„Star Trek: Discovery“ – vier Augen sehen mehr als zwei

Der Plot: Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) ist der einzige Mensch, der unter Vulkaniern aufgewachsen ist. So steht sie zwischen anerzogener Logik und dem Wunsch nach Abenteuer und Reisen – eine Karriere bei der Sternenflotte scheint das Richtige für sie zu sein. Sie dient als Erster Offizier an Bord der USS Shenzou unter Captain Philippa Georgiou (Michelle Yeoh), die ihr auch eine mütterliche Freundin ist. Der aktuelle Auftrag der Crew: Sie sollen im Grenzgebiet der Föderation überprüfen, weshalb eine Relais-Station beschädigt wurde. Burnham trifft bei ihren Nachforschungen auf ein fast vergessenes – wir schreiben das Jahr 2324 – Kriegervolk: die Klingonen. Diese haben gerade alle Hände voll zu tun, ihre 24 zerstrittenen Familien zu vereinen, und reagieren aggressiv auf einen Satz, der für Star Fleet steht wie kein anderer: „Wir kommen in Frieden.“

Kirstens Meinung: Ich kenne kein anderes Franchise, das so kontrovers diskutiert wird wie Star Trek. Ja, auch bei Star Wars, Game of Thrones und Marvel geht es mitunter mal hoch her, aber mir ist es selten begegnet, dass so eine Leidenschaft, so eine Wut und gleichzeitig so viel Herzblut drinsteckten.

Jede neue Trek-Serie reißt alte Wunden auf. Die einen hätten doch gerne mal wieder so etwas wie TOS, andere brauchen es etwas behäbiger wie bei TNG (man erinnere sich daran, wie schwach die ersten zwei Staffeln waren). Ach, warum ist der neue Captain denn nicht ein bisschen mehr wie Sisko? Oder doch lieber Janeway? Es gibt keine andere Serie, die so viele Menschen schon so lange bewegt – immerhin schon mehr als 50 Jahre. Und sobald sich eine Modernisierung, etwas Neues auftut, das man bisher so noch nicht bei Star Trek gesehen hat, kommen sie aus ihren Ecken: die Nörgler, die Kritiker, die, die doch gerne alles hätten wie immer.

Aber was ist wie immer? Star Trek versteht es seit 50 Jahren, sich permanent zu erneuern und neu zu erfinden. Das haben sie mit TNG ab Staffel drei geschafft – und auch mit DS9, wo wir erstmals zu Gast auf einer Raumstation sein durften.

Nun also Discovery! Wieder mal ein Prequel, stöhnen die einen. Zu modern, klagen die anderen. Warum sehen die Klingonen so komisch aus? Ich durfte sogar die Klage lesen, es seien zu viele Frauen dabei. Die Lensflares nerven, das Licht war doof, wieso hat man die Discovery noch nicht gesehen, ach, und überhaupt ist das doch überhaupt nicht das Star Trek, was man kannte und liebte.

Doch, genau das ist es. Eben modern. 2017. Wenn wir es schaffen, das abzulegen, was wir kennen und erwarten, können wir es schaffen, Discovery als das zu sehen, was es ist: ein gelungener Versuch, Star Trek in unserer Gegenwart ankommen zu lassen. Die Darsteller überzeugen, die Effekte überzeugen. Mein einziger Kritikpunkt sind vielleicht ein paar Plotholes. Wieso schickt man zu Beginn nicht eine Sonde zu dem „Ding“, wieso muss der Erste Offizier dort per Jetpack hinfliegen? Diese Frage stelle ich mir jedenfalls beim Gucken. Klar, wegen der Effekte. Aber erzählerisch hat das keinen Sinn. Andere Dinge, mit denen viele sich bisher nicht anfreunden konnten, kann ich ignorieren.

Denn jetzt ist nun mal 2017 und nicht 1987. Hologramme, die mitten im Bereitschaftsraum auftauchen: klasse! Frauen, die nicht in kurzen Röckchen durch die Gänge spazieren: endlich! Und ich bin gespannt, was die Autoren noch so aus dem Hut zaubern. Ich bin nach zwei Folgen sehr angetan und freue mich auf den kommenden Montag. Auch deshalb, weil mit Kirsten Beyer eine Autorin zum Schreiberteam gehört, die viel drauf hat, die weiß, wie man Charaktere und Geschichten entwickelt und die mit Leidenschaft dabei ist.

Markus‘ Meinung: Selten sind wir Nerds uns so einig, wie in der Einschätzung der beiden größten Franchises. Star Wars ist fürs Herz, Star Trek für das Hirn. Klar. Deswegen stört uns nicht, dass Laserstrahlen nach einem Meter einfach abbrechen, damit das Ganze wie ein Schwert aussieht – aber andererseits diskutieren wir uns die Köpfe heiß über die interne Logik zwischen den Sternen, wenn die Raumschiffe der Föderation dort unterwegs sind.

Daher ist es durchaus mutig, mit der Erwartungshaltung einiger Fans zu brechen und damit am Kanon zu rütteln. Ja, die Shenzou und die Discovery sehen in Sachen Inneneinrichtung moderner aus als Kirks Enterprise. Ja, das sind weder die Klingonen aus den 60er Jahren unserer Zeitrechnung noch die Variante aus den Kinofilmen und TNG noch die Version der Kelvin-Zeitlinie. Sie sehen anders aus. Sie sprechen ein durchaus anstrengendes „echtes“ Klingonisch. Sie sind wilder, archaischer, mehr Stamm als Nation. Und ja, die Klamotten der Protagonisten auf beiden Seiten entsprechen unserem aktuellen Verständnis von Kleidung. Keine Hosenbeine mit Schlag oder Miniröcke hier, keine mongolischen Rüstungen oder zotteligen Frisuren dort.

Und warum ist das so? Weil wir 2017 haben und „Star Trek: Discovery“ eine Science-Fiction-Serie ist. Ganz einfach. Ich teile den offensichtlichen Wunsch der Produzenten, ein neues Publikum zu erschließen, ohne das alte zu sehr zu verprellen. Willkommen an Bord, ihr Neulinge. Seid bereit für die Reise eures Lebens.

Und damit sind wir bei dem, was für mich Star Trek ausmacht, seit es als „Raumschiff Enterprise“ in das Wohnzimmer meiner Kindheit flimmerte: Es geht um Aufbruch, um Abenteuer und Forschung, um Fernweh. Wir reisen dorthin, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Und seien wir ehrlich: Allein der Prolog auf dem Wüstenplaneten holt uns schon genau bei diesem Wunsch, dieser Hoffnung ab.

„Star Trek: Discovery“ fühlt sich während des zweiteiligen Pilotfilms zu jeder Sekunde an wie Star Trek. Das ist so viel mehr, als ich im Vorfeld erwartet hatte. Ich gestehe: Ich hadere nach wie vor damit, es hier mit einem Prequel zu tun haben. Ich gehöre auch zu den Detailverliebten, die Plotholes diskutieren (von denen es hier einige gibt) und denen Kanon wichtig ist. Wir haben nie zuvor von Spocks Adoptivschwester gehört. Über ihr Aussehen reden nicht mal die Klingonen selbst besonders gern. Die Lensflares und die restliche Optik erinnern eher an das, was jüngere Trekker dank J.J. Abrams unter dem Franchise verstehen. Aber wisst ihr was? Das alles spielt überhaupt keine Rolle.

Wir erleben nämlich bereits in den 90 Minuten des Auftakts eine charismatische Hauptfigur mit interessanter Hintergrundgeschichte, eine funktionierende Chemie zwischen den Charakteren (und ihren Darstellern), das Gefühl von Spannung und Abenteuer, die Begeisterung für Technik und trotz des düsteren Gedankens an Krieg – der sicherlich auch gewollten Bezügen zum aktuellen politischen Geschehen geschuldet ist – den Optimismus, der das Franchise von jeher ausmacht. Wir erleben Star Trek. Mit reichlich Hirn – aber auch mit reichlich Herz.

 

Wenn die Hochhäuser wackeln: Hier kommen „The Defenders“!

In der Stadt, die niemals schläft, treiben sich vor allem nachts seltsame Gestalten herum: Luke Cage (Mike Colter) wird nach seinem gewalttätigen Kampf gegen das organisierte Verbrechen aus dem Knast entlassen und kehrt nach New York zurück. Der Muskelmann will seinem Ruf als Retter der Schwachen gerecht werden und sucht nach einem Ziel im Leben. Möglich gemacht hat seine neue Freiheit der clevere Anwalt „Foggy“ Nelson (Elden Henson), einst Partner von Matt Murdock (Charlie Cox). Der wiederum hat sein Kostüm als Unterweltschreck Daredevil an den Haken gehängt und kämpft lieber im Gerichtssaal für die gute Sache. Dieser hat sich auch Danny Rand (Finn Jones) alias Iron Fist verschrieben: Gemeinsam mit seiner gleichfalls kampferprobten Freundin Colleen Wing (Jessica Henwick) sucht er in aller Welt nach den Mördern seiner leiblichen und seiner Adoptiveltern. Mit all dem hat Jessica Jones (Krysten Ritter) nichts am Hut. Die so schlagkräftige wie mürrische Privatdetektivin verfolgt gewohnt widerwillig die Spur eines verschwundenen Architekten.

Dann jedoch führen ihre Wege die vier Einzelgänger zusammen. Alte Gefahren aus der Vergangenheit kehren zurück, denen sie sich nur gemeinsam entgegenstellen können. Vereint durch Matts mysteriösen Trainer Stick (Scott Glenn) müssen sie persönliche Differenzen und unterschiedliche Philosophien überwinden und zu einem Team werden, denn ihrer Stadt droht die Vernichtung – buchstäblich. Als sie eher zufällig dasselbe Hochhaus betreten – der Held von Harlem, die trinkfeste Ermittlerin, die lebende Waffe und der Teufel von Hell’s Kitchen – werden die Karten im Kampf gegen die dunklen Mächte neu gemischt. Zwischen den Bürgern von New York und der totalen Zerstörung stehen nun vier Verteidiger…

Spannung aufbauen – darin ist Marvel ganz groß. Mit dem Marvel Cinematic Universe hat der amerikanische Comic-Gigant längst Kino-Geschichte geschrieben, und die zugehörigen Fernsehserien sind viel mehr als nur Beiwerk. Vor allem die Netflix-Reihen bieten naturgemäß mehr Möglichkeiten, auch düstere und brutale Geschichten ausführlich zu erzählen. Das ist keine brave Familienunterhaltung, da wird geflucht, geblutet und gevögelt. Während auf der großen Leinwand etwa das erste Zusammentreffen der Avengers im gleichnamigen Film ein episch anmoderierter Höhepunkt war, fiebern die Fans vor der heimischen Glotze seit Monaten dem Tag entgegen, an dem sich die Defenders zum ersten Mal begegnen. Die Vorgängerserien „Daredevil“, „Jessica Jones“, „Luke Cage“ und „Iron Fist“ zeigten die individuellen Abenteuer der vier Protagonisten, zusammengehalten unter anderem durch die Figur der mutigen Krankenschwester Claire Temple (Rosario Dawson). „The Defenders“ lässt die eher einsamen Streiter für das Gute nun gemeinsam gegen einen schier übermächtigen Gegner antreten.

Erwartungsgemäß knackt und splittert es recht laut, ehe aus unseren Helden ein Team wird. Dann jedoch erleben wir nicht nur eine Zweckgemeinschaft, sondern deutlich mehr – nämlich Freunde. Die Charakterzeichnung ist dabei so glaubhaft wie die Story sich Zeit lässt. In acht Folgen lässt sich das Bild der einsamen Reiter, die nun nebeneinander galoppieren, mit dicken Strichen zu einem beeindruckenden Gemälde vergrößern. Dabei hat Netflix sich offenbar die Kritik an den vorangegangenen Serien zu Herzen genommen – 13 Folgen waren mitunter etwas zu lang. Besagtes Gemälde besteht aus den Farben Rot, Lila, Grün und Gelb – und aus reichlich Schwarz. Die Idee, jedem Protagonisten eine eigene Farbe zuzuschreiben, war also nicht nur ein Promo-Gag. Ohnehin wartet „The Defenders“ mit teils beeindruckenden Schauwerten auf: Die Kamera-Arbeit vor allem in den ersten Folgen setzt Standards in Sachen Serienoptik. Zudem wissen sämtliche Beteiligten vor und hinter der Kamera, was sie tun – aber das sind wir von Marvel auch nicht anders gewohnt.

Die Geschichte ist einigermaßen komplex, wird aber straff und atemlos erzählt. Andeutungen und Skizzen aus den vier anderen Serien werden ausgearbeitet und münden in ein furioses Finale. Sigourney Weaver ist als sinistre Geschäftsfrau Alexandra auf der Seite des Bösen eine Macht: Mit wenigen, aber wohlgesetzten Worten und sparsamer Gestik bestimmt die einstige Alien-Jägerin ihre Szenen. Und natürlich kommen wieder die beliebten Nebenrollen zum Zug: Neben den eingangs erwähnten Charakteren kehren auch Jessicas Adoptivschwester Patsy Walker (Rachael Taylor), die knallharte Polizistin Misty Knight (Simone Missick) und die Journalistin Karen Page (Deborah Ann Woll) zurück ins Geschehen.

Wenn Reporterinnen mit Nachnamen „Seite“ heißen und Herr und Frau Knight ihre Tochter ernsthaft Misty genannt haben, wird klar: Dies ist eine Comic-Verfilmung. Und was erwarten wir von einem Superhelden-Film? Richtig: Action! Diese gibt es in „The Defenders“ mehr als reichlich. Die ungezählten Kampfszenen sind atemberaubend choreografiert und trotz dunkler Kulisse nie unübersichtlich. Jeder unserer Kämpfer für Gerechtigkeit bekommt seinen beeindruckenden Moment, hat seine besonderen Tricks und Eigenschaften. Ihr liebt die berühmten Hallway-Szenen aus den Vorgängerserien? Dann gibt es reichlich Grund zur Freude. Oder wie Jessica es ausdrückt: „Mein Leben ist inzwischen eine riesige Kung-Fu-Party.“

Daredevil und Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist sind Helden der Straße und der Dunkelheit. Sie gehen dahin, wo es weh tut, und dabei notfalls bis zum Äußersten. Sie bluten und stürzen, aber sie stehen immer wieder auf. Sie sind nicht die netten Jungs (und das nette Mädel), die den Tag retten – aber sie machen die Nächte sicherer. Sie sind die „Defenders“. Und ihr erstes gemeinsames Abenteuer sorgt dafür, dass man es kaum erwarten kann, zurückzukehren in die Stadt, die niemals schläft.

 

Hintergrund: Wer sind die Defenders?

Ursprünglich hatte Marvel die Verteidiger (wie sie im deutschsprachigen Raum zunächst genannt wurden) entwickelt, um Superhelden zu versammeln, die eigentlich nicht als Teamplayer taugen. So kamen etwa der Hulk, Namor, der Silver Surfer, Doctor Strange oder Gargoyle als eher lose Gemeinschaft zusammen, wenn ein Gegner für einen von ihnen zu mächtig war. Das MCU ignoriert die klassische Besetzung zwar, orientiert sich aber an dieser Prämisse. Auch diese Defenders sind es eigentlich gewohnt, weitgehend allein zu arbeiten, und raufen sich anfangs relativ widerwillig zusammen. Dabei übernehmen die Produzenten jene Charaktere, die im Comic in Reihen wie „Marvel Knights“ auftauchen, also die vergleichsweise düsteren Abenteuer der Straßenköter aus der zweiten Reihe. Nicht umsonst dienen ihnen dabei Genres wie Film noir oder Blaxploitation als Vorbilder. Kurz: Niemand trägt ein flatterndes Cape.

Sehen, hören, sagen: „Planet der Affen: Survival“

Die Story

Nachdem ein medikamentös erschaffener Virus nicht nur Affen mit Intelligenz ausgestattet, sondern auch den größten Teil der Menschheit dahingerafft hat, ist die Situation zwischen den verfeindeten Gruppen mittlerweile verhärtet. Die Truppe um einen verbitterten Colonel (Woody Harrelson als Marlon Brando) macht gnadenlos Jagd auf den Affenstamm um den ersten Vertreter der neuen Spezies, den mutigen Schimpansen Caesar (Andy Serkis). Verstärkt wird die militärische Einheit von übergelaufenen und versklavten Affen, den so genannten Donkeys, die einst Caesars Widersacher Koba (Toby Kebbell) unterstützten. Nach harten Kämpfen in den Wäldern fallen Caesar, seine Familie und die meisten der übrigen Primaten den Soldaten in die Hände. Die Menschen zwingen sie zum Bau einer Mauer und setzen sie mit Gewalt unter Druck. Dank der Hilfe des stummen Mädchens Nova (Amiah Miller) gelingt es Caesars Freunden, ihren Anführer zu befreien. In einer letzten, verzweifelten Schlacht kämpfen Menschen und Affen um die Vorherrschaft auf dem Planeten.

Die Meinung

Nach „Planet der Affen: Prevolution“ (2011) und „Planet der Affen: Revolution“ (2014) kommt nun logischerweise „Planet der Affen: Survival“… Da hatte mal jemand eine relativ pfiffige Idee, um die Originaltitel für den deutschen Markt zu ändern, und dann wird sie nicht konsequent durchgezogen. Völlig unverständlich, zumal „Evolution“ recht gut gepasst hätte. Denn tatsächlich sehen wir, wie das Leben in der postapokalyptischen Zukunft auf die Gegebenheiten zusteuert, die im Klassiker „Planet der Affen“ (1968) dargestellt werden. Nach dem relativ realistischen Ansatz des ersten Teils und den wilden Kampfszenen des zweiten hält sich der dritte (und vermutlich nun doch nicht letzte) an das Erfolgsrezept seiner Vorgänger. Der Film nimmt sich Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Die Protagonisten auf beiden Seiten werden detailliert und glaubhaft gezeichnet. Und mit Angst, Hoffnung, Wut und Liebe werden ganz große Gefühle bedient. Zudem sind die Spezialeffekte fast nicht zu fassen – und das im Wortsinn. Abgefahrene Monster aus dem All per CGI auf die Leinwand zu zaubern, ist eine Sache. Aber real existierende Lebewesen wie Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans zu erschaffen, ihnen per motion capture von Schauspielern Leben einhauchen zu lassen und sie mit unterschiedlichen Charakteren zu versehen – das ist Kunst. Die Effekte verkommen nicht zum Selbstzweck, sondern unterstützen die Story, sind ein Teil davon. Diese wiederum ist packend genug, so dass man sich über die perfekt integrierten Elemente aus dem Rechner ohnehin keine Gedanken macht. Andy Serkis als Caesar ist mal wieder eine Macht und dürfte spätestens jetzt dafür mit ein paar Preisen geehrt werden. Trotz kleinerer Hänger – der Film ist ein bisschen zu lang und an manchen Stellen etwas symbolbeladen – ist „War For The Planet Of The Apes“ (so der US-Titel) ein würdiger Abschluss der Trilogie. Die allerdings (weiter oben deutete ich es bereits an) nach aktuellen Angaben der Produzenten ziemlich sicher fortgesetzt wird. Letztlich regiert eben auch auf dem Planeten der Affen das liebe Geld.

Der Hintergrund

Die erste Verfilmung des Romans von Pierre Boulle stammt aus den späten 60ern und nimmt klare Bezüge auf damals aktuelle Themen wie Rassismus und die Gefahr eines dritten Weltkriegs. (Übrigens zwei Probleme, die leider heutzutage ebenso zum Alltag gehören.) Die Folgefilme beschäftigten sich mit Zeitreisen und dem üblichen Paradoxon, um zu erklären, wie es zum Machtwechsel auf der Erde kam. Leider fand die Kinoreihe mit „Die Schlacht um den Planet der Affen“ (1973) und der ein Jahr später produzierten Fernsehserie einen eher unrühmlichen Abschluss. Tim Burton versuchte sich 2001 an einer Neuinterpretation, die viel gescholten wurde, sich aber letztlich enger an die literarische Vorlage hielt. Die aktuelle Kinofassung startete vor sechs Jahren und stellt so etwas wie die Vorgeschichte zum 68er-Film dar, auf den auch immer wieder angespielt wird. Dabei beziehen sich vor allem im dritten Teil die sozialkritischen Elemente auf Themenkomplexe wie Faschismus (die Affen werden in Lagern gehalten und bis zum Tod ausgebeutet) und den wieder erstarkenden Nationalismus (der Bau der Mauer). Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen? Im Gegenteil – gut gebrüllt, Affe.

Und vergesst die verdammten Smileys nicht!

Michael Kessler hat eine neue Fernsehreihe, in der er befreundete Kollegen im Auto durch die Stadt kutschiert und sich mit ihnen unterhält. Quasi wie das „Quiz-Taxi“ mit Prominenten, aber ohne Quizfragen. Wem diese Beschreibung langweilig erscheint, der kennt Michael Kessler nicht. Dieser könnte sogar eine Talkshow mit Köchen moderieren oder Flohmarktware an Antiquitätenhändler verticken lassen, und es wäre lustig. „Sitzheizung gibt’s nicht“ läuft auf ZDFneo, deswegen spielen die Sendetermine keine Rolle. Ihr guckt das ohnehin in der Mediathek.

Wir haben einen nicht mehr ganz neuen Twitter-Account, mit dem wir drei Dinge tun: Wir weisen auf neue Blog-Beiträge hin, twittern gar lustig zum aktuellen „Tatort“, während dieser zum ersten Mal ausgestrahlt wird, und äußern uns zu der einen oder anderen Fernsehsendung. So auch zu „Sitzheizung gibt’s nicht“:

Die besten Scherze sind ja bekanntlich jene, die man ausgiebig erläutern muss. Der hier funktioniert folgendermaßen: „Sitzheizung gibt’s nicht“ ist gar nicht identisch mit der Serie „Pastewka“, die im Frühjahr mit neuen Folgen auf Amazon Video fortgesetzt wird. Allerdings sind in der ersten Folge die Protagonisten identisch: Michael Kessler, Bastian Pastewka und Annette Frier sind allesamt auch in „Pastewka“ zu sehen, der Mittlere überraschenderweise sogar in der Haupt- und Titelrolle. Und die Dialoge wirken nicht nur improvisiert, sie sind es auch. Das versteht jeder normalbegabte Zuschauer spätestens nach 20 Sekunden. Uns war es zudem bereits im Vorfeld bekannt. Soviel zu den beiden Pointen. Beziehungsweise dem, was als solche gemeint war.

Dieser Tweet brachte uns unterschiedliche Reaktionen ein. Kessler favorisierte ihn, wies jedoch gleichzeitig darauf hin, dass wir einen entscheidenden Aspekt seines neuen Formats offenbar nicht ganz verstanden hätten:

Acht wohlmeinende Herzchen bekam diese freundliche Aufklärung. Es gibt dort draußen also insgesamt mindestens neun Menschen, die uns nicht zu den normalbegabten Zuschauern zählen. (Fairerweise müsste es heißen: mich. Denn für den ursprünglichen Tweet zeichnet der Autor dieses Beitrags allein verantwortlich.)

Einer von ihnen – Lutz – kommentierte unser vermeintliches Unwissen mit einem Katzen-GIF. Dafür gebührt ihm besondere Erwähnung:

Putzig, nicht wahr? Blieb aber ähnlich folgenlos wie unsere (meine) Versuche, das Missverständnis um das vermeintliche Missverständnis aufzuklären.

Was bleibt, sind zwei Erkenntnisse:

  1. Erst Smileys machen einen Tweet verständlich. 🙂
  2. „Sitzheizung gibt’s nicht“ ist improvisiert und sehr sehenswert.

Kinder an die Macht: „Spider-Man: Homecoming“ & „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Spider-Man: Homecoming

Der 15-jährige Peter Parker (Tom Holland) ist sauer: Eben noch war er auf dem Leipziger Flughafen in eine Schlacht der Superhelden verwickelt und traf seine Idole wie Captain America (Chris Evans), und nun ist er schon wieder in seinem Alltag im New Yorker Stadtteil Queens angekommen, zwischen Stress in der Schule und Ärger in der Nachbarschaft. Auch sein Mentor Tony Stark (Robert Downey jr.) meldet sich nicht mehr. Immerhin hat der Erfinder, Milliardär und Iron Man ihm den Anzug überlassen, in dem er im Osten Deutschlands zwischen den Großen der Branche herumgesprungen ist. Denn Peter ist mehr als ein harmloser Teenie aus dem Big Apple: Seit dem Biss einer radioaktiv verstrahlten Spinne ist er schneller und stärker als andere Menschen und kann an Wänden krabbeln. Er ist der Spider-Man, wie ihn YouTube-Nutzer und Zeitungsleser nennen.

Derzeit allerdings passiert wenig Heldenhaftes in Peters Leben. Seine Tante May (Marisa Tomei), bei der er aufwächst, ahnt nichts vom Doppelleben ihres Neffen und hat ein Auge darauf, dass er seine Pflichten in Klassenzimmer und Haushalt nicht vernachlässigt. Sein bester Freund Ned (Jacob Batalon) steht zwar tapfer an seiner Seite, wenn der bösartige Mitschüler Flash Thompson (Tony Revolori) ihn ärgert, aber er kann ihm nicht dabei helfen, seinem Schwarm Liz (Laura Harrier) näherzukommen. Und Michelle (Zendaya Coleman), die Außenseiterin der Clique, lässt Peter ebenfalls nicht in Ruhe. Der lenkt sich zwar mit harmlosen Einsätzen in der Gegend ab, fühlt sich aber zu Größerem berufen. Seine Chance kommt, als der übellaunige Adrian Toomes (Michael Keaton) in sein Leben tritt: Dieser hat unrechtmäßig außerirdische Technologie an sich gebracht, die vom Kampf der Avengers gegen die Chitauri zurückgeblieben war. Und damit verleiht der Finsterling seiner Verbrecherlaufbahn Flügel…

Begeisterung und Skepsis hielten sich die Waage, als Marvel bekannt gab, endlich den prominentesten Charakter seiner Comics in das „Marvel Cinematic Universe“ holen zu können. Ein Deal mit dem Rechte-Inhaber Sony macht es möglich, dass der Netzkopf künftig Seite an Seite mit den bereits etablierten Helden auftritt. Zum ersten Mal zu sehen war Spider-Man im vergangenen Jahr in „Captain America: Civil War“, und diese neue Version der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft gefiel nicht jedem. Nachdem das Reboot des Franchises spätestens mit „The Amazing Spider-Man: Rise Of Electro“ (2014) gefloppt war, war allerdings klar, dass Marvel sein Aushängeschild runderneuern würde.

Und so erleben wir einen Superhelden in den Kinderschuhen: Peter Parker ist noch nicht der tapfere Verbrecherjäger, der sich über den Dächern der Großstadt packende Kämpfe mit mörderischen Gegnern liefert. Zwar wird der legendäre Spinnenbiss erwähnt, aber besonders viel erfahren die Zuschauer nicht über den Protagonisten. Offensichtlich hat er seine Fähigkeiten noch nicht im Griff: Dieser Spider-Man stolpert und greift daneben, macht Fehler und lernt langsam dazu. Auch einen Spinnensinn, der ihn vor Gefahren warnt, scheint es noch nicht zu geben. Seine Tante ist seinem Alter gemäß relativ jung und hat als attraktive Frau mitten im Leben so gar nichts von der gütigen Rentnerin aus den Comics und den vorangegangenen Verfilmungen. Sein Freundeskreis ist so angenehm multikulturell wie sein Viertel: Queens wird als Ort der kleinen Leute gezeigt, die in harten Zeiten zusammenhalten. Auch andere bekannte Charaktere werden neu interpretiert: Flash etwa ist weniger ein bulliges Sportass, sondern mehr ein missgestimmter Geek. Wo ist Onkel Ben? Und was folgt nochmal aus großer Kraft?

Ernsthaft: Es ist überraschend angenehm, dass uns nicht zum dritten Mal die Origin Story der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft erzählt wird. Und die meisten Veränderungen gegenüber der Comic-Vorlage funktionieren – wie im MCU gewohnt – sehr gut. Eigentlich gibt es nur zwei Punkte, mit denen ich persönlich ein wenig hadere: Zum einen nimmt der erwähnte High-Tech-Anzug zuviel Raum ein. Ein wichtiger Aspekt in der Geschichte von Spider-Man war immer, dass er ein Technik-Wunderkind ist. Ein erfolgreicher Schüler, später begabter Student, der sich seine Netzwerfer selbst bastelt – Peter ist ein Nerd, dem erst ein Unfall die nötige Physis verschafft, um gegen Superbösewichte zu bestehen. Zwar sehen wir deutlich, dass auch die Neufassung des Titelhelden einiges in der Birne hat, aber den letzten Kick bekommt er von Tony Stark, einem eher kühlen Ersatzvater, der denkbar ungeeignet ist, von Verantwortung zu sprechen. Das alles erinnert an jene umstrittene Comic-Geschichte, in der Parker eine Art Iron-Man-Rüstung trägt – ohnehin wimmelt „Homecoming“ (clever mehrdeutiger Titel übrigens) vor Anspielungen auf bekannte Marvel-Storys einerseits und Teenie-Komödien der 80er andererseits.

Damit wären wir beim zweiten milden Kritikpunkt: Tom Holland. Oder besser: sein Alter. Der Mann ist 21 und spielt hier einen 15-Jährigen – das funktioniert, weil er ein ewiges Milchgesicht wie Michael J. Fox ist. Und er macht seine Sache durchaus gut, man nimmt ihm den Loser so ab wie den Nachwuchs-Superhelden. Aber als Identifikationsfigur für die Zielgruppe „alternder Comicleser“ taugt er natürlich kein bisschen. Die halten sich lieber an gestandene Kerle und toughe Frauen, wie sie von den meisten anderen MCU-Helden verkörpert werden. Andererseits straft Marvel einmal mehr all jene lügen, die mit penetranter Ignoranz behaupten, jeder MCU-Film sei gleich. Das ist einfach Blödsinn: Nach Fantasy-Krachern wie „Thor“ und Spionage-Thrillern wie „Captain America: The Winter Soldier“, nach technik-verliebter Action wie der „Iron Man“-Trilogie und Science-Fiction-Humor wie „Guardians Of The Galaxy“ fügen die Produzenten um Kevin Feige nun eine weitere Facette hinzu – das familientaugliche Abenteuer für ein jüngeres Publikum.

Außerdem hat Marvel nun die Möglichkeit, diesen Spider-Man dabei zu zeigen, wie er erwachsen wird. Eventuell ist er im kommenden Film schon auf dem College und lernt einen Kommilitonen kennen, dessen Vater ein schizophrener Industrieller ist… Alles ist möglich, denn dieser Abschlussball ist die perfekte Eröffnung, spannend, bunt und extrem unterhaltsam. Und für uns alte Säcke gibt es ungezählte augenzwinkernde Momente – einer davon ließ mich im Kino hörbar seufzen. Und ich seufze nie im Kino, schon gar nicht hörbar.

Michael Keaton ist übrigens der einsame Höhepunkt in einem an Sehenswertem nicht armen Film. Manche Szene trägt der Batman der 80er Jahre ganz allein und beweist dabei, dass er mitunter sträflich unterschätzt wird. Sein Toomes ist ein sinistrer Familienmensch, dessen vermeintlich gut gemeinte Ziele eher Ausreden sind, um buchstäblich über Leichen zu gehen. Gleichzeitig beweist er immer wieder Größe. Das macht ihn zur wohltuenden Ausnahme in der bisherigen Schurkengalerie der Spider-Man-Filme, denn zwischen dem Green Goblin und Electro hatten Toby Maguire und Andrew Garfield es ja eher mit missverstandenen Existenzen zu tun.

Was auch immer die Zukunft für unseren jungen Helden bereithält (demnächst natürlich „Avengers: Infinty War“) – es wird bestimmt nicht langweilig.

(Wichtiger Hinweis: Wie gewohnt gibt es Szenen im und nach dem Abspann. Sowas wie ganz am Schluss habt Ihr noch nicht gesehen – versprochen. Also unbedingt sitzen bleiben!)

 

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Wir schreiben das 28. Jahrhundert. Die jungen Spezialagenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) sind unterwegs zur gigantischen Raumstation Alpha. Dort leben Millionen Humanoide und Aliens aus allen Teilen der Galaxis, knüpfen diplomatische Fäden, treiben Handel – und begehen Verbrechen. Der aktuelle Auftrag der beiden Gesetzeshüter lautet, den letzten Transmutator, ein kleines, pelziges Lebewesen, zu beschützen. Zudem kommen sie einer Verschwörung auf die Spur, deren Wurzeln bis in höchste militärische Kreise reichen. Aber wie hängt das alles mit den Visionen zusammen, die Valerian plagen? Und warum hat seine Partnerin so gar kein romantisches Interesse an ihm – immerhin ist sein Erfolg bei Frauen legendär?

Valerian und Laureline (im deutschen Sprachraum: Veronique) sind die Protagonisten eines erfolgreichen französischen Comics der 60er und 70er Jahre. Wie alle französischen und belgischen Comics jener Ära waren die Geschichten um die beiden Weltraum-Agenten sehr detailliert, oft skurril und manchmal ein bisschen frivol. Vor allem die Vielzahl außerirdischer Lebensformen mit ihren entsprechenden Heimatplaneten wusste durchaus zu beeindrucken. So etwas adäquat auf die Leinwand zu bringen, noch dazu als Realverfilmung, war lange Zeit unmöglich.

Regisseur Luc Besson hat das Wunder nun vollbracht: Inzwischen ist es kein Kunststück mehr, selbst absurde Figuren und Handlungsorte überzeugend umzusetzen. Wer Bessons angebliches Meisterwerk „Das fünfte Element“ (1997) gesehen hat, weiß vom Faible des Filmemachers für groteske Bilder, die nicht selten an Comics erinnern. Klar, dass ihm ein Valerian-Film eine Herzensangelegenheit ist. Und klar auch, dass er dafür alle Hebel in Bewegung gesetzt hat. Hier wird nicht gekleckert, sondern sowas von geklotzt: Die Darstellung der Raumstation und ihrer Bewohner ist derart atemberaubend, dass selbst gestandene Science-Fiction-Gucker nicht anders können als zu staunen.

Da gibt es hunderte seltsamer Gestalten, die durchs Bild laufen, fliegen, hüpfen oder kriechen. Andere Planeten oder Ökosphären sind nicht nur fremd, sondern buchstäblich fremdartig. Manches scheint einem grellbunten Fiebertraum entsprungen (dabei waren es nur die Seiten einer Bildergeschichte). Und die teils rasanten Kamerafahrten und ungewöhnlichen Perspektiven machen aus dem Film eine Reise in eine Zukunft, die man gar nicht wieder verlassen will, weil es so viel zu sehen und entdecken gibt.

Soviel zum Positiven. Aber Besson wäre nicht Besson, würde er nicht auch seinen Kritikern genügend Angriffsfläche bieten. So fasst die Handlung zwar gleich zwei Comic-Bände zusammen, ließe sich aber problemlos auf einen Bierdeckel kritzeln und dient eigentlich eher dazu, eine beeindruckende Tricksequenz nach der anderen abzufeuern. Die Schauspielerriege müht sich redlich und macht ihre Sache mal gut (Clive Owen ist auch mit angezogener Handbremse noch ein großartiger Bösewicht), mal eher medioker. Vor allem die beiden Hauptdarsteller haben weder das Talent noch das Charisma, um den aufregenden Effekten etwas entgegenzusetzen. Zudem sehen sie eher aus wie Geschwister als wie potenzielle Lebenspartner – der Umstand, dass beide die Gesichtszüge verlebter Spätpubertierender haben, ist ebenfalls wenig hilfreich. Erstaunlich ist nur: Irgendwie passt das. Denn auch ihre gezeichneten Vorbilder sind Verwandte ähnlicher Riesenbabys wie Tim (der mit Struppi), nicht Angehörige von – sagen wir – Leutnant Blueberry.

Unterm Strich ist „Valerian“ das Geld fürs Kinoticket definitiv wert – wenn man nicht mit allzu großen Erwartungen antritt. Der Comic mag einflussreich sein, sogar für Kaliber wie „Star Wars“ – die Verfilmung ist eher ein Leichtgewicht. Quasi ein Croissant mit kalorienreicher Füllung. Diese allerdings – da wiederhole ich mich gerne – schmeckt nach mehr.

Sexismus und Zeitreisen: Frau Doktor wird es richten

Es geht doch nichts über (britische) Traditionen. Wann immer die BBC One ankündigt, der Doktor in der fast gleichnamigen Kultserie „Doctor Who“ werde demnächst den Weg alles Überirdischen gehen, murmelt man aufgeregt in die Teetasse. Und wenn dann der neue Darsteller verkündet wird, traut sich der eine oder die andere unter den Anhängern des außerirdischen Zeitreisenden sogar, mal rechtschaffen laut zu werden: Zu jung! Zu alt! Zu albern! Zu grimmig!

Diesmal jedoch sind einige vermeintliche Fans ganz besonders not amused – denn die 13. Reinkarnation des Timelords ist eine Lady. Jodie Whittaker wurde als Nachfolgerin des gewohnt umstrittenen Peter Capaldi verkündet. Sexistisches Genörgel in den einschlägigen Netzwerken ist die Folge: Eine Frau könne unmöglich den Doktor spielen, dieser sei nunmal ein Kerl, heißt es unter jenen, die nichts verstanden haben. Aber: Natürlich geht das, es wurde sogar Zeit (um beim Thema zu bleiben).

Zu den großen Stärken von „Doctor Who“ gehört nämlich seit jeher die überbordende Kreativität der Köpfe dahinter. Angesichts eines vergleichsweise überschaubaren (Fernseh-)Budgets punktet der Dauerbrenner unter den Science-Fiction-Serien nämlich nicht mit einem perfekten Gewitter an Spezialeffekten, sondern mit charmanten, cleveren, vor allem aber auch gern schrägen Ideen. Alles ist möglich! (Man stelle sich an dieser Stelle vor, wie der Verfasser dieser Zeilen mit irrem Blick einen überlangen Schal wedeln lässt und sich theatralisch wegdreht.)

Whittaker kriegt das hin, daran hat niemand Zweifel, der „Attack The Block“ gesehen hat – jenes unterschätzte Kleinod der britischen Genre-Geschichte, in dem auch John Boyega zeigte, was er kann. (Und das ihm dadurch letztlich die Rolle als Finn in den neuen „Star Wars“-Episoden einbrachte.) Die Frau hat Talent und Charisma – so gesehen bleibt also alles beim Alten in der Tardis. Es wird spannend, zu sehen, wie sie ihren Doktor anlegt. Vermutlich weniger streng als Capaldi, aber sicher auch nicht so flott wie David Tennant oder Matt Smith. Vermutlich – nicht erschrecken, ihr konservativen „Fans“ – drückt sie der Figur einen eigenen Stempel auf. Und das ist nicht nur gut so, dass muss sogar so sein.

Sorgen machen sollten wir uns lieber über die Funktion des Showrunner: Steven „Drehbuchgott“ Moffat schmeißt nämlich zeitgleich zum Abgang von Peter Cabaldi die Brocken hin. (Übrigens nicht: deswegen.) Mal schauen, was Chris Chibnall kann. Positiv ausgedrückt bleibt die Hoffnung auf frisches Blut vor und hinter der Kamera. Und das kann der Greis unter den Weltraum-Abenteuern auf jeden Fall gebrauchen.

Der Doktor ist tot. Lange lebe der Doktor!

Getöse in der Grabkammer: „Die Mumie“ tritt daneben

Nick Morton (Tom Cruise) und sein Kumpel Chris Vail (Jake Johnson) sind Soldaten von Beruf und Grabräuber aus Leidenschaft. Darum können sie auch die Begeisterung der kühlen Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) nicht teilen, als das Trio eher durch Zufall eine alte Grabkammer öffnet – die beiden denken allenfalls an den monetären Wert der Fundstätte. Die Stimmung unter ihnen ist ohnehin leicht gereizt: Nick hat Jenny die Karte zum Grab nach einem One Night Stand gestohlen und Chris keine rechte Lust auf ein Abenteuer.

Selbiges gerät in Fahrt, als er im Grab von einer Spinne gebissen wird und sich nach einem unbedacht abgegebenen Schuss von Nick das Heiligtum öffnet, um seinen Inhalt preiszugeben. Jenny ahnt Böses und warnt, die vermeintliche Grabstätte sei eigentlich ein Gefängnis. In der Tat: Die Gefangene ist die ägyptische Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella), die einst nach einer Reihe grausamer Morde und einem Pakt mit dem Totengott Set (manchmal auch mit „h“) lebendig mumifiziert wurde.

Schon bald sorgt die wiedererweckte Mumie mittels Magie für reichlich Chaos. Ihr Ziel: Chris soll Seth seinen Körper zur Verfügung stellen. Wer der missgestimmten Königstochter dabei im Weg ist, hat Glück, wenn er selbst zur Mumie wird. London – wohin Ahmanets Sarkophag gebracht wurde – wird zum Schauplatz der Hetzjagd. Und dann mischt sich auch noch der geheimnisvolle Dr. Henry Jekyll (erstaunlich wurstig: Russell Crowe) ein…

Soviel zu dem, was ein halbes Dutzend Drehbuchautoren sich als Handlung für das Reboot der klassischen Filmsaga um eine wandelnde Mumie ausgedacht haben. Was in den vergangenen Monaten an Zwischenberichten vom Set (ohne h) zu hören war, ließ bereits Übles befürchten. Vor allem die Nachricht, Tom Cruise habe sich massiv in Story und Dreharbeiten eingemischt, sorgte für Stirnrunzeln. Dabei stand einiges auf dem Spiel: Schon viel zu lange – nämlich seit knapp zehn Jahren – bastelt Universal an der Idee, seine alten Monsterfiguren in einem gemeinsamen Filmuniversum auftreten zu lassen. Startschuss des so genannten „Dark Universe“ sollte eigentlich „Dracula Untold“ (2014) werden, aber nachdem die Interpretation des Vampirgrafen als vorzeitlicher Superheld an den Kinokassen floppte, entschied man sich für einen erneuten Versuch. Nun soll also „Die Mumie“ retten, was zu retten ist. Und der wenig originell benannte Film wimmelt geradezu vor Verweisen auf das geplante große Ganze – angefangen vom eigens geschaffenen Logo über ungezählte Hinweise auf andere Universal-Monster bis hin zu Dr. Jekyll als verbindendem Charakter. Dumm nur: In den Vereinigten Staaten ist „The Mummy“ der Misserfolg der Saison. Und andernorts sieht es nur unwesentlich besser aus.

Kritiker und Kinogänger zeigen sich gleichermaßen unbeeindruckt von dem, was uns nach „Die Mumie“ (1932) mit Boris Karloff und „Die Mumie“ (1999) mit Arnold Vosloo als dritter Gang serviert wird. Kein Wunder: Nur selten blitzt ein Hauch der Unheimlichkeit des Originals oder des Charmes der Spät-90er-Abenteuerfilm-Version auf. Zudem wirkt vieles fahrig, ist einiges ungelenk inszeniert und manches nicht so recht nachvollziehbar. Dass wir es mit einer weiblichen Mumie zu tun bekommen, ist dabei noch die am ehesten akzeptable Entscheidung: Sofia Boutella verfügt durchaus über genügend Charisma, um die Titelrolle trotz Anflügen von Overacting zu meistern. Vermutlich hoffte sie, nach „Star Trek Beyond“ endlich den Durchbruch zu schaffen. Nächster Versuch: Knutschen mit Charlize Theron im anstehenden Spionage-Thriller „Atomic Blonde“.

Aber schauen wir uns die Probleme mal genauer an: Cruise‘ Nick taugt zum Beispiel kein bisschen als Protagonist. Er hat nicht den Lausbuben-Charme von Brendan Frasers Rick (!) aus den drei Mumien-Filmen der Jahrtausendwende, und der komplette Charakter funktioniert einfach nicht. Wir lernen ihn als unsympathischen Egomanen kennen, der erwartete Wandel zum Helden à la Han Solo wird durch einige unangenehme Dialoge relativiert bis ausgebremst, und das Ende (milder Spoiler) macht das alles dann noch weniger nachvollziehbar. Der Kerl vögelt mit einer Wissenschaftlerin, um ans große Geld zu kommen, und auch das Verhältnis zu seinem behaupteten besten Freund lässt ihn in keinem guten Licht dastehen. Ein ähnliches Problem hat Crowe mit seinem Jekyll: Was als Universal-Antwort auf Nick Fury gedacht sein mag, ist letztlich ein sinistrer Kopfmensch, dessen dunkle Seite (wir alle haben auf Mr. Hyde gewartet) zudem überraschend blutleer wirkt – und außerdem kaum böser als ihr Alter Ego.

Keine Minute kümmert es den Zuschauer, was aus den drei vermeintlich „Guten“ in dieser Geschichte wird. Ihr Schicksal könnte uns egaler kaum sein – wir können sie nicht leiden, also wäre es kein Drama, sollten die Mumien die Oberhand gewinnen. Diese wiederum können sich durchaus sehen lassen und sind als Antagonisten gar nicht übel: Nach „The Walking Dead“ war zu erwarten, dass wir keine flatternden Mullbinden, sondern staksende Untote zu sehen bekommen würden.

Ähnlich stolpernd ist jedoch die gezeigte Geschichte: Beide Prologe – das Familiendrama im alten Ägypten und ein royales Begräbnis in Britannien – werden gleich zweimal gezeigt, um ganz sicher zu gehen, dass auch jeder die wenig komplexen Hintergründe der Jagd nach einem magischen Dolch (a.k.a. der Weltherrschaft) verstanden hat. Dafür fühlt man sich am Schluss ein wenig allein gelassen. Ich glaube, das Ziel der Autoren verstanden zu haben und zu wissen, was uns bei einem möglichen Wiedersehen mit Nick Morton erwartet. Aber ganz sicher bin nicht, trotz Onkel Jekylls plumper Hinweise auf Monster, die Helden sein können.

Zu schlechter Letzt fängt Tom Cruise‘ Ehrgeiz langsam an zu nerven. In guten Momenten schafft der umstrittene Scientologe ja nicht zuletzt dadurch große Kino-Unterhaltung. In schlechten wie diesen wirkt er inzwischen albern. Ein Beispiel: Der Kerl ist 54 und lässt sich vom ein Jahr jüngeren Russell Crowe attestieren, ein junger Mann zu sein.

Eigentlich muss Universal seine Pläne weiterverfolgen. Einen dritten Anlauf würde die Idee sicher nicht verkraften. Die Frage ist nur, ob das alles überhaupt nötig ist: Wer wartet denn sehnsüchtig darauf, die alten Filmmonster gemeinsam als Heldentruppe zu erleben? Vosloos „Mumie“ Seite an Seite mit Gary Oldman („Bram Stoker’s Dracula“, 1992), Robert De Niro („Mary Shelley’s Frankenstein“, 1994) und Benicio Del Toro („The Wolfman“, 2010) – das hätte ich mir angeguckt. Leider setzt das „Dark Universe“ ungefähr auf die größten Unsympathen Hollywoods:

Es ist ja verständlich, dass der kaum fassbare Erfolg des „Marvel Cinematic Universe“ neidisch macht. Aber wenn sich schon der andere große Comic-Verlag dabei verhebt, zu diesem in der Filmgeschichte einmaligen Projekt aufzuschließen, wieso sollte es einem Kino-Universum voller Riesenungeheuer (Godzilla, King Kong) oder klassischer Monster besser gehen? Außerdem sei allen potenziellen Konkurrenten des MCU geraten, sich mal genauer anzuschauen, was Marvel da macht. Erstens: Sie haben einfach ein Händchen für die richtigen Darsteller – wir erleben sympathische Helden und charismatische Schurken. Und zweitens: Sie haben sich verdammt nochmal Zeit gelassen! Das MCU feiert im kommenden Jahr sein Zehnjähriges – das ist ein Marathon, kein Kurzstreckenlauf.

Der „Mumie“ ist auf jeden Fall die Puste ausgegangen. Mal schauen, ob es „Frankensteins Braut“ in zwei Jahren besser ergeht.

 

Monster, versammelt euch!

Das „Dark Universe“ ist nicht der erste Versuch, die klassischen Monster der Schwarz-Weiß-Film-Ära zusammenzutrommeln:

The Monster Squad (1987): In dieser Komödie gerät eine Gruppe Kinder mit Dracula, Frankensteins Monster, dem Wolfsmann, der Mumie und dem Schrecken vom Amazonas einander. Insgesamt relativ billig inszenierter Versuch, den Erfolg der „Ghostbusters“ aus dem Vorjahr zu wiederholen – aber für Freunde des abseitigen Geschmacks durchaus so etwas wie ein Kultfilm.

Monster Force (1994): In den 13 Folgen dieser Trickfilmreihe bekämpfen ein paar junge Geisterjäger – darunter ein Werwolf – mit Hilfe von Frankensteins Kreatur eine düstere Truppe, bestehend aus Graf Dracula, dem Kiemenmann, der Mumie und einer Vampirin. Typisches Produkt der 90er – laut, bunt, naiv.

Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (2003): Diese misslungene Verfilmung des preisgekrönten Comics von Alan Moore ist der Schlusspunkt hinter der Karriere von Sean Connery. Der schlägt sich als Allan Quatermain wacker, als er im Jahr 1899 einen maskierten Verschwörer jagt. Mit dabei: Tom Sawyer, Mina Harker, Dorian Gray, der Unsichtbare, Dr. Jekyll/Mr. Hyde und Kapitän Nemo. Ihr Gegenspieler Professor Moriarty wird übrigens gespielt von Richard Roxburgh, der in einer weiteren Gurke den Bösewicht gibt, nämlich in…

Van Helsing (2004): Der titelgebende Vampirjäger (Hugh Jackman) hat alle Hände voll zu tun, als Mr. Hyde, Dracula, das Frankenstein-Monster und ein Werwolf die Nacht unsicher machen. Das Absurde: Es ist nicht der Van Helsing – und leider auch nicht der Dracula. Fragt besser nicht…

Penny Dreadful (2014-2016): Charmant-schaurige Fernsehreihe, in der praktisch alle bekannten Gestalten der Gruselliteratur auftauchen. Wer Klischees wie London im Nebel akzeptiert, wird belohnt mit Dialogen à la: „Hallo, Dr, Frankenstein.“ – „Hallo, Dr. Jekyll.“

Aber wer erinnert sich noch daran?

Richtig, das ist „Frankensteins Tante“ (1986) – dürfte gern mal als DVD-Box veröffentlicht werden. Die Buchvorlage ist übrigens noch besser. Schmunzeln und gruseln… nennt man das grunzeln?

„Alien: Covenant“ – im Weltraum hört dich niemand seufzen

Ein Raumschiff gleitet einsam durch das All. Besatzung und Passagiere befinden sich im Tiefschlaf, bewacht vom Bordcomputer „Mutter“. Nein, dies ist nicht der Anfang des SciFi/Horror-Klassikers „Alien“ aus dem Jahr 1979. So beginnt vielmehr dessen mittlerweile siebte Fortsetzung (wenn man die „Alien vs. Predator“-Filme mitzählt). Und schon die ersten Szenen der eigentlichen Handlung zeigen, wohin für Regisseur Ridley Scott die Reise geht: in die Vergangenheit.

Zuvor allerdings erlebt der Zuschauer eine ruhige Sequenz mit durchaus philosophischen Ansätzen. Androide David (Michael Fassbender) diskutiert mit seinem Erbauer Peter Weyland (Guy Pearce) über Schöpfung und Vergänglichkeit. Und dieser Prolog wiederum zeigt, dass Scott die Reise zurück endlich nutzt, um lose Handlungsfäden zu verknüpfen. Doch dazu später mehr.

Die „Covenant“, so der Name des erwähnten Schiffs, hat die Mission, 2000 eingefrorene Kolonisten zum Planeten Origae-6 zu transportieren. Ein Unfall, den der diensthabende Android Walter (ebenfalls Michael Fassbender) nicht verhindern kann, weckt die Crew zu früh auf, was unter anderem den Captain (James Franco in der vermutlich winzigsten Rolle seiner Karriere) das Leben kostet. Die Astronauten müssen nun nicht nur den Raumtransporter reparieren, sondern auch mit der neuen Ordnung an Bord klar kommen. So trauert Kapitänswitwe Daniels (Katherine Waterston) um ihren Mann, während dessen Nachfolger, der gläubige Oram (Billy Crudup), von seiner neuen Verantwortung überfordert scheint. Einzig Pilot Tennessee (ungewohnt ernst: Danny McBride) bleibt auch in schwierigen Situationen cool.

In die ohnehin aufgeladene Stimmung platzt ein Funkspruch, offenbar ein Hilferuf, unterlegt von John Denvers „Take Me Home, Country Roads“. Die Nachricht lenkt die Aufmerksamkeit der Kolonisten auf einen scheinbar idyllischen Planeten, der als neues Ziel geeignet scheint. Doch aufmerksame Alien-Fans ahnen es bereits: Dem Funkspruch zu folgen, ist eine sehr dumme Idee…

Es gibt sie noch, die kleinen Wunder: Dann und wann sieht sich selbst ein dickköpfiger Kino-Nerd wie ich gezwungen, ein geliebtes Vorurteil zu überdenken. Nachdem ich „Prometheus – Dunkle Zeichen“ vor fünf Jahren nach einmaligem Gucken wegen brustkorbgroßer Logiklöcher in die gut gefüllte Schublade mit der Aufschrift „misslungene Prequels“ gepackt hatte, war das Alien-Franchise für mich erledigt. Dabei liebe ich die Reihe: Als der furiose Auftakt Ende der 70er die Zuschauer das Fürchten lehrte, hatte ich gerade lesen gelernt – und war beeindruckt, ohne den Film gesehen zu haben. „Im Weltraum hört dich niemand schreien“… Was mit einer Zeile wie dieser beworben wurde, musste mindestens so gut sein wie das Märchen mit dem schwarz gekleideten Maskenmann oder der Streifen, dessen Plakat ein Kerl mit Schlangen-Tattoo zeigte. Als ich „Alien“ dann später sah, wurde meine Hoffnung bestätigt: Ridley Scott hatte die perfekte Mischung aus Science-Fiction-Abenteuer und Monster-Horror geschaffen. Kein Wunder, dass in der Folge eine Flut italienischer Billig-Plagiate die Videotheken heimsuchte. Und kein Wunder auch, dass es nicht bei diesem einen Film blieb, sondern H.R. Gigers ikonischer Außerirdischer noch öfter auf der Leinwand zu sehen war.

Es folgten „Aliens – Die Rückkehr“ (1986), „Alien 3“ (1992) und „Alien – Die Wiedergeburt“ (1997), die allesamt die Story um die einzige Überlebende des ersten Teils weitererzählten. Sigourney Weavers Ripley wurde zur Kultfigur, ähnlich wie ihr ewiger Antagonist, und das muss man erstmal hinkriegen. Oder besser: „frau“. Denn als Ripley zum ersten Mal das Ungeheuer aus dem All besiegte, waren starke Frauenfiguren im Genre weniger als eine Seltenheit. (Einzig eine wehrhafte Prinzessin, die sich selbst rettete, hatte zwei Jahre früher die Fans begeistert.) Von Sarah Connor aus der „Terminator“-Reihe bis Buffy verdanken die Erbinnen der wehrhaften Astronautin ihrem Vorbild einiges.

Apropos „Terminator“: Das Franchise von James Cameron – der übrigens den zweiten Alien-Film inszeniert hat – hat mit dem Thema dieser Rezension durchaus etwas gemeinsam. Zum Beispiel: Nach etlichen Fortsetzungen und Prequels steigt niemand mehr so recht durch, was eigentlich genau wann passiert. „Alien: Covenant“ spielt elf Jahre nach „Prometheus“ und ist inhaltlich dessen direkte Fortsetzung. Die Handlung beider Filme ebnet also den Weg zu dem, was in „Alien“ zu sehen ist. Trotzdem plant Ridley Scott (der im November 80 wird) zwei weitere Filme: einen, der dort ansetzt, wo „Alien – Die Wiedergeburt“ aufhörte, also in weiterer Zukunft angesiedelt ist, und einen, der zwischen (!) „Prometheus“ und „Covenant“ spielt und diese Prequel-Trilogie abrunden soll. Um es vorwegzunehmen: Das hat sie auch nötig.

Denn perfekt ist das, was der greise Filmemacher hier abliefert, keineswegs. Zwar ist die Story in sich sehr stimmig – daher mein revidiertes Voraburteil -, aber ein, zwei Brüche gönnt sich Scott dann doch. Und im Rahmen der kompletten Saga wird mit vielen, vor allem wichtigen Handlungssträngen relativ achtlos umgegangen. Ihr habt euch geärgert, dass der Planet des „Konstrukteurs“ in „Prometheus“ gar nicht der Planet des „Space-Jockeys“ in „Alien“ ist, wie uns versprochen wurde? Dann schaut euch mal an, was Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und David am Ende ihrer im Vorgängerfilm begonnenen Reise erleben (oder eben nicht)… Der inhaltliche Anschluss erfolgt sauber, aber eigenartig. Das lässt einen schon mal zwischendurch enttäuscht seufzen.

Wie immer bleibt es hier weitgehend spoilerfrei, bei einem Film, der mit ein paar Twists aufwartet, ist das nur fair. Auf einen Aspekt muss allerdings eingegangen werden. Richtig – es geht um das Alien. Längst hat sich ja die Bezeichnung Xenomorph eingebürgert, aber ich bleibe lieber dabei, das Vieh gar nicht zu benennen oder eben nach dem Titel seines ersten Films. Denn: Ich persönlich hätte all die Hintergrundgeschichten, die uns mittlerweile aufgetischt wurden, nicht gebraucht. Es ist ein bisschen wie mit dem weiter oben erwähnten schwarzen Mann: Seit ich weiß, dass Darth Vader mal ein blondgelockter Jammerlappen war, hat ihm das einiges von seiner Ausstrahlung genommen. Manchmal ist es gerade das Geheimnisvolle, das Unerklärliche und Unerklärte, das einen Bösewicht zu dem macht, was er ist – zu einer unheimlichen Bedrohung, einer echten Gefahr für die Helden. Im fünften Jahrzehnt seiner fiktiven Existenz hat es das Alien umso schwerer, ein beeindruckendes Filmmonster zu bleiben. Doch kommen wir nun zur großen Stärke von „Alien: Covenant“: Ridley Scott schafft etwas, das ich so zuletzt in „Rogue One: A Star Wars Story“ erlebt habe. Dort wurde Vader, der in den vergangenen Jahrzehnten tausendfach imitiert und parodiert wurde, als jener unbesiegbare Unhold dargestellt, der er ist. Und Scott gibt uns nun das Alien zurück, das 1979 für schlaflose Nächte sorgte. Ein riesiges, hässliches Etwas, mit Klingen als Klauen, Säure als Blut, einem zweiten Maul als Zunge und einem giftigen Dorn am Schweif. Unaufhaltsam, unberechenbar. Oder kurz:

Das hier ist ein Horrorfilm, verdammt!

Dafür hat der alte Mann allen Respekt verdient, der ihm als Erfinder der Kreatur (neben erwähntem H.R. Giger und A.E. van Vogt, dem Autor der heimlichen Literaturvorlage) ohnehin zusteht. Auch inhaltlich geht Scott wie erwähnt zurück: Wir erleben vor allem in der zweiten Hälfte des Films ein klaustrophobisches Gruselabenteuer, während die erste Hälfte jenem philosophischen Gedanken nachhängt, den „Prometheus“ angerissen hat. Das ist spannend, für Cineasten mitunter ein wenig vorhersehbar, aber konsequent umgesetzt und weckt die Hoffnung darauf, dass das Franchise doch noch souverän den Bogen zum legendären Auftakt schlägt. So und nicht anders mag ich mein Alien – außen blutig, innen eiskalt. Beim nächsten Mal lässt Großvater Scott ja eventuell nochmal jemanden übers Drehbuch gucken, statt sich stur zu verzetteln. Hey – ich hab doch auch meinen Dickkopf überwunden!

Superhelden-Overkill-Paradies

„In den letzten drei, vier Jahren bin ich von einem großen Befürworter von Superhelden-Verfilmungen zu einem weitgehend schweigenden Kritiker geworden“, schreibt Torsten „Wortvogel“ Dewi in seinem aktuellen Blog-Beitrag, den er selbst „ein Pamphlet wider die Herrschaft der Superhelden“ nennt. Ihn treibe, so lässt er uns wissen, die Frage um, „ob wir in Welten flüchten, in denen alle Probleme von muskelbepackten Übermenschen gelöst werden können, während die tatsächlichen Probleme der Menschheit ungelöst bleiben“. Und stellt klar: „Die Welt braucht Erwachsene, die sich vor Problemen nicht im Kinderzimmer verstecken, sondern sie angehen.“

Das ist nicht die erste so interessante wie streitbare Theorie des Wortvogels, und er wird sie gewohnt eloquent verteidigen. (Genau genommen tut er das bereits – vornehmlich auf seiner Facebook-Seite.) Und weil ich weiß, dass das für ihn der halbe Spaß ist, vor allem aber, weil ich schlicht anderer Meinung bin, versuche ich im Folgenden, dagegen zu halten.

Da ich gerade fröhlich am Zitieren bin, verweise ich zum Einstieg auf den Text des Songs „Spider-Man und ich“ der Hamburger HipHop-Veteranen Fettes Brot, aus dem ich bereits an anderer Stelle zitiert habe: „Sie kaufte keine Medizin, sie kannte ihren Kleinen, denn zur Besserung gab’s ’n Heft von Spider-Man“, heißt es dort über die tröstende Mutter des Ich-Erzählers, „nichts half besser, nichts hatte ich lieber – der Typ ist so cool, der hilft sogar gegen Fieber.“ Und es folgt die wichtigste Zeile: „Bereit zum Abtauchen, alles startklar, weil Peter Parker als Spider-Man so stark war.“ Das ist der Punkt (und ab jetzt übernehme ich, versprochen): Es geht ums Abtauchen.

Ich habe etwa dieselbe kulturelle Sozialisation hinter mir wie die Brote, was vor allem daran liegt, dass wir der gleichen Generation angehören und in ähnlichen Verhältnissen groß geworden sind. Wer Anfang der 80er aufs Teenie-Alter zusteuerte und nach Ablenkung von den vermeintlichen Sorgen der Mittelschicht suchte, der griff gerne zu den bunten Heften, die damals übrigens tatsächlich noch Hefte waren und bunt sowieso, vor allem aber in den Augen der Erwachsenen bestenfalls zu beschmunzelnder Schund. Es war vielleicht mein erster rebellischer Akt, im Kiosk um die Ecke in DC-Comics zu schmökern, und er wurde ungleich rebellischer, wenn ich dann Marvel-Comics mit nach Hause nahm. Ich war von Anfang an ein Marvel-Fanboy: Der eingangs erwähnte Peter Parker hatte permanent mit Problemen zu kämpfen, die mich mitunter an meine erinnerten, und das machte ihn und seine ähnlich gebeutelten Bekannten ungleich sympathischer als die Riege der attraktiven, weißen, meist reichen Männer in Strumpfhosen, mit denen DC aufwartete. Ständig pleite, meist unglücklich verliebt, gestresst durch mehrere Jobs, immer leicht verpeilt – mit zehn, zwölf Jahren ahnte ich offenbar bereits, das mein künftiges Leben dem meines Helden (besser: Freundes) Peter nicht unähnlich sein würde.

Und doch behaupte ich, damals mit der klassischen Taschenlampe unter der ebenso klassischen Bettdecke etwas für besagtes Leben gelernt zu haben, das Parkers notorisch weise Tante May viele Jahre später in einer Verfilmung seiner Abenteuer so formulierte: Spider-Man hat mir gezeigt, wie man ein bisschen länger durchhält. Die Medien verteufeln ihn, sein Dasein ist eine einzige Tragödie – aber wenn es darum geht, das Richtige zu tun, dann tut er verdammt nochmal genau das. Der Biss einer Spinne gab ihm die Möglichkeit, für andere einzutreten, also macht er das auch – Kraft, Verantwortung, Ihr kennt die Geschichte. Klar wurde ich nie von einem radioaktiven Krabbeltier gebissen, natürlich weiß ich, dass man nicht an Fäden durch Hochhausschluchten schwingen kann, aber obwohl das pathetisch klingen mag: Jeden Tag durchhalten zu müssen – damit kennt sich ja wohl jeder aus. Also war mir der freundliche Netzkopf von nebenan ein guter Ratgeber in jenen Jahren des Lernens, mindestens so wertvoll, wie das für Altersgenossen ein Sportler oder meinetwegen gar ein Politiker gewesen sein mag. Mach dir nichts draus, wenn andere schlecht von dir denken – wichtig ist, dass du das Richtige tust. Und so waren Schundhefte meine Bibel.

Daran hat sich unfassbare 35 Jahre später nichts geändert. Oder doch: Ich lese eigentlich keine Comics mehr, und wenn, dann sind es keine Hefte, sondern überteuerte Sammelbände mit edler Cover-Gestaltung, in aufwändiger Druckqualität, und sie kommen auch nicht unter die Decke, sondern ins Bücherregal. Auch geht die Zahl derer, die sie nach wie vor als Schund bezeichnen würden, inzwischen gegen Null. (Eventuell findet sich in Bayern noch ein reaktionärer Geistlicher oder in irgendeinem hessischen Dorf ein rückständiger Deutschlehrer.) Meine Generation stellt heute die aktiven Intellektuellen, und wir wissen es einfach besser. Comics sind also Kunst… und Kommerz. Denn von ihrem Herkunftsland aus haben sie in den vergangenen zehn Jahren mit zäher Beharrlichkeit ein neues Medium erobert. Ich bin immer noch ein Nerd wie als Schüler, aber inzwischen verfolge ich die Abenteuer der Helden meiner Kindheit im Kino. Bereitwillig, eher begeistert schaue ich mir jeden Marvel-Film auf der Leinwand an, kaufe einige Monate später die Blu-ray, und was im Fernsehen läuft, wird selbstverständlich am Stück verschlungen, dafür darf sehr gerne mal ein langes Wochenende draufgehen. Ich liebe das Marvel Cinematic Universe mit der gleichen Wucht, mit der ich die albernen DC-Kino-Versuche hasse. Ich trage mit Mitte 40 stolz Deadpool- und Punisher-T-Shirts. Ich diskutiere ausführlich und kontrovers mit Gleichgesinnten über Fragen wie die nach dem einzig wahren Quicksilver-Darsteller. Und warum tue ich all das? Die Antwort ist gar nicht super, sondern furchtbar banal: Weil ich es kann.

Nochmal ein leichter Druck auf die Rückspultaste: Gar nicht so lange nach meinem ersten Kontakt mit der Welt der Sprechblasen geriet ich in Kontakt mit jener Welt, deren Existenz früher oder später jede Kindheit beendet – mit der Realität. Ich wurde erwachsen in der Ära des kalten Krieges, des Super-GAU, des sauren Regens. Die Probleme unserer Welt wurden in der Schule thematisiert, in den Nachrichten, in Gesprächen auf dem Pausenhof oder mit der Familie. Was heute Trump, war damals Reagan. Die 80er waren gar nicht so bunt wie ihre Klamotten. Erst recht nicht, wenn man jung war, vor allem nicht, wenn man der Mittelschicht angehörte. Und trotzdem behaupte ich, dass gerade meine Begeisterung für das Phantastische, das Irreale, das Andere mit dafür gesorgt hat, dass ich schon seinerzeit eher jemand war, der aufgestanden ist und laut wurde, statt still zu leiden. Die Protagonisten im Comic, aber auch in der SF- und Fantasy-Literatur waren nämlich in der Regel eher aktiv als passiv. Die beiden anderen Faktoren, die mich buchstäblich auf die Straße trieben, waren übrigens mein frühes Faible für im weitesten Sinne rebellische Musik und mein sozialdemokratisches Elternhaus. Zugespitzt: Bruce Springsteen und Joe Strummer, Herbert Wehner und mein jähzorniger Vater haben ebenso wenig die Klappe gehalten wie Spider-Man und Wolverine, die Helden von Lankhmar oder Han Solo. Meine späten 80er und frühen 90er habe ich häufig demonstrierend verbracht.

Worauf ich hinaus will: Torsten stellt die Theorie auf, dass die – zugegeben – drastische Fülle an Comic-Adaptionen in Film und Fernsehen die moderne Version von Brot und Spiele darstellt. Muskelmänner und -frauen, die einfache Lösungen anbieten, halten uns davon ab, uns der komplexen Realität zu stellen – die Avengers als Opium fürs Volk. Das sehe ich völlig anders. Und doch stimme ich dem zu.

Denn selbstverständlich ist mein Nerd-Dasein ein Eskapismus. Wenn ich im Kinosessel sitze oder ganze Serienstaffeln binge, blende ich die Realität für zwei bis 48 Stunden komplett aus. Das ist allerdings mein gutes Recht. Denn was ich weiter oben angerissen habe: Wer sich 24/7 mit der echten Welt beschäftigt, hat es verdient, sich gelegentlich eine Auszeit zu nehmen. Die Steuererklärung ist erledigt, der Müll rausgebracht, im Kühlschrank liegen einigermaßen ausgewogen gewählte Lebensmittel – ich habe mein Leben schon relativ gut im Griff. Möglich macht das (daher das „Können“) ein durchaus anspruchsvoller und fordernder Job, der mich jeden Tag bis zu 15 Stunden mit der knallharten Realität konfrontiert. Ich begeistere mich für meine Arbeit als Journalist ähnlich wie für meine Sprünge in andere, in fiktive Welten. Beides sind die viel zitierten Seiten jener Medaille, die mir als politisch bewusstem Erwachsenen am Hals baumelt. Und jetzt kommt die Stelle, an der ich dem Wortvogel zustimme: Ich habe ein Auge drauf, dass beide mal sichtbar sind. Zuviel Chaos in der Welt macht Chaos im Kopf, zuviel Flucht davor birgt die Gefahr, das Chaos zu vergessen. Beides wäre falsch.

Zugegeben: Ich schreibe hier nur für mich, einen kinderlosen Mittvierziger, parteipolitisch eher links, einigermaßen gut informiert und hoffentlich normal begabt. Ob sich andere tatsächlich geistesabwesend auf die prächtigen Sahnetorten stürzen, die ihnen Hollywood serviert, und sich dabei überfressen, weiß ich letztlich so wenig wie Torsten Dewi. Die Gefahr besteht sicher. Und doch bleibe ich dabei: Die Welt braucht Helden. Also Menschen wie Ghandi, King und Mandela, wie Muhammad Ali, Severn Suzuki und den Feuerwehrmann von nebenan – aber eben ab und zu auch wie Steve Rogers und Peter Parker.

„American Gods“ gilt als neue Kultserie

Eine gute und eine schlechte Nachricht hat der Gefängnisdirektor für Häftling Shadow Moon (Ricky Whittle): Zwar wird er einige Tage früher als geplant in die Freiheit entlassen – der Grund dafür ist jedoch der tödliche Unfall seiner Frau. Die Reise zur Beerdigung wird für den hinter Gittern geläuterten Betrüger und Schläger zum Abenteuer. So lernt er einen undurchschaubaren Fremden kennen, der sich Mr. Wednesday (Ian McShane) nennt und Shadow unbedingt als Handlanger engagieren will. Der Ex-Sträfling nimmt seinen neuen Job eher widerwillig an. Und spätestens, als er von einer Horde gesichtsloser Roboter zusammengeschlagen und aufgehängt wird, erkennt er, dass es im Knast bedeutend ruhiger zuging…

Blut spritzt, Körperteile fliegen meterhoch, Wikinger verstümmeln sich selbst, jemand wird von einer riesigen Vagina gefressen, ein Monsterbüffel hat glühende Augen, ein hünenhafter Leprechaun will sich prügeln, und ein Psychopath besteht aus lebenden Pixeln – die erste Folge von „American Gods“ wartet mit einer derart überbordenden Optik auf, dass man sich nach wenigen Minuten wie im Rausch fühlt. Visuell ist das alles so beeindruckend, dass es den Zuschauer atemlos zurücklässt, nachdem er mit weit aufgerissenen Augen das absurde Geschehen aufgesaugt hat.

Die neue Serie von Amazon Video startet mit reichlich Vorschusslorbeeren, was nicht zuletzt an der Vielzahl von Stars vor und hinter Kamera liegt. So stammt die Romanvorlage aus der Feder von Neil Gaiman, für seine Fans einer der größten Geschichtenerzähler der Gegenwart. Und mit Leuten wie McShane („Deadwood“) und Gillian Anderson („The X-Files“) ist das als Epos angekündigte Werk durchaus prominent besetzt.

Anders als im Fall von „Lucifer“, das sich eher lose an Gaimans Schaffen orientiert, versprechen die Produzenten zudem, dem grotesken Charme des zugrunde liegenden Buchs gerecht zu werden. Die erste Folge hat Amazon am 1. Mai in seinem Prime-Angebot zur Verfügung gestellt. Man muss nicht so belesen sein wie der Protagonist, um den Dreh der Geschichte zu verstehen: Die Zeit der alten Götter nähert sich ihrem Ende, weil die Menschen nicht mehr an sie glauben. Statt beispielsweise Allvater Odin (dessen wöchentlicher Feiertag der „Wodanstag“ ist…) zu huldigen, preisen sie neue Götzen wie die Technik oder die Medien. Und so kämpfen – vor den Menschen verborgen – alte und neue Gottheiten um die Macht auf Erden.

Nach der ersten Folge lässt sich noch nicht viel darüber sagen, wie sorgfältig die Charaktere ausgearbeitet wurden oder wie interessant die Story ist. Aber was Schauwerte angeht, setzt „American Gods“ offensichtlich neue Maßstäbe. Sollten die kommenden Teile dieses beeindruckende Niveau halten, haben wir es hier ziemlich sicher mit der aufwändigsten Serie aller Zeiten zu tun. Kleine Warnung allerdings: Allzu zimperlich sollte man nicht sein – mit drastischer Gewalt und explizitem Sex wird nicht gegeizt.

Mal abwarten, ob die Kritiker in aller Welt nur ums goldene Kalb tanzen oder ob die „American Gods“ wirklich zum Niederknien sind. Der furiose Auftakt verspricht zumindest einiges.