Mein Kinojahr 2025

Mein Kinojahr 2025

„Was für ein Jahr, oder?“ Schrieb ich vor etwa einem Jahr, um meinen damaligen Kino-Rückblick einzuläuten. So richtig überrascht es mich nicht, dass diese rhetorische Frage auch diesmal gut passt. Ist nicht lustiger geworden, da draußen. Und übrigens leider auch nicht drinnen: Wie nie zuvor haben mich in den vergangenen zwölf Monaten jene Schwachköpfe geärgert, die im Kinosaal keine Rücksicht auf andere Besucher nehmen. Leuchtende Mobiltelefone in der Dunkelheit, die von der Leinwand ablenken, gehören inzwischen zum Filmabend dazu. Immerhin: Ich war fast so oft im Kino wie früher. Und laut Letterboxd habe ich mir dort oft Action angesehen. Harte Filme in harten Zeiten?

Starten wir mit dem diesjährigen Countdown…

10. The Gorge: Zum Einstieg gibt’s meine einzige getrickste Platzierung, denn dieser Horrorfilm mit Anya Taylor-Joy und Miles Teller ist auf Apple+ zu sehen. Die beiden spielen zwei Scharfschützen, die eine mysteriöse Schlucht bewachen. Damit aus der Dunkelheit nichts nach oben kommt. Dass neben Grusel und Spannung auch eine gelungene Liebesgeschichte nicht zu kurz kommt, ist ein guter Grund, das Action-Abenteuer in meine Top Ten aufzunehmen. Ein bisschen (unbezahlte) Werbung für einen Streaming-Dienst zu machen, der meist auf Qualität setzt, ein weiterer.

9. Predator: Badlands: „Mit zwölf Jahren hätte ich diesen Film geliebt“, sagte mein Freund Jan über den siebten Teil des „Predator“-Franchises. Und das beschreibt die Geschichte um den jungen Yautja Dek (Dimitrius Schuster-Koloamatangi) und den weiblichen Androiden Thia (Elle Fanning) ganz gut. In meiner Rezension schrieb ich, die Geschichte bediene „sich zwar nach Herzenslust bei anderen Werken wie ‚Avatar‘, ‚Aliens‘ und ‚Enemy Mine‘, punktet aber mit dem ungewöhnlichen Charisma seiner beiden Helden, soliden Spezialeffekten und einem souveränen world building“.

8. From the World of John Wick: Ballerina: Der erste Teil des „deutschen“ Titels deutet subtil an, dass es sich bei der Story um Auftragskillerin Eve (Ana de Armas) um ein Spin-off von Keanu Reeves‘ erfolgreicher Reihe handelt. Daher liegt auf der Hand, dass vor allem das „Baller“ eine tragende Rolle spielt. Ganz so auf(sehener)regend wie die comichaften Gewaltorgien ihres populären Kollegen ist das Abenteuer der trainierten Tänzerin zwar nicht, aber es gibt immerhin reichlich spektakuläre Szenen und – kleiner Spoiler – obendrauf überraschend viel Wick als Gastauftritt. Schweißtreibend und stylish.

7. Nobody 2: Bleiben wir im Berufsfeld des Profikillers: Eigentlich ist Hutch Mansell (Bob Odenkirk) ja im Ruhestand, noch dazu im Urlaub mit Frau und Kindern. Als diese jedoch zunächst in eine Auseinandersetzung mit der örtlichen Dorfjugend und er selbst kurz darauf ins Fadenkreuz des organisierten Verbrechens gerät, kann er praktisch nicht anders, als alten Gewohnheiten nachzugeben. Und schon bald fliegen Kugeln, Fäuste, Zähne und auch mal ein Finger. Im Vergleich zum ersten Film um den jähzornigen Familienvater ist die Fortsetzung etwas klamaukiger, unterhält aber tadellos.

6. The Fantastic 4: First Steps: Langsam wird’s kompliziert im Marvel Cinematic Universe. Ganz kurz für Uneingeweihte: Anders als die bisherigen Filme um Reed Richards und die Seinen spielt dieser im gleichen Universum wie die Avengers und Konsorten. Und gleichzeitig nicht, denn die Erde, die wir zu sehen bekommen, ist nicht jene, auf der Captain America und Iron Man zu Gange sind. Zu erkennen ist das daran, dass die Fantastic Four in einer retrofuturistischen Version der 60er leben. Das Schöne: Ihre ersten Schritte funktionieren ohne all dieses Vorwissen. Und sind eine optisch faszinierende, häufig überraschend emotionale, stets für sich stehende Story. Mal schauen, was „Doomsday“ in einem Jahr daraus macht. Denn dann trifft das Quartett tatsächlich auf die übrigen MCU-Superhelden.

5. Thunderbolts*: Verweilen wir noch ein wenig im MCU. Das ja, ich hatte es erwähnt, inzwischen recht komplex ist. Dieser Film versammelt Charaktere auf der Leinwand, die Fans nur aus Serien kennen. Das ist gewagt – und ging prompt in die Hose. Relativ unbekannte Außenseiter ins Kino zu bringen, hat offenbar nur einmal geklappt, nämlich mit „Guardians of the Galaxy“. Die Thunderbolts mögen an der Kasse gescheitert sein, aber ihr Film ist einer der besten, den Marvel in den vergangenen Jahren zu bieten hatte. Hat man sich an die entsättigte Farbgebung gewöhnt und die kaputten Protagonisten ins Herz geschlossen, erlebt man ein Comic-Abenteuer der anderen Art. Und wird belohnt mit einem Ende, das selbst das gewagte Finale des ersten „Doctor Strange“-Films übertrifft.

4. Mission: Impossible – The Final Reckoning: Stimmt, Tom Cruise und seine Sekte sind ein dankbares Thema für kontroverse Diskussionen. Aber es stimmt auch, dass der Mann einiges fürs Kino getan hat. Und dass seine „M:I“-Filme immer besser werden. In jedem einzelnen davon gibt es mindestens eine Szene, die schlicht atemberaubend ist. In Ethan Hunts vermutlich letztem Abenteuer nun gibt es davon sogar zwei. Eine funktioniert praktisch ohne Musik und mit sparsamer Geräuschkulisse. Es war still im Kinosaal. Kein Handy leuchtete (s.o.). Danke allein dafür, Mr. Cruise. Man darf gespannt sein, was sein nächstes Projekt wird. Das Thema Action hat ja praktisch auserzählt.

3. Frankenstein: Ein paar Tage lang lief Guillermo del Toros Interpretation des legendären Horror-Romans im Kino. (Ich habe ihn ehrlicherweise auf Netflix gesehen.) Ob dieser Schachzug tatsächlich dazu beiträgt, einen Oscar abzugreifen, bleibt abzuwarten. Vielleicht hilft, was ich in meiner Besprechung folgendermaßen beschreibe: „Ein sehr sehenswerter Film ohne allzu große Überraschungen, wenn man von einem relativ originellen Ansatz absieht, was den erzählerischen Aufbau angeht. Man bekommt, was man sich erhofft, dazu ein, zwei saftigere Szenen. Das allerdings macht ‚Frankenstein‘ zur perfekten Umsetzung, durchaus vergleichbar mit ‚Bram Stoker’s Dracula‘.“

2. Springsteen: Deliver Me From Nowhere: Wenn ich schon den Besten zitiere, kann ich damit auch gleich weitermachen. „Das hier ist nicht ‚Bohemian Rhapsody‘, es ist nicht mal ‚Walk The Line'“, heißt es in meiner Kritik dieses Dramas. „Wer eine anekdotische Nummernrevue zum Mitsummen erwartet, sei gewarnt.“ Vordergründig geht es um die Entstehung von „Nebraska“, des vielleicht unbequemsten, auf jeden Fall aber besten Albums von Bruce Springsteen. Seinen tieferen Sinn jedoch bekommt dieses bewusst triste Meisterwerk dadurch, dass es vom Kampf des „Bosses“ gegen seine Depressionen erzählt. Weiterer Starruhm für Jeremy Allen White dürfte gesetzt sein, der Oscar hoffentlich auch. „At least for a little while, sir, me and her we had us some fun.“

1. Superman: Ein letztes Mal bediene ich mich bei mir selbst. In meinem Beitrag zum Auftakt des neuen DC-Universums, mit dem James Gunn endlich dem strauchelnden Konkurrenten Marvel etwas entegensetzen soll, gebe ich zu Protokoll: „Manchmal möchte man nur nach oben schauen und wieder hoffen dürfen, dass dies nicht das Ende ist.“ Und: „Das hier ist nichts weniger als der beste Superman-Film, den es bisher zu sehen gab. Weil er sicher nicht alles richtig macht, aber sehr viel. Weil er hervorragend unterhält. Weil er zeitgemäß ist.“ Auf dem Weg zum Parkplatz hatte ich das Bedürfnis, mir meinen Hoodie um den Hals zu wickeln und mit ausgestreckter Faust zu rennen. Mein Film des Jahres. Denn Hoffnung kann nie falsch sein.

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