Ein Königreich für ein Ungeheuer: “Godzilla II – King Of The Monsters”

Ein Königreich für ein Ungeheuer: “Godzilla II – King Of The Monsters”

Fünf Jahre nach dem monströsen Kampf von Riesenechse Godzilla gegen zwei weniger wohlmeinende Vertreter ihrer Spezies leben die Menschen in dem Glauben, die “Titanen” genannten Geschöpfe seien zumindest vorläufig vom Antlitz der Erde verschwunden. Doch die mysteriöse Organisation “Monarch”, die es bereits in den 70er Jahren mit einem hünenhaften Ungeheuer zu tun hatte (nämlich mit Riesenaffe Kong in “Kong: Skull Island”), beobachtet die Viecher und plant trotz teils militärischer Ausrüstung eine friedliche Koexistenz mit ihnen, da sie die eigentlichen Herrscher des Planeten seien. Neben Godzilla, der sich in den Tiefen des Ozeans versteckt, beschäftigt vor allem eine gigantische Raupe die Kryptozoologen. Als diese aus ihrer Larvenphase erwacht, gelingt es Wissenschaftlerin Dr. Emma Russell (kennt sich mit Geheimnissen aus: Vera Farmiga aus “The Departed”), die Kreatur mittels eines selbst entwickelten Geräts zu beruhigen. Chaos bricht allerdings aus, als Öko-Terrorist Alan Jonah (hat schon gegen Drachen gekämpft: Charles Dance aus “Game Of Thrones”) auf der Bildfläche erscheint. Mit brutaler Gewalt entführt er den Apparat, aber auch Emma und ihre Tochter Madison (hat Monster meist schnell im Griff: Millie Bobby Brown aus “Stranger Things”).

“Monarch” setzt daher auf die Hilfe von Madisons Vater Dr. Mark Russell (ist bereits vor einem riesigen Gorilla geflohen: Kyle Chandler aus Peter Jacksons “King Kong”). Der hat zwar mit seinem alten Job bei der Geheimorganisation so wenig am Tropenhelm wie mit seiner Ex-Frau, will aber sein Töchterchen retten und zudem den Tod seines Sohnes rächen, der bei Godzillas erstem Auftritt ums Leben gekommen ist. Unterstützt von Kollegen wie Dr. Vivienne Graham (hat mal mit einem kryptozoologischen Fund gefummelt: Sally Hawkins aus “Shape Of Water”), Dr. Ilene Chen (kennt sich mit großen Ungetümen aus: Zhang Ziyi aus “The Cloverfield Paradox”), Dr. Rick Stanton (weiß über sagenhafte Wesen Bescheid: Bradley Whitford aus “The Cabin In The Woods”) und Dr. Ishirō Serizawa (hatte mit dunklen Mächten zu tun: Ken Watanabe aus “Batman Begins”). Wer bis hierhin gut aufgepasst und sich brav sämtliche Namen, universitären Titel und Zuständigkeiten gemerkt hat, kann das alles wieder vergessen.

Denn das Gerangel um die Macht über die vermeintlich komatösen Titanen weckt den mächtigsten von ihnen auf: Ghidorah ist ein dreiköpfiger geflügelter Drache von gigantischen Ausmaßen und erhält daher den Ehrentitel “König der Monster”. Das hingegen lässt jenes Ungeheuer, das den Rang bis dato innehatte, nicht auf sich sitzen: Godzilla taucht buchstäblich wieder auf. Und spätestens, als sich noch weitere Riesenkreaturen einmischen, steht kein Stein mehr auf dem anderen. Den Menschen bleibt da allenfalls, das Geschehen zu kommentieren oder schreiend davonzulaufen.

Okay, so ganz stimmt das nicht: Tatsächlich verfügt die Fortsetzung des “Godzilla”-Reboots von 2014 sogar über ein Minimum an Handlung, die das Getümmel zusammen- und das Konzept der Reihe hochhält, die nach dem erwähnten “Kong: Skull Island” in die dritte Runde geht. Die Idee, die beliebten Kajun-Filme des Toho-Studios zu modernisieren und “realistischer” zu gestalten, ist ja auch durchaus pfiffig. Und funktioniert – einem Hollywood-Budget und entsprechenden Spezialeffekten sei Dank – zudem ganz hervorragend. Dabei verliert sich zumindest “Godzilla II – King Of The Monsters” nicht in unnötigen Nebensträngen oder ausformuliertem philosophischen Unterbau. Oder anders: Der sozialkritische Aspekt des allerersten Godzilla-Films (1954) wurde komplett atomisiert.

Dafür macht der Film vieles richtig: Die Action ist jederzeit gut sichtbar (damit hatte der erste Teil ja mitunter ein Problem). Es gibt ungezählte Anspielungen für altgediente Anhänger des schuppigen Giganten und seiner Kumpane. (Ein Soldat heißt “Harryhausen”. Gnihi.) Und da einige Charaktere aus dem Auftakt-Abenteuer dabei sind, ist auch die Kontinuität gewahrt. Eine gewichtige Rolle im Kampf um den Planeten spielen sie allerdings nicht.

Das macht aber nix. Es bringt einfach einen Heidenspaß, den gewaltigen Ungeheuern dabei zuzuschauen, wie sie sich durch Ozeane, Felslandschaften und Großstädte kloppen. Zumal Fans längst wissen, dass auch diese Schlacht nur ein Zwischenstopp ist auf dem Weg zum Duell der Titanen: Bereits im März kommenden Jahres treffen nämlich Godzilla und Kong aufeinander. Und dann wird endgültig geklärt, ob der geschuppte Hüne aus Fernost seinen Adelstitel behalten darf oder der überdimensionierte Primat aus der Südsee sich über die Vorsilbe “King” freuen kann.

Die Wartezeit versüßt dieser Streifen allen Monsterfans auf jeden Fall bestens. Und wer nach einem Soundtrack für die Fahrt vom Kino nach Hause sucht, darf sich über unsere kleine Playlist freuen:

Die Kommentare sind geschloßen.