Das fliegende Klassenzimmer: „Star Trek: Starfleet Academy“ ist eine Kinderüberraschung

Das fliegende Klassenzimmer: „Star Trek: Starfleet Academy“ ist eine Kinderüberraschung

„Kids von heute“ lautet der deutsche Titel der ersten Episode der neunten Star-Trek-Realfilm-Serie „Starfleet Academy“. Kommt sicher nicht oft vor, dass direkt zum Auftakt derart offensiv die Zielgruppe definiert wird. Aber der Reihe nach…

Im 32. Jahrhundert werden Caleb Mir und seine Mutter Anisha (Tatiana Maslany) mit dem Piraten Nus Braka (Paul Giamatti), der ihnen zur Flucht verholfen hat, auf einer Industriekolonie festgehalten. Ihnen wird der Mord an einem Sternenflottenoffizier nach einem Lebensmitteldiebstahl vorgeworfen. Braka wird zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, Anisha in die Reha eingewiesen und von Caleb getrennt. Richterin Nahla Ake (Holly Hunter) verspricht, sich um Caleb zu kümmern, doch auf Anraten seiner Mutter flieht er. 15 später tritt Nahla aus Scham über den Prozess aus der Sternenflotte aus, erhält aber die Chance, Kommandantin der wiedereröffneten Sternenflottenakademie zu werden. Durch Zufall trifft sie auf Caleb (Sandro Rosta), der zum Kriminellen geworden ist und noch immer nach seiner Mutter sucht. Sie bietet ihm an, als Kadett an die Akademie zu kommen, und verspricht ihm im Gegenzug, ihm bei der Suche zu helfen.

So viel zur offiziellen Inhaltsangabe. Nach allem, was im Vorfeld zu erfahren war und seitens der Produzenten verbreitet wurde, waren meine Erwartungen vergleichsweise niedrig. „Star Trek: Discovery“ spielte am Ende in derselben Ära (und war der Tiefpunkt des Franchises, bis selbst treue Fans mit „Section 31“ geohrfeigt wurden). Erste Trailer sahen arg nach Teenie-Drama aus. Dass Robert Picardo als Holo-Doc an Bord sein würde, wurde zu früh verraten. Ob das alles so gut wird wie „Strange New Worlds“?

Klare Antwort: nein, natürlich nicht. Es gibt jedoch ein kleines Aber, das dafür sorgen wird, dass sich die Zuschauer in drei Gruppen spalten werden. Achtung, geht los: Die ersten beiden Folgen sind sehenswert und sehr unterhaltsam. Wir haben also einen durchaus knackigen Auftakt zu einer Serie, die im Grunde unter diesen Voraussetzungen nur mittelmäßig werden kann.

Die erste Gruppe besteht aus jenen Alt-Fans, die ohnehin alles ablehnen, was nach TOS oder allenfalls TNG erschienen ist, und gleichzeitig reflexartig von „Wokeness“ faseln, wenn Star Trek genau das tut, was sich Gene Roddenberry gewünscht hat. Ja, auch dieses Ensemble ist so divers, wie der Zeitgeist es zulässt. Hättet ihr seinerzeit auch gemosert, als Kirk und Uhura sich geküsst haben? Hallo? Ach ja, ihr habt schon abgeschaltet.

Die zweite Gruppe setzt sich aus durchaus toleranten und interessierten Zusehern zusammen. Deren Problem: Sie haben sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges angeschaut und erkennen Klischees und Logiklöcher schon aus der Ferne. Und seien wir ehrlich: Von beidem gibt es reichlich an der Akademie.

Die dritte Gruppe wird die Serie weitergucken, dabei hoffentlich viel Spaß haben und vielleicht sogar ihre eigenen Helden entdecken. Sie ist jung und unerfahren (was nicht arrogant klingen soll), ähnlich wie die Protagonisten. Und wenn wir alten Säcke schon lange Sternenstaub sind, trägt sie den Gedanken von Star Trek dorthin, wo wir nie gewesen sind, nämlich in die Zukunft. Gute Reise.

Holly Hunter ist super, Picardo und Giamatti sind souverän. Die Spezialeffekte sind toll, die Story altbekannt. Viele Figuren haben gute Ansätze, aber ich kann die kommenden Drehbücher quasi ohne große Anstrengung voraussagen. Und leider, leider sind manche Charaktere einfach albern und nicht genug ausgearbeitet. Da müsste mal jemand ran.

Dieses fliegende Klassenzimmer ist eine Kinderüberraschung. Auch Erwachsene dürfen zuschlagen, aber auf Dauer sind Süßkram und Plastikspielzeug doch eher was für die Jüngsten unter uns.

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