Eltern wurde, wäre rasch erzählt, wird aber episch ausgewalzt und zum vermeintlichen Mysterium verklärt. Und wieder einmal laufen alle (Spinnen-)Fäden bei Oscorp zusammen, jenem geheimnisvollen Firmenkomplex im Herzen des Big Apple. Das macht die Story schlicht, für ein jüngeres Publikum vielleicht nachvollziehbarer, für jeden über 14 jedoch leider langweilig. Ein kurzer Dialog am Ende und ein Gang durch die erleuchteten Hallen lassen ahnen, dass die Produzenten von dieser Grundidee auch in den folgenden Filmen nicht abweichen werden.

Mein größtes Problem mit “TASM2ROE” (Abkürzungen sind großartig) ist jedoch, dass wir nur einem Puppentheater zuschauen. Nichts wird mit Leben erfüllt, keine der handelnden Personen kommt einem so nah, dass man mit ihnen fühlt oder zumindest ihre Motive versteht. Es wird erwähnt, dass Parker inzwischen als Pressefotograf jobbt, aber man bekommt die Redaktion des “Daily Bugle” nicht zu Gesicht. Zeit wird mit Hilfe des Wetters dargestellt – es fallen die Blätter, also ist wohl ein halbes Jahr vorbei. Und die beiden Bösewichte müssen sich minutenlang darüber unterhalten, dass sie Spider-Man hassen. Verständlicher wird das dadurch jedoch nicht.

Warum nur zwei Bösewichte? Weil Rhino (gespielt ausgerechnet vom kleingewachsenen Paul Giamatti) nur wenige Minuten lang zu sehen ist. Mehr Mogelpackung war selten, was allerdings zu verschmerzen ist, denn allein optisch ist der Kerl eher eine Lachnummer.

Beim nächsten Mal will ich J. Jonah Jameson sehen und Mary Jane, und ich will eine nachvollziehbare Handlung, die nicht nur dazu dient, einzelne Szenen sinnfrei miteinander zu verknüpfen. Dann bin ich bereit, den zweiten Teil als aufwändig gedrehten Ausrutscher zu verzeihen.

Bis dahin gibt es neun von zehn Metallarmen für “Captain America: The Winter Soldier” und drei von zehn Steinen am Ufer des Hudson River für den Netzkopf.

Die Musik zum Film des Lebens nimmt keine Rücksicht

Neulich war ich für eine kurze Zeit Paul Newman. Das ist erstaunlich, denn erstens ist nicht mal mehr Paul Newman Paul Newman, sondern Torf. Und zweitens war das aus mehreren sehr unterschiedlichen Gründen nicht ganz einfach.

Einer davon: Ich war ganz kurz Paul Newman, weil und obwohl ich Billard spielte. Zum zweiten Mal und entsprechend schlecht. Bis es mir gelang, gleich zweimal nacheinander jeweils eine Kugel in ein dafür vorgesehenes Loch zu befördern. (Keine Ahnung, ob es tatsächlich “Kugel” und “Loch” heißt, aber es heißt ganz sicher nicht “befördern”.) Und Paul Newman spielt ja in “The Color of Money” ebenfalls Billard, wenngleich ungleich besser.

Glücklicherweise fiel mir spontan nicht ein, welche Musik im Film zu hören ist (für Komplettisten: Eric Clapton), sondern der Soundtrack einer Szene, die nicht unwesentlich zu Paul Newmans Berühmtheit beigetragen hat: In “Butch Cassidy and the Sundance Kid” tanzt Butch quasi auf einem Fahrrad, und dazu läuft “Raindrops Keep Fallin’ on My Head”. Was irgendwie auch besser passte.

Grundsätzlich ist es so, dass man sich die musikalische Tonspur des Lebens nicht immer aussuchen kann. Sicher kann man sich darauf konzentrieren, lässig zu James Brown durch die tristen Straßen seiner Stadt zu marschieren, um sie etwas weniger trist zu machen. Aber meist füllt doch irgendein Ohrwurm die Lücke zwischen zwei Szenen und den eigenen Ohren. Muss man akzeptieren. Wichtig ist nur: Singt nicht laut mit! Kann peinlich werden, wenn man in der Schlange beim Bäcker “Fuck you – whoo-hoo-hoo” singt oder im Büro das Schlagzeug-Intro von “Live is Life”. Denn unser privater Soundtrack ist ähnlich wie der einer James-Bond-Actionszene: Er passt nicht immer zur Situation. Beweis dieser These: Bei mir läuft gerade “Happy”. Da ist es wichtig, cool zu bleiben. Wie Paul Newman.

Wer die X-Akten noch mal aufschlägt..

Akte X  und ich – das ist die Geschichte einer langen Liebe. Wir lernten uns kennen, als ich 13 Jahre alt war und anfangs nur gemeinsam mit meiner Mutter “Mystery” auf ProSieben gucken durfte. Ich schaute damals etwa die ersten fünf Staffeln und verlor dann den Faden. Eventuell kam mir tatsächlich die Pubertät oder das wahre Leben dazwischen. Das Ende der Serie sah ich nie. Ich bekam mit, dass David Duchovny irgendwann wohl nicht mehr dabei war, dass da jemand Neues war. Wer, keine Ahnung. Dann interessierte es mich nicht mehr. Die unglaubliche Chemie zwischen Mulder und Scully war mir tatsächlich zu speziell, um sie einem anderen Schauspieler zu opfern. Dann war die Serie zu Ende, ich entdeckte neue Hobbies und scherte mich nicht mehr um die Serie. Olle Kamelle eben. 2008 kam dann der zweite Film – für mich völlig unverhofft, aus dem Nichts. Nichtsahnend ging ich ins Kino, erfuhr von einem vermeintlichen Sohn von Mulder und Scully, und ich wunderte mich. Ein Sohn? Das hatte ich wohl nicht mitbekommen. Interessant. Abgesehen davon, dass der Film wirklich mau war und das Beste daran sicherlich die Szene von Duchovny im Abspann mit roter Speedo-Badehose und das Lied zum Film – “Broken” – von Unkle. Meine Leidenschaft war damals dennoch wieder geweckt. Ich kaufte mir innerhalb weniger Wochen alle neun Staffeln und schaute sie nacheinander durch – wie gesagt innerhalb weniger Wochen. Dann verstaubten sie wieder. Bis Dezember letzten Jahres. Trotz Vollzeitberufstätigkeit schaffte ich es bis jetzt ans Ende der fünften Staffel und habe auch den Film erneut gesehen. Folgendes bleibt festzuhalten:

1.) Es sind immer noch die gleichen Folgen wie vor 20 Jahren, die mich fesseln und die ich immer wieder gucken könnte. Faszinierend, wenn man bedenkt, dass es in meinem Fall nicht die Folgen sind, an die man sich aufgrund ihrer Brisanz für die ganze Serie erinnern müsste. Einige Highlights aus Staffel 1: die Folgen Ice/Eis, Eve/Eve, Beyond the sea/Die Botschaft, Darkness Falls/Der Kokon. Ich konnte mich noch vor dem Gucken an fast jede Szene erinnern, so intensiv habe ich schon damals Akte X geschaut.

2.) Verblüffend ist immer noch das Gebilde Mulder – Scully. Dass sie kommt, um seine Arbeit zu entkräften: geschenkt. Dass er aber überhaupt nicht misstrauisch ist, sie sofort in seine Arbeit integriert, als würde er seit Jahren nichts anderes machen, das ist mindestens verblüffend. In jeder anderen Serie wäre vermutlich eine halbe Staffel lang thematisiert worden, wer wem Böses will, wie intrigiert und wieso überhaupt eine Frau wie Scully zu den X-Akten muss. Das spielte hier aber nie eine Rolle, stand offenbar auch nie auf Chris Carters Agenda. Dennoch wundert es mich beim dritten Bingewatch der Serie doch enorm, dass dieses Thema ausgespart wird. Die beiden sind sofort eine Einheit – und das ist, siehe das Wort zum Eingang – zumindest verblüffend.

3.) Erstaunt war ich auch, als mir noch einmal klar wurde, dass der erste Film zwischen der vierten und fünften Staffel gedreht wurde, aber zeitlich nach der fünften Staffel spielt. Da ging mir erst auf, wie weit im Voraus Carter diese Serie konzipiert hat, wie weit seine Ideen reichten und wenig Spielraum es gegeben haben muss, um spontan einfach mal was anderes zu machen. Der erste Film ist besser, als ich es in Erinnerung hatte. Er ist besser als der zweite Film und besser als sein Ruf. Er lässt bei mir einige Fragen offen, unter anderem diese, wieso sich Mulder und Scully aus dem Nichts in einem Flur küssen sollten. Das gibt weder emotional noch logisch einen Sinn. Auch wenn sich bei Scully in der letzten Folge der fünften Staffel andeutet, dass ihr gerade irgendwelche Gefühle für Mulder klar werden, ist diese Szene unpassend und sie wäre unnötig gewesen. Obwohl sie den Fans natürlich eines der besten Outtakes überhaupt gebracht hat. Dieses hier:

Weiterhin stellt sich mir die Frage, wo denn jetzt so plötzlich noch ein weiteres Alien-Virus herkommt. Schwarzes Öl/Schwarzer Krebs gab es vorher, doch was ist das nun? Das gleiche Gift, nur mutiert? Oder doch was anderes? Hier wird man – ebenso was die Anhörungen beim FBI angeht – zu oft im Dunkeln gelassen und muss zu viel schlussfolgern.

Am Ende bleibt aber die Erkenntnis, dass Akte X Vorreiter für ganz viele andere Serien war. Vieles, was wir heute sehen, gab es damals schon. Verschwörungen, Syndikate, Machtspielchen (Homeland, House of Cards). Zombies, Monster, Paranormales, Kriminaltechnik (CSI, Walking Dead und viele mehr), FBI-Agenten (Fringe) und soooo vieles mehr. Eventuell weiß Chris Carter gar nicht, was er da eigentlich abgeliefert hat.

Fazit: Wer sich die Serie noch nicht komplett angesehen hat, sollte es tun. Es gibt schon recht günstige DVD-Angebote (alle Staffeln für 90 Euro beispielsweise). Was fehlt, ist eine Veröffentlichung der Serie auf BluRay und damit eine Anpassung der ersten vier Staffeln auf 16:9-Format. Ja, so alt sind die X-Files leider schon. Aber bis dahin tun es auch die DVDs.

Abspieltipps: Eve, Totenstille, Das Nest/Ein neues Nest, Fett, Leonard Betts. Erstaunlich schwach ist übrigens die fünfte Staffel. Hier kann man getrost ein paar Folgen überspringen.

Die merkwürdigsten Trickserien

1.) SpongeBob

SpongeBob (in unseren Breitengraden mit dem wenig sinnigen Nachnamen “Schwammkopf” versehen) ist ein Schwamm. Ein Schwamm. Keiner zum Waschen oder zur Fliesenreinigung, sondern ein lebender, der kurze Hosen und eine Krawatte trägt. Eine Krawatte. Sein bester Freund ist ein debiler Seestern, sein Haustier eine miauende Schnecke, und sein Gegner ist Plankton. Plankton. Ab und zu tauchen noch der fliegende Holländer, die abgehalfterten Superhelden Meerjungfraumann und Blaubarschbube sowie ein Grauhörnchen in einem Raumanzug auf. In einem Raumanzug.

Ernsthaft: Wie lange muss man am Meeresgrund bleiben, bis einem so etwas einfällt? Und für wen sind die Geschichten aus Bikini Bottom gedacht? Etwa für Kinder? Die Schnecke macht “Miau”, verdammt noch mal! Miau!

2.) CatDog

Schon beim Betrachten der Hauptfigur/en stellt sich die erste Frage. “Warum?” Wer die Serie nicht kennt, kann sich hier eingucken:

Ernsthaft: am Rumpf zusammengewachsene Vorderteile eines Hundes und einer Katze? Warum? Das Rätsel löst sich auch nicht durch die vermeintlich pfiffige Dramaturgie, dass Kätzchen Cat klug und pessimistisch ist, während Hündchen Dog dämlich, dafür aber deutlich fröhlicher ist. Diese durchaus vermeintlich gar nicht so pfiffige Dramaturgie erschöpft sich ungefähr nach den ersten drei Minuten der ersten Folge. In diesen ersten drei Minuten der ersten Folge, die man sieht, der nicht pfiffigen Dramaturgie zu folgen, wird übrigens dadurch massiv erschwert, dass man sich stattdessen die ganze Zeit fragt, wie es sich anfühlt, am Bauch mit einem anderen Menschen/Tier/Etwas zusammengewachsen zu sein und je nach Bedarf rückwärts laufen zu müssen, weil der andere gerade die Richtung vorgibt. Hier wird es dann philosophisch, weil zwangsläufig die Frage aufkommt, ob das nicht doch auch was mit dem echten Leben zu tun hat.

Doch spätestens wenn Rancid Rabbit (ein Hase, der immer einen blauen Anzug trägt, ein grünes Gesicht hat und auch schon mal als Präsident der USA auftritt), Lola Caricola (eine mexikanische Wissenschaftlerin, deren Haupt stets ein weißer Hut ziert), Mervis und Dunglap (Schwein und Ratte, beste Freunde, aber streiten sich eigentlich permanent), Eddy (ein hyperaktives Eichhörnchen mit einem abgebrochenen Schwanz, welches sich „der Pulverisierer“ nennt) und Sunshine (ein grüner, mürrischer Außerirdischer) ins Bild kommen, sind alle Fragen pulverisiert.

Unfassbar: Es gibt sagenhafte 66 Folgen dieser Serie, die alle anatomischen, philosophischen, psychologischen und tierischen Fragen aufwirft, die man sich nur vorstellen kann, aber keine einzige beantwortet. Geht es hier um siamesische Zwillinge? Soll das Gesellschaftskritik sein? Wie fühlt es sich an, so ohne Darmausgang? Wie funktioniert dann Verdauung? Möchte ich überhaupt verdauen, wenn an meinem anderen Ende ein Kopf angewachsen ist? Bis heute ist nicht klar, was uns diese Serie eigentlich sagen möchte.

3.) Die Simpsons

Man darf nichts gegen die Simpsons sagen, dann ist man nämlich “raus”. Sogar “sowas von raus”. Denn die Simpsons waren schon immer, quasi seit Anbeginn der Zeit. Über den ständig geänderten Vorspann der Serienfolgen wurden mutmaßlich Magisterarbeiten geschrieben, erwiesen ist zumindest, dass er bereits von namhaften Regisseuren inszeniert wurde. Eine ganze Weile galt es unter prominenten Kulturschaffenden und erfundenden Charakterene als große Ehre, in einer Nebenrolle aufzutauchen. Und so waren sie alle mal dabei, von Elvis Costello über die Ramones bis zu Mulder und Scully. Und Bart wird niemals älter…

Aber warum im Namen der Gründerväter von Springfield sind die alle GELB?!

4.) Doctor Snuggles

Gegen den promovierten Hauptdarsteller dieser britisch-niederländischen (!) Serie aus den späten 70ern verblassen sämtliche anderen fiktiven Doktoren der Weltgeschichte, von Faust bis Who. Denn sämtliche Gegenstände, Gebäude, Fahrzeuge und Pflanzen haben dort, wo der Doc haust, nicht nur Namen, sondern können meist auch sprechen. Bei Dachs Dennis kann man als fabelgestählter Zuschauer damit noch ganz gut umgehen. Beim “ängstlichen Fluss” sieht die Sache schon anders aus.

Eine bunte Welt ist das, durch die Snuggles (Experten sagen übrigens “Schnaggels”) auf seinem Schirmchen Jefferson hüpft. Bisweilen ein bisschen zu bunt. Vielleicht haben die Produzenten zuviel starken Tee und selbstgedrehte Rauchwaren konsumiert. Woher kommt die Serie nochmal? Ach ja…

5.) One Piece

Monkey D. Ruffy ist beweglich wie Gummi, möchte ein Pirat sein und hat sich deshalb fast absichtlich ein Auge ausgestochen, wovon eine Narbe im Gesicht herrührt. Gemeinsam mit der Strohhutbande, der unter anderem ein grünhaariger Schwertkämpfer, eine Mischung aus Teddybär und Elch sowie ein Skelett mit der Frisur von Paul Breitner angehören, schippert er über ein riesiges Binnenmeer und sucht einen Schatz. Noch Fragen?

Willkommen in der Welt der Animes. Man muss schon eine große Portion für fernöstliche Fantasiegeschichten der Neuzeit mitbringen, um sich an Bord von “One Piece” zu wagen. Und selbst dann gibt’s nicht viel mehr zu sehen als eine lieblos gezeichnete und schlecht animierte Seeräubermär, unnötig kompliziert erzählt und nur für hartgesottene Trickfilmfans und/oder durchschnittliche Zwölfjährige. Wer nur mal beim Zappen hängenbleibt, hält die Sache mit dem Auge plötzlich für gar keine schlechte Idee.

Der Lanz, der kann’s (glaubt er)

Es ist einfach, Markus Lanz nicht zu mögen. Er ist schlicht ein derart unterirdischer Moderator, dass die Frage gestattet sein muss, womit zahlende Zuschauer der Öffentlich-Rechtlichen es verdient haben, durch an ihn verschwendete Sendezeit beleidigt zu werden.

Lanz als Talker: Seit 2008 herrscht Markus Lanz über eine nach ihm benannte Talkshow im ZDF. Er selbst missversteht das Format als Personality-Show, in der es darum geht, sich selbst als Allround-Talent zu präsentieren. (Er spricht von seinem “Wohnzimmer”.) Denn dass er die wahre Wundertüte unter den Dauergrinsern auf bundesrepublikanischen Bildschirmen ist – daran hat der Südtiroler keine Zweifel. Die Gestik so smart wie die sorgfältig gegelte Frisur, tausendfach vor dem Spiegel einstudierte Floskeln ohne Inhalt – so gleitet Lanz geschmeidig an Gästen und Inhalt seiner Sendung vorbei. Beides sind ja allenfalls Störfaktoren im routinierten Ablauf der Selbstbeweihräucherung des Herrn Lanz. “Lasst uns nicht…” ist seine liebste Formulierung. Sie dient dazu, Ecken und Kanten abzurunden, auf dass die Störenfriede in der trauten Runde (also sämtliche Eingeladenen) gar nicht erst auf den Gedanken kommen, ihre Sätze zu beenden oder gar einen klaren Gedanken zu fassen. Stichwortgeber sind sie. Besser: Stichwortwiederholer. Hier hat der Gastgeber ganz klar Hausrecht, zudem das Sagen und immer das Wort. Es geht um müffelnde Herrenwitze, um karnevalistisch vorgetragene 80er-Jahre-Sprüche und natürlich um Markus Lanz.

Lanz als Showmaster: Die “verdammten Klickzahlen” sind Schuld, da ist Lanz (ganz Experte für derartige, in seinem Mikrokosmos moderne Fragen) sicher. Klar: All die Twitterer und Blogger, die sich längst einen Spaß daraus machen, das jüngste “Wetten, dass..?”-Fiasko genüsslich zu sezieren, machen das im Namen der Zugriffszahl. Mit den Problemen, die den letzten Showdampfer des Zweiten nicht erst seit Gottschalks Flucht in Richtung Eisberg treiben, hat der vermeintliche Dauer-Shitstorm selbstverständlich nichts zu tun. Mittlerweile ist der sonst so lässige Lanz durchaus genervt: “Wir müssen hier mit einer gewissen Ernsthaftigkeit zur Sache gehen!” Fast verzweifelt kämpft sich der ewige Sonnyboy durch seine zur Pflichterfüllung versteinerte Aufgabe. Dabei meint er es doch nur gut: Eiswürfel in die Hose der seltenen Gäste aus Übersee, mit gutem Willen als “klassisch” zu interpretierende Wetten und konfuse Co-Moderatorinnen, dazu peinliche Phrasen und “Interview”-Fragen, die Tommys Ehrung durch die Gesellschaft für deutsche Sprache im Nachhinein fast gerechtfertigt erscheinen lässt – all das macht Moderator Markus einzig, um sein Publikum zu unterhalten. Doof nur, dass das allenfalls unfreiwillig unterhalten wird. Noch blöder, dass dies immer öfter bei der Lektüre der Kritiken passiert.

Lanz als Musiker: “1995 veröffentlichte er aus Protest gegen die französischen Kernwaffentests auf Mururoa gemeinsam mit Marzel Becker und Stephan Heller unter dem Namen Le camembert radioactif die Single F… ! Chirac.” So steht es in der Wikipedia. Und damit dürfte alles gesagt sein.

Es ist eben leicht, Lanz nicht leiden zu können. Und schwierig zugleich: “Die meisten, die ihn nicht mögen, sind neidisch auf die Frauen, die ihn bewundern”, lautet ein Gegenargument. Dazu nur drei Worte: Birgit Schrowange – ernsthaft?

Die fünfeinhalb beschissensten Filme aller Zeiten

Sie erscheinen mit quälender Regelmäßigkeit: Listen der besten oder schlechtesten Filme, Alben, Bücher, wasauchimmer aller Zeiten. Ich lese sowas ganz gern, störe mich aber an dem, woran sich jeder stören sollte – an der Formulierung “aller Zeiten”. Diese sagt nämlich aus, dass auch in Zukunft nichts und niemand an der Zusammensetzung dieser Auflistungen rütteln darf. Und wird schon allein dadurch widerlegt, dass jeder Autor eine eigene Liste veröffentlicht und jede Publikation wie erwähnt immer und immer wieder auf die prickelnde Idee kommt, ihren Lesern ähnliches aufzudrängen.

Das ganze Konzept ist derart fragwürdig, dass ich einfach mitmachen muss. Natürlich ganz anders und viel besser, vor allem rein subjektiv. Und meine Liste der beschissensten Filme aller Zeiten ersetzt nicht nur das brave Adjektiv “schlecht” durch seinen ehrlicheren Bruder “beschissen”, sondern meint auch das “aller Zeiten” schlimmstenfalls ironisch. Meine Liste umfasst zudem nicht 200, 100 oder 50 Filme, nicht mal zehn. Fünfeinhalb sind’s, die mir nicht mit auf die einsame Insel kommen. (Oder mich gegebenenfalls dazu bringen, in Rekordzeit zum Festland zu schwimmen.)

Alles klar soweit? Dann anschnallen und Popcorn wegpacken – es geht los:

5. “Jagd auf Roter Oktober” (1990): Dreimal habe ich das Kino verlassen, ehe der Film fertig war. Einmal musste ich meine Mitfahrgelegenheit kriegen (was mir nicht gelungen ist), also durfte Nick Nolte sich ohne mich gegen Robert DeNiro wehren. Einmal bin ich lieber zurück zu einem Straßenfest gegangen, und David Lynch hatte nicht genug zu bieten, um mich im Kinosaal zu halten. Und einmal dachte ich: “Es gibt so viele interessantere Dinge, die ich nun tun könnte. Farbe beim Trocknen zusehen. Lexika aus Buchstabennudeln legen. Oder schlafen.” Der Film, den ich seinerzeit nicht bis zum Ende ansehen konnte, weil sonst mein Kopf vor lauter Langeweile geplatzt wäre, war “Jagd auf Roter Oktober”. Nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts an diesem angeblichen Polit-Thriller ist auch nur annähernd interessant. Die Geschichte ist in zwei Sätzen erzählt. Der durchaus respektable Cast läuft auf Autopilot. Und minutenlang passiert genau gar nichts. Kaum zu fassen, dass Regisseur John McTiernan uns “Der 13te Krieger”, “Predator” und die ersten beiden Teile von “Stirb langsam” geschenkt hat. Und das ist eine geniale Überleitung zu

4. “Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben” (2013): Diesen Film wollte ich mögen. Ich habe all die Unkenrufe aus Bloghausen und meinem Freundeskreis ignoriert. Denn John McLane ist einer der großen Helden meiner Jugend. Die Paraderolle für Bruce Willis. Der problembeladene, aber gute Kerl, der in ausweglose Situationen gerät, doch sich mit Knarre, Köpfchen und Kalauern wieder herauskämpft, um am Ende als zäher Held den Tag zu retten. Ich bin so sehr Fan, dass ich sogar den viel gescholtenen vierten Teil mag. Außerdem war der Tag des Kinobesuchs ein wirklich netter: Ich war mit einer ganzen Horde von Freunden unterwegs, die Stimmung war gut. Doch leider hat mich dieser Film noch lange Zeit später beschäftigt. Was ärgerlich ist, allerdings weniger unnötig, als ich mir seither einrede. Denn eigentlich gibt es Diskussionsbedarf. Nehmen wir einfach mal hin, dass die aufgesetzte Vater-Sohn-Geschichte eher behauptet als gezeigt wird. Akzeptieren wir ruhig, dass sich echte amerikanische Action-Veteranen nicht von tödlicher Strahlung beeindrucken lassen, sondern lässig zum Deospray greifen, um sie auszulöschen. Und lassen wir meinetwegen die eher kostengünstigen CGI-Effekte außer Acht, die aussehen wie in den späten 90ern und zu keinem Zeitpunkt realistisch wirken. Aber verdammt: Wie erwähnt ist der Witz an John McLane, dass er eher unfreiwillig in brenzlige Situationen gerät. Er fährt nicht als Ein-Mann-Armee nach Russland, um seinen (zuvor quasi nie gezeigten) Sohn zu befreien, der praktischerweise Spezialagent ist. Da hilft es auch nicht, dass der olle Bruce immer wieder betont, er mache doch nur Urlaub: Dieser Billigstreifen hat nicht das Geringste mit “Stirb langsam” zu tun – abgesehen vom Titel, der des lieben Geldes wegen gewählt wurde.

3. “Savages” (2012): Ihr habt ein Faible für Oliver Stone, weil euch “Platoon” oder “Wall Street” gefallen haben? Ihr hofft, die durchaus brutale Geschichte um Sex, Drogen und Gewalt sei ähnlich virtuos inszeniert wie “Natural Born Killers”? Vergesst es. Der einstige Altmeister versucht sich verzweifelt an der hektischen Optik von Tony Scott, hat seine Darsteller (die sich meist selbst spielen) zu keinem Zeitpunkt im Griff und entgeistert am Schluss noch mit einem der billigsten Twists der Filmgeschichte. Jedes weitere Wort wäre zuviel. Das gilt im Grunde auch für

2. “Batman & Robin” (1997): Andererseits weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll… Nachdem es dem damals noch kreativen Tim Burton Ende der 80er gelungen war, den flatternden Comichelden düster und cool auf die Leinwand zu zaubern, hat Joel Schumacher derart viel falsch gemacht, dass er das Franchise für mehr als ein Jahrzehnt komplett verbrannt hat. In einer bonbonfarbenen Pappkulisse turnt ein desinteressierter George Clooney im dunkelblauen Hasenkostüm herum und klopft launige Sprüche. Dann und wann geraten er und sein extrem nerviger Sidekick Chris “Robin” O’Donnell in eigenartige Ballettsequenzen und mit dem unfassbare Oneliner stammelnden Arnold “Fehlbesetzung” Schwarzenegger aneinander. Das Ganze ist derart grotesk, dass es wie eine Parodie wirkt. Das Problem: Es soll keine sein. Die meinen das ernst. Mögen sie in der Hölle schmoren. Wo sie mit Sicherheit auf ewig folgenden Film gucken müssen:

1. “Highlander II – Die Rückkehr” (1990): Sorry, Leute, aber ich habe geschworen, die Existenz dieses Machwerks einfach zu ignorieren. Daher nur zwei kurze Anmerkungen: Wer meinen absoluten Lieblingsfilm mit einer derart dreist verkackten Fortsetzung besudelt, ist mein Feind. Und: Es kann nur einen geben.

Kommen wir zum Bonus, dem Film, der nicht beschissen genug ist, um vollständig in den Top Five zu landen, aber immerhin zur Hälfte so grottig, dass er zumindest erwähnt werden muss: “The Dark Knight” (2008). Das Gute an diesem Streifen ist, dass es sich um eine ernstzunehmende Batman-Verfilmung handelt und Heath Ledger sich mit seiner Darstellung des Jokers unsterblich gemacht hat. Das Schlechte: Christopher Nolan, definitiv einer der meistüberschätzten Regisseure der Gegenwart, hat ihn inszeniert. Und der Mann kann einfach nichts. Die Action ist lahm, die Dialoge fade, die Stimmung trist statt düster, alles ist viel zu langatmig, von Spannung keine Spur, dazu die gigantischen Logiklöcher, für die der Mann längst bekannt ist. Taugt allenfalls als Bindeglied zwischen dem überraschend guten Vorgänger und dem versöhnlich sauberen Abschluss der Trilogie. Für einen Nolan-Hasser wie mich ist das fast ein Lob. Aber eben nur fast.

Pfadfinder im Anflug: “Man Of Steel”

Man Of SteelDer Mann aus Stahl hat’s nicht leicht: Selten wurde ein Film bereits lange vor dem Start mit derart viel Häme überschüttet. Die galt Regisseur Zack Snyder, Produzent Christopher Nolan und Drehbuchautor David S. Goyer, aber auch sämtlichen Schauspielern und vor allem der Grundidee als solcher.

Denn Superman war immer der perfekt frisierte Pfadfinder im blauen Strampelanzug – selbst in der quietschbunten Welt der DC-Comics (die sich vom Konkurrenten Marvel seit jeher durch ein Mehr an Capes und ein Weniger an Sozialkritik unterscheidet) fiel dieser Kerl allzu oft negativ auf. Weil er der positivste Comicheld aller Zeiten ist: Nichts erschüttert seinen Glauben an das Gute, die Menschheit und die Pfannkuchen seiner Adoptivmutter. Während Batman längst den dunklen Ritter gab (und immer noch ein bisschen mehr Waisenknabe war als Kryptons letzter Sohn) und neuere Kollegen wie Black Lightning oder der Creeper als Straßenkämpfer oder Antihelden daherkamen, flog der Mann mit dem Faible für außengetragene Unterhosen mal eben lässig in Lichtgeschwindigkeit um die Erde, verprügelte Bösewichter mit einem Fingerschnippen oder half alten Damen über die Straße. Wie also lässt sich die Geschichte dieses tugendhaften Tausendsassas spannend erzählen?

Hielt sich Richard Donner 1978 noch sklavisch an die Comicvorlage, waren Supies Fernsehabenteuer mal als Screwball-Komödie (“Die Abenteuer von Lois & Clark”), mal als Teenie-Drama (“Smallville”) angelegt. Interessante Ansätze, schmales Budget – ganz anders als bei der Einschlafhilfe “Superman Returns” (2006), dem bislang letzten Versuch, den Urvater aller kostümierten Verbrecherjäger auf die große Leinwand zu bringen.

Snyder geht nun einen anderen Weg: Sein “Man Of Steel” kommt düsterer daher, abgesehen von der phantastischen Rahmenhandlung sogar relativ realistisch. Ausführlich wird die Herkunft des Superbuben erzählt. Snyder lässt uns eintauchen in eine bizarre Welt – sein Kal-El ist eben ein Fremder, ein außerirdisches Wesen vom Planeten Krypton, Mensch geworden nur durch die Erziehung seiner Adoptiveltern und seine Suche nach sich selbst. Und nachdem sein leiblicher Daddy (ein souveräner Russell Crowe als kampferprobter Wissenschaftler) ihn als Neugeborenes auf unseren Planeten geschickt hat, wird die Kindheit des späteren Helden mitnichten so behütet und wohlsortiert dargestellt wie gewohnt. Ma und Pa Kent (Diane Lane und Kevin Costner) meinen es etwas zu gut mit ihrem fremdartigen Findelkind. Der kleine Clark bleibt ein Außenseiter, ohne tatsächlichen Kontakt zu Mitschülern oder anderen Menschen. Erst als Erwachsener (Henry Cavill) lernt er seine unfreiwillige Heimat kennen, deren Bewohner und das Leben. Und als nach einem überraschend langen Intro die patente Pulitzerpreisträgerin Lois Lane (kompetent, aber fehlbesetzt: Amy Adams) und weitere Kryptonier (unter der Führung von Michael Shannon als faschistoidem General) hineintreten, beginnt eine Abfolge von Actionszenen, die ihresgleichen suchen.

Snyder und Nolan setzen ja gern mal mehr auf atemberaubende Bilder als auf Logik. Und so darf Superman im Kampf gegen die finsteren Invasoren halb Metropolis in Schutt und Asche legen. (Nicht gerade der perfekte Start in eine Karriere als unfehlbarer Champion…)

An manchen Stellen bricht der Plot also mit dem Mythos – und meist ist das sogar sinnvoll. Zudem gibt es für Geeks einiges zu diskutieren: Sind die wichtigsten Nebenfiguren dabei? (Sind sie – bis auf Jimmy Olsen.) Ist Laurence Fishburne geeignet für die Rolle des Perry White? (Ist er – wer an dieser Stelle rassistische Gründe anführt, verpisst sich gefälligst von unserem Blog.) Gibt es Hinweise auf die geplanten Fortsetzungen? (Gibt es – aber hier keine Spoiler.) Und taucht Supermans Erzfeind Lex Luthor auf? (Nein. Aber… – naja, hier keine Spoiler.)

Die wichtigste Frage: Ist “Man Of Steel” der erhoffte Action-Blockbuster des Sommers? Das ist er definitiv. Groß, laut, teuer, sehr amerikanisch. Jetzt sollte DC versuchen, Marvels gigantischen Vorsprung im Kino aufzuholen. Vielleicht klappt das ja, indem jemand mit Lichtgeschwindigkeit um den Planeten fliegt…

Macht saubere acht von zehn Fensterglasbrillen für angehende Starreporter.

Atemlos im All: “Star Trek Into Darkness”

Star Trek Into DarknessIch liebe Kino. Genauer: Ich liebe Hollywood-Kino. Die große Leinwand ist gemacht für spannende Geschichten, packende Bilder, epische Musik – sie ist gemacht für Filme wie “Star Trek Into Darkness”.

Als J.J. Abrams vor vier Jahren antrat, dem recht würdelos verendeten Star Trek-Franchise neues Leben einzuhauchen, spitzten viele Fans skeptisch die angeklebten Ohren. Mindestens ebenso viele waren allerdings beruhigt bis begeistert, nachdem sie das modernisierte, aber eigentlich erste Abenteuer des Raumschiffs Enterprise gesehen hatten. Abrams war das Kunststück gelungen, Neustart und Nacherzählung zugleich abzuliefern, dazu behandelte er die Tradition mit Respekt, hatte altgediente Anhänger ebenso im Blick wie den interessierten Nachwuchs. Sein “Star Trek” war einer der besten Filme der Reihe, in die er streng genommen gar nicht gehört.

Nun endlich setzt er die Story um Captain James T. Kirk (Chris Pine) und seine Crew, allen voran den logikgetriebenen Halb-Vulkanier Spock (Zachary Quinto), fort. Und um es vorwegzunehmen: Wieder hat er alles richtig gemacht.

Einmal mehr müssen sich der rauflustige Weltraum-Cowboy und seine Mannschaft mit der Bürokratie der Sternenflotte und einem scheinbar übermächtigen Gegner herumschlagen. Dieser heiße John Harrison (großartig: Benedict Cumberbatch) und sei ein ehemaliger Agent, erfährt die Besatzung der Enterprise – noch dazu intellektuell und körperlich seinen Kontrahenten überlegen. Um ihn auszuschalten – und Rache für den Tod eines alten Freundes zu nehmen -, ist Kirk zunächst jedes Mittel recht. Was ihn nicht nur in erneute Konflikte mit seinem ersten Offizier bringt, sondern vor allem moralische Fragen aufwirft.

Denn bei aller Action: Den optimistischen, mitunter allerdings etwas moralinsauren Grundtenor von Gene Roddenberrys Sternensaga behält der zwölfte Kinostreifen stets bei. Jedoch nimmt sich Abrams die Freiheit, ihn zu hinterfragen. Und so geht es zwischen dramatischer Spannung und perfekt inszeniertem Spezialeffekte-Gewitter immer auch um große Themen wie Pflicht und Freundschaft, Verantwortung und Tod.

Allein im Prolog passiert so viel, dass es für einen ganzen Film gereicht hätte. Und das ist nur der Auftakt zu einer Odyssee im All, auf fremden und bekannten Planeten, die ihresgleichen sucht und in diesem Jahr vermutlich von keinem anderen Blockbuster überboten werden kann. Die erstklassig zusammengestellten Schauspieler – unter ihnen “Scotty” Simon Pegg als Comedy-Element und “Pille” Karl Urban als Stimme der Vernunft – sind bei ihrem zweiten Einsatz für die Sternenflotte perfekt eingespielt. Jeder bekommt seine große Szene, die den Charakter mit seinen Eigenschaften auf den Punkt bringt. Vor allem Quinto darf zeigen, dass man das vermeintlich so kontrollierte Spitzohr niemals unterschätzen sollte. Sein Spock ist eben zur Hälfte ein durchaus überlegener Außerirdischer. Er folgt den strengen, für Menschen oft nicht nachvollziehbaren Regeln seines Volkes und ist doch innerlich zerrissen, wenn seine humanoide Seite mühsam unterdrückte Emotionen hervorbrechen lässt.

Die Darsteller sind sehr gut – doch “Sherlock” Cumberbatch spielt sie fast an die Wand. Bedrohlicher war ein Filmbösewicht selten, der Brite gibt den Düstermann als souveränen Satan, der die Fäden bis zum Schluss in der Hand behält.

Dazu wimmelt es vor mal mehr, mal weniger subtilen Referenzen an alte Star-Trek-Serienfolgen und -Kinofilme. Bleibt zu hoffen, dass Abrams uns nicht wieder vier Jahre auf eine Fortsetzung warten lässt. (Übrigens: Der Mann kann auch Star Wars – daran besteht nun kein Zweifel mehr.)

Kurz: Wäre ich nicht seit 30 Jahren Trekkie – ich wäre es jetzt.

Macht völlig verdiente zehn von zehn grimmig guckenden Kohlkopf-Aliens.

Nachklapp zum Finale von “The Biggest Loser”

Wenn es eine Trash-Sendung im deutschen Fernsehen gibt, die ich gerne und nachhaltig und immer wieder gucke, dann ist es The Biggest Loser. Zuerst auf ProSieben mit Kati Witt, dann auf Kabel1 mit Regina Halmich und nun mit Christine Theiss als Moderatorin. Warum ich die Sendung so gerne mag, zeigt die diesjährige Staffel ganz besonders. Bernhard, Kandidat in Team Orange, hat die größte Verwandlung hingelegt, und das nicht nur optisch. Aus ihm ist wirklich ein neuer Mensch geworden. Diese Verwandlung zu beobachten, irgendwie Teil davon zu sein, das macht die Sendung für mich so besonders. Natürlich spornen mich die Anstrengungen und Mühen der Kandidaten auch selbst an, mehr Sport zu treiben. Vielleicht ist diese Sendung deshalb etwas Besonderes für mich.

Am 8. Mai wurde nun das Finale ausgestrahlt und wie schon vergangenes Jahr ließ diese Finalshow mal wieder einige Wünsche offen.

1.) Der Moderator neben Christine Theiss

Wer ist dieser Mann? Muss man Matthias Killing kennen? Wieso tut er so, als würde er alle Kandidaten schon ewig kennen, als wäre er im Camp dabei gewesen und als wäre er ein Freund? Dass Christine Theiss so eine Sendung nicht allein moderieren kann, dürfte klar sein, aber die Lösung, die Sat1 bisher gefunden hat, ist keine. Der Mann wirkt unauthentisch und unmotiviert. Schön, wie er beim Finale zu einem der Kandidaten irgendwann sagte: “Wir kennen uns ja nicht!” So ist es. Auch die Kandidaten schienen es mitunter befremdlich zu finden, wie der Moderator auf sie zugegangen ist. Für das nächste Jahr wünsche ich mir eine andere, bessere Lösung.

2.) Die Preise für die Zweit- und Drittplatzierten

Gutscheine für ein Fitness-Studio? Im Ernst, Sat1? Schon klar, Product Placement. Und FitnessFirst ist euer Sponsor. Und dass man die noch mal in Szene setzen muss, ist verständlich. Aber mal wirklich, ganz im Ernst: Was sollen Menschen, die gerade innerhalb von sechs Monaten einen Großteil ihres Gewichts durch Ernährungsumstellung und Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio verloren haben, mit einem Gutschein für ein Fitness-Studio? Dass hier FitnessFirst so dämlich ins Bild kommen muss, empfinde ich persönlich als größte Lächerlichkeit dieses Finales. Das dürfte doch auch dem Sponsor nicht recht sein.

3.) Der Nicht-Überraschungseffekt

Letztes Jahr erfuhren wir bei der Aufzeichnung des Finales (welche übrigens eine Geschichte aus der Hölle war, aber das nur am Rande), dass die Kandidaten schon vor der Aufzeichnung des Finales gewogen werden – alle. Nur so kann natürlich garantiert werden, dass es noch einen Überraschungseffekt für den Zuschauer gibt. Nur so kann natürlich garantiert werden, dass Denise gaaaanz lange auf der Couch sitzt und auf die Reise hoffen darf und dann – oh Wunder – im ALLERLETZTEN Moment Bahar ihr diese Reise noch “klaut”. Welch Überraschung! Nicht! So war es schon letztes Jahr und so ist es extrem vorhersehbar. Ich will: mehr Überraschung, mehr Unvorhergesehenes und weniger eine komplett durchgeplante Sendung mit Kandidaten, die sich vorher schon alle gesehen haben und gewogen wurden.

An dieser Stelle muss man mal Christine Theiss hervorheben, die keinen der Kandidaten sehen will, bevor sie auf die Bühne kommen – nur so ist ja auch ein Überraschungseffekt möglich. Alles andere ist minutiös geplant und alles, aber keine Überraschung. Dementsprechend authentisch ist Christines Reaktion auf die Kandidaten – das einzig Authentische an diesem Abend.

Auch die drei Finalisten werden natürlich so gewogen, dass vor dem letzten Kandidaten auch rein optisch noch nicht klar ist, wer gewonnen hat. Gähn! Kann aber doch sein, dass schon der Erste das Rennen macht. Nein?!

4.) Der Termin der Aufzeichnung

Das war doch 2012 deutlich besser gelöst. Damals wurde das Finale eine Woche vor der Ausstrahlung aufgezeichnet. Die Kandidaten hatten so nicht nur knapp zwei Monate länger Zeit, abzuspecken und für einen wirklichen Überraschungseffekt zu sorgen. Nein, damals kamen durch die spätere Aufzeichnung auch wesentlich weniger Spoiler per Facebook ans Licht. Während die Kandidaten sich penibel an die Vorgabe und Anweisung gehalten haben, keine aktuellen Fotos zu veröffentlichen, hielt sich die offizielle TBL-Facebook-Seite nicht daran und postete fleißig ein Bild aus der Finalshow – 10 Tage vor der Ausstrahlung. Das nervt und das will jemand, der wirklich intensiv diese Sendung verfolgt, nicht 10 Tage vorher wissen.

Fazit: Das Schlimmste und Schlechteste am gesamten Konzept von The Biggest Loser ist jetzt schon zum dritten Mal nacheinander das Finale. Wieso macht man daraus keine Live-Show? DAS wäre authentisch.

Was die Sendung als solche angeht, wünsche ich mir für das nächste Jahr wie viele andere mehr darüber, was die Kandidaten essen, wie sie umgestellt werden und was sie so am Tag an Sport machen – und bitte bitte weniger Show, weniger nachgestellte Streit-Szenen etc. Hier geht es doch ums Abnehmen und nur in zweiter Linie um persönliche Animositäten.

Und: Wäre es nicht möglich, statt eine prozentuale Abnahme auszurechnen, einen Wert aus gebildeter Muskelmasse, verlorenem Fett und Wasser sowie Körpergewicht zu bilden? Anders ist nicht gewährleistet, dass sich ein Kandidat nicht schon fast krankhaft auf 63 Kilo runterhungert. Anders ist auch nicht gewährleistet, dass mal eine Frau dieses “Spiel” gewinnt. Das ist faktisch sonst nicht möglich.