Die “Discovery” ist endlich auf Kurs

Die “Discovery” ist endlich auf Kurs

Die Reise der “Discovery” war bislang durchaus turbulent. Verrat und Krieg, brutale Tode und unglückliche Liebe, Doppelagenten und das Spiegeluniversum – und mittendrin eben nicht der Captain, sondern eine “Spezialistin” mit bewegter Vergangenheit. Doch es war nicht diese Odyssee, die sauer aufstieß – schon klar, dass eine neue Star-Trek-Serie eben nicht aussieht und aufgebaut ist wie die alten. Was jedoch für Unmut sorgte: handwerkliche Schwächen in Drehbuch und Inszenierung, das Fehlen einer klaren Linie und tausend unbeantwortete Fragen. (Ich hatte nach anfänglicher Euphorie ja hier ein paar davon zusammengefasst – einige wurden geklärt, andere nicht.)

Nun hat aber so ziemlich jeder eine zweite Chance verdient. Und nach der ersten Episode von Staffel zwo lässt sich eines mit Sicherheit festhalten: Die Produzenten von “Star Trek: Discovery” haben sich die Kritik aus den Reihen der Fans zu Herzen genommen. Tatsächlich haken sie sogar sämtliche Kritikpunkte in dieser einen Folge ab, was eventuell ein wenig überhastet wirkt. Und dies dank eines einfachen Kniffs doch nicht ist. (Ab jetzt kommen ein paar Spoiler zur ersten Folge!)

Die Lösung aller Probleme, die sich in Season 1 angehäuft haben, hat einen Namen: Christopher Pike. Anson Mount gibt den legendären ersten Captain der “Enterprise”, der nach dem Ausscheiden von Spiegel-Schurke Lorca das Kommando über die “Discovery” übernimmt, in deutlicher Anlehnung daran, wie Jeffrey Hunter den Charakter Mitte der 60er angelegt hat. Das bedeutet: Er erinnert letztlich an den kumpelhaften Weltraum-Draufgänger James T. Kirk – die “neue” (eigentlich ja alte) Uniform unterstreicht das noch. Dank Pikes Auftauchen wechselt “Discovery” (die Serie) die Perspektive auf “Discovery” (das Schiff) – etwas, das durch Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) als Hauptfigur ja eigentlich vermieden werden sollte. Der neue Kommandant übernimmt den Platz von Interimskapitän Saru (Doug Jones) und stellt endlich, endlich jene Frage, die hoffentlich nicht nur mich seit langem bewegt: Wie heißt ihr alle überhaupt?! Die Nebenfiguren bekommen Namen und dürfen sich in der Folge sogar unterschiedlich verhalten, sodass sie zu tatsächlichen Charakteren werden.

Damit nicht genug: Pike erklärt, was die neue Mission der Crew ist, er erläutert seine Vergangenheit und grenzt sich sauber ab von seinem verräterischen (streng genommen ermordeten) Amtsvorgänger. Er sortiert die Zuständigkeiten, gibt klare Anweisungen und schafft dadurch jene Atmosphäre, die man von Star-Trek-Raumschiffen kennt. Ab jetzt können aus Kollegen Freunde werden, nun kann man mit den Protagonisten mitfiebern, ohne befürchten zu müssen, dass sie der Hauptfigur ans Leder wollen oder ein falsches Spiel spielen. Am deutlichsten wird die neue scharfe Charakterzeichnung in einem Dialog zwischen Sylvia Tilly (Mary Wiseman) und Paul Stamets (Anthony Rapp): Während sie noch stärker als comedy relief und gute Seele an Bord etabliert wird, darf er menschliche Regungen zeigen und um seinen getöteten Mann trauern.

Die Mission selbst ist ein klassisches Außenabenteuer, bei dem übrigens eben nicht das Redshirt ums Leben kommt, und stellt einen spannenden neuen Charakter vor, der hoffentlich zum dauerhaften Mitglied der Mannschaft wird: die resolute Ingenieuerin Jet Reno, perfekt besetzt mit Tig Notaro. Ein möglicher Ersatz für den toten Doc, nachdem ja gezeigt wird, dass sie sich selbst medizinische Grundkenntnisse beigebracht hat?

Keine Sorge: Das alles klingt nach Holzhammer, nach Generalüberholung – aber tatsächlich ist der Einsatz von Pike ein vielleicht nicht sehr subtiler, aber geschickt eingesetzter Schachzug, um sinnvoll in einem Rutsch alles zu ersetzen oder zumindest zu erklären, woran wir bislang zu knabbern hatten. Zudem wird das Konzept der Serie (so man von einem solchen sprechen kann) nicht komplett ausgehebelt. Die Optik mag sich dem gewohnten Star-Trek-Look angepasst haben, die Atmosphäre erinnert jedoch nach wie vor allenfalls an die letzten Folgen von “Deep Space Nine”. Bisweilen wird es düster, mitunter mysteriös – und ein Teil des Geheimnisses ist eine Figur, deren “Rückkehr” (eigentlich ersten Auftritt) niemand so recht herbeigesehnt hatte: Spock (Ethan Peck) ist im Staffelauftakt nicht mal zu sehen. Es bleibt also spannend an Bord der “Discovery”.

Und dennoch spricht Pike sogar aus, was allen Nörglern (wie mir) Hoffnung geben mag: Wir sollten den Spaß nicht vergessen, den diese Reise durchs All verspricht. Dies ist ein Abenteuer. Dies ist Star Trek. Wurde auch Zeit.

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