Mach’s uns noch einmal, Wade: Volle Deckung – “Deadpool 2” legt los!

Symbolbild: Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds).

Luke (Alan Tudyk) und sein Kumpel (Matt Damon) sind Rednecks und verbringen ihre Zeit gerne mit langen Gesprächen. Als sie sich eines Nachts über die Verwendung von Toilettenpapier unterhalten, werden sie vom Zeitreisenden Cable (Josh Brolin) unterbrochen, der sie nach der Jahreszahl fragt, aber dann ungeduldig betäubt…

Okay – das ist natürlich nicht die Handlung von “Deadpool 2”. War nur ein Scherz. Die geht nämlich so:

Peter (Rob Delaney) bewirbt sich nach der Lektüre einer Kleinanzeige für die Gründung eines neuen Superhelden-Teams. Zwar verfügt er weder über außergewöhnliche Fähigkeiten noch über Erfahrungen in der Branche, aber er fand die Annonce lustig und versuchte daher sein Glück…

Schon gut, schon gut! Auch das ist nicht die Handlung von “Deadpool 2”. Das hier ist sie:

Nachdem seine Freundin Vanessa (Morena Baccarin) ermordet wurde, versucht der Söldner und Antiheld Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds), ebenfalls aus dem Leben zu scheiden. Dies stellt sich jedoch als erwartbar kompliziert heraus, denn seine Selbstheilungskräfte setzen selbst nach einer Explosion zuverlässig ein. Da kommt es ihm fast gelegen, dass Colossus (Stefan Kapicic) ihn endlich zu einem Mitglied der X-Men machen will. Bei seiner ersten Mission als Lehrling der Mutanten-Truppe bekommt es Wade mit dem 14-jährigen Russell Collins (Julian Dennison) zu tun, der sich selbst Firefist nennt und damit droht, das Waisenhaus abzufackeln, in dem er lebt. Nachdem Deadpool den Grund für den Tobsuchtsanfall des jungen Mutanten erfahren hat, ist klar, auf wessen Seite er steht, als der grimmige Cable aus der Zukunft dem Jungen nach dem Leben trachtet. Fortan geht es um die mögliche Entwicklung eines Teenagers, um einen Teddybären und darum, wer schneller ballert und härter zuschlägt. Und dabei wollte Wade doch nur in aller Ruhe sterben.

Fast Thanos (Josh Brolin, links) und nicht Deathstroke (Hal Jordan).

Das ist nun wirklich die grob skizzierte Handlung der Fortsetzung von “Deadpool”. Und mehr soll dazu auch nicht verraten werden. Denn was Regisseur David Leitch und die Autoren um Hauptdarsteller Reynolds da in knapp zwei Stunden abfackeln, ist mit “Feuerwerk” nur unzureichend beschrieben. Ihr glaubt, ihr habt schon alles gesehen? Derart viele Gags, Anspielungen und Gastauftritte in solch schneller Folge noch nicht! Und dabei haben wir noch kein Wort über die furiosen Action-Sequenzen verloren. Wie beschreibt man sowas..? Ach ja: Stellt euch einfach “Deadpool” vor und multipliziert es mit 100.

Das Erstaunliche: Zwischen einem wahren Hagel aus bekloppten Sprüchen, tödlichen Kugeln und krachenden Karate-Tritten bleibt der Fortsetzung des Erfolgsfilms von 2016 tatsächlich noch Zeit für echte Gefühle. Es geht wirklich um etwas, die dauerquasselnde Kampfmaschine wird sympathischer und menschlicher dargestellt als im Vorgänger. Ansonsten bekommen die Fans, was sie wollen: “Deadpool 2” (erfrischenderweise ohne deutsche Ergänzung im Titel wie “Den Himmelhund auf dem Highway küsst man nicht” oder “Draußen nur Kännchen”) hält sich verdammt nah an die Comic-Vorlage, ist also brutal und lustig, dreckig und mitreißend, anstrengend und großartig – und bricht ständig die “Vierte Wand”.

Ihr habt genug von den erfolglosen Versuchen, das DC-Universium auf Luthor komm raus möglichst düster zu inszenieren? Selbst das grandiose Marvel Cinematic Universe macht euch nach zehn Jahren langsam ein wenig müde? Dann guckt euch trotzdem – oder gerade deshalb – das neue Abenteuer von Deadpool an. Wade Wilson will’s wieder wissen (und auf Alliterationen steht Prügelstrafe – mit dem Samurai-Schwert).

Alleingang im All: Der Krieg der Sterne wird zum Piratenabenteuer

Der junge Draufgänger Han (Alden Ehrenreich) schlägt sich auf seinem Heimatplaneten Corellia zwischen maroden Fabrikhallen und überfüllten Straßen als Gauner durch. Nach einem Konflikt mit der kriminellen Elite und der unterdrückenden Obrigkeit entschließt er sich, seinem Freiheitsdrang nachzugeben und dem tristen Dasein zu entfliehen. Dabei wird er von seiner Freundin Qi’ra (Emilia Clarke) getrennt und schließt sich kurzerhand dem Imperium an. Sein Ziel: eine militärische Pilotenausbildung zu absolvieren, um eines Tages zurückzukehren und seiner Gefährtin ebenfalls ein freies Leben zu ermöglichen. In den Wirren des Krieges zwischen den Sternen kommt es für den charmanten Halunken allerdings anders als geplant. Er gerät weiter auf die schiefe Bahn, kann sich im abenteuerlichen Getümmel nur auf seine Talente als Schütze und Pilot verlassen – und auf einen besten Freund fürs Leben, der fortan nicht von seiner Seite weicht.

Wow! Auch nach 40 Jahren als Fan schafft es “Star Wars”, mich zu überraschen. Erst krempelt die Fortsetzung der Saga in “Die letzten Jedi” mal eben Gewohntes um und haucht dem Franchise neues Leben ein. Und nun zeigt die zweite Zwischenmahlzeit nach “Rogue One” erneut, dass man die Vorgeschichte altbekannter Helden packend erzählen kann. Dabei geht “Solo” einen ganz ähnlichen Weg: Zwar ist die Stärke von George Lucas’ Sternenkrieg seit jeher, dass grundverschiedene Elemente miteinander kombiniert werden, und das ist auch der Grund für den jahrzehntelangen Erfolg bei immer neuen Generationen von Anhängern. Raumschiffe und Roboter, Ritter und Piraten, Monster und Außerirdische, Magie und Technik, Schwerter und Blaster, das Ganze in einer packenden Geschichte um Krieg und Freundschaft und Liebe… Klar, dass das begeistert.

Aber die “Star Wars Storys” setzen auf ein anderes Konzept: Sie nehmen eines der Mosaiksteinchen und schaffen dadurch einen neuen Fokus auf das große Ganze. War “Rogue One” ein vergleichsweise harter Kriegsfilm, der die schwitzenden und blutenden Truppen in Nahaufnahme zeigte, ist das erste Abenteuer von Han Solo ein klassisches Swashbuckler-Märchen, voller aufregender Bilder und schräger Figuren.

Das funktioniert grundsätzlich großartig: Alden Ehrenreich verkörpert den Schurken, der meist widerwillig das Richtige tut, durchaus überzeugend und ohne Harrison Ford nur zu kopieren. Donald Glover ist ein charmant-hinterhältiger Lando Calrissian, während Emilia Clarke (“Game Of Thrones”) allenfalls solide und Woody Harrelson sich selbst spielt. Paul Bettany gibt wirklich bedrohlich den sinistren Psychopathen – und wer die vier mehr oder weniger überraschenden Cameos bekannter Darsteller mitkriegt, darf sich zu Recht als Fan bezeichnen. Auch kommt das “Solo”-Abenteuer als kühner Ritt daher, niemals wird es langweilig, immer ist etwas los. Die Protagonisten hetzen von einer grotesken Welt zur nächsten – und natürlich sind die Spezialeffekte erwartungsgemäß atemberaubend. Die Geschichte von Han im Unglück erzählt jedoch die eines Vertreters der Unterschicht. Seine Heimat wird dargestellt als eine Art Detroit im Weltall, voller kaputter Fabrikgelände und heruntergekommener Industrie. Seine Mitstreiter sind keine edlen Jedi-Ritter oder strahlenden Prinzessinnen, sondern Kriminelle und Söldner – allerdings mit dem Herz am rechten Fleck, wenn es darauf ankommt. (Oder doch nicht?) Hier kämpft nicht die Rebellion gegen das Imperium, sondern ein Gescheiterter um sein Überleben. Die Anfangsjahre der Allianz werden allenfalls in einer Parallelhandlung skizziert, um anzudeuten, dass unser Held ein anderes Schicksal erwarten kann, als aktuell zu sehen ist.

Man könnte eventuell kritisieren, dass Solos charakteristische Eigenschaften und Merkmale ein wenig zu gehetzt abgehakt werden: Der legendäre Kessel-Flug, die Uniformhose, die Übernahme des “Millennium Falcon”, seine Sprüche, die Freundschaft zu Chewie (Joonas Suotamo) und das Misstrauen gegenüber Lando – das alles wird eben in einem einzigen Film gezeigt. (Harrison Ford dürfte sowas gewohnt sein: In “Indiana Jones und der letzte Keuzzug” (1989) eignet sich der junge Indy sämtliche Attribute im Prolog an.) Und wie bei “Rogue One” sollte niemand einen klassischen “Star Wars”-Film erwarten: Die Macht gilt zum Zeitpunkt der Handlung als Mythos, der Konflikt zwischen dem Imperium und den Trümmern der Alten Republik steckt wie erwähnt noch in den Kinderschuhen.

Dafür schafft es Regisseur Ron Howard, genau jene Atmosphäre zu schaffen, die gerade Han Solos Abenteuer für viele Fans zu etwas Besonderem macht. Die Chemie zwischen ihm und Chewbacca wird glaubhaft vermittelt: Wenn die beiden zum ersten Mal gemeinsam im “Falken” sitzen, kann man gar nicht anders als so breit zu grinsen wie der Protagonist.

Wir erleben hier jemanden, dem das Leben übel mitgespielt hat und der trotzdem nie seinen Optimismus verliert. Der eine wilde Jagd mit lässigen Witzen und einer Extraportion Mut meistert. Und – versprochen – der immer zuerst schießt.

Unbesiegbar: “Avengers: Infinity War” wirft riesige Schatten

Thanos kommt. Der übermächtige Despot aus dem All nähert sich nach blutigen Schlachten und grausamen Massakern auf anderen Welten der Erde. Bedrohlich, gnadenlos und unaufhaltsam. Das Ziel des wahnsinnigen Titanen (Josh Brolin) ist der Besitz der so genannten Infinity-Steine, die nahezu unbegrenzte Macht verleihen. Mit ihrer Hilfe will er die Bevölkerung der gesamten Galaxis um die Hälfte reduzieren – was natürlich ungezählte Tode zur Folge hätte. Die Avengers und ihre Freunde stellen sich ihm in den Weg, sind jedoch nicht in der allerbesten Verfassung: Nach den Ereignissen in “Civil War” ist das Team gespalten, persönliche Krisen und interne Fehden zehren an den Helden. Und so ziehen Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey jr.), Steve Rogers (Chris Evans), der einstige Captain America, der heimatlose Thor (Chris Hemsworth), aber auch Doctor Strange (Benedict Cumberbatch), Spider-Man (Tom Holland), Black Panther (Chadwick Boseman) und die Guardians Of The Galaxy in mehreren Gruppen in die Schlacht, die ihre letzte sein könnte.

Wow. Ich bin selten sprachlos, aber dieser Film hat das geschafft. Die schiere Wucht der Bilder, die Intensität der zahllosen Actionszenen, aber auch die unterschiedlichen Emotionen und die konsequent umgesetzte Geschichte haben mich in den Kinosessel gedrückt – mehr als zwei Stunden lang. Ein ganzes Jahrzehnt hat Marvel an seinem filmhistorisch einmaligen Mammutprojekt gearbeitet, hat das Marvel Cinematic Universe (MCU) langsam und Schritt für Schritt ausgebaut, um endlich alles in diesem Monster von einem Monumentalfilm zu einem gigantischen Epos zusammenzuführen. Und das ist nur der erste von zwei Teilen!

Aber der Reihe nach (und wie immer ohne Spoiler): Man kann nicht oft genug betonen, dass dies ein Marathon ist, kein Sprint. Anders als sämtliche Konkurrenten, die deshalb gnadenlos gescheitert sind, haben die Produzenten der Marvel Studios um Kevin Feige sich Zeit gelassen. Legenden entstehen nicht über Nacht. Und nun, zehn Jahre nach dem ersten “Iron Man”-Film, können sie auf ein buntes Portfolio etablierter Charaktere zurückgreifen. Die Geschichte, die sich in “Avengers: Infinity War” zu einem Höhepunkt aufbäumt, begann damit, dass Nick Fury (Samuel L. Jackson) damals Tony Stark wissen ließ, dass dieser nicht der einzige Superheld sei: “Ich bin hier, um mit Ihnen über die Avengers-Initiative zu reden.” In der Folge haben die Fans hundertfach mit ihren Helden gefiebert und gelacht und gelitten. Wir haben die tragische Geschichte um Bruce Banner und sein verhasstes Alter Ego erlebt. Wir waren dabei, als aus einer bunt zusammengewürfelten Truppe so etwas wie eine Familie wurde. Wir wurden Zeuge davon, wie der schüchterne Peter Parker sich in einen Helden verwandelt hat. Und wir mussten mitansehen, wie die Freundschaft von Steve und Tony zerbrach.

Kurz: Die Erwartungshaltung war nicht eben niedrig. Doch Feige und seine Leute wissen, was die weltweite Anhängerschaft erwartet – und versprochen, Freunde, ihr werdet nicht enttäuscht! Zum ersten Mal treffen sämtliche Protagonisten des hauseigenen Marvel-Universums aufeinander. (Mit Ausnahmen: Mit einem Auftritt der Fernseh-Figuren wie den “Agents Of S.H.I.E.L.D.” oder den “Defenders” hatte niemand gerechnet, aber auch zwei Kino-Charaktere werden vorläufig nicht gezeigt.) Das kracht erwartungsgemäß ordentlich und sehenswert, es beweist aber auch, dass es eben nicht genügt, ein paar Muskelmänner und Models in bunte Kostüme zu stecken. Hier spielen preisgekrönte Schauspieler mit oder zumindest solche, die an der Rolle ihres Lebens gewachsen sind. Zwischen atemloser Spannung und knackiger Action ist nämlich auch Zeit für Ruhepausen, in denen große Gefühle beschworen werden – und das funktioniert einwandfrei.

Wer wirklich jede Feinheit mitbekommen, jede Anspielung verstehen und jede Szene in ihrer Bedeutung erfassen will, sollte tatsächlich sämtliche 18 Vorgängerfilme gesehen (und in die TV-Serien zumindest mal reingeschaut) haben. Natürlich hat auch der durchschnittliche Kinogänger seinen Spaß an den Schauwerten und der packenden Handlung. Aber Marvel dreht sein Konstrukt konsequent weiter, dessen sollte man sich bewusst sein.

Natürlich ist das alles episch und beeindruckend, klar haben alle unsere Lieblinge ihre eigenen, ganz besonderen Momente, und fast selbstverständlich bricht “Infinity War” sämtliche Rekorde, was Bewertungen und Einspielergebnisse angeht. Es gibt jedoch auch Gründe dafür, dass manche Szenen vom Kinopublikum mit Schweigen quittiert werden. Dieser Titan von einem Film ist unbesiegbar, und er wirft riesige Schatten voraus – von etwas, das sich jetzt noch nicht erfassen lässt. Das mit dem Begriff Twist zu beschreiben, wird der Sache fast nicht gerecht.

Der Blockbuster des Jahres. Der bislang wichtigste Film des MCU. Ein Meisterwerk. Und eine Folter für alle, die nun ein Jahr auf die Fortsetzung warten müssen. Excelsior!

Knalliger Abgang und starke Fortsetzung: Die lebenden Toten finden zur alten Form zurück

Aufruhr in Atlanta: Während um sie herum die untote Apokalypse tobt, haben sich die Überlebenden um Rick (Andrew Lincoln) nach langem Leiden und einigen gewalttätigen Auseinandersetzungen zusammengerauft, um den so genannten “Saviors”, aber vor allem deren Anführer Negan (Jeffrey Dean Morgan) in einer letzten Schlacht die Stirn zu bieten. Und so stehen sie zusammen, der verbitterte Ex-Sheriff, die Frau mit dem Schwert, der selbsternannte König, die zornige Witwe und all die anderen Gebeutelten, um sich der Übermacht der gewalttätigen Verbrecher zu stellen. Als der Kampf beginnt, wird schnell klar: Nichts ist, wie es scheint. Und auch Feiglinge können zu Helden werden.

Na also! Endlich findet “The Walking Dead” zu alter Stärke zurück! Auf den letzten Metern beweisen die Produzenten, dass sie noch immer in der Lage sind, eine der besten Serien der Gegenwart am Laufen zu halten. Das Finale der achten Staffel hat Action, Spannung, aber vor allem Emotionen und jede Menge Überraschungen zu bieten. Hier gibt’s wie immer keine Spoiler, aber soviel sei verraten: “Wrath” (“Zorn”) macht Hoffnung für Staffel 9. Und hat mal wieder die Fans zum Leben erweckt, wobei einigen vor allem die vorletzte Szene so schwer im Magen liegt, dass der Titel der Folge eine weitere Bedeutung bekommt.

Wer während der quälend langen Geschichte um den Kampf gegen den verhassten und nahezu unbezwingbaren Negan vergessen hat, was einst so begeisternd an TWD war, wird hiermit daran erinnert. Das Ende der Welt hat eine Zukunft. Bleibt zu hoffen, dass die schlaffen Zuschauerzahlen dieser keinen Strich durch die Rechnung machen.

Zumal die Ablegerserie – ohnehin seit mindestens anderthalb Staffeln sehr originell und großartig – den Faden aufnimmt und das Serienuniversum sehenswert vergrößert. Der Trick ist dabei simpel: Morgan (Lennie James) marschiert einfach als einsamer Wanderer Richtung Mexiko und landet so mitten im Geschehen von “Fear The Walking Dead”. Dort trifft er auf neue Verbündete, was ihm gar nicht in den Kram passt. Denn der störrische Stockkämpfer wird noch immer von Visionen geplagt und hat daher der Gemeinschaft den Rücken gekehrt, um Ruhe zu finden. Sofern das unter lebenden Toten und in ständiger Gefahr für Leib und Leben überhaupt möglich ist.

Das Besondere an der ersten Folge der vierten Staffel, die Amazon Prime bereits zur Verfügung stellt: Niemand der FTWD-Darsteller ist zu sehen, keine der etablierten Figuren spielt mit. Erstaunlicherweise ist das eigentlich eine TWD-Folge, also ein fließender Übergang, der sich vermutlich erst mit Episode 2 tatsächlich abzeichnen wird. Und (wieder keine Spoiler) sie lässt sich am besten mit einer Anlehnung an Stephen King beschreiben: Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm. Glaubt es oder nicht – wenn ihr sie gesehen habt, werdet ihr das verstehen.

Die eine Serie zeigt sich in alter Form, die andere  bleibt gewohnt packend – so machen die Abenteuer in der Welt der wandelnden Leichen wieder Spaß. Blutigen Spaß, das ist klar.

“Ready Player One”: Perfekte Unterhaltung statt Game Over

Im Jahr 2045 sieht die Welt so aus, wie wir uns die nahe Zukunft heute vorstellen – also kaputt und trist. “Die anhaltende Energiekrise. Der katastrophale Klimawandel. Hungersnöte, Armut und Krankheit. Ein halbes Dutzend Kriege. Sie wissen schon: ‘Vierzig Jahre Dunkelheit, Erdbeben, Vulkanausbrüche. Die Toten erheben sich. Menschenopfer. Hunde und Katzen leben miteinander. Massenhysterie!'” So beschreibt Autor Ernest Cline den Zustand der Erde in seinem Roman “Ready Player One”, und der gleichnamige Film deutet das zumindest an. Denn Hauptcharakter Wade (Tye Sheridan) lebt mit seiner Tante und deren wechselnden Liebhabern in einer im Wortsinn zusammengeschweißten Slum-Baracke in Ohio. So etwas wie Privatsphäre gibt es für die zusammengepferchten Bewohner des Unterschicht-Viertels nicht. Ihr Leben besteht aus Müll, Rost und Pizza per Drohne. Und aus der “Oasis”. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches Multiplayer-Online-Game, eine virtuelle Realität, die jedem Spieler die Möglichkeit gibt, der tristen Realität zu entfliehen und zu sein, wer er sein will.

Wades Alter Ego ist der elfenartige Draufgänger Parzival, der mit seinem Sidekick, dem hünenhaften Mechaniker Aech, knallbunte Abenteuer auf fernen Planeten und bei einem rasanten Autorennen erlebt. Wie jedes Spiel hat auch die “Oasis” ein Ziel: Ihr Schöpfer, der autistische Programmierer James Donovan Halliday (Mark Rylance), hat vor seinem Ableben die Aufgabe hinterlassen, drei versteckte Schlüssel – klassische Easter Eggs – zu finden, die die Kontrolle über die komplette Digitalwelt ermöglichen. Für Wade/Parzival und seine Kontrahenten ist diese Suche nach dem Heiligen Gral mehr als nur ein Spiel. Denn die Erlebnisse in der “Oasis” haben durchaus Auswirkungen auf das echte Leben der Protagonisten: Eine virtuelle Währung, die tatsächliches Geld kostet beziehungsweise bringt, und immer perfektere werdende Virtual-Reality-Anzüge sorgen dafür. Während die meisten Spieler also auf der Jagd nach einer Fluchtmöglichkeit aus ihrem Dasein sind, spielt der sinistre Großkonzern Amaz…, äh: IOI mit gezinkten Karten. Dessen Chef Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) ist in der “Oasis” nur unwesentlich finsterer als im wahren Leben und setzt alles daran, die Macht über das Erbe seines einstigen Bosses zu erlangen. Notfalls mit Gewalt, wie Wade schon bald zu spüren bekommt.

Als er eine “Oasis”-Spielerin mit dem Avatar-Namen Art3mis kennen lernt, ist es rasch vorbei mit seinem vergleichsweise ruhigen Leben im Container. Sie nimmt Parzival und somit dessen 18-jährigen Spieler selbst mit in die Schlacht zwischen Gut und Böse – die nicht nur virtuell ausgetragen wird, sondern Einfluss auf das gesamte Leben auf der Erde hat. Und so fliegen schon bald die Fetzen – als Computergrafik, aber auch in Columbus/Ohio.

Endlich! Steven Spielberg hat nach einer Reihe sicherlich guter und wichtiger, aber für die frühen Fans seines Schaffens zu ernster Filme zurückgefunden zu dem, was ihn in den 80ern zu einem der größten Regisseure der Traumfabrik machte. “Ready Player One” atmet zu jeder Sekunde das, was Spielbergs Schaffen damals ausmachte: Abenteuer, Spannung, Action und Unterhaltung – und zwar (soviel vorab) für die ganze Familie. Dies ist ein Film für Zwölfjährige und solche Erwachsene, die sich nach der großäugigen Naivität zurücksehnen, mit der sie seinerzeit staunend im Kinosessel saßen. Wer erinnert sich noch daran, als er zum ersten Mal “Zurück in die Zukunft” gesehen hat? So fühlt sich der neueste Streich des Meisters an – und das ist verdammt gut so.

Natürlich ist die Story vergleichsweise schlicht. Es gibt eine klare Einteilung in die gierigen Bösen mit ihrer Kaltschnäuzigkeit und unnachgiebigen Kontrollsucht einerseits und die charmanten, stets loyalen und mutigen Guten andererseits. Es ist die klassische Geschichte vom scheinbar unbesiegbaren Feind, dem eine bunt zusammengewürfelte Gruppe ihre Freundschaft und ihre Abenteuerlust entgegensetzt. Ebenso natürlich ist Clines Geschichte, die hier verfilmt wurde, nicht gerade übermäßig originell: “Tron” trifft “Matrix”, dazu ein Hauch “Avatar”, ein Spritzer “Surrogates” und eine Prise “The Last Starfighter”. Aber was hat Spielberg daraus gemacht! Selten, möglicherweise noch nie gab es in einem Film derart viel zu entdecken. In jeder Ecke wimmelt es vor Gastauftritten, Anspielungen und Details, die das Nerd-Herz höher schlagen lassen. Hier gibt es wie immer keine Spoiler, aber um das zu verdeutlichen zwei Beispiele: An erwähntem Autorennen nehmen unter anderem das Batmobil der 60er, der Van des A-Teams und Stephen Kings “Christine” teil. Die Fahrer bekommen es auf der abenteuerlichen Rennstrecke mit dem T-Rex aus “Jurassic Park” und King Kong zu tun. Und die zu erwartende große Schlacht zwischen Gut und Böse stellt später sogar vergleichbare Szenen in Mittelerde oder Narnia in den Schatten. Wer erkennt alle Teilnehmer auf beiden Seiten?

“Ready Player One” liefert einfach perfekte, grandiose Unterhaltung in ganz großem Stil. Die 140 Minuten vergehen wie im Flug, es gibt kaum Zeit zum Luftholen, schon gar nicht für Langeweile. Und in Sachen Spezialeffekte stockt dem Zuschauer ebenfalls manches Mal der Atem – wobei die Produzenten das große Glück haben, ja ein Computerspiel darzustellen. Soll heißen: Die Figuren in der “Oasis” müssen nicht perfekt sein wie etwa in den neuen Filmen vom “Planeten der Affen”, sondern lediglich den aktuellen, bereits relativ realistisch aussehenden Computer- und Videospielen etwas entgegensetzen. Und das tun sie mehr als souverän.

Ihr wollt mal wieder einen netten Abend im Kino verbringen? Ein paar Stunden der Realität entfliehen? Und ihr seid keine Fans von Marvel oder Star Wars? Dann ist das hier euer Blockbuster des Jahres. Aber denkt dran: “Der Vorteil der Realität ist, dass sie real ist” (James Halliday)…

Wenn Legenden leise sterben: Die “X-Files” sind geschlossen

Kirsten: Ich gehöre zu den fünf Fans auf diesem Planeten, die niemals wollten, dass Chris Carter die X-Akten noch einmal in die Hände nimmt. Der zweite Film war unterirdisch schlecht, aber das Ende war versöhnlich. Mulder und Scully zusammen in diesem Haus mitten im Nirgendwo. Sie Ärztin, er weiterhin einfach ein Nerd. Irgendwie glücklich, nicht mehr beim FBI. Die Monster im Dunkeln müssen sie nicht mehr jagen. Sie hatten sich. Endlich ein Ende! Ich war damit zufrieden. Und in der Sekunde, als es hieß, dass Chris Carter eine zehnte Staffel X-Files produzieren würde, war mir klar, dass das nur in der kompletten Katastrophe enden konnte.

Die zehnte Staffel, die ähnlich schlecht war wie der zweite Film, ließ mich ratlos und uns alle mit einem riesengroßen Cliffhanger zurück. Nun, in Staffel 11, stellte sich heraus: Scully hatte “nur” Visionen. Ach so, na dann. Diesmal zehn statt nur sechs Episoden, da sollte doch eigentlich genug Zeit sein, einen Plot zu entwickeln, die Mythologie wieder auf die Reise zu schicken, die fiesen Gegenspieler vorzustellen und standesgemäß einzuführen. Die elfte Staffel war stets bemüht – würde ich ins Zeugnis schreiben, denn diesmal dienten nicht nur die Klappen-Folgen 1 und 10 als Mythologie-Erzählung, sondern es wurde zwischendurch immer mal wieder William, der verschollene Sohn, ins Spiel gebracht. Dennoch ging der Versuch wieder daneben. Für dieses glücklose Unterfangen steht vor allem die Abschlussfolge, die gut und gerne die letzte X-Files-Folge überhaupt sein kann. Auf jeden Fall die letzte mit Gillian Anderson, die ihren Rückzug schon verkündet hat. Im Grunde ist das alles spoilerfrei schnell zusammengefasst: Verfolgungsjagden mit Auto, zu Fuß und natürlich immer im Dunkeln und unbedingt ohne Hand und Fuß. Und das alles möglichst lang, damit man sich 15 Minuten lang schon mal über die Zeit ärgern kann, die damit vertan wurde, unsinnige Jagden zu zeigen, statt eine Geschichte zu erzählen. Ich schaute das erste Mal nach 18 Minuten auf die Uhr, erschrak darüber, dass schon 18 Minuten vorbei und eigentlich noch nichts passiert war! Und dann geht alles ganz schnell. Showdown, Waffen, viel Dunkelheit, Tote, Blut, der Krebskandidat, William, Mulder und Scully. Und ein Ende, bei dem man nicht weiß, ob man weinen oder lachen soll. Irgendwie weniger dramatisch als gedacht, kein gar so schlimmer Cliffhanger, aber alles sehr unbefriedigend. Dialoge aus der Hölle, eine Mythologie ohne Anfang, ohne Ende, ohne Sinn und Verstand. Gegenspieler, deren Tod einen komplett kalt lässt, weil man sie eh nicht kannte.

Unter dem Strich steht ein Satz: Chris Carter hat seine eigene Kreation langsam und qualvoll umgebracht. Er kann es einfach nicht (mehr). Bitte bitte bitte lasst ihn das einfach nicht mehr tun. Lasst Mulder und Scully und ihr kleines Wunder einfach in Ruhe.

Immerhin hat Carter hellseherische Fähigkeiten. Die allumfassenden Folgen heißen nicht umsonst “Der Kampf”, wörtlich übersetzt eigentlich “Mein Kampf” – aber das traute man sich in Deutschland aus verständlichen Gründen wohl nicht. Auf jeden Fall sind alle vier Teile der pure Kampf: ums eigene Überleben, um nicht einzuschlafen, gegen den Herzinfarkt vor lauter Zorn, gegen eine wütende Heulattacke, um den eigenen Verstand. Vielen Dank, Herr Carter, wir arbeiten daran. Es spricht für sich, dass der beste Satz aus der vierten Episode der “Kampf”-Reihe dieser hier von Mulder ist: “I had some payback … to pay back.” (Ich musste Vergeltung… vergelten.) Hatte ich Dialoge aus der Hölle erwähnt?

Lieber Chris Carter, einen Gefallen bitte: Leg den Griffel weg!

Markus: Es hätte so schön sein können: Mit Geschichten über psychopathische Zwillinge (grandiose Leistung von Karin Konoval!), Höllenhunde und Amok laufende Technik, die hinter dem “Black Mirror” lauert, bewiesen die “X-Files”, dass sie nicht zum alten Eisen gehören und in guten Momenten dem Nachwuchs zeigen, wo der Hammer hängt.

Einzig der Auftakt ließ dröhnende Schläge auf den Amboss vermissen und stattdessen ein harmloses, aber selbstverliebtes Hämmern hören – denn einmal mehr stand Chris Carter an der Schmiede, und der hat seinen Schwung bereits irgendwann Anfang der 90er verbraucht. Der Mann hat ein ganzes Genre erfunden oder zumindest definiert. Er hat eine Fernsehserie geschaffen, die wie keine andere ein Jahrzehnt geprägt hat. Er hat uns Mulder und Scully geschenkt, das verdammt tollste Paar in der Geschichte des Heimkinos. Und zu keinem Zeitpunkt hat er verstanden, was er da überhaupt tut.

Denn es war nicht schön, es war schade – das Ende nämlich, der Staffel, der Serie gar. Die Erwartungen waren hoch, und das waren sie zurecht. Wenn Legenden gehen, dann bitte mit einem lauten Krachen, das den metaphorischen Amboss in tausend Teile zerbersten lässt. Wir wollten einen Rückblick mit Erinnerungen an all die Charaktere, die uns so lange begleitet haben – die Gunmen, Deep Throat, meinetwegen den fuckin’ Wurmmann! Wir wollten Pathos und bittersüße Melancholie. Wir wollen ein Happy End – oder wenigstens ein Ende, das dem übermächtigen Erbe der X-Akten würdig ist.

Stattdessen bekamen wir eine mit ungelenk inszenierten Vorfolgungsjagden gestreckte Standardfolge voller Leerlauf, sinnlosem Getöse und einer letzten Szene, die allenfalls nicht ganz so furchtbar war wie befürchtet. Nur: Dies sind die “X-Files” – und wenn die für immer zugeklappt werden, dann hat das gefälligst großartig zu sein und nicht “hätte schlimmer kommen können”.

Schlimmer geht natürlich immer, das hat uns Mister Carter so intensiv gelehrt wie niemandem zu vertrauen. Aber wenn wir ein Vierteljahrhundert lang mitfiebern, wie die beiden FBI-Agenten die Wahrheit jagen, dann wollen wir am Schluss erleben, dass diese nicht mehr irgendwo da draußen ist, sondern endlich greifbar nah. Und dass unsere Helden ihre verdiente Ruhe finden.

Doch Sturkopf Carter serviert uns einen stumpfen, einen verkrampften, einen weiteren Cliffhanger. Eigenartige Dialoge, die selbst Anderson und Duchovny einiges abverlangen. Eine Storyline, die im Nichts endet. Und eine Reihe unnötiger und sinnfreier Tode. Das alles ist fast würdig, in diese Liste des Grauens aufgenommen zu werden. Unterm Strich bleibt ein Satz mit X (immerhin das ist konsequent) und die Hoffnung, dass die X-Akten wirklich für immer geschlossen bleiben. Traurig genug.

Mulder und Scully werden mir fehlen. Ihr Erfinder sicher nicht.

“The Orville” hebt ab: Macht nicht mehr draus, als es ist!

Captain Ed Mercer (Seth MacFarlane) hat viel um die Ohren: Nicht genug, dass ihn seine erste Mission als Captain des Raumschiffs “Orville” vollauf beschäftigt, kommt ihm auch noch sein Erster Offizier Kelly Grayson (Adrianne Palicki) in die Quere. Die Gute hat Haare auf den Zähnen und ist seine Ex-Frau. Im Vergleich zur Dauerdiskussion mit ihr kommt Ed die Zusammenarbeit mit seiner restlichen Crew fast entspannt vor. Dabei besteht diese aus ebenfalls durchaus verspannten Egozentrikern – unter ihnen die resolute Schiffsärztin Dr. Claire Finn (Penny Johnson Jerald), der notorisch grimmige Zweite Offizier Bortus (Peter Marton), ein Kling… äh: Moclaner, die unerfahrene Vulk… äh: Xelayanerin Alara Kitan (Halston Sage) und der kühle Androi… äh: Kaylon Isaac (Mark Jackson), seines Zeichens Wissenschaftsoffizier und auf Forschungsmission unter seinen biologischen Kameraden.

Viel war in den vergangenen Monaten zu lesen über MacFarlanes aktuelles Projekt. Der Mann, der mit der Trickserie “Family Guy” oder Filmen wie “Ted” nicht nur der Unterhaltungsindustrie, sondern der Gesellschaft vor allem in den Vereinigten Staaten den Spiegel vorhält, hatte sich vorgenommen, seiner Begeisterung für Star Trek nachzugehen. “The Orville”, das Ergebnis seiner Arbeit, sei sehr gelungen, hieß es von jenen, die die Serie bereits verfolgt hatten. Sie sei sogar besser als “Star Trek: Discovery”, also das offizielle neue Produkt des Franchise. Dabei balanciere es gekonnt zwischen Parodie und durchaus ernstzunehmender Hommage an das Original, namentlich der ersten Serie und “The Next Generation”. Sogar zwei Fronten kristallierten sich heraus: Wem die Abenteuer der “Discovery” nicht klassisch genug erschienen, der hielt nun eisern zur Crew der “Orville”.

Wie so oft, wenn etwas mit viel Getöse diskutiert und all zu frenetisch gefeiert wird, ist eigentlich alles halb so wild. “The Orville” – inzwischen auf ProSieben zu sehen – ist eine nett gemachte, überraschend kostengünstig produzierte Parodie auf TOS und TNG. Nicht weniger, aber auch mit gutem Willen auf keinen Fall mehr. Oder anders: Wer angesichts des einen oder anderen kreativen Plots tatsächlich glaubt, hier auch nur einen Hauch von ernsthafter SF-Serie wahrzunehmen, hält mit Sicherheit auch “Family Guy” für harmlosen Zeichentrick aus dem Kinderprogramm.

Das Problem: So richtig lustig ist “The Orville” leider nicht. Gemessen am Zynismus von MacFarlanes sonstigen Projekten kommen die Dialoge relativ harmlos daher. Und bedenkt man den Enthusiasmus und den Sinn für Perfektion, die er für gewöhnlich an den Tag legt, sieht das Ergebnis zudem wenig beeindruckend aus. Es mag allerdings Absicht sein, dass die Optik von “The Orville” an bessere Fan-Filme erinnert. Die beiden zugrunde liegenden Serien waren technisch auch nicht direkt ihrer Zeit voraus. (Nicht vergessen: Visuell konnte Star Trek immer eher im Kino punkten.)

Bleibt unterm Strich eine vergleichsweise harmlos-humorvolle Parodie, die dem Anspruch, den ein allzu frenetisches Publikum ihr andichtet, gar nicht gerecht werden kann. Und dies sympathischerweise auch zu keinem Zeitpunkt versucht. Der Kaiser ist nackig, Freunde – er hat aber auch nichts anderes behauptet.

Hoffentlich hört er morgen damit auf: “Pastewka” will zuviel

Bastian Pastewka (Bastian Pastewka) ist unzufrieden. Seine Rolle als Klischee-Schwuler in “Frier”, der Erfolgsserie seiner Kollegin Annette Frier (Annette Frier), ist für ihn eine einzige Qual. Sein Halbbruder Hagen (Matthias Matschke) und Erzfeindin Svenja Bruck (Bettina Lamprecht) heiraten und erwarten Nachwuchs. Und nur Nichte Kim (Cristina do Rego) hält zu ihm. Also schmeißt er die Brocken hin. Nach einem Streit mit seiner Freundin Anne (Sonsee Neu) verlässt er sie, zieht in das Wohnmobil, das ihm während der Dreharbeiten zur Verfügung gestellt wurde, und fortan mit selbigem durch die Lande. Wobei er streng genommen lediglich bis zu einem Parkplatz kommt. Basti in der Midlife-Crisis. Da helfen nur die Klassiker: sich nackig machen, wann immer es geht, und eine Affäre mit einer attraktiven Supermarktkassiererin (Pegah Ferydoni).

Ich bin war Fan. Von Pastewka, aber vor allem von “Pastewka”. Hier spielt der Mann tatsächlich die Rolle seines Lebens, das hat Schwung und Seele, ist voller Anspielungen und Metaebenen, extrem clever und vor allem saulustig. Ich habe vermutlich keine deutsche Fernsehserie so häufig gesehen, ich kann ganze Folgen mitsprechen, ich konnte das lange angekündigte Comeback kaum erwarten. Zumal die Produzenten bei Amazon Video sicher mehr Möglichkeiten haben als bei Sat.1. Herrlich.

Selten wurde ich so enttäuscht.

“Ich will langfristig von der Comedy weg”, sagt Pastewka in “Das Fitness-Studio”, der sechsten Folge der zweiten Staffel. Dass das nicht nur für sein Alter Ego gilt, sondern tatsächlich auch im realen Leben, war dem Schaffen des Komikers durchaus anzumerken. Nicht zuletzt der Mehrteiler “Morgen hör ich auf” war keine Comedy, sondern pures Drama, und sogar sehr sehenswert, wenngleich etwas zerfasert. Der Mann kann was. Natürlich tut er das.

Ein kurzer Hinweis auf Facebook ließ mich ein wenig stutzig werden: Staffel 8 der nach ihm benannten Serie werde keine Sitcom, kündigte Pastewka an. Trotzdem blieb ich optimistisch: Die werden schon nichts ändern, das derart gut läuft und von so vielen Zuschauern sehnsüchtig erwartet wird. Außerdem lebt “Pastewka”, die Serie, nicht nur von Pastewka, dem genialen Komiker, sondern durchaus auch von Wiederholung, von running gags, von wiederkehrenden Elementen. Da weiß man, was man hat: der rote Saab. “Natürlich!” Die saufende Regine. “Sooo!” Bratkartoffeln für Papa Volker (Dietrich Hollinderbäumer). “Du Dödel!”

Das ist vorbei.

Ähnlich wie Episode 8 für “Star Wars” stellt Staffel 8 für “Pastewka” eine Zäsur dar, einen Weg, Altes abzuschütteln und Neues zu versuchen. Mit einem Unterschied: “Die letzten Jedi” ist großartig. #Pastewka8 (so der Hashtag auf Twitter) ist leider grottenschlecht.

Aber der Reihe nach: Sämtliche Charaktere benehmen sich komplett anders als in den ersten sieben Staffeln. Entweder wirken sie wie Karikaturen der früheren Figuren – wie beispielsweise Annette und Michael Kessler, die nur noch böse und gemein sind und an Bond-Finsterlinge erinnern. Oder sie sind völlig out of character – wie etwa Kim, die in einer Neufassung der Burger-Szene aus der allerersten Folge “Der Unfall” zu Bastians einziger Verbündeter mutiert. Außerdem werden Elemente derart unbeholfen aus dem Hut gezaubert, dass man die Drehbuchautoren gerne zum Praktikum bei Axel Stein (Episode 7, Staffel 2) schicken würde. Ein Beispiel dafür: Hagen hat heimlich Sperma eingelagert, was Svenjas Schwangerschaft ermöglicht. Sowas lässt man sich vielleicht bei GZSZ gefallen…

Allen voran Bastian benimmt sich derart untypisch, dass es wirkt, als hätten wir es mit einer zufälligen Namensgleichheit zu tun. Statt das Missverständnis mit Anne aufzuklären, trennt er sich und macht sich auf in eine Art Abenteuer. Er flirtet gekonnt mit einer Kassiererin und schläft mit ihr in seinem früheren Kinderzimmer. Er durchbricht mit einem geklauten Wohnmobil einen Metallzaun. Kurz: Wer sind diese Leute? Warum heißen sie wie die Figuren aus “Pastewka” und werden von den gleichen Darstellern gespielt?

Die Handlung ist zudem kein bisschen lustig, sondern im Gegenteil eher brutal auf Drama angelegt. Wenn Bastian sich nicht gerade auszieht, lebt er stumpf in den Tag, verwahrlost zusehends, hat Begegnungen mit ähnlich gescheiterten Existenzen. Auch sein viel zu später Versuch, Anne zurückzugewinnen, hat nichts von der linkisch-sympathischen Verzweiflung in vergleichbaren Situationen (Episode 5, Staffel 4 oder Episode 10, Staffel 5). Bonjour, Tristesse!

Allem ist anzumerken, dass vor und hinter der Kamera durchaus große Ambitionen umgesetzt werden sollten. Allein: Das ist gescheitert. Weil es einfach nicht funktioniert. Das hier ist nicht mehr mein “Pastewka”, es ist nicht mehr der Pastewka. Und das ist verdammt schade.

So bleibt nur die Hoffnung, dass Basti in Staffel 9 aus der Dusche kommt (auf Nacktszenen steht er ja inzwischen) und alles nur ein Traum war. Oder dass Staffel 8 im Spiegeluniversum spielt wie “Star Trek: Discovery”. Oder dass es sich um die Fortsetzung von “Die Ohrfeige” (Episode 8, Staffel 7) handelt und einfach ein gescheitertes Experiment ist.

Nachtrag: Wie geht der nette und lustige Herr Pastewka eigentlich mit Kritik um? Etwa so:

 

“This” is it: “The X-Files” schlägt neue, alte Seiten auf

Was tun FBI-Agenten eigentlich in ihrer Freizeit, wenn sie sich erholen wollen von der Jagd nach Aliens und der Lösung geheimnisvoller Rätsel? Klar – sie sitzen schlafend auf dem Sofa. Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny) machen also nichts anderes als ihre Fans vor der Glotze. Bis ihnen plötzlich die Kugeln um die Ohren fliegen und beide beweisen müssen, dass sie notfalls auch Gewalt anwenden können. Denn ein alter Freund braucht ihre Hilfe. Ein Freund, der bereits seit 16 Jahren tot ist.

Manchmal muss man einfach damit leben, dass die Dinge sind, wie sie sind. Wunschhof, Ponykonzert – nicht immer ist das Leben, wie man es gerne hätte. Das gilt auch für so etwas Banales, für so etwas unheimlich Wichtiges wie eine Fernsehserie, die einen mal eben durch das halbe Leben begleitet hat. Hier hat Kirsten aufgeschrieben, wie sie die erste Folge der elften Staffel von “The X-Files” fand, und dem ist nichts hinzuzufügen.

Also ergab ich mich in mein Schicksal und in das meiner beiden Helden. Ihr Schöpfer Chris Carter hatte sie zu einem langsamen und unwürdigen Sterben verurteilt. Die zweite Season nach dem Comeback wird vermutlich die letzte sein, definitiv aber die letzte mit Anderson. Wer Mulder und Scully ein glückliches Ende gewünscht hatte (und wer hatte das nicht), hat nur noch wenige Episoden bis zur finalen Enttäuschung. Und plötzlich kommt Regisseur Glen Morgan und rettet den Tag. Besser: die dunkle Nacht.

Mehr Action gab es in “Akte X” eigentlich nie. Da fliegen auch schon mal die Fäuste: Mulder, Fox Mulder, zeigt, dass nicht nur britische Agenten über Leichen gehen. Und auch wenn mancher Meilenstein dieser Schnitzeljagd nicht besonders subtil sein mag: Immerhin morst hier kein Gehirn um Hilfe. Stattdessen taucht einer der beliebtesten Nebencharaktere wieder auf. Zumindest fast. Oder teilweise. Oder ganz anders. Inszenierung und Setting erinnern an eine weitere Kultfigur aus dem Königreich, nämlich Doctor Who: Es gibt eine absurde Idee, die konsequent umgesetzt wird und deswegen zu packen weiß. Und mittendrin in dieser gewalttätigen Verschwörung um “neue” Techniken stecken die beiden Protagonisten, die vermutlich am liebsten noch ihre Stabtaschenlampen (und ihre Schulterpolster) aus der guten alten Zeit hätten. Ihr Gegenspieler diesmal: ein Doppelgänger von Bob aus “Twin Peaks”…

Was nicht so gut gelungen ist: Skinner (Mitch Pileggi) bleibt out of character, nachdem er doch spätestens in der Comeback-Staffel zum klaren Unterstützer seiner Agenten geworden war. Warum er nun wieder die Rolle des lediglich widerwillig unterstützenden Bremsklotzes übernimmt, war mir schon in “My Struggle III” nicht ganz klar. Vermutlich kommt Pileggi – anders als Anderson und Duchovny – nicht besonders souverän gegen Carters wirre Dialoge und Drehbücher an. Das weht bis in die zweite Folge herüber.

Was natürlich super gelungen ist: Mulder und Scully, vor allem ihre Darsteller, bleiben das Genre-Traumpaar schlechthin. Die können gar nicht anders als großartig. Da fliegen die Funken. Da kracht es, wo es krachen muss. Und da klickt ineinander, was zusammengehört.

Es fliegen also Kugeln, Fäuste und Funken – und das ist soviel mehr, als Carter mit dem Staffelauftakt hinbekommen hat. “This” hat Herz und Hirn, erinnert an früher und schafft neue Spannung, macht verdammt viel richtig. Ihr habt vergessen, warum ihr die X-Akten liebt? Die zweite Folge der elften Staffel wird euch dran erinnern.

My struggle III: Wie eine große Liebe (Akte X) stirbt

Sie war meine erste große Liebe, eine, die niemals enden wollte und sollte und auch gar nicht konnte. Denn Chris Carter hatte sie mit einem einigermaßen annehmbaren Serienende und einem schlechten zweiten Kinofilm schiedlich-friedlich irgendwie zu Grabe getragen. Mit diesem Ende konnte ich leben. Nicht alles wurde wiedergekäut, manche Dinge waren in Stein gemeißelt. Wir, sie und ich, machten uns auf, Hand in Hand Richtung Sonnenuntergang zu laufen, in das ewige Nichts des Vergessens. So konnte ich sie im Herzen tragen, meine große Liebe. Sie würde niemals sterben. Bis… ja, bis… Chris Carter, Fox und irgendwelche Irren beschlossen, sie wiederzubeleben und erneut zu töten, diesmal richtig langsam und qualvoll. Die Rede ist von, klar, Akte X, The X-Files.

Ich will mich gar nicht lange an einem Rückblick zu Staffel 10 aufhalten, doch die schmeckte im Nachgang gar nicht mehr so gut wie beim ersten Gucken. Viele Folgen waren viel zu schnell, zu verwirrend, zu unlogisch, zu wenig Akte X, viel zu wenig Mulder und Scully. Es wirkte, als wollte man in sechs Folgen packen, was man acht Jahren Pause schließlich nicht erzählen konnte. Die Mythologie war allenfalls eine Randnotiz – oder eher etliche Randnotizen. In verwaschener Schrift, einiges durchgestrichen, neu entworfen, zurückgespielt, ausradiert und so weiter. Sehr sehr frustrierend, dass Chris Carter uns am Ende wieder mit einem Cliffhanger zurückließ. Scully, die auf ein UFO blickt. Diesmal mussten es also die Aliens sein…

Ob es jemals eine elfte Staffel geben würde, war lange unklar. Dann die Erlösung: Ja, Staffel 11 kommt. Bitte, bringt den Kram doch endlich zum Abschluss. 25 Jahre, über 200 Folgen, ein Mythologie-Labyrinth ohne Ein- und Ausgang. Ich betete schon früh darum, dies möge bitte das Ende sein. Es reicht! Denn Chris Carter macht seit Jahren nur noch eins: es immer schlimmer.

Meine Erwartungen an Staffel 11 sind dementsprechend gering. Letzte Nacht also der Start mit Folge 1: My Struggle III. Diese Folge ist die Fortsetzung des ersten und letzten Teils von Staffel 10 – und auch erzählerisch steht die Folge den ersten beiden in nichts nach. Es ist hektisch, schnell, irgendwie billig, wenn Fox Mulder in einer Verfolgungsjagd einen Wagen abhängt, um diesen dann selbst zu verfolgen. Die einzige Möglichkeit, den UFO-Twist aufzulösen, ohne wirklich ein UFO zu zeigen, hat Chris Carter aus dem Ärmel geschüttelt – DAS war also durchaus vorhersehbar. Es war auch vorhersehbar, dass Chris Carter seinen Charakteren, irgendwann mal mit viel Liebe und Leidenschaft ins Leben gerufen, keine Ruhe gönnen würde.

Nach knapp 41 Minuten ist es dann auch schon wieder vorbei mit dem ersten von insgesamt zehn Intermezzos, es bleibt ein fader Beigeschmack. Wo will Chris Carter hin? Was möchte er uns noch erzählen?

Ohne zu viel vorwegzunehmen: Am Ende dieser ersten Folge setzt er die Zuschauer über eine Wahrheit in Kenntnis, von der Mulder und Scully nichts wissen. Wir werden also nun wohl eine ganze Staffel einen Wissensvorsprung vor den Hauptfiguren haben und jedes Mal darum kämpfen, nicht den Fernseher anzubrüllen, dass sie doch bitte dies oder jenes tun oder nicht tun sollen. Es ist eine Wahrheit, die einen der größten Twists der Serie auflöst, alles auf den Kopf stellt, was bisher als Wahrheit gelten konnte, alles neu erzählt. Eine Wahrheit, die Carter schon 1999 kannte, und die er uns erst jetzt mitteilen wollte. Eine unglaubliche Wahrheit. Dies könnte die Staffel retten, dies könnte sogar die Serie noch retten, der man einfach kein schönes Ende mit einem Spaziergang in den Sonnenuntergang gönnen wollte.

Unter dem Strich steht nach 41 Minuten vor allem eins: Ernüchterung. Nein, Chris Carter sollte einfach keine Folgen mehr schreiben. Er sollte endlich den Stift aus der Hand legen und andere machen lassen. Es ist leider gar nicht möglich, den Plot dieser Folge spoilerfrei wiederzugeben, daher wird an dieser Stelle darauf verzichtet. Ein paar Fakten: Scully geht es gar nicht gut, der Krebskandidat will die Menschheit auslöschen, Mulder soll das verhindern, Skinner gerät zwischen die Fronten. Der Plot um Walter Skinner könnte dabei noch der wichtigste dieser Staffel werden.

Für mich und meine große Liebe im Herzen bleibt nur eins: warten, von Woche zu Woche hangeln, hoffen, dass alles besser ist als vor zwei Jahren. Dass es endlich einen Abschluss gibt. Dass Chris Carter es danach bitte entweder sein oder seine Schöpfung mit einem Kracherfilm einfach explodieren lässt.