Der Haifisch, der hat Zähne – auch im Kino und in der Glotze

Der Haifisch, der hat Zähne – auch im Kino und in der Glotze

Fast wäre der letzte Megalodon in der Hölle der vergessenen Drehbücher untergegangen. Aber nach einigem Hin und Her hinter den Kulissen läuft die Verfilmung des Romans von Steve Alten nun endlich im Kino. Erste Stimmen von Kritikern und Zuschauern zu “Meg” klingen allerdings eher verhalten. Vor allem die Entscheidung, aus einer blutigen Monster-Geschichte ein vergleichsweise harmloses Unterwasser-Abenteuer mit einer Freigabe ab zwölf Jahren zu machen, scheint dem Film eher geschadet als genutzt zu haben. Das sieht sogar Hauptdarsteller Jason Statham so.

Dabei sind Filme mit mörderischen Haien fast schon ein eigenes Genre – und gerade im Trash-Sektor überaus beliebt. Nach einem Abstieg in die düsteren Tiefen der privaten Filmsammlung kommt hier aus Anlass des “Meg”-Filmstarts die ultimative Retrospektive als Hommage an den vermeintlichen Killer der Meere.

2-Headed Shark Attack (2012): Was ist besser als ein Riesenhai? Richtig: ein Riesenhai mit zwei Köpfen. Und weil im C-Film immer gilt “viel hilft viel”, gibt es natürlich auch “3-Headed Shark Attack” (2015), “5-Headed Shark Attack” (2017) und “6-Headed Shark Attack” (2018). Weshalb “4-Headed Shark Attack” ausgelassen wurde, bleibt eines der ungelösten Rätsel der sieben Weltmeere.

“47 Meters Down” (2017): Im Gegensatz zu den meisten neueren Hai-Filmen bemüht sich diese Unterwasser-Variante von “Frozen” (2010 – nein, nicht der Disney-Zeichentrick) immerhin um ein originelles Setting. Die beiden Protagonistinnen sind nämlich in einem Hai-Käfig gefangen und haben keine Aussicht, nach oben zu gelangen. Nun dienen Hai-Käfige zwar dazu, die Fische, nach denen sie benannten wurden, fernzuhalten, aber im Horrorgenre geht natürlich schief, was schiefgehen kann…

“Atomic Shark” (2016): Atomar verseuchte Haie fressen alle, die sie treffen.

“Bait 3D – Haie im Supermarkt” (2012): Wer sich fragt, wie Haie ausgerechnet in einen Supermarkt kommen, versteht offenbar nicht die bewusste Anlehnung an ähnliche Ausgangssituationen in Zombie-Filmen. Ein Tsunami macht’s möglich (glücklicherweise kein “Sharknado”), und der Film ist durchaus für manchen Schockmoment gut. Bei Supermarktbesuchen ja eher unüblich.

“Creature” (1998): Im Original ist die verquere Geschichte um einen irren Wissenschaftler, der aus seinem Sohn eine Mischung aus Mensch und Hai macht, eine Miniserie. In unseren Breitengraden ist ein Zusammenschnitt als Film auf DVD erschienen. Effekte und Story verorten den Angriff der Kreatur als eindeutiges Produkt der 90er Jahre. Und das ist ausnahmsweise kein Lob.

“Deep Blue Sea” (1999): Die zu Unrecht viel gescholtene Geschichte um genetisch modifizierte Haie, die in einem Meereslabor aufräumen, ist tatsächlich ein straff inszenierter Actionfilm. Dahinter stecken schon Hirn und Herz – und man bekommt den kürzesten Auftritt von Samuel l. Jackson, den dieser jemals hingelegt hat, ehe Thomas Jane und LL “Cool” J. das Ruder übernehmen. Vermeidet aber die grottige Fortsetzung “Deep Blue Sea 2” (2018), die bis auf den Titel nichts mit dem Original zu tun hat.

“Dinoshark” (2010): Ein prähistorischer Hai frisst alle, die er trifft.

“Empire Of The Sharks” (2017): In naher Zukunft ist die Erde komplett mit Wasser bedeckt. Das freut die Haie, die alle fressen, die sie treffen.

“Ghost Shark” (2013): Der Geist eines Hais frisst alle, die er trifft.

“Hai-Alarm am Müggelsee” (2013): Absurd, grotesk, saulustig und mit der Musik von Sven Regener.

“Hai-Alarm auf Mallorca” (2004): Ralf Moeller porträtiert in diesem Sozialdrama fein nuanciert den Hubschrauberpiloten Sven Hansen, der auf der Ferieninsel Mallorca hart arbeitet, um seine Tochter Maja (Ooana Devi Liebich) zu versorgen. Als er der Meeresbiologin Julia Bennet (Julia Stinshoff) begegnet, erkennt er, dass es im Leben mehr gibt als Krafttraining und Zigarren. Zum Beispiel den Kampf gegen einen riesigen Hai, der Touristenführer und Touristen frisst. Aber was hat die sinistre Wissenschaftlerin Dr. Verena Brandauer (Katy Karrenbauer) damit zu tun? Und wer hält Jeanette Biedermann (Jeanette Biedermann) vom Singen ab, während Hansen den Hai jagt?

“Hai Attack” (2011): Ein Hai ignoriert den dämlichen deutschen Titel und frisst in einem Sumpf alle, die er trifft.

“Ice Sharks” (2016): Haie fressen im Eis alle, die sie treffen.

“Jurassic Shark” (2012): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Es gibt zwei Fortsetzungen, die konsequenterweise “Jurassic Shark 2” (1998 als “Great White” veröffentlich, 2013 unter neuem Titel vermarktet) und “Jurassic Shark 3” (2002 als “Megalodon” veröffentlicht, 2013 unter neuem Titel vermarktet) heißen und keine Fortsetzungen sind.

“Mega Shark versus Giant Octopus” (2009): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Kraken.

“Mega Shark gegen Crocosaurus” (2010): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Saurier.

“Mega Shark versus Mechatronic Shark” (2014): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen künstlichen Hai.

“Mega Shark versus Kolossus” (2015): Ein Megalodon frisst alle, die er trifft. Dann kämpft er gegen einen riesigen Roboter.

“Monster Shark” (1984): Eines der unerträglichen “Jaws”-Plagiate der 80er Jahre. Hat sich seinen Eintrag in diese Liste jedoch erobert, weil immerhin relativ früh eine obskure Monstermischung den Antagonisten gibt: Krake plus Hai (fehlgeschlagenes Militärexperiment, klar).

“Open Water” (2003): Man kann über diesen Film geteilter Meinung sein. Einerseits ist schon was dran, wenn Kritiker unken, letztlich sehe man anderthalb Stunden zwei Menschen beim Sterben zu. Andererseits sind es ja oft gerade minimalistisch angelegte Filme, die wegen ihrer reduzierten Geschichte eine besondere Spannung erzeugen: verbissener Cop im Hochhaus, verfolgtes Opfer in der leeren Wohnung, verzweifeltes Paar im Sessellift… Aus sowas lässt sich einiges rausholen. Hier werden zwei Taucher allein und verloren auf dem Meer zurückgelassen. Allein. Verloren. Ohne Boot. Auf dem großen, dunklen Ozean. Und irgendwann kommen die Haie. Es gibt eine angebliche Fortsetzung namens “Open Water 2” (2006), die das um den Umstand ergänzt, dass die Protagonisten nicht auf ihr Boot zurückkehren können. Beide Filme sind beklemmend, aber sehenswert.

“Planet Of The Sharks” (2016): In naher Zukunft ist die Erde komplett mit Wasser bedeckt. Das freut die Haie, die alle fressen, die sie treffen.

“Sand Sharks” (2011): Haie fressen im Sand alle, die sie treffen.

“The Shallows” (2016): Nancy Adams (Blake Lively) sieht aus wie ein Unterwäsche-Model und benimmt sich wie ein Smartphone-süchtiger Teenager, ist aber laut Drehbuch eine Medizinstudentin. Auf der Suche nach Ablenkung angesichts eines Trauerfalls in der Familie gerät sie in eine abgelegene Bucht in Mexiko. Als ihr ein hungriger Hai Gesellschaft leistet, stellt sie fest, dass sie außer Bikini, Surfbrett und Telefon vielleicht noch eine Harpune ins Handgepäck hätte schmuggeln sollen. Andererseits wäre dieser Film dann nicht so spannend, wie er tatsächlich ist. Das einstige “Gossip Girl” schlägt sich wacker, und der relative Realismus macht dieses schaurige Kammerspiel zu einem echten Hai-light.

“Shark In Venice” (2008): Venedig sehen und sterben – die Opfer der offenbar fehlgeleiteten Titelfigur nehmen dieses Motto allzu wörtlich. Einmal mehr ist es der ungewöhnliche Schauplatz, der diesen Tierhorror aus der Masse vergleichbarer Filme hervorhebt. Wann dreht jemand “Haie in Amsterdam”?

“Sharknado” (2013): Ein Tornado voller Haie sorgt für Chaos.

“Sharknado 2 – The Second One” (2014): Ein Tornado voller Haie sorgt für noch mehr Chaos.

“Sharknado 3 – Oh Hell No!” (2015): Ein Tornado voller Haie sorgt für viel mehr Chaos.

“Sharknado – The 4th Awakens” (2016): Mehrere Tornados voller Haie sorgen für Chaos.

“Sharknado 5 – Global Swarming” (2017): Mehrere Tornados voller Haie verursachen den Weltuntergang.

“Sharknado 6 – The Last One” (2018): Noch viel mehr Tornados voller Haie verursachen nochmal den Weltuntergang, und es gibt Zeitreisen.

“Shark Night” (2011): Junge, attraktive Haie treffen auf blutrünstige, garstige Menschen – ach nee, das ist ja die Realität. Hier ist es natürlich wie immer umgekehrt. Die Bandbreite der Hai-Sorten ist so beeindruckend wie jene der originellen Todesarten. Klarer Fall für einen hai-meligen Filmabend.

“Sharktopus” (2010): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft.

“Sharktopus vs. Pteracuda” (2014): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft. Dann kämpft sie gegen eine Mischung aus Saurier und Barracuda.

“Sharktopus vs. Whalewolf” (2015): Eine Mischung aus Hai und Krake frisst alle, die sie trifft. Dann kämpft sie gegen eine Mischung aus Wal und Wolf. (Heilige Scheiße…)

“Snow Sharks” (2012): Haie fressen im Schnee alle, die sie treffen.

“Supershark” (2011): Ein unbesiegbarer Megalodon frisst alle, die er trifft.

“Tintorera – Meeresungeheuer greifen an” (1977): Zwölf Jahre alt war der Autor, als er mit schreckgeweiteten Augen vor dem Plakat dieser englisch-mexikanischen Co-Produktion stand. Diese wurde nämlich mit reichlich Abstand zu ihrer Kinopremiere auf Video veröffentlicht und mit einem absurd-blutigen neuen Titelbild versehen. Der Film selbst ist vergleichsweise harmlos (das erfuhr der Verfasser erst sehr viel später) und setzt erstaunlicherweise relativ häufig auf dokumentarische Aufnahmen der angeblichen “Ungeheuer”.

Der weiße Hai (1975): Mit diesem Klassiker fing alles an. Steven Spielberg (damals wie George Lucas noch Teil der jungen Generation innovativer Hollywood-Regisseure) inszeniert den Zweikampf zwischen Polizeichef Martin Brody (Roy Scheider) und dem großen Weißen als Hommage an die Monsterfilme seiner Kindheit, verwendet aber für damalige Verhältnisse beeindruckende Spezialeffekte und erzeugt eine kaum gekannte Spannung. Die Musik kennt jeder, den bei den Dreharbeiten “Bruce” genannten Hauptdarsteller inzwischen auch. In der Folge waren die Strände leer gefegt, die Videotheken jedoch überfüllt – mit billigen Kopien dieses Meisterwerks. Dazu zählen leider auch die drei Nachfolger – wenngleich “Jaws 3-D” (1983) immerhin auf Dreidimensionalität setzt.

“Zombie Shark” (2015): Ein untoter Hai frisst alle, die er trifft, und macht sie zu Zombies.

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