Einsam im Weltraum: „Passengers“ ist eine angenehme Überraschung

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Und manchmal halten sie Überraschungen für uns bereit. Wie beispielsweise „Passengers“, einen Film, den ich gar nicht auf dem Schirm hatte und der mich erfreulich beeindruckt hat.

Irgendwann in der Zukunft ist das Raumschiff „Avalon“ auf einer 120 Jahre dauernden Reise zum Kolonieplaneten Homestead II. An Bord funktioniert alles automatisch, denn Passagiere und Besatzung befinden sich im Tiefschlaf, um nicht unterwegs zu sterben, sondern am Ziel frisch aufgetaut ein neues Leben zu beginnen. Die vermeintlich perfekte Technik spinnt allerdings, und Passagier Jim Preston (Chris Pratt) erwacht 90 Jahre zu früh. Der findige Techniker findet sich relativ rasch zurecht, kann jedoch den Defekt nicht beheben und hat als einzigen Ansprechpartner einen Barkeeper-Roboter (Michael Sheen), der keine große Hilfe ist.

Ab und zu betrachtet er die schlafenden Fluggäste und wirft irgendwann ein Auge auf Schriftstellerin Aurora Lane (Jennifer Lawrence). Nachdem er ihre Bewerbungsvideos für die Reise durchs All gesehen hat, verliebt er sich in die New Yorkerin. Immer öfter spricht er mit Barmann Arthur über sein Dornröschen, und nach einem Jahr Einsamkeit entscheidet er sich, Aurora aufzuwecken – wohl wissend, ihr damit ebenfalls die Chance auf ein Leben auf Homestead II zu nehmen…

Erstaunlich, wie sehr eine Art Kammerspiel (faktisch agieren hier nur zwei Charaktere) seine Zuschauer so sehr in den Griff bekommt. Die Geschichte ist zudem ziemlich geradlinig, so dass ein Newcomer wie Regisseur Morten Tyldum zu keiner Zeit die Kontrolle verliert. Das Beeindruckende sind die Details: Unter anderem lockern immer wieder humorvolle Szenen die virtuose Mischung aus Sci-Fi-Drama und Liebesgeschichte auf, und auch die Spezialeffekte können sich sehen lassen, obwohl (oder eher noch: weil) sie recht behutsam eingesetzt werden. Das All übt auch visuell eine starke Faszination aus, ist unwirtlicher Todbringer und wunderschönes Versprechen gleichzeitig. Und wer schon immer mal sehen wollte, wie sich ein Swimmingpool in der Schwerelosigkeit verhält, bekommt hier die sehenswerte Antwort.

Die dichte Atmosphäre ist relativ ruhig, was die Katastrophen- und Dramatik-Ausbrüche umso wirkungsvoller macht. Und sie lebt von den guten Schauspielern: Lawrence und Pratt können Emotionen versprühen, haben Humor und Charme, die Chemie zwischen ihnen stimmt, und fit genug für Action sind sie auch.

„Passengers“ ist ein wirklich überzeugend cleverer „kleiner“ Film, der zum Diskutieren und Philosophieren einlädt und einen auch ein paar Stunden später nicht loslässt. Und dessen eigentlicher Hauptdarsteller (weiter oben wurde es bereits angedeutet) immer wieder in tollen Bildern gezeigt wird: der Weltraum.