Gut gebrüllt, Affe: „Kong: Skull Island“ ist eine Reise wert

Wir schreiben das Jahr 1972. Bill Randa (John Goodman) ist überzeugt: Monster existieren. Zwar nicht direkt mitten unter uns, sondern versteckt vor der Zivilisation, aber hinter manchem Mythos verbirgt sich eine unheimliche Wahrheit. Um Beweise zu sammeln, bereist der Leiter der Regierungsorganisation „Monarch“ entlegene Gebiete in aller Welt, und sein nächstes Ziel trägt den vielversprechenden Namen „Skull Island“. Unterstützt von einer kleinen Reisegruppe, der unter anderem die Truppe um Vietnamveteran Lieutenant Colonel Packard (Samuel L. Jackson), Fotografin Mason Weaver (Brie Larson) und Abenteurer James Conrad (Tom Hiddleston) angehören, erforscht Randa die geheimnisvolle Insel. Die wagemutigen Reisenden müssen nicht lange suchen: Ein gigantischer Gorilla greift die Forscher und Soldaten an. Und der Riesenaffe ist nicht das einzige Ungeheuer auf dem Totenkopf-Eiland…

Es geht voran mit großen Schritten: Nachdem 2014 die japanische Riesenechse Godzilla ein Comeback erlebte, ist nun der bekannteste Monsteraffe der Welt an der Reihe. Das Ziel: Schuppentier und Primat sollen in einem spektakulären Zweikampf aufeinander treffen. Und bis dahin werden beide in Neuauflagen ihrer Kinoabenteuer wiederbelebt. Dabei orientiert sich „Godzilla“ ebenso wenig an den traditionellen Kaiju-Filmen oder an Roland Emmerichs Beitrag aus dem Jahr 1998 wie „Kong: Skull Island“ irgendetwas mit dem Original (1933), dem Remake (1976) oder der Version von Peter Jackson (2005) zu tun hat. Wir erleben klassische Reboots, die sich durchaus an eine neue Generation von Kinogängern wenden.

Im Fall des Ungetüms aus Japan war das Ergebnis eher durchwachsen: Die Entscheidung, Gareth Edwards als Regisseur zu verpflichten, erwies sich als fatal. Anders als in seinem sehenswerten Werk „Monsters“ genügt es für ein Godzilla-Abenteuer eben nicht, den Protagonisten meist nur anzudeuten. Wenn das legendäre Monster wütet, will man das auch sehen – und zwar überlebensgroß, deutlich und reichlich. Alles andere ist Humbug – daran ist schon Guillermo del Toros verregneter „Pacific Rim“ gescheitert.

Nicht zuletzt deshalb gehen die Produzenten von „Kong: Skull Island“ offenbar auf Nummer sicher. Wir beobachten den Riesenaffen – der übrigens eine ganze Ecke größer ist als gewohnt, damit er gegen Godzilla anstinken kann – bei zahlreichen spektakulären Kämpfen gegen die furchterregende Fauna seiner Heimat und gegen die unliebsamen Besucher aus Übersee. Und das ist grandios inszeniert: Der wilde Ritt durch den Dschungel lohnt definitiv den Kauf der Kinokarte.

Hinzu kommt, dass die Atmosphäre der frühen Siebziger gut eingefangen wurde, nicht zuletzt durch stimmige Songs jener Ära. Und wenngleich sie nicht viel mehr tun, als davonzulaufen oder gefressen zu werden: Die namhaften Darsteller machen ihre Sache natürlich gut.

Das kann also was werden mit dem Duell der Kino-Ungeheuer – wenn zuvor noch ein, zwei Drehbuch-Falten geglättet werden. (Zum Beispiel spielt „Godzilla“ in der Gegenwart, was ein Aufeinandertreffen der menschlichen Charaktere quasi verhindert.) Nach dem Ausflug auf Skull Island ist zumindest klar, dass das dann nicht so aussehen wird: